Kurzmeldungen
aus dem Leben in Israel werden hier wiedergegeben

Zuletzt ergänzt am 30.11.2010

GEDIENT

Tel Aviv hat viele Vorzüge. Herausragender Kampfgeist gehört nicht dazu. Wie aus Zah­len der israelischen Armee hervorgeht, werden nur 71 Prozent der wehrpflichtigen Tel Aviver Männer tatsächlich einberufen. Damit belegt Tel Aviv Rang 53 unter den 67 untersuchten Städten. Dabei kann Israels Glitzermetropole nicht einmal auf einen hohen Anteil ultraorthodoxer Einwohner verweisen, die als Torastudenten vom Wehrdienst befreit sind - wie etwa in Bnei Brak, in dem nur einer von neun 18-Jährigen in die olivgrüne Uniform schlüpft oder das zunehmend strengreligiöse Jerusalem mit einer Einberufungsquote von 42 Prozent. Rang eins belegt die sozial und ökonomisch starke Dreistädtegemeinde Modiin-Makkabim-Re'ut mit 90 Prozent. Die interessanteste Zahl kommt aber aus der Beduinenstadt Rahat im Negew. Obwohl Beduinen als arabische Moslems nicht wehrpflichtig sind, melden sich sechs von zehn jungen Männern in Rahat freiwillig zu den Fahnen. (25.11.2010)

GEFÜRCHTET

Auf Hebräisch heißen Ultraorthodoxe Charedim, also »Fürchtige« - im Sinne von gottesfürchtig. Im Angesicht irdischer Gefahren sind die Charedim allerdings recht gelassen. Eine jüngst veröffentlichte Studie zeigt, dass weltliche Juden in Israel fünfmal häufiger an Panikattacken leiden, als es bei ihren ultraorthodoxen Landsleuten der Fall ist. Elf Prozent der Säkularen, aber nur zwei Prozent der Charedim nehmen Medikamente gegen Angstzustände oder haben es in der Vergangenheit getan. Wie sich zeigt, stärkt tiefer Glaube die menschliche Psyche. Ein weiterer interessanter Befund: Laut der Studie leiden zwölf Prozent aller israelischen Kinder an Angstzuständen. Das ist nicht wenig, entspricht aber trotz der besonderen Stresssituation, in der die Israelis leben, der weltweiten Norm. (25.11.2010)

GEFRAGT

Einen zweifelsohne originellen Heiratsantrag hat der israelische Physikstudent und Nanotechnologie-Experte Elad Dekel seiner Freundin Chen Mendelowitz gemacht. Während eines Studienaufenthaltes in Dresden hat er ein gemeinsames Foto und die Frage »Chen, willst du mich heiraten?« auf eine Oberfläche von nur einem Tausendstel Quadratmillimeter geschrieben und der zu Besuch gekommenen Auserwählten seines Herzens unter dem Elektronenmikroskop gezeigt. Die ebenso glückliche wie verblüffte Braut stimmte sogleich zu; die Hochzeitsvorbereitungen laufen bereits. Jetzt will der Bräutigam auch eine Eintragung ins Guinness-Buch der Rekorde unter der Rubrik »kleinster Heiratsantrag der Welt« erwirken. (25.11.2010)

GEGESSEN

Zu Chanukka essen die Israelis Sufganiot, also die aus dem europäischen Exil in die biblische Heimat eingeführten Berliner, im Jiddischen »Pontschkes« genannt. Vor dem diesjährigen Lichterfest führt der israelisch-amerikanische Geschäftsmann Zohar Nor-man im jüdischen Staat Donuts, die ringförmigen, amerikanischen Cousins des Berliners ein. Dass die amerikanische Dunking-Donut-Kette vor einem Jahrzehnt bei dem Versuch, eine israelische Dependance aufzubauen, gescheitert ist, schreckt den Investor nicht ab. Seiner Meinung nach haben Donuts in Israel ein enormes Marktpotenzial, wenn man sie richtig zu verkaufen versteht. Wenn der Plan aufgeht, steht Israel eine kulinarische Chanukka-Revolution bevor. (25.11.2010)

GESCHENKT

Es geht nichts über zufriedene Kundschaft. Im Vorfeld des jüngsten moslemischen Opferfestes Id al-Adha ließ sich der - jüdische -Besitzer eines Geschäfts für Elektrohaushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik in Tiberias eine besondere Werbemaßnahme einfallen, jeder Kunde, der Einkäufe für 7.890 Schekel, umgerechnet rund 1.600 Euro, tätigte, bekam eine kostenfreie Beigabe: ein lebendes Schaf, das der Käufer mitnehmen und zu einem Festessen verarbeiten konnte. Moslemische Konsumenten, die in den Genuss des Festpräsents kamen, zeigten sich hocherfreut, das Veterinäraufsichtsamt weniger. Wegen unangemessener Tierhalteungsbedingungen musste das Geschäft die Schafe auf eine artgerechte Farm verlegen, doch ging die Aktion weiter: Statt ihr Geschenk gleich mitzunehmen, bekamen es die Käufer frei Haus geliefert. (25.11.2010)

GEHOLFEN

Als Israels Botschafter in Senegal, Gideon Bachar, kürzlich einen Savannenausflug unternahm, ging es nicht nur um Spaß an der Natur. Vielmehr durfte der Diplomat in einem Naturpark die Früchte israelischer Entwicklungshilfe bewundern. Vor zehn Jahren überließ Israel dem afrikanischen Staat zehn Oryxantilopen - Vertreter einer Spezies, die in Senegal auszusterben drohte. Seitdem haben sich die Langhornträger am Senegalfluss prächtig vermehrt und den Artbestand gesichert. Heute leben in mehreren senegalesischen Naturschutzgebieten insgesamt 110 Tiere, die noch der ursprünglichen Herde angehörten oder von dieser stammen. Mehr als das: Ein Teil der Oryxantilopen wurde ins benachbarte Mauretanien verlegt, wo die Tiere ebenfalls gut gedeihen. (25.11.2010)

GEFAHREN

Ein passionierter Autofahrer lässt sich vom Fahren durch nichts abschrecken. Das hat ein Bewohner Caesareas aufs Trefflichste bewiesen. Trotz seiner immerhin schon 90 Lenze lenkte der Mutige einen Geländewagen durch Israels bekanntlich nicht ganz ungefährlichen Straßenverkehr. Und zwar, wie eine Polizeistreife vor drei Monaten feststellte, ohne Führerschein. Die Ausrede des rüstigen Rentners, er habe seinen Führerschein vor einigen Jahrzehnten in Uruguay gemacht, stellte sich als frei erfunden heraus. Trotz der strengen Ermahnung durch die Ordnungshüter fuhr der Unverbesserliche weiter und wurde vor einem Monat und dann wieder vor einigen Tagen erwischt. In der Folge ordnete ein Verkehrsrichter die Beschlagnahme des Fahrzeugs an. Mal sehen, ob das hilft. (25.11.2010)

FLUGHAFEN

Wenn es darum geht, terroristische Bedrohungen an Bord von Flugzeugen von vornherein zu verhindern, sind israelische Sicherheitsexperten Weltspitze. Wenn es aber darum geht, Flugzeugen einen sicheren Start oder Landeanflug zu garantieren, ist der jüdische Staat der Dritten Welt näher als man denkt. Vor zwei Jahren hat die US-Luftfahrtbehörde dem Ben-Gurion-Airport wegen erheblicher Sicherheitsrisiken im Flughafenbetrieb die höchste Sicherheitsstufe aberkannt. Bisher hat es Israel nicht geschafft, die für eine Höherstufung geltenden internationalen Auflagen zu erfüllen. Jetzt hat die Internationale Flugtransportvereinigung IATA Israel Entwicklungshilfe angeboten und die anhaltenden Sicherheitsmängel für Israel als »peinlich« bezeichnet. (18.11.2010)

FAHNEN

Ein Großteil der Nationalfahnen, die im jüdischen Staat verwendet und vor allem vor dem Unabhängigkeitstag von Hunderttausenden von Privatbürgern gekauft werden, wird wegen des günstigeren Preises aus dem Ausland importiert. Das ist sowohl der israelischen Textilindustrie als auch solchen Bürgern ein Dorn im Auge, nach deren Meinung Israel-Fahnen aus fremden Gefilden auf mangelnden Nationalstolz hindeuten. Jetzt haben mehrere Knessetabgeordnete einen Gesetzentwurf vorgelegt, der staatliche oder mehrheitlich von Staat finanzierte Einrichtungen zum Erwerb von israelischen Fahnen made in Israel verpflichten soll. Die Initiatoren sind überzeugt, dass die Regelung nicht gegen bestehende Handelsabkommen verstößt. (18.11.2010)

FEIER

Barmizwa-Feiern an der Westmauer kommen unter Diasporajuden in Mode und sind heute um ein Vielfaches häufiger als noch vor einigen Jahren. Eine Barmizwa wie die von Hans de Leeuw aus den Niederlanden sieht man aber nicht alle Tage, hat doch de Leeuw seine religiöse Mündigkeit in der vergangenen Woche nicht mit 13, sondern in dem stolzen Alter von 91 Lenzen gefeiert. Die nicht ganz unerhebliche Verspätung von immerhin 78 Jahren erklärte er mit seiner säkularen Erziehung. Allerdings habe er stets gespürt, dass etwas in seinem Leben fehle, jetzt wurde das Versäumnis nachgeholt. (18.11.2010)

FAUSTREGEL

Das Anbringen der Mesusa an der Haustür ist im Tanach mit den Worten »uchtawtam al mesusot betecha veal schaarecha« (Du sollst sie an die Türpfosten deines Hauses und deine Tore schreiben) vorgeschrieben. Jetzt hat Israels aschkenasischer Oberrabbiner Jona Metzger, von religiösen Juden um Rat gebeten, eine Verfügung zum Anbringen der Mesusa an Bord einer Yacht erlassen. Danach gilt die Mesusa-Pflicht für Boote, deren Abmessungen größer als 2,5 mal 2,5 Meter sind und die für mehrtägige - Reisen - nicht nur Kurzausflüge - ausgestattet sind. (18.11.2010)

FLUGSCHEIN

Die Weltreise nach dem Armeedienst ist ein fester Bestandteil israelischer Kultur. Jahr für Jahr, so eine Schätzung, machen sich rund 40.000 junge Menschen, nachdem sie die Uniform ausgezogen haben, auf den Weg nach Fernost, Lateinamerika, Afrika oder Ozeanien. Da die meisten auf jeden Schekel achten müssen, wird an allen Ecken gespart. Deshalb nimmt jeder dritte Ex-Soldat die Dienste arabischer Luftfahrtgesellschaften in Anspruch, deren Flugscheine um bis zu einem Drittel billiger als bei israelischen oder europäischen Airlines zu haben sind. Am beliebtesten ist die jordanische Royal Jordanian, gefolgt von Qatar Airlines. (18.11.2010)

FINDLING

Ein Seniorenehepaar aus der nordisraelischen Stadt Migdal Ha-Emek hat von seinem Sohn einen Papagei als Geschenk erhalten. Vier Monate später war der Vogel verschwunden. Zum Glück fand sich ein ehrlicher Finder, der den Papagei bei der Polizei abgab, aber einen Beweis verlangte, dass es sich bei dem Findling in der Tat um den als verloren gemeldeten »Jacko« handelte. Daraufhin luden die Ordnungshüter Jackos vorherige Besitzer, in deren Haus er viereinhalb Jahre gelebt hatte, zur Gegenüberstellung ein. Und siehe da: Als diese den Raum betraten, geriet der Papagei außer sich vor Freude. Das ließ der anwesende Finder als ausreichenden Beweis gelten. Pech für Jacko: Er wurde nicht an seine ehemaligen, sondern an seine neuen, rechtmäßigen Eigentümer überstellt. (18.11.2010)

