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Da
wächst was
Tu Bischwat
– warum wir am Neujahrsfest der Bäume Obst essen und
Setzlinge pflanzen
von Rabbiner
Joel Berger
Tu Bischwat,
eine jüngere Schöpfung der jüdischen
Festkultur, begehen wir am Dienstag, 22. Januar 2008. Am Anfang des
Talmudtraktats „Rosch Haschana" lernen wir aus der Mischna,
dass der fünfzehnte Tag des Monats Schwat,
gemäß der Lehrmeinung des Hauses Hillel, der
„Neujahrstag der Bäume" ist. Die jüdische
Lebensführung gestaltet sich nach dem. Luach, dem
jüdischen Kalender, und harmonisiert mit der Natur des
Heiligen Landes. Dies gilt auch außerhalb Israels,
für die Diaspora und überall wo Juden leben.
Aus der
Formulierung des Mischna-Textes wird ersichtlich, dass es den Gelehrten
nicht darum ging, diesen Tag als Fest zu deklarieren. Auch nicht zum
Tag des Bäumepflanzens. Die nüchternen und
bodenständigen Rabbiner sammelten Erkenntnisse über
die Regenzeiten des Landes und die Lebenserwartungen der
Bäume. Sie schöpften aus den Erfahrungen der
Landwirte, und so stand für sie fest, dass bis zum Ersten,
oder gemäß Bet Hillel, bis zum Fünfzehnten
des Monats Schwat, der meiste Regen des Jahres fällt. Danach
aber fängt eine Zeitspanne an, in der die Baumfrüchte
ihre Form anzunehmen beginnen. Auch daher wird dieses Datum in
Zusammenhang mit den durch die Toragebote verpflichtenden
Zehntelabgaben für die Baumfrüchte interpretiert. Der
Jerusalemer Talmud formuliert dies etwas spiritueller: Die
Bäume ziehen (ihre Nahrung) bis zum 15. Schwat aus dem Wasser
des vergangenen Jahres; nach diesem Datum dagegen ernähren sie
sich aus dem des neuen Jahres (Rosch Haschana, 1. Kapitel, Halacha 2).
Auch das war der Grund, warum der 15. Schwat zum „Neujahr der
Bäume" erklärt wurde.
Die Bezeichnung
„Neujahr der Bäume" erfolgte nur in Zusammenhang mit
der Zehntelabgabe an die Kohanim zur Zeit des Tempels in Jerusalem. An
diesem Tag herrscht kein Arbeitsverbot, wie auch keine halachischen
Vorschriften für das Begehen dieses Tages, wie es am Rosch
Haschana der Fall ist. Aber die schöpferische Kraft der
jüdischen Volkskultur hob diesen Tag durch einige
Veränderungen vom Alltag ab. In der synagogalen Liturgie des
Mincha-Gebetes am Vorabend, wie auch im Morgengebet des Tu Bischwat,
wird das Tachanun (Buß- und Bittgebet) nicht gesprochen. Man
hält keinen (ausgedehnten) Hesped (Grabesrede)
während der Trauerzeremonie. Sollte dieser Tag auf einen
Schabbat fallen, so entfällt auch die „Aw
Harachamim"-Litanei (zum Andenken an die Märtyrer der
jüdischen Gemeinden während der Kreuzzüge in
Deutschland).
Man pflegt an
diesem Tag viele - wenn möglich 15 - Sorten von
Früchten zu verspeisen - mit
den jeweiligen Segenssprüchen, versteht sich. Jedoch, die
„Hierarchie" unter den Früchten bewahrt man streng.
Zuallererst werden jene sieben „gesegneten Früchte"
genossen, mit denen die Tora das Heilige Land preist: „Ein
Land des Weizens und der Gerste und des Weinstocks und des Feigenbaums
und der Granatäpfel; ein Land des Olivenöls und des
Honigs" (5. Buch Moses 8,8). Unter Honig verstehen wir laut der Exegese
Dattelhonig (wie Honig fließt der Saft der Dattel des
Heiligen Landes). Es ist üblich, den Segensspruch
„Schechechejanu" vor dem Verzehren der einzelnen
Früchte zu sprechen, als unser Dank dafür, dass wir
es in unserer Zeit erleben dürfen, aus der Ernte des Heiligen
Landes zu genießen. Somit erwuchs aus der einstigen
Verpflichtung der Zehntelabgabe ab dem 15. Schwat ein freudiges Fest.
Vielerorts in
unseren Gemeinden veranstaltet man am Abend des 15. Schwat, an eine
ältere Tradition angelehnt, den „Seder Tubischwat".
Ähnlich dem Ablauf des Sederabends am Pessach, wurde hier ein
kleines Heft angelegt. Darin finden sich verschiedene traditionelle
Erläuterungen, Psalmgesänge und eine Anleitung zum
stimmungsvollen Begehen des Abends mit den symbolträchtigen
Früchten des Tages als Hauptspeise. Sogar die Sitte des
Genießens von vier Gläschen Wein wird gerne
eingefügt. Man pflegt die Zeremonie mit entsprechenden, Land
und Früchte lobenden hebräischen Volksliedern
abzuschließen.
Wenn wir
inmitten unserer widrigen Witterungsverhältnissen an
Blüten und Pflanzen des Frühlings denken, an Freunde
und Verwandte in Israel, die mit dem Boden des Landes
verknüpfte Mitzwot erfüllen dürfen, so tun
wir auch kund, dass wir jene dreifache Verbindung: Volk, Land, und die
Tora G-ttes verinnerlichen wollen.
Jüdische
Allgemeine vom 17. Januar 2008
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zuletzt
geändert am 27.05.2008
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