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Feiertage

 

 

Der Kreisel auf der Flucht

Mutter hatte David einen Sewiwon gekauft. Es war kein gewöhnlicher, sondern er glänzte wie Silber, und auf einer seiner vier Seiten waren die Buchstaben: „Nun", „Gimmel", „Hej" und „Schin" in leuchtendem Rot aufgemalt. David war ganz begeistert von dem Kreisel und liebte ihn heiß und innig. Es war an einem Chanukka-Abend, als David seinen Sewiwon aus der Verpackung herausnahm, um mit ihm zu spielen. Doch der Kreisel wollte und wollte sich nicht drehen. Plötzlich richtete er sich auf dem Tisch auf und fing an zu sprechen: „David, willst du mit mir spielen?" David war so erstaunt, dass er als Antwort nur nicken konnte. Der Sewiwon bat ihn: „Dann erzähl mir bitte, was du über Chanukka weißt! Weißt du überhaupt, was Chanukka ist?" „Na klar", antwortete David, „Chanukka ist ein Fest, an dem man mit dem Sewiwon spielt und Sufganiot isst. Und man bekommt viele Geschenke!" „Aber warum?", fragte der Sewiwon, „warum all das zu Chanukka?" David dachte lange nach und versuchte, sich an einen Grund füg das Chanukka-Fest zu erinnern - doch ihm fiel keiner ein. „David, erinnerst du dich denn nicht an Mattijahu oder seine Söhne?", fragte der Sewiwon. „Wer waren die Makkabäer, und was haben sie vollbracht?"

David strengte sich sehr an, doch er kam auf keine Antwort. Er wusste es einfach nicht. Da sagte der Sewiwon zu ihm: „Wenn du es nicht weißt, werde ich nicht mit dir spielen." Und noch bevor David zweimal blinzeln konnte, fing der Kreisel an, sich zu drehen und zu drehen, gelangte an den Tischrand, sprang auf den Boden und floh hinaus durch die offene Tür. David rannte seinem Kreisel hinterher und schrie ihm nach: „Halt, bleib stehen, komm zurück, Sewiwon!", doch nichts dergleichen geschah.

Davids Eltern und die Verwandten hörten das Geschrei und kamen herzu, um dem Jungen bei der Verfolgung zu helfen. Sie mussten sehr schnell laufen, um den fliehenden Kreisel einzuholen. Und tatsächlich gelang es ihnen nach einiger Zeit, den Sewiwon nach Hause zu bringen. Davids Vater aber wollte unbedingt erfahren, was sich ereignet hatte und warum der Sewiwon geflohen war. Er hörte aufmerksam seinem Jungen zu und entschied anschließend: „Der Sewiwon hat recht. Ein jüdisches Kind sollte zuerst die Geschichte Chanukkas kennenlernen, und dann erst steht es ihm zu, mit dem Sewiwon zu spielen, Sufganiot zu essen und die Geschenke in Empfang zu nehmen." Und so erzählte er ihm die Chanukka-Geschichte.

Jüdische Allgemeine, 29. November 2007

 

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zuletzt geändert am 27.12.2007