REGENERATION

Seit der Operation »Gegossenes Blei«, bei der die israelische Armee gegen die Hamas im Gasastreifen vorgegangen ist, genießt die jahrelang unablässigem Raketenbeschuss ausgesetzte Grenzstadt Sderot relative Ruhe. So wurde die Abwanderung kriegsmüder Bürger eingedämmt. Jetzt treibt die Regierung die Entwicklung der Stadt voran. 2012 soll die Stadt ans Eisenbahnnetz angeschlossen werden. Dieser Tage hat die Bahngesellschaft den Bau eines Bahnhofs ausgeschrieben. All das wertet den Standort Sderot im Wortsinne auf: In den letzten zwei Jahren sind die Wohnungspreise in der Stadt um bis zu 40 Prozent gestiegen. (11.11.10)

RAGE

»Der Jakubijan-Bau« des ägyptischen Schriftstellers Alaa al Aswani gehört zu den erfolgreichsten arabischsprachigen Romanen des letzten Jahrzehnts. Allerdings hat der Autor, der aus seiner Feindschaft zum Judenstaat keinen Hehl macht, die Zustimmung zu einer Übersetzung seines Werkes ins Hebräische verweigert. Jetzt hat sich das um israelisch­palästinensische Versöhnung bemühte Forschungs- und Informationszentrum Israel-Palästina über das Verbot hinweggesetzt und bietet das von einem Freiwilligen übersetzte Buch auf elektronischem Wege als einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung zwischen den Völkern unentgeltlich an. Aswani selbst hat die Aktion scharf verurteilt. Der Frieden hat es im Nahen Osten eben nicht leicht. (11.11.10)

RITZEN

Dem Zahn der Zeit ist kein Stein gewachsen, auch nicht die steinernen Fliesen der Fußgängerzone in der Jerusalemer Ben-Yehuda-Straße, die immer mehr und immer größere Risse aufweisen. Vor allem für Frauen, die Schuhe mit hohem Absatz tragen, wurde das zu einem Problem: Immer mehr modebewusste Fußbekleidungsträgerinnen sind in letzter Zeit in den Steinritzen steckengeblieben: ein Malheur, das bestenfalls zu gebrochenen Schuhabsätzen, schlimmstenfalls zu gebrochenen Knöcheln führen kann. Unter dem Druck der Bürgerinnen hat sich die Stadtverwaltung nun bereit erklärt, die Fliesen in der beliebten Fußgängerzone wieder instand zu setzen. (11.11.10)

RAUSCH

Nach der israelischen Straßenverkehrsordnung müssen Autofahrer in der ersten Zeit nach Erlangen der .Fahrerlaubnis von einem erfahrenen Führerscheinbesitzer begleitet werden. Dieser Anforderung glaubte ein frischgebackener 18-jähriger Fahrzeuglenker aus dem Landesnorden zu genügen, als er um zwei Uhr nachts auf dem Nachhauseweg war. Schließlich saß auf dem Beifahrersitz sein eigener Vater. Bei einer Routinekontrolle stellten Verkehrspolizisten indessen fest, dass der Herr Papa volltrunken war. Das aber darf der Begleiter nicht sein. So wurden beide ihren Führerschein los: Der Vater, weil er wegen Trunkenheit seiner Aufsichtspflicht nicht genügen konnte, der Sohn dagegen, weil er ohne den gesetzlich vorgeschriebenen und zwar nüchternen - Aufpasser am Steuer saß. (11.11.10)

RUHESTÄTTE

In Jerusalem soll die Totenruhe mit modernster Technologie verteidigt werden: Innerhalb einiger Monate soll der alte, auf dem Ölberg gelegene jüdische Friedhof mit Hilfe elektronischer Überwachungskameras vor Eindringlingen geschützt werden. Insbesondere hoffen israelische Stellen, die auf dem von arabischen Wohnvierteln umgebenen Friedhof weit verbreitete Zerstörung von zum Teil jahrhundertealten Grabsteinen unterbinden zu können. Gleichzeitig werden entweihte Grabstätten wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. (11.11.10)

REUE

Für Reue ist es nie zu spät. Am 14. März hatte ein Autofahrer auf der Küstenautobahn (Überlandstraße Nr. 2) einen neben ihm herfahrenden Linienbus der Verkehrsgenossenschaft Egged leicht geschrammt. Da es zu keinem nennenswerten Schaden kam, fuhr der Mann einfach weiter. Allerdings gab ihm sein Gewissen keine Ruhe. Jetzt schrieb er Egged nicht nur einen Entschuldigungsbrief, sondern legte auch einen Scheck über 850 Schekel (170 Euro) als Entschädigung für den vermuteten Lack- und Blechschaden bei. Bei Egged war man über so viel Redlichkeit ganz baff, doch ergab eine Überprüfung, dass der Busfahrer den Unfall wahrscheinlich nicht gemerkt, in jedem Fall aber nicht gemeldet hatte. In Ermangelung einer Schadensfeststellung schickte die Genossenschaft den Scheck dankend zurück. (11.11.10)

RETTER

Zwischen dem Roten Davidstern (MDA), der offiziellen und größten Nothilfeorganisation Israels und der ultraorthodox geprägten »Hatzala« (zu Deutsch: Rettung) ist ein Konflikt ausgebrochen. Beim MDA wirft man der kleineren Konkurrenz vor, unprofessionell zu arbeiten. So etwa habe Hatzala dem MDA den Großauftrag zur Sicherung eines Großereignisses durch Dumpingpreise abgejagt, sei aber nicht fähig gewesen, Erkrankte ohne MDA-Hilfe ins Krankenhaus zu bringen. Jetzt will der Rote Davidsstern seinen Freiwilligen die gleichzeitige Tätigkeit bei Hatzala untersagen und Zuwiderhandelnde suspendieren. Wie man sieht, haben auch gute Menschen Kämpfe auszustehen. (11.11.10)

BESUCHER

Hurra, die Touristen kommen. In diesem Jahr werden voraussichtlich 3,2 Millionen Besucher aus dem Ausland dem Judenstaat ihre Reverenz erweisen und damit einen neuen Rekord aufstellen. Allerdings ist die Freude nicht ungetrübt: Weil in den letzten Jahren nicht genug touristische Einrichtungen gebaut wurden, droht die Infrastruktur des Fremdenverkehrssektors zusammenzubrechen. Unter diesen Umständen, warnen Branchenexperten, könnte das von der Regierung für 2015 vorgegebene Ziel, fünf Millionen Touristen zu begrüßen, reine Wunschvorstellung bleiben. Da kann sich glücklich schätzen, wer Verwandtschaft im Lande hat: Sind alle Hotelzimmer belegt, kann man noch immer bei der Tante in Tel Aviv oder der Cousine in Eilat absteigen. (04.11.10)

BESCHÜTZER

Deutsche Wertarbeit überzeugt: in diesem Fäll den israelischen Personenschutz. Wie die Wirtschaftszeitung Globes zu berichten weiß, hat das Ministerpräsidentenamt einen neuen Dienstwagen für Regierungschef Benjamin Netanjahu geordert. Bei dem Fahrzeug, das laut dem Bericht nicht nur den höchsten europäischen Anforderungen an Panzerung und andere Sicherheitsmaßnahmen entspricht, sondern auch über besondere, auf Wunsch des israelischen Inlandssicherheitsdienstes Schabak eingebaute Sicherheitselemente verfügt, handelt es sich um einen Audi 8 Security. Der Importpreis des Fahrzeugs, so Globes, liege bei rund 800.000 Dollar. Rechne man die Pkw-Kaufsteuer hinzu, koste die rollende Festung eine Million Dollar und sei damit der teuerste Personenkraftwagen, der jemals in Israel zugelassen worden sei. Mit einem Hang zum Luxus hat das aber nichts zu tun. Wie Netanjahus Büro erklärte, sei das Fahrzeug von der Fachebene unter rein professionellen Gesichtspunkten ausgewählt worden; der Premier selbst sei an der Entscheidung nicht beteiligt gewesen. (04.11.10)

BENEHMEN

Knessetabgeordnete sind in aller Regel keine Diplomaten. Das merkt man spätestens, wenn sie sich im Hohen Haus eine Unflätigkeit nach der anderen an den Kopf werfen. Wenigstens im Ausland jedoch sollten sie keine Schande über den Staat bringen. Daher haben zwei Knessetabgeordnete nun einen Knigge-Kurs für ihre Kollegen organisiert. Dabei lernen die Parlamentarier auch landesspezifische Benimmregeln kennen. So schenkt man in China niemandem eine Uhr, weil diese an den Tod erinnert. In Indien sollte man die einheimische Begrüßung durch Verbeugung als Fremder erst gar nicht nachahmen, in der arabischen Welt darf man nicht so sitzen, dass der Gesprächspartner die Schuhsohle zu sehen bekommt, und so weiter. Allerdings behaupten nicht nur Zyniker, dass der eine oder andere Parlamentarier auch in weltweit geltenden Höflichkeitsregeln - etwa zuhören, ohne den anderen zu unterbrechen - Nachhilfeunterricht gebrauchen könnte. (04.11.10)

BETRUG

Gefälschte Markenware ist in Israel keine Seltenheit. Das gilt nicht nur für Mode und Musik, sondern auch für Medikamente. Einer Studie zufolge liegt Israel auf Rang acht der Liste von Ländern, in denen gefälschten Arzneimitteln am eifrigsten zugesprochen wird - sei es aus Sparsamkeit, sei es aus Unkenntnis. Das am häufigsten gefälschte medizinische Präparat ist übrigens das Potenzmittel Viagra. Weil viele Männer sich schämen, den Hausarzt um ein Rezept zu bitten, erwerben sie die Wunderdroge für sexuelle Leistungsfähigkeit auf dem Schwarzmarkt, auf dem eben nicht immer das Original angeboten wird. Fragt sich nur, ob es genauso hilft. (04.11.10)

BERGUNG

Familie Broschi wusste sich keinen Rat. Die Hündin Lola, als Begleithund für den behinderten 13-jährigen Sohn dringend benötigt, war in den Nachbarort entlaufen. Das Problem: Die Broschis leben in der West-Bank-Siedlung Beit El, während es sich bei der benachbarten Ortschaft um das palästinensische Flüchtlingslager Dschelasun handelte. Somit war ein freundschaftlicher Besuch bei den Nachbarn nicht möglich. Glücklicherweise fand sich die von israelischen Kollegen angesprochene Polizei der Palästinensischen Nationalbehörde bereit, Amtshilfe zu leisten und Lola zu bergen. Kurze Zeit nach der Kontaktaufnahme konnten die palästinensischen Ordnungshüter die Hündin ihren überglücklichen israelischen Besitzern übergeben. (04.11.10)

BEUTE

Es sah bedrohlich aus. Als ein Geschäftsinhaber seine Ware beim Kunden in Petach-Tikwa ablieferte, sprangen zwei Männer in den Wagen und fuhren davon. Im Auto befand sich allerdings auch ein Mitarbeiter der Firma, so dass die Polizei von einer möglichen Entführung durch Terroristen ausgehen musste und Großalarm auslöste. Glück im Unglück: Es handelte es sich um keine Kidnapper, sondern um gewöhnliche Diebe, die den »Fahrgast« sogleich an einem Autobahnkreuz absetzten und mit der übrigen Beute verschwanden. Dummerweise hatte der 18-Jährige kein Handy dabei und war obendrein verwirrt. So brauchte er zwei Stunden, um sich bei seinem Unternehmen telefonisch zu melden, während die hektische Fahndung weiterlief. Wie es scheint, haben nicht alle Israelis immer ein Handy dabei - erst recht nicht, wenn sie es wirklich brauchen. (04.11.10)

BRÄUTIGAM

Schai Busagio, 33-jähriger Einwohner der östlich von Netanja gelegenen Ortschaft Bat-Chefer, bereitete seiner Freundin Osnat Kadischai, von Beruf Lehrerin, eine doppelte Überraschung. An ihrem Geburtstag betrat er - mit Zustimmung der Schulleitung - das Klassenzimmer, um Osnat Blumen und bunte Ballons zu überreichen. Dann aber, als die Beschenkte sich für die Glückwünsche zum Geburtstag bedankte, holte Schai einen Trauring aus der Hosentasche, kniete nieder und hielt vor versammelter Klasse um Osnats Hand an - sehr zur Freude der Neunjährigen, die ihrer Erzieherin zuriefen: »Sag: Ja!« Von dem Geschrei angelockt, strömten auch andere Lehrer ins Klassenzimmer und richteten eine spontane Verlobungsparty aus. Jetzt bereitet das glückliche Paar die Hochzeit vor. (04.11.10)

TERMIN

Die jüngeren Israelis können sich an das Ereignis, das vor fast vier Jahrzehnten stattgefunden hat, kaum noch erinnern. Damals kündigte Schimon Peres, Verkehrsminister in der Regierung Golda Meirs, den Bau einer U-3ahn in Tel Aviv an. Anfang dieses Jahrzehnts schien es dann soweit zu sein: Unter großem Mediengetöse erhielt ein internationales Firmenkonsortium den Zuschlag für den Bau der ersten Strecke. Allerdings ist der Deal letztendlich an Finanzierungsschwierigkeiten gescheitert. Jetzt wurde ein neuer Termin für die Inbetriebnahme aufs Reißbrett gelegt: das Jahr 2017. Dann wird Israels heutiger Staatspräsident Peres - bis hundertundzwanzig - 94 Jahre jung sein. (28.10.10

TECHNIK

Im Kabinettssaal der israelischen Regierung hält modernste Technologie Einzug. An einem neuen »intelligenten« Tisch werden die Minister künftig elektronisch abstimmen, ein digitales System zeichnet die Beratungen präzise auf. Gleichzeitig wird die Anwesenheit der Regierungsmitglieder vom Computer erfasst. Mehr als das: Wenn sie einander vertrauliche oder auch nur giftige Anmerkungen während der Debatte zukommen lassen wollen, müssen die Minister künftig keine Zettel mehr schreiben und durchreichen lassen. Stattdessen können sie von Bildschirm zu Bildschirm kommunizieren. Der große Vorteil: Die Bemerkungen werden nicht schriftlich dokumentiert und können später nicht gegen ihren Autor verwendet werden. (28.10.10

TEL AVIV

Das Demonstrationsrecht ist den Israelis lieb und teuer. In Tel Aviv zu teuer. In der vergangenen Woche hat das Oberste Gericht die Höhe der Gebühren, die die Stadtverwaltung der Mittelmeermetropole für die Zulassung einer Demonstration erhebt, als deutlich überzogen gerügt. Das Gericht war bereits vor einiger Zeit angerufen worden, nachdem die Stadt für eine Demonstration der »Organisation für Regierungsqualität« 19.000 Schekel (knapp 4.000 Euro) verlangt hatte. Bei der Festlegung der Gebührenhöhe, so das Gericht, habe das Prinzip der Verhältnismäßigkeit zu gelten, damit das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht beeinträchtigt werde. Nun muss die Stadt eine neue Gebührenordnung vorschlagen. (28.10.10

TRIP

Alija per Schiff - damit verbindet man vergangene Zeiten, die Ära des britischen Palästinamandats, als mutige Immigranten das von London verhängte Einwanderungsverbot im Wortsinne umschifften. In den letzten Jahrzehnten erfüllt sich, wer einwandern will, den zionistischen Traum im Flugzeug nach Ben Gurion. Anders Galia Moss, eine 40-jährige Jüdin aus Mexiko, die von ihrer bisherigen Heimat in die biblische Heimat als Einwanderin mit einer kleinen Jacht zu gelangen gedenkt - und zwar allein. Um die 12.000 Kilometer zu überwinden, wird sie mehr als zwei Monate brauchen und kann jede Stunde nur 20 Minuten schlafen - selbst für die erfahrene Seglerin ein ausgesprochener Härtetest. Freilich: Ausdauer und starke Nerven kommen wird sie auch im nervigen israelischen Alltag brauche. (28.10.10

TRÄGHEIT

Ärzten am Tel Aviver Ichilov-Krankenhaus fiel ein übermäßiger Verbrauch von Schlaf- und Beruhigungsinjektionen in einer Abteilung auf. Als sie der Sache auf den Grund gingen, stellte sich heraus, dass ein Krankenpfleger die Medikamente zur Arbeitserleichterung verwendete. Patienten, die seiner Meinung nach zu oft nach ihm geklingelt haben, wurden per Spritze ruhig gestellt und ermöglichten es dem trägen Pfleger, seine Schicht ohne allzu viel Gerenne zu überstehen. Nachdem der Vorfall der Polizei gemeldet wurde, nahmen die Ordnungshüter den Bequemen fest. Den Patienten, beruhigte das Hospital, sei kein Schaden zugefügt worden. Ausgestanden ist die Affäre aber kaum. Auch Gerichtsklagen gegen das Krankenhaus gelten als wahrscheinlich. (28.10.10

TREFFER

Oft werden Lottosieger beneidet. Dem neuen Hauptpreisgewinner der wöchentlichen Lottoziehung »Pajis« aber schlägt auch viel Sympathie entgegen. Bei dem Glücklichen handelt es sich um einen 20-jährigen Einwanderer aus Äthiopien, der in beengten finanziellen Verhältnissen lebte. So beengt, dass er beim Wohlfahrtsfonds seiner Einheit eine Einmalbeihilfe von 500 Schekel (100 Euro) beantragt hatte. Bevor es aber zur Auszahlung kam, füllte er für zwölf Schekel einen Lottoschein aus. Während der im Fernsehen übertragenen Ziehung der Lottozahlen stellte er mit Freude fest, dass alle Zahlen mit seinem Tipp übereinstimmten, allerdings begriff er erst am nächsten Tag, wie viel Geld er nun sein Eigen nennen darf: vier Millionen Schekel. »Er«, titelte empathisch die Tageszeitung Yedioth Ahronoth, »kann das wirklich gebrauchen«. (28.10.10

TARNUNG

Für Israels Staatsorgane ist es manchmal schwierig, sich in ultraorthodoxen Stadtvierteln durchzusetzen. Kommen Polizisten, Finanzbeamte und andere Staatsvertreter, um einen strenggläubigen Verdächtigen oder Steuerschuldner zu belangen, sehen sie sich oft einer sofort herbeigeeilten, feindseligen Menschenmenge Ultraorthodoxer gegenüber, die die Festnahme verhindern. Jetzt will die Polizei bei Operationen in ultraorthodoxen Gegenden eine Methode einsetzen, wie sie bei Festnahmen in der Westbank üblich ist. Dort verkleiden sich Soldaten als Palästinenser, um an die Verdächtigen unerkannt heranzukommen. In Mea Schearim, Bnei Brak und anderen Wohnorten sollen Polizeibeamte für Beobachtungs- und Festnahmeaktionen ultraorthodoxe Kluft anlegen, um auf diese Weise ihrer Aufgabe gerecht werden zu können. Verkleidete Ermittler werden auch zur Beobachtung ultraorthodoxer Demonstrationen eingesetzt. (28.10.10

SCHEINE

Ein Sieg der Poesie und des schönen Geschlechts. Ein vom Finanzministerium eingesetzter Expertenausschuss hat empfohlen, auf den geplanten neuen Schekel-Banknoten nicht nur Männerköpfe, sondern auch zwei Frauen abzubilden: die Pionierin hebräischer Dichtung Rachel Bluwstein (1890-1931), besser bekannt als »Rachel die Dichterin«, sowie Jie Lyrikerin und Kinderbuchautorin Leah Goldberg (1911 - 1970). Die Frauenquote hat freilich eine Vorgeschichte: Im ersten Entwurf der neuen Scheine war nicht eine einzige Frau vorgesehen. Erst nach einem Sturm der Empörung wies Finanzminister Juwal Steinitz, im zivilen Beruf Dozent der Philosophie, das Beratergremium an, für eine angemessene Vertretung der Damenwelt zu sorgen und - nicht minder interessant - auf die Verewigung von Politikern zu verzichten. Die Genehmigung der Empfehlungen durch die Regierung und die Bank von Israel gilt nunmehr als sicher. (21.10.2010)

SCHIEFER

Dass Israel nach den Offshore-Funden der letzten zwei Jahre über genug Erdgas für mehrere Jahrzehnte verfügt, ist zwar schön, aber nicht genug. Um die Energie- und Treibstoffversorgung des Landes auf eine solide Grundlage zu stellen, will die Regierung auch die Nutzung der gewaltigen Ölschiefervorkommen in der inneren Ebene (südlich von Tel Aviv und westlich von Jerusalem) und im Negev vorantreiben. Das hat das Infrastrukturministerium erklärt. Wenn sich das Erdöl auf dem Weltmarkt weiter verteuert und in absehbarer Zukunft auch verknappt, kann sich Israel, so die Planung, dank der Ölschiefer auch auf diesem Gebiet unabhängig machen. Selbst Ölexporte wären denkbar. Umwelt- und landschaftspolitische Bedenken zerstreut das Ministerium mit dem Hinweis auf modernste Technologie. So etwa sollen die Ölschiefer nicht abgebaut, sondern unterirdisch erhitzt werden. Dadurch tritt das Öl bereits in der Lagerstätte aus und wird durch einfache Bohrungen gefördert. (21.10.2010)

SCHLAF

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei (1. Buch Moses 2,18). Deshalb, so der biblische Schöpfungsbericht, gab Gott Adam eine Frau. Allerdings gilt der Grundsatz noch in einem anderen, wörtlichen Sinne. Wie der führende Schriftgelehrte der litauischen Ultraorthodoxie, Rabbiner Josef Schalom Eljaschiw, jetzt klargestellt hat, darf ein Mensch nicht allein im Haus schlafen, weil er sich damit bösen Geistern aussetzt. Das gelte nicht nur bei Nacht, sondern auch am Tage, selbst wenn der Betroffene nur ein kleines Nickerchen hält. Falls der Alleinverbleib im Haus unumgänglich ist, sollte der Schläfer eine Mesusa am Türpfosten des Schlafzimmers anbringen, die Tür offen lassen oder eine Kerze anzünden. Allerdings seien dies Behelfsmaßnahmen, die das grundsätzliche Verbot des Alleinschlafens nicht aufhöben. (21.10.2010)

SCHULE

»Diese Schule ist der reinste Zoo« - das Gefühl kennt jeder Pädagoge. In Jerusalem wird der umgekehrte Weg eingeschlagen: Der Zoo erfüllt die Aufgaben einer Schule. Im Rahmen einer neuen Bildungsinitiative können Schüler der Abiturklassen ein Intensivlernprogramm im Biblischen Tiergarten der Hauptstadt absolvieren, sich mit der Lebensweise verschiedener Tiere und anderen Fragen - etwa Schutz bedrohter Tierarten - vertraut machen. Das Programm umfasst 20 Zoobesuche mit praktischer Beobachtungsarbeit und Vorträgen. Anschließend können die Schüler auf dem von ihnen gewählten Fachgebiet eine Abiturprüfung ablegen, die Erstellung eines Forschungsberichts inklusive. Ziel des Programms ist es, das Bewusstsein junger Menschen für Natur und Umwelt zu schärfen. (21.10.2010)

SCHNELLIGKEIT

Drei junge Männer aus Akko haben nicht nur einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung begangen, sondern diesen auch noch selbst dokumentiert. Die drei waren bei Nacht mit einem Pkw von Tel Aviv nach Haifa unterwegs. Von seinen beiden Freunden angefeuert, raste der Fahrer mit 260 Stundenkilometern durch die Dunkelheit. Das hielten seine Mitreisenden auf einem Handy-Video fest - eine Aufnahme des Tachometers inklusive - und stellten den Filmausschnitt auf ihre Facebook-Seite. Als das Video im Internet die Runde machte, fiel es auch der Polizei auf, die die drei Raser wegen der Geschwindigkeitsüberschreitung beziehungsweise wegen Anstiftung vor Gericht gestellt hat. Jetzt müssen die Richter entscheiden, ob die Aufnahme als Beweis für die gefährliche Missetat zugelassen wird. (21.10.2010)

SCHWINDEL

Demütigender geht's kaum noch. Als einem jungen Israeli ein Reklameheft für Callgirls in die Hände fiel, blätterte er darin und wollte seinen Augen nicht trauen. Obwohl die Gesichter der Dienstleisterinnen unkenntlich gemacht wurden, meinte er, auf einem der Bilder seine eigene Ehefrau zu erkennen. Bis dahin hatte der Gemahl angenommen, seine Frau sei in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Um sicherzugehen, dass er sich nicht geirrt hatte, rief der Geschockte die Vermittlungszentrale an und machte einen Termin mit der Sex-Betreuerin aus. Als diese die Tür ihrer »Dienstwohnung« öffnete, waren alle Zweifel ausgeräumt: Die Prostituierte war keine andere als die angebliche Werbefachfrau. Bei dem anschließenden Streit, so die Gattin, sei ihr Mann handgreiflich geworden. Das streitet der Beschuldigte unter dem Hinweis ab, besonders glaubwürdig sei seine Frau, wie man gesehen habe, nicht. (21.10.2010)

SCHOCK

Die Gerechtigkeit ließ einige Monate auf sich warten: Im Januar hatte ein Brautpaar aus Tel Aviv einen Schock erlitten. Während die beiden Eheleute einige Stunden vor der Hochzeit für Erinnerungsfotos posierten, brach ein Dieb in ihren Wagen ein und stahl nicht nur die Kreditkarten und die Laptops, sondern auch das Brautkleid, die Ketuba (Ehevertrag) und den Ehering. Zwar wurde für alles rechtzeitig Ersatz beschafft, doch blieb bei den Frischvermählten ein bitterer Nachgeschmack. Jetzt teilte ihnen die Polizei mit, der Dieb, der sich beim Einschlagen der Fensterscheibe verletzt und so eine »Blutprobe« hinterlassen habe, sei dingfest gemacht und mithilfe einer DNA-Untersuchung überführt worden. Geschieht ihm recht. (21.10.2010)

BERATEN

Wenn Gerichte Rechte der Bürger durch die Regierung verletzt wähnen, können sie das Kabinett zu einem Kurswechsel zwingen. Allerdings wird das zuweilen teuer. So etwa errechnete das Finanzministerium, dass die vom Obersten Gericht im letzten Jahr verlangte Anerkennung des Kindermädchengehalts als steuermindernde Ausgabe der Staatskasse umgerechnet 1,2 Milliarden Euro pro Jahr entziehen würde. Das freilich würde eine Haushaltsumschichtung verlangen und letztendlich soziale Rechte anderer Bürger verletzen. Jetzt hat eine Gruppe von Knessetabgeordneten verlangt, die Gerichte zur Einstellung von Wirtschaftsberatern zu verpflichten. Diese sollen den Richtern vorrechnen, was ihre Urteile kosten würden. Erst danach könnten die Gerichtsherren die einschlägigen Beschlüsse fassen. (14.10.2010)

BENOTET

Israels Polizei, nach eigener Auffassung hochprofessionell, nach Meinung vieler Israelis aber unzuverlässig, kommt jetzt auf einen objektiven Prüfstand. Im Auftrag der israelischen Regierung soll die angesehene kalifornische Forschungsfirma Rand Corporation die Arbeit und die Kommandostruktur bis in die letzte Ecke ausleuchten. Danach wird sich entscheiden, ob eine grundlegende Reform angesagt ist. Vorerst aber legte die Rand Corporation ihrerseits Effizienz an den Tag. Weil das Finanzministerium in Jerusalem den Preis der Studie -1,6 Millionen Dollar - nicht tragen zu können glaubte, brachte Rand die Hälfte der veranschlagten Kosten als Spende von einem jüdisch-amerikanischen Philanthropen auf. (14.10.2010)

BEGÜTERT

Nach Angaben einer israelischen Marketingstudie verfügen höfliche Israelis über ein höheres Einkommen als ihre unhöflichen Landsleute. Die Teilnehmer wurden nach ihrem Verhalten gegenüber Senioren, Behinderten, ihrem Fahrstil, der lautstarken Nutzung von Handys in der Öffentlichkeit und anderen relevanten Parametern sowie nach ihrer Bildung und ihrem Einkommen gefragt. Die Schlussfolgerung der Marketingexperten: Es besteht keine Korrelation zwischen Bildungsstand und Höflichkeit. Dagegen seien höfliche Israelis vermögender. Natürlich könnte ein Laie auch die Frage stellen, ob der Kausalzusammenhang nicht andersrum gepolt ist: Wer mehr Geld hat, fühlt sich sicherer und kann sich deshalb mehr Höflichkeit erlauben. (14.10.2010)

BERIESELT

Klagen über übermäßigen Fernsehkonsum israelischer Jugendlicher werden bald passé sein. Allerdings nicht etwa, weil die junge Generation aufs Lesen umgestiegen wäre. Vielmehr wird das gute alte »Televisja« zunehmend vom PC verdrängt. Sechs von zehn Jugendlichen gaben bei einer Befragung an, Fernsehsendungen lieber auf dem Computerbildschirm zu verfolgen. Im Zuge der Informations- und Kommunikationsrevolution sehen sich vier von zehn Jugendlichen mindestens eine Stunde lang pro Tag Videos am Computer an. Jeder siebte verbringt bei dieser geistreichen Tätigkeit mehr als drei Stunden pro Tag. Sagte jemand: »Volk des Buches«? (14.10.2010)

BEFÄHIGT

Die israelische Busgesellschaft Connex, die eine Reihe von Verbindungen im öffentlichen Verkehr des Landes betreibt, bildet ihre Fahrer in der Zeichensprache aus. Damit sollen die Fahrzeuglenker zum Verständnis und zur Vermittlung grundlegender Botschaften an taube Fahrgäste befähigt werden: Guten Tag, Haltestelle, Aussteigen, Wechselgeld und anderes mehr. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit einer Hörgeschädigtenorganisation durchgeführt. Für den Fall, dass sich die neue Initiative als erfolgreich erweist, sollen andere Busgesellschaften zum Nachahmen ermuntert werden. (14.10.2010)

BELEHRT

Die ultraorthodoxe Rettungs- und Bergungsorganisation ZAKA, die vor allem durch die Einsammlung von Leichenteilen nach Terroranschlägen weltweit bekannt wurde, errichtet Filialen auch im arabischen Sektor. Darauf hat sich die Organisation mit dem drusischen Vizeminister für Regionalentwicklung, Ajub Kara, geeinigt. Für den Fall, dass Todesopfer in nichtjüdischen Wohnorten zu bergen sind, sollen die arabischen Freiwilligen von Gelehrten ihrer jeweiligen Religion - Priester, Imame oder drusische Weise - in die erforderlichen Riten eingewiesen werden, nicht anders als es bei der Unterweisung jüdischer Freiwilliger durch ZAKA-Rabbiner der Fall ist. (14.10.2010)

BESTRAFT

Mit einem Preis von 60.000 Schekel (rund 12.000 Euro) hat eine Geschäftsführerin aus Jerusalem die wahrscheinlich teuerste Frisur des Jahres in Israel bekommen. Allerdings zahlt in diesem Fall der Friseur - und zwar als Schmerzensgeld. Was die Kundin beim Betreten des Salons nicht wusste: Der Friseur hatte mit Freunden gewettet, die Frau von einem kurz geschorenen Haarschnitt zu überzeugen. Als ihm das nicht gelang, verpasste der 52-Jährige dennoch seinem Opfer, unter Anwendung von Gewalt, die Igel-Haartracht. An die Konsequenzen hatte er wohl nicht gedacht. Jetzt wurde er vom Amtsgericht Jerusalem zur Entschädigung seines Opfers verurteilt. (14.10.2010)

LERNEN

An Israels säkularen Schulen gehört der Tanach-Unterricht zu den unbeliebtesten Fächern. Ein Großteil der Abiturienten schafft die Reifeprüfung zum Buch der Bücher nur knapp und hat selbst bei so grundlegendem Wissen wie den Zehn Geboten oder dem Schöpfungsbericht erhebliche Probleme. Deshalb will das Erziehungsministerium eine umfassende Reform des Bibelunterrichts in die Wege leiten. Sowohl in der Grundschule als auch auf dem Gymnasium sollen die Schüler mehr und systematischer lernen. Zu diesem Zweck werden größere Teile des Tanach vom Wahlfachstatus in den Pflichtunterricht überführt. Ferner soll das Wissen künftig durch die Lektüre des Originaltextes und nicht nur mithilfe vereinfachter Broschüren vermittelt werden. Ohne ausreichendes Bibelwissen, mahnte das Ressort, fehlen den Kindern jüdische Wurzeln. (07.10.2010)

LAST

Religiöse Soldaten sind offenbar stärker als ihre säkularen Kameraden motiviert, Führungspositionen zu übernehmen. Nach einer jüngsten Analyse war im Jahre 2007 fast ein Drittel aller Absolventen des Infanterieoffizierslehrgangs der Streitkräfte religiös, während der entsprechende Anteil 1990 lediglich 2,5 Prozent betrug. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um Nationalreligiöse, die nur zwölf Prozent der jüdischen Bevölkerung ausmachen, sind doch ultraorthodoxe Soldaten eine seltene Ausnahme. Auch die Siedler tragen eine überproportionale Last. Eine weitere Untersuchung ergab, dass jeder siebte Kompaniechef bei der kämpfenden Truppe in der Westbank lebt, obwohl der Anteil der Siedlungen an der jüdischen Gesamtbevölkerung bei fünf Prozent liegt. (07.10.2010)

LIBERALISIERUNG

Die Zahl gleichgeschlechtlicher Paare, die offiziell ein Kind adoptierten, ist in Israel im letzten Jahr auf 70 gestiegen - mehr als das Doppelte des Vorjahres. Das geht aus Angaben des Sozialministeriums hervor. Bis vor Kurzem war die gleichgeschlechtliche Adoption rechtlich nicht möglich, selbst dann nicht, wenn das Kind von einer der beiden Partnerinnen zur Welt gebracht wurde. Als Nächstes plant Sozialminister Jitzchak Herzog eine Regelung, die auch männlichen Paaren die Adoption von mithilfe einer Leihmutter geborenen Kindern erlaubt. (07.10.2010)

LIGA

Israelis lieben Amerika und ahmen gern amerikanische Sitten nach. Dennoch sind Versuche, eine israelische Baseball-Liga einzurichten, bisher gescheitert. Ein 2007 gestarteter Anlauf führte nur sechs Mannschaften zusammen und musste nach einer Saison aufgegeben werden. Jetzt will eine Gruppe amerikanischer Geschäftsleute - unter ihnen einer der Eigentümer des legendären Baseballclubs New York Yankees - beweisen, dass sich Israel doch noch für den Schlagballsport made in USA gewinnen lässt. Um das zu bewerkstelligen, wollen die Initiatoren nicht kleckern, sondern klotzen und planen, wie es heißt, den Bau eines großen Baseballstadions in Jerusalem. Der Erfolg des Vorhabens wird letztendlich davon abhängen, ob nicht nur amerikanische Immigranten, sondern auch eine größere Zahl gebürtiger Israelis als Zuschauergewonnen werden kann. (07.10.2010)

LIEFERUNG

Hat die Invasion begonnen? Vor einer Woche kam die erste Lieferung chinesischer Pkw in Israel an. Dabei handelt es sich um 160 Fahrzeuge der Marke MG 550. Die zumindest nach israelischen Maßstäben recht große Familienkutsche ist zwar nicht entscheidend billiger als vergleichbare Westmodelle, versucht aber, durch umfangreiches Zubehör zu bestechen. Die kleine Partie könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden, stehen doch auch andere chinesische Hersteller - auch bei Elektro-Pkw - Gewehr bei Fuß, um ihre Ware in Israel auszurollen. Wenn die Marketingstrategie aufgeht, kann China im kleinen Israel schon bald zu einer Kfz-Großmacht aufsteigen. Schließlich ist die Volksrepublik für den Judensta.at jetzt schon der nach den USA zweitgrößte Lieferant von Industrieprodukten. (07.10.2010)

LEBENSGEFAHR

Die in der arabischen Welt verbreitete Unsitte, bei Hochzeiten Freudensalven mit scharfer Munition abzufeuern, ist auch in Israel üblich und fordert in arabischen Wohnorten schon mal Verletzte, im Extremfall sogar Tote. Jetzt haben auch die jüdischen Gäste einer Barmizwa-Feier im nordisraelischen Kfar Tavor einen Einblick in die Risiken des alten Brauchs bekommen. Kurz nach dem Dinner schlugen zwei Gewehrkugeln im Hinterhof des Festsaals ein. Allem Anschein nach waren die Geschosse im benachbarten arabischen Dorf Schibli abgefeuert worden, in dem zur gleichen Zeit eine von unaufhörlichen Schüssen begleitete Hochzeit stattfand. Zwar kamen die Barmizwa-Gäste mit dem Schrecken davon, doch die ausgelassene Stimmung war nach dem Vorfall dahin. (07.10.2010)

LÖWEN

Falscher Alarm an der Grenze ist ein ebenso nervender wie häufiger Bestandteil des Soldatenlebens. Jedes in freier Wildbahn lebende Tier, das den elektronischen Sicherheitszaun berührt - etwa ein nach Nahrung suchendes Wildschwein -, löst eine vergebliche Suche nach möglicherweise eingedrungenen Terroristen aus. Jetzt haben sich findige Reservisten auf ökologisch gerechte Kriegführung verlegt: Sie baten den Wildpark Safari in Ramat-Gan um Löwenkot, den sie anschließend an strategischen Stellen ihres Grenzabschnittes platzierten. Der Geruch der Raubkatzen hält streunende Tiere fern. Der Nachteil: Das »Kampfmittel« verliert nach einigen Tagen seinen Geruch und muss erneuert werden. Auch hat Israel bei Weitem nicht genug Löwen, um seine Grenzen umfassend zu bestreuen. (07.10.2010)

FREISTELLUNG

In den Streit über die Freistellung ultraorthodoxer Männer von der Wehrpflicht scheint Bewegung zu kommen. Laut einem von Armee und Regierung ausgearbeiteten Vorschlag soll innerhalb von fünf Jahren ein Drittel aller strengstreligiösen Männer die olivgrüne Uniform anziehen. Heute sind es weniger als zehn Prozent. Im Gegenzug wird die Armee für die ultraorthodoxen Soldaten »koschere« Dienstbedingungen schaffen und beispielsweise keine Vermischung der Geschlechter zulassen. Ein weiteres Drittel der frommen Jünglinge soll zum Zivildienst herangezogen werden. Mit dieser Lösung hofft die Regierung, das Oberste Gericht zufriedenzustellen, das die gegenwärtige Freistellungspraxis als illegal gegeißelt hat. Bleibt abzuwarten, ob ultraorthodoxe Rabbiner, aber auch Laizisten, die eine umfassende Wehrpflicht auch für die Ultraorthodoxen fordern, die Kompromissformel akzeptieren. (29.09.2010)

FRAGEN

Einen unermüdlicheren PR-Experten als ihr Staatsoberhaupt können sich die Israelis nicht wünschen. Während seines jüngsten Besuchs in New York fand Schimon Peres nicht nur für die Weltpolitik, sondern auch für ein Interview mit einem amerikanischen Schülermagazin Zeit. Im Gespräch mit der elfjährigen Reporterin forderte der 87-jährige Präsident Kinder auf, ihren Träumen nachzugehen und neue Ideen zu entwickeln und ließ sich geduldig über seine Urenkel ebenso wie über seine Meinung zur Nanotechnologie befragen. Die für Elfjährige hochrelevante Frage »Haben Sie einen iPad« blieb ebenfalls nicht aus. Noch wichtiger: »Wie schaffen Sie es«, begehrte die Interviewerin zu wissen »immer optimistisch zu sein. In der Tat - in dieser Beziehung können viele von Peres lernen. (29.09.2010)

FUSSBALL

Israels Fußballnationalmannschaft ist noch nicht ganz auf Weltniveau. Dafür soll der jüdische Staat wenigstens ein Stadion von Weltrang bekommen. Wie die israelische Fußballvereinigung mitteilte, wird in den kommenden Jahren anstelle des bisherigen Nationalstadions in Ramat-Gan eine komplett neue, moderne Anlage mit 60.000 Sitzplätzen und einem angeschlossenen Einkaufs- und Freizeitzentrum entstehen. Für das Projekt sind Investitionen in Höhe von einer Milliarde Schekel (210 Millionen Euro) vorgesehen. Ein Großteil des Geldes soll über Spieleinnahmen wieder in die Kasse der Vereinigung fließen. Da kann man nur hoffen, dass das schöne Stadion auch die Kicker zu neuen Bestleistungen anspornt. (29.09.2010)

FOTO

Die Zeugung per Samenspende ist für immer mehr Israelinnen eine akzeptable Alternative zum Lebensgefährten. Allerdings liefern israelische Männer nicht genug Samenspenden ab, hauptsächlich, weil sie Angst vor dem Bekanntwerden ihrer Identität haben oder weil sie Vaterschaftsklagen befürchten. Daher warten gegenwärtig rund 1.000 Frauen auf das erforderliche Erbgut. Um die Nachfrage bedienen zu können, führen Samenbanken immer häufiger die benötigte Substanz aus dem Ausland ein. Zwar sind die Kosten viel höher als bei einheimischer Produktion, doch bekommen die Empfängerinnen oft ein Foto des Spenders, was bei israelischen Samengebern nicht möglich ist. Das kann, versteht sich, eine wesentliche Entscheidungshilfe sein. (29.09.2010)

FURIE

Dass Geld nicht unbedingt glücklich macht, weiß man. In der Hafenstadt Aschdod aber hat sich der Grundsatz auf dramatische Weise bestätigt. Vor zwei Jahren gewann ein ortsansässiger Geschäftsmann neun Millionen Schekel (damals rund 1,7 Millionen Euro) im Lotto. Den Wunsch seiner Frau, den Lebensstandard der Familie zu steigern, lehnte er aber mit der Begründung ab, es sei besser, das Geld zu sparen. Vor einigen Wochen aber fand sie heraus, dass sich der 58-jährige Lottogewinner eine Geliebte zugelegt hat und sie mit großem Aufwand aushält. Zornentbrannt erstürmten die Gehörnte und ihre 25 jähre alte Tochter die Wohnung der Konkubine, traktierten die Geldempfängerin mit Schlägen, brachen ihr die Nase und zerschmetterten anschließend die luxuriöse Wohnungseinrichtung - drei Plasmabildschirmfernseher inklusive. Jetzt wartet sie auf ihren Prozess. (29.09.2010)

FÄLSCHUNG

Vor Kurzem bekamen frisch gebackene Absolventen des prestigereichen Ostrowski-Gymnasiums einen Brief von ihrer Englischlehrererin, in dem sie erklärte, ihnen bewusst schlechte Abiturnoten gegeben zu haben. Das, schrieb die Pädagogin, sei ihre Rache für drei Schuljahre, in denen sie von den Schülern verspottet und gedemütigt worden sei. »Hoffentlich«, spottete sie nun zurück, »habt ihr jetzt eine Lektion gelernt«. Jetzt fordern die Eltern der Abiturienten eine Bestrafung der Lehrerin und eine Korrektur der Benotung. (29.09.2010)

FAHRER

Minderjährige, die die Autoschlüssel entwenden, und mit dem elterlichen Wagen oft genug Unfälle bauen, gibt es auch in Israel. Als Verkehrspolizisten auf der Landstraße 40 einen Pkw anhielten, stellten sie aber nicht nur fest, dass der ihnen wegen seiner geringen Körpergröße aufgefallene Fahrer erst sieben Jahre alt ist. Vielmehr saß der Vater des Knirpses auf dem Beifahrersitz. Wie sich herausstellte, hat der Papa keinen Führerschein gemacht und darf- weil er in der Vergangenheit beim Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis erwischt wurde - auch keinen mehr machen. Deshalb hat er seinen Sohn als »Fahrer« ausgebildet und ließ sich von ihm kutschieren. Der Vater wurde festgenommen, der Spross nach Hause geschickt: diesmal auf dem Rücksitz des Streifenwagens. (29.09.2010)

BEDROHT

Kein Segen ohne Regen. Während sich Israels Wirtschaftskapitäne über den neuen Erdgasreichtum ihres Landes freuen, denken Sicherheitsexperten über Risiken nach. Je erfolgreicher Israel bei der Erschließung einheimischer Vorräte wird, warnte der Vorsitzende des außen- und verteidigungspolitischen Ausschusses der Knesset, Tzachi Hanegbi, umso größer auch die Gefahr, dass seine Energieinfrastruktur zum Ziel von Terrorangriffen wird. Um sich einen Einblick in die Gefahrenlage zu verschaffen, haben Mitglieder des Ausschusses eine vor der Mittelmeerküste stationierte Erdgas-Förderplattform besucht. Eine erhebliche Bedrohung sehen Experten in den immer zielgenaueren Raketenwaffen, die sich im Besitz von Terrororganisationen befinden. (22.09.2010)

BERECHNET

Seit Monaten wird in Israel über die Frage gestritten, ob Israels Ministerpräsident eine einheimische »Air Force One« braucht - ein Flugzeug, auf das er ebenso exklusiv zurückgreifen kann, wie es der amerikanische Präsident bei der echten Air Force One tut. Jüngste Berechnungen des Jerusalemer Finanzministeriums legen aber nahe, dass der grandiose Traum unerfüllt bleibt. Die wahrscheinliche Lösung ist die Abkommandierung eines Linien- oder Militärflugzeugs, das binnen eines bis drei Tagen für Promi-Flüge umgerüstet werden kann, und selbst dieses wird nicht nur dem jeweiligen Regierungschef, sondern auch weiteren VIPs, etwa dem Staatspräsidenten, zur Verfügung stehen. Alles andere, so die Haushaltesexperten, wäre für ein so kleines Land wie Israel, in dem ein Großflieger für Inlandsstrecken nicht beansprucht wird, viel zu teuer. (22.09.2010)

BEHINDERT

Israels Synagogen sind behindertenfeindlich. Zu diesem Ergebnis gelangte eine von der gemeinnützigen Vereinigung »Negischut Israel« (Zugang zu Israel) in Auftrag gegebene Studie. Die Vereinigung setzt sich für behindertengerechte Baulösungen im öffentlichen Leben ein. Der Studie zufolge sind fast zwei von drei Gotteshäusern für Behinderte unzugänglich. Nur eine von zehn Synagogen verfügt über eine Hebevorrichtung, mit der Rollstuhlfahrer zur Tora-Lesung auf die Bima gehoben werden können. Zudem sind Frauen schlechter gestellt als Männer, beklagt Negischut Israel: Weil die Frauensektion oft über eine Treppe erreicht werden muss, bleibt Beterinnern im Rollstuhl der Zugang zum Gottesdienst häufiger versagt. (22.09.2010)

BEFÜRCHTET

Israels größte Busgenossenschaft, Egged, will Fahrgästen auf Überlandstrecken mobilen Internet-Service anbieten. In einem ersten Pilotprojekt werden 20 Busse mit einem entsprechenden System ausgerüstet. Das Ziel ist es, alle 1.500 Fahrzeuge, die zwischen Ferndestinationen verkehren, mit einem Internet-Anschluss auszustatten. Die meisten Fahrgäste begrüßen die Neuerung, die ihnen eine sinnvollere oder doch zumindest vergnügliche Gestaltung der Fahrzeit ermöglicht. In ultraorthodoxen Kreisen löst das Ansinnen indessen Proteste aus. Dort wird befürchtet, dass strenggläubige Fahrgäste während der Fahrt profanen bis verwerflichen Inhalten ausgesetzt werden könnte. (22.09.2010)

BEKLAUT

Gerissene Diebe klauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist, darunter auch die mit Tora-Versen beschriebenen Pergamentblätter von Mesusot. Davor hat das »Mesusa-Kommando« der Chabad-Bewegung gewarnt: eine Freiwilligengruppe, die im Vorfeld der Hohen Feiertage die Kaschrut von Tausenden von Schriftkapseln in israelischen Häusern überprüft hat. Die Entwendung selbst ist simpel: Man braucht nur einen Schraubenzieher. Da die Mesusa am Türpfosten vor der Haus- oder Wohnungstür angebracht wird, ist ein Einbruch nicht nötig. Für ein gut erhaltenes, koscheres Blatt kassieren die Ganoven bis zu 600 Schekel (130 Euro). (22.09.2010)

BEBAUT

Der Ramon-Krater in der Negev-Wüste ist eine einmalige geologische Formation. Trotz seines Namens entstand er nicht durch einen Meteoriteneinschlag, sondern durch Erosion und ist mit einer Länge von 40 Kilometer der größte seiner Art. Jetzt fürchten Umweltschützer, dass Menschenhand die atemberaubende Schönheit des Ortes verschandeln wird: Das Wohnungsbauministerium will am Rande des Kraters ein Villenviertel errichten. Das Vorhaben wird mit dem Entwicklungsbedarf der nahe gelegenen Kleinstadt Mitzpe Ramon begründet. Den künftigen Bewohnern darf man zu ihrer schönen Aussicht gratulieren, dagegen haben die Besucher, die die unberührte Natur des Kraters erleben wollen, das Nachsehen - falls das Bauprojekt nicht doch noch aufgehalten werden kann. (22.09.2010)

BENACHRICHTIGT

Detektiven des Polizeibezirks Tel Aviv verschlug es die Sprache: Als sie eine Einbrecherbande festnehmen konnten, stellten sie fest, dass die Ganoven gerade die Wohnung eines der ranghohen Kommandeure des Bezirks ausgeraubt hatten. Nun galt es, den Chef zu benachrichtigen. Allerdings saß dieser gerade in einer Dienstbesprechung beim Generalinspekteur der Ordnungshüter und ignorierte die Anrufe seiner Untergebenen. Allerdings wussten diese Rat, und baten die Mutter des Offiziers, ihm die Nachricht zu übermitteln. Als der Polizeioberst deren Nummer auf dem Display sah, hob er, versteht sich, sofort ab. Dafür wird sicherlich auch der Generalinspekteur Verständnis gehabt haben. (22.09.2010)

STATISTIK

In Israel leben 5,7 Millionen Juden. Das gab das Zentralamt für Statistik an der Schwelle zum neuen Jahr 5771 bekannt. Nach Berechnungen des israelischen Demografen Sergio Della-Pergola sind damit 43 Prozent der jüdischen Weltbevölkerung in Israel beheimatet, Tendenz steigend. Auch wenn demografische Berechnungen für die Diaspora stets mit einem nicht unbedeutenden Unsicherheitsgrad behaftet sind, so hat Israel nach Della-Pergolas Daten die USA, in denen nur noch 5,3 Millionen Juden leben, als größte jüdische Gemeinschaft der Welt eindeutig abgehängt. Mit einer Rate von durchschnittlich 2,9 Kindern je Frau werden Israels Juden binnen kurzer Zeit die absolute Mehrheit des jüdischen Volkes stellen. (18.09.10)

SALÄR

Der einzige Naturschatz, den Israel hat, prahlen seine Politiker gern, seien kluge Köpfe. Dann freilich müssen sie sich auch fragen lassen, warum sie bei der »Ressource Hirn« am falschen Ende sparen. Nach einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sind die Erziehungsausgaben pro Schüler in Israel im vergangenen Jahrzehnt um nur acht Prozent gestiegen, während es im OECD-Durchschnitt 42 Prozent waren. Auch die Lehrkräfte kommen zu kurz. Das israelische Lehrergehalt beträgt nur die Hälfte des OECD-Durchschnitts, dafür liegt der Lebensstandard des Landes bei fünf Sechsteln der OECD-Länder. (18.09.10)

SCHULE

Die Wahl der Schule ist für jedes Kind wichtig, im vorliegenden Fall ist die Geschichte aber besonders kompliziert. Bis vor einigen Jahren führte ein Ehepaar in Bnei Brak ein Doppelleben: ultraorthodox nach außen, säkular daheim. Als die Frau offen laizistisch wurde, ließen sich die Eheleute scheiden; der kleine Sohn kam zur Mutter und wurde säkular erzogen. Jetzt aber verpflichtete das vom Vater angerufene Oberste Gericht die Mutter, den in diesem Jahr schulpflichtig gewordenen Spross im Wege eines Kompromisses zwischen der ultraorthodoxen und der weltlichen Lebensweise auf eine staatlich-religiöse (modernorthodoxe) Schule zu schicken. Damit soll verhindert werden, dass er jeglichen Bezug zur Religion verliert und mit dem streng frommen Zweig der Familie nicht zurechtkommt. (18.09.10)

SPÜRHUND

Pecunia non olet - Geld stinkt nicht - erklärte bereits vor 2000 Jahren Roms Kaiser Vespasian. Das sieht eine israelische Hündin namens Joey vermutlich anders, ist sie doch der erste Polizeihund, der in Israel erfolgreich zum Herausschnuppern versteckter Geldscheine ausgebildet wurde. Bei ihrem ersten Einsatz gegen Drogenhändler gelang es der gelehrigen Vierbeiner-Dame, nicht nur Rauschgifte, sondern auch Banknoten im Wert von 150.000 Schekel (umgerechnet rund 31.000 Euro) ausfindig zu machen, jetzt hofft die Polizei, ihren Kampf gegen das organisierte Verbrechen mithilfe von Geldspürhunden erfolgreicher als bisher gestalten zu können. (18.09.10)

SCHOFAR

Ein 60-jähriger Einwohner Jerusalems wollte zu Rosch Haschana das traditionelle Gebot erfüllen und den Klang des Schofars hören. Allerdings wurde er daran vom Inlandsnachrichtendienst Schabak gehindert. Aus gutem Grund: Bei besagtem Bürger handelte es sich nämlich um Israels Premier Benjamin Netanjahu, dessen Leibwächter ihre »Schutzperson« in der Großen Synagoge in Jerusalem nicht gut genug schützen zu können glaubten. Allerdings wurde eine Lösung gefunden: Der Leiter des Synagogenchors begab sich - zu Fuß - in die nahe gelegene Residenz des Regierungschefs und ließ das Widderhorn dort erklingen. (18.09.10)

STUDENTEN

Probieren und dennoch studieren. Nach diesem Motto wirbt die israelische Polizei Studenten zum Dienst in der Notrufzentrale an. Im Rahmen des Plans bekommen die Studiosi für ihren Teilzeiteinsatz ein Stipendium, eine Uniform und teilweise auch die Befugnisse eines Ordnungshüters. Der Polizei geht es aber um mehr: Sie hofft, dass die Erfahrung in der Einsatzzentrale einen Teil der Studenten nach Erlangung ihres Diploms zum Einschlagen einer Berufslaufbahn als Polizeibeamte bewegen wird. Vorerst wird die Idee in einem Pilotprojekt mit 20 Teilnehmern erprobt. (18.09.10)

SCHIEBER

Nachdem er seinen Sohn zwecks einer Herzoperation ins Krankenhaus gebracht hatte, beruhigte ein israelischer Schuldirektor aus dem Landeszentrum seine Nerven mit reichlich Wodka. Dann merkte er, dass sein Wagen auf dem hospitaleigenen Parkplatz ungünstig stand. Da die Batterie leer war, versuchte der deprimierte Vater, das Auto an einen anderen Stellplatz zu schieben, schrammte einen anderen Wagen und wurde von einem Polizisten gestellt. Dieser roch den Alkohol und entzog dem Missetäter den Führerschein für zwei Monate. Das wollte sich der Vater nicht bieten lassen und legte mit der Begründung, er habe gar nicht am Steuer gesessen, Widerspruch beim Verkehrsbericht ein. Vergebens. Wie er erfahren musste, setzt das Gesetz das »Bewegen eines Kraftfahrzeugs vermittels der Körperkraft« dem motorisierten Fahren gleich. Allerdings setzte der Richter den Entzug der Fahrerlaubnis wegen minderer Schwere des Delikts auf 40 Tage herab. (18.09.10)

EXEMPLAR

Vor Rosch Haschana herrscht in der Abuhav-Synagoge in Zefat stets besondere Aufregung. Dann nämlich wird die alte Torarolle, die das Gotteshaus sein Eigen nennt, für die Lesung hervorgeholt. Die Rolle wurde vor rund 650 Jahren in Spanien vom bekannten Rabbiner und Kabbalisten Jitzchak Abuhav geschrieben. Zwar gibt es in der Welt auch ältere Exemplare, doch ist die Abuhav-Rolle, wie sie genannt wird, die älteste noch im Gottesdienst verwendete Sefer Tora auf dem Globus, in der alle Buchstaben gut lesbar sind. Sie wird nur drei Mal im Jahr geöffnet: zu Rosch Haschana, Jom Kippur und Schawuot. Den Rest des Jahres verbringt sie in einem mit modernster Elektronik vor Dieben geschützten Schrein. (10.09.10)

ENTHUSIASTEN

Sie sind eine kleine, bedrängte und oft in Lebensgefahr schwebende Minderheit, vom Staat in Stich gelassen. Die Rede ist von Israels Radfahrern, denen keine eigenen Pfade zur Verfügung stehen, und die von vielen Autofahrern auf den Straßen rücksichtslos an den Rand gedrängt, mitunter verletzt, manchmal auch getötet werden. Jetzt zeichnet sich wenigstens eine kleine Verbesserung ab. Die Radfahrer-Lobby in der Knesset hat sich mit der Verkehrspolizei im Prinzip darauf geeinigt, dass bestimmte Straßen am Schabbat - dem Hauptradeltag der Woche - für den Kfz-Verkehr gesperrt werden. Damit die Velo-Enthusiasten auch mal ohne Angst im Nacken sich auf dem Zweirad fortbewegen. (10.09.10)

ERFAHRUNG

Neugier ohne gesunden Menschenverstand kann leicht ins Verderben führen. Diese Erfahrung mussten zwei ultraorthodoxe 14-Jährige machen, die nachts am lauen Ufer des Kinneret-Sees spazieren gingen. Weil sie wissen wollten, wie eine Yacht von ihnen aussieht, stahlen sich die beiden an Bord eines der am Steg anliegenden Wasserfahrzeuge, betraten die Brücke und fingen an, verschiedene Knöpfe auszuprobieren. Prompt sprang der Motor an, und die Yacht begann eine unkontrollierte Fahrt. Glücklicherweise ging der Motor bereits in Ufernähe aus, doch geriet eines der Mädchen so sehr in Panik, dass es voll bekleidet ins Wasser sprang, um das Boot wieder Richtung rettendes Land zu schieben - ohne Erfolg, wie man sich vorstellen kann. Erst die von Spaziergängern alarmierte Polizei befreite die Mädchen aus ihrer Seenot. (10.09.10)

EMINENZ

Brigitte Bardot hat zwar nicht mehr ihre jugendliche Schönheit, wohl aber noch immer einen klangvollen Namen. Kürzlich wandte sich die Ex-Schauspielerin und heutige Tierschützerin an Israels Industrie- und Handelsminister Benjamin Ben-Elieser mit dem Appell, seinen Widerstand gegen das kurz vor der letzten Lesung stehende Gesetz zum Verbot des Pelzhandels aufzugeben. Ben-Elieser war besorgt, ein Einfuhrstopp könnte gegen Israels bestehende Handelsverträge mit Pelzexportländern verstoßen. Ob nun wegen Bardots Brief oder aus anderen Erwägungen, der Minister zog seinen Einspruch gegen das Gesetz zurück. Inwieweit die heute 76-jährige Bardot dem um zwei Jahre jüngeren Ex-General aus der Zeit ihrer Leinwandkarriere erinnerlich ist, wurde nicht überliefert. (10.09.10)

ERMÜDUNG

Gewöhnlichen Knessetabgeordneten wird kein Personenschutz zur Seite gestellt, doch gibt es auch Ausnahmen, die als gefährdet gelten und von parlamentseigenen Leibwächtern beschützt werden. Das gilt etwa für ehemalige Verteidigungsminister, aber auch für Avi Dichter, einen Ex-Direktor des Inlandssicherheitsdienstes Schabak. Der sportlich begeisterte Volksvertreter geht regelmäßig mehr als eine Stunde lang im Meer schwimmen, während der Personenschützer am Ufer aufzupassen hat. Als Dichter seine Sportstunde jüngst unangekündigt verkürzte, stellte er aber mit Erstaunen fest, dass der Leibwächter im Wagen ein Nickerchen hielt. Zur Rede gestellt, erklärte er, von der Hitzewelle übermannt worden zu sein. Wegen seiner bisher vorbildlichen Arbeitsmoral wurde der Ermattete nicht entlassen, sondern lediglich einer weniger verantwortungsvollen Aufgabe bei der Knessetgarde zugeteilt. (10.09.10)

EXILANTEN

Dass die Abwanderung von Wissenschaftlern aus dem jüdischen Staat bedrohliche Ausmaße angenommen hat, ahnte man in Israel seit Langem. Jetzt glaubt man es auch genau zu wissen. Eine Erhebung ergab 4.500 Namen israelischer Wissenschaftler, die heute im Ausland leben und arbeiten - drei Viertel von ihnen in den USA und der Rest weltweit verstreut. Für das kleine Israel ist der Braindrain nicht nur ideologisch peinlich - schließlich will man Immigranten, keine Emigranten -, sondern auch ökonomisch ein Desaster. Jetzt will die Regierung die Exilanten gezielt und persönlich ansprechen und ihnen mit Hilfe eines Sonderfonds Forschungsmöglichkeiten in der Heimat anbieten. Wenn auch nur ein kleiner Teil der Angesprochenen dem Ruf folgt, darf man von einem Erfolg sprechen. (10.09.10)

BERATUNG

Die Beschneidung, so medizinische Erkenntnisse, senkt bei Männern das Risiko einer Aids-Infektion um 60 Prozent. Deshalb will der König des südafrikanischen Zulu-Volkes Goodwill Zwelithini - nach der Verfassung Südafrikas ein nur zeremonieller, aber doch geachteter Monarch - die alte, inzwischen weitgehend aufgegebene Tradition der männlichen Beschneidung wiederbeleben. Medizinischen Rat bekommen die mit der Mission beauftragten südafrikanischen Ärzte von Israel, das umfangreiche Erfahrungen mit der Beschneidung Erwachsener hat. Die jüdische Beschneidung findet acht Tage nach der Geburt statt, doch wurden in Israel bisher, Schätzungen zufolge, auch rund 100.000 erwachsene Männer beschnitten, vor allem Konvertiten oder Immigranten aus der ehemaligen UdSSR, die den im Land der Räte unterlassenen Eingriff im Erwachsenenalter nachholen wollten. (02.09.10)

BESCHLUSS

In der von Rabbiner Chaim Kaniewski, einem führenden ultraorthodoxen Schriftgelehrten, geleiteten Synagoge in Bnei Brak wurde bisher keine Klimaanlage eingebaut. Einer der Gründe: Der Synagogenvorstand und die Beter lehnten jeglichen Gebrauch von Elektrogeräten am Schabbat ab, selbst wenn sich diese selbsttätig ein- und ausschalten. Damit wollen Ultraorthodoxe eine Situation vermeiden, in der sie aus der durch Mitarbeiter der Elektrizitätsgesellschaft verübten Schabbatentweihung einen Nutzen ziehen. Während der jüngsten Hitzewelle aber wurde ein Rabbiner in Kaniewskis Synagoge wegen der unerträglich hohen Innentemperatur ohnmächtig. Das bewog Kaniewski zum Umdenken: Um gesundheitliche Risiken für Gottesdienstteilnehmer auszuräumen, ordnete erden Einbau einer Klimaanlage an. (02.09.10)

BELÄSTIGUNG

Anrainer des Ben-Gurion-Flughafens haben Anspruch auf Schadensersatz, wenn der Wert ihrer Häuser durch den Fluglärm gemindert wurde. Das hat das Tel Aviver Bezirksgericht in einem Grundsatzurteil bestimmt. Zwar sei den Bewohnern von in Flughafennähe gelegenen Ortschaften die Lärmbelästigung aus Gründen des Gemeinwohls durchaus zuzumuten. Allerdings müssten sie, so das Gericht, dafür nicht auch noch finanzielle Verluste erleiden. Die Gesamthöhe der bisher gegen den Staat eingereichten Entschädigungsklagen wird auf rund fünf Milliarden Schekel (knapp über eine Milliarde Euro) geschätzt. Ihrerseits hat die staatliche Flughafenbehörde Berufung gegen das Urteil angekündigt. (02.09.10)

BAHN

Die in Jerusalem und anderen ultraorthodoxen Hochburgen für strenggläubige Kundschaft eingesetzten »streng koscheren« Linienbusse, in denen die Geschlechter separat sitzen müssen, stoßen aufheftigen Widerstand liberaler Kreise und haben auch das Oberste Gericht beschäftigt. Jetzt erklärte Jair Nawe, Generaldirektor der Firma CityPass, die die im nächsten Jahr fertigzustellende, erste Jerusalemer Straßenbahnstrecke baut und auch betreiben will, er habe nichts gegen »streng koschere« Straßenbahn-Wagen. Nawes Meinung zufolge hätten nichtorthodoxe Fahrgäste keinen Nachteil zu gewärtigen, wenn jeder vierte oder jeder dritte Wagen Männern und Frauen separate Sitzgelegenheiten böte. Schließlich kämen alle Wagen gleichzeitig am Ziel an. Laizisten lehnen den Vorstoß ab, Ultraorthodoxe begrüßen ihn, entscheiden muss aber die Regierung. (02.09.10)

BRUMMIS

Während sich Eliteeinheiten der israelischen Armee der Freiwilligen nicht erwehren können, litt das Kraftfahrerkorps jahrzehntelang unter Personalmangel. Nicht nur die Aussicht auf endlose Stunden in der Fahrerkabine eines Lkw, oft unter schweren Bedingungen, sondern auch das negative soziale Image, das Armeefahrern anhaftete, schreckte Kandidaten ab. In de(i vergangenen zwei Jahren aber gelang es den Streitkräften, mit einem Anreizprogramm - von MP3-Playern nach erfolgreichem Lehrgangsabschluss bis hin zu Auslandsbesuchen für eingewanderte Soldaten ohne Familienangehörige in Israel - das Steuer herumzureißen. Heute hat die Fahrertruppe mehr Kandidaten, als sie braucht. Selbst das Truppenabzeichen wurde geändert: Hatte der Rüssel des Elefanten, der das Korps symbolisiert, zum Boden gewiesen, so ragt er jetzt hocherhoben in die Luft. Wenn das kein Imagewechsel ist. (02.09.10)

BAU

Israelische Gefängnisse sind überbelegt. Jetzt will das Ministerium für innere Sicherheit eine Rundumlösung schaffen und in Ramla ein Zentralgefängnis für 4.800 Insassenten. Damit die Freiheitsstraf-Anlage auf zur Verfügung stehende Gelände passt, sie sich mit vier Türmen von jeweils zwölf Stockwerken in die Höhe recken. Dabei er jede Etage ihre eigene Infrastruktur mit eigenem Ausgangshof, Unterrichtsräumen anderen Einrichtungen. Dadurch verbessern sich auch die Haftbedingungen derjenigen Insassen, die das »Glück« haben werden, den Superknast zu kommen. (02.09.10)

BEGEGNUNG

Auf den ersten Blick war das Bild idyllisch: Auf einer Weide in unmittelbarer Nähe eines Einkaufszentrums im Haifaer Vorort Nescher stand eine Kuhherde und führte sich gemächlich Gras zu Gemüte. Bis eine der Kühe, vielleicht durch das geschäftige Menschentreiben irritiert, durchdrehte und auf die shoppenden Zweibeiner losging. Bis sie eingefangen werden konnte, verging eine volle Stunde. In dieser Zeit verletzte das Rindvieh eine Frau, trieb Hunderte von Menschen in die Flucht und beschädigte mehrere Kraftfahrzeuge. Dem Herdenbesitzer wird zur Last gelegt, die Tiere zu dicht an das Einkaufszentrum herangeführt zu haben. Wie man sieht, ist die Begegnung von Mensch und Tier auch in der urbanen Hochzivilisation nicht immer risikofrei. (02.09.10)

GLÜCK

Was sind die Voraussetzungen für den langfristigen Erfolg einer Ehe? Das wollte das Zentralamt für Statistik von einer repräsentativen Auswahl israelischer Erwachsener wissen. Dabei wurden die Teilnehmer gebeten, jeweils drei Einflussgrößen für eine gute Partnerschaft zu nennen, so dass die Gesamtzahl der Nennungen 100 Prozent überstieg. Das Ergebnis: 71 Prozent der Befragten nannten gegenseitigen Respekt als Schlüsselfaktor für eine gute Partnerschaft, gefolgt von Treue mit 68 Prozent sowie von Hilfsbereitschaft und der Fähigkeit zum Zuhören mit 45 Prozent auf Rang drei. Liebe wurde immerhin von 43 Prozent der Befragten genannt und kam auf Rang vier. Allerdings ging es dabei wohl nicht nur um den körperlichen Aspekt, wurde doch Sex lediglich von jedem Achten als wesentlicher Bestandteil eines gelungenen Ehelebens genannt. (02.09.10)

GEFAHR

Im Toten Meer, so eine weit verbreitete Meinung, könne man wegen des durch den hohen Salzgehalt erzeugten Auftriebs nicht ertrinken. Die Wahrheit sieht anders aus: Nach jüngsten Angaben des Magen David Adom entfällt auf den Salzsee ein Viertel aller in den letzten Jahren verzeichneten Todesfälle durch Ertrinken. Auch wenn der menschliche Körper auf der Oberfläche bleibt, so kann doch langanhaltendes Eintauchen des Kopfes und das Eindringen von Wasser in die Lungen durchaus zum Tod führen. Deshalb gilt: Ein falsches Sicherheitsgefühl kann Badegästen auch am Toten Meer gefährlich werden. (26.08.10)

GAYS

Tel Aviv hat eine ganze Reihe guter Argumente, um sich als Touristenattraktion zu empfehlen. Ob Kultur, Strande, Nachtleben oder Hotels: Israels Glitzermetropole kann sich im Wettbewerb internationaler Reiseziele sehen lassen. Jetzt leitet die »Stadt ohne Pause« eine neue Werbekampagne in die Wege und empfiehlt sich gleichgeschlechtlich gesinnten Besuchern aus Übersee als das perfekte Reiseziel, an dem die Gays Toleranz und ein relevantes Freizeitangebot finden. »Vom goldenen Mittelmeerstrand«, verspricht ein Werbespruch, »erhebt sich eine der reizvollsten Schwulen-Hauptstädte der Welt«. Das Tourismusministerium hat die Kampagne bewilligt, auch wenn sie bei den religiösen Koalitionspartnern kaum auf Begeisterung stoßen wird. (26.08.10)

GEBORGENHEIT

Ob die Schnellbahnstrecke zwischen Tel Aviv und Jerusalem wirklich die Fahrgastmassen anzieht, die sich die Planer erhoffen, wird man erst nach ihrer um acht Jahre verzögerten Inbetriebnahme im Jahre 2016 sehen. Indessen freut sich die Armee jetzt schon über den neuen, im Bau befindlichen Jerusalemer Bahnhof. Die in 80 Meter Tiefe gelegene Anlage kann nämlich im Falle eines Raketenangriffs bis zu 5.000 Menschen als Luftschutzraum dienen. Auch mehrere, erst auf dem Reißbrett vorhandene U-Bahn-Stationen im Ballungsraum Tel Aviv sollen diese Funktion übernehmen - eine Geborgenheit, die hoffentlich niemals in Anspruch genommen werden muss. (26.08.10)

GESCHLECHT

Jahrelang empfand ein junger Mann aus dem Landeszentrum seinen Körper als fremd und fühlte sich innerlich als Frau. Erschwerend kam hinzu, dass er religiös war und das Problem der Geschlechtsidentität auch seinen Glauben erschütterte. Vor fünf Jahren entschloss er sich zu einer Geschlechtsumwandlung - und kehrte auch zur Religion zurück. Heute pflegt die Mittdreißigerin wieder einen orthodoxen Lebenswandel und geht regelmäßig in die Synagoge, und zwar in eine, in der ihre Geschichte bekannt ist. Wie sie der Tageszeitung Yediot Ahronoth erklärte, trifft sie dort auf Verständnis und Akzeptanz, wobei sie an den Gottesdiensten selbstverständlich in der Frauensektion teilnimmt. (26.08.10)

GOLAN

Nachdem Israel im Jahre 1967 die Golanhöhen eingenommen hatte, wurde eine Anhöhe im Dorf Madschdal Schams als »Hügel der Schreie« bekannt. Dort Versammelten sich Bewohner der vier unter israelische Kontrolle geratenen Drusendörfer, um sich mit Familienangehörigen und Freunden zu unterhalten, die auf syrischem Gebiet geblieben waren. Die akustische Verbindung erfolgte mithilfe von Megafonen, die auf beiden Seiten der Grenze zur Standardausrüstung gehörten. Heute aber, so das Ergebnis einer Prüfung, werden die Sprachrohre nicht mehr benötigt. Zwar sind gegenseitige Besuche noch immer nicht möglich, dafür kommunizieren die Familien jetzt hauptsächlich übers Internet. (26.08.10)

GRÖSSE

Der Pritschenwagen »Chevrolet Silverado« bietet in Israel einen besonderen Vorteil: eine ermäßigte Kaufsteuer. Wegen seiner Länge - 6,6 Meter - und seines Gewichts wurde der amerikanische Pick-up von der Zollbehörde als Nutzfahrzeug anerkannt und mit einem deutlich niedrigeren Steuersatz als ein Pkw belegt. Nun aber kommt man mit einem solchen Monster im israelischen Straßenverkehr schlecht zurecht. Deshalb haben die allermeisten Käufer das Fahrzeug nach dem Erwerb in Karosseriewerkstätten um bis zu 100 Zentimeter kürzen lassen. Das aber ist nicht nur illegal, sondern mindert auch die Verkehrstauglichkeit. Nachdem der Trick aufgeflogen ist, wurden die »Kurzfassungen« aus dem Verkehr gezogen, während gegen die oberschlauen Besitzer ein Ermittlungsverfahren läuft. (26.08.10)

AUSGEBEN

Eine Barmizwa-Feier an der Westmauer wird unter Diasporajuden immer beliebter. In den letzten Jahren, berichtet der für die heilige Stätte zuständige Rabbiner Shmuel Rabinovitch, hat sich die Zahl der Barmizwa-Jungen, die aus allen Ecken der Welt zum Kotel Maaravi kommen, vervielfacht. Die Preise für das einmalige Erlebnis richten sich nach der Zahl der Teilnehmer und dem Programm. Relativ bescheidene Zeremonien, ermittelte die Tageszeitung Haaretz, kosten 25.000 US-Dollar, während für große Feste, bei denen auch bekannte israelische Sänger für Unterhaltung sorgen, bis zu 100.000 US-Dollar ausgegeben werden müssen. (29.07.10)

AUSPROBIEREN

Autos können Energie nicht nur verbrauchen, sondern auch erzeugen. Geht es nach der israelischen Firma Innowattech, sollen Kraftfahrzeuge schon bald einen besonderen Beitrag zur Stromversorgung der Welt leisten. Gegenwärtig erprobt das Unternehmen unter der Fahrbahn angebrachte Generatoren, die Strom erzeugen, wenn ein Fahrzeug über sie hinweg fährt. Dann nämlich wandeln sogenannte piezoelektrische Kristalle die mechanische Energie in Strom um. Die revolutionären Vorrichtungen können auch in Eisenbahnschwellen eingebaut werden. In Industrieländern, argumentiert die Firma, könnte die neue Technologie bei konsequenter Anwendung immerhin mehrere Prozent des Stromverbrauchs decken, und zwar ohne staatliche Subventionen. (29.07.10)

AUSSTRAHLEN

Der Fernsehkanal von National Geographie kommt in Israel sehr gut an. jetzt hat der Sender - zum ersten Mal - eine israelische Serie eingekauft, um sie international auszustrahlen. Das dreizehnteilige Programm trägt den Namen Marktwert, befasst sich aber nicht etwa mit der Finanzwirtschaft, sondern portraitiert bunte Basare und Marktplätze rund um den Globus - etwa in Marrakesch, Istanbul, Mumbai und Jakarta. Drei Episoden wurden in einheimischen Gefilden gedreht und stellen die Altstadt von Jerusalem, Jaffa und Akko in den Mittelpunkt. Die Serie soll ab September in Asien, Afrika, Nahost und Ozeanien sowie in Frankreich und Belgien zu sehen sein. (29.07.10)

AUSBLENDEN

Wie weit geht die arabische Weigerung, die historische Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land Israel anzuerkennen? Im vorliegenden Fall machte sie auch vor dem internationalen Pop-Festival in Ramallah nicht halt. Dort baten die Veranstalter die in den 70er Jahren legendäre Gruppe Boney M., einen ihrer größten Schlager, »By the Rivers of Babylon«, nicht vorzutragen. Das Lied, erklärten sie, sei »unangemessen«. Bekanntlich handelt der Text von der Zionssehnsucht der Juden im babylonischen Exil und wurde dem Psalm 137 entlehnt: »An den Flüssen Babels saßen wir und weinten, wenn wir Zions gedachten.« Die Sänger waren enttäuscht, fügten sich aber dem Wunsch. (29.07.10)

AUSTRINKEN

Es war fast das perfekte Verbrechen. Schalom Chadad, 57, aus Batjam pflegte von Obdachlosen leere Wodka- und Whiskyflaschen aufzukaufen. Aus Fernost bezog er gefälschte Etiketten und Verschlüsse führender Alkoholmarken, reinigte das Leergut, füllte es mit Billigfusel ab und verkaufte die Flaschen an Spirituosenhändler, die die Fälschungen zum vollen Preis an naive Kunden weiterverkauften. Und damit ihm niemand auf die Schliche kam, hatte er den Abfüllbetrieb in dem von ihm gemieteten Keller unterhalb der bekannten Synagoge in der Tel Aviver Allenby-Straße errichtet. Zum Schluss flog der Schnapspanscher dann aber doch durch einen Hinweis aus der Bevölkerungsauf. Wie die Polizei betonte, war den Betreibern der Synagoge das unterirdische Treiben nicht bekannt. (29.07.10)

AUSRADELN

Dass Knessetmitglieder grundsätzlich faul sind, ist eine Legende. Ein gutes Beispiel ist die Kadima-Abgeordnete Ronit Tirosch. Die ehemalige Generaldirektorin des Erziehungsministeriums nutzt die  parlamentarische Sommerpause nämlich für eine Radtour in den Alpen. Dabei will sie mit ihrem Fahrrad eine Höhe von anderthalb bis zwei Kilometern über dem Meeresspiegel erklimmen - und zwar in dem für Leistungssportler nicht mehr ganz jungen Alter von 56 Jahren. Wenn man seelisch auf Anstrengungen eingestellt sei, verriet Tirosch ihr Erfolgsgeheimnis, sei der physische Kraftaufwand leichter zu bewältigen. Und um sich die Stimmung nicht von politischen Nachrichten verderben zu lassen, will die Parlamentarierin ihr Handy die meiste Zeit ausgeschaltet lassen. (29.07.10)

AUSEINANDERSETZEN

Vielleicht können Einzelne nicht ohne Weiteres die Welt verändern, doch hat ein junger Palästinenser aus Ramallah zumindest einen Schritt in diese Richtung getan. Der Mittzwanziger organisierte, aus eigenem Antrieb, eine Gruppe von insgesamt 27 jungen Erwachsenen aus der Westbank und besuchte mit ihnen die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Um die Israelis zu verstehen, so der Initiator, müssten die Palästinenser auch über den Holocaust lernen - vor dem Hintergrund der in der palästinensischen Gesellschaft und Politik weit verbreiteten Holocaust-Leugnung eine besonders mutige Initiative. Um sie vor Racheakten palästinensischer Judenhasser zu schützen, blieben die Namen des Initiators und seiner Mitbesucher geheim. (29.07.10)

MUTTER

Es ist keine Seltenheit, dass Nachfahren prominenter Zionisten in der Diaspora leben. Hillary Rubin, Urgroßnichte des ehemaligen Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation (1932-1936) wollte das zumindest für sich selbst ändern und wanderte vor vier Jahren aus den USA nach Israel aus. In der altneuen Heimat wollte sie jetzt auch heiraten, ist damit aber gescheitert. Im Rahmen neuer, vom Oberrabbinat erlassener Richtlinien für die Anerkennung des Judentums von Ehekandidaten, deren Eltern nicht in Israel geheiratet haben, verlangte das Stadtrabbinat in Herzlya von der 29-Jährigen nämlich, die religiösen Eheschließungsurkunden und Geburtsscheine beziehungsweise Sterbeurkunden ihrer Mutter, Großmutter, Urgroßmutter und UrUrgroßmutter vorzulegen. Rubins Hinweis, sie entstamme einer Familie von Holocaustüberlebenden, die kein Familienarchiv haben könne, vermochte die Rabbiner nicht zu beeindrucken. Nun wollen Rubin und ihr Bräutigam auf Zypern heiraten. Gleichzeitig bekundet die Braut Verständnis für Olim, die Israel wieder verlassen. (05.08.10)

MISSSTAND

Und schon wieder ist es soweit: Trotz jahrelanger Debatten über die Energiekrise hat Israel nicht genug neue Kraftwerke gebaut. Daher drohen auch in diesem Sommer Stromabschaltungen. In der Not hat die Elektrizitätsgesellschaft den Wasserversorger Mekorot als Partner für eine originelle Lösung gewonnen: Um die tägliche Strombedarfsspitze zu senken, ist Mekorot bereit, das elektrizitätsintensive Wasserpumpen in den kritischen Stunden des Tages einzuschränken. Allerdings braucht sie, um das Sparpotenzial voll nutzen zu können, eine Vorwarnzeit von 24 Stunden. Sonst heißt es vielleicht schon bald: Was wäre Ihnen lieber: Kein Wasser oder kein Strom? (05.08.10)

MUTTERSCHAFT

Die Brüder Idan und Koren Schreiber sind eineiige Zwillinge und haben schon immer vieles gemeinsam unternommen. Jetzt wurden sie auch noch gleichzeitig Vater. Wie der Zufall es wollte, wurde ihren schwangeren Frauen der Gebärtag auf dasselbe Datum ausgezählt. So beschlossen beide Elternpaare, ihre jeweiligen Nachkömmlinge im selben Krankenhaus zur Welt zu bringen. Zwar wohnen die Familien in verschiedenen Städten, doch einigte man sich auf Haifa, wo die Eltern von Idan und Koren leben. Und siehe da: Die beiden Cousins - ein Junge und ein Mädchen - erblickten im Abstand von nur wenigen Stunden das Licht der Welt. Künftig können nicht nur die beiden Väter, sondern auch Vetter und Base gemeinsam Geburtstag feiern. (05.08.10)

MATHE

Die gute Nachricht zuerst: Bei der Mathematik-Olympiade für Schüler hat Israel den respektablen zehnten Rang belegt. Die schlechte Nachricht: Das war vor einem Jahrzehnt. Bei dem jetzt in Kasachstan abgehaltenen Wettbewerb musste sich die israelische Mannschaft dagegen mit Rang 53 begnügen. Wegen des Mangels an geeigneten Kandidaten war Israel nicht einmal imstande, eine Mannschaft in der Sollstärke von sechs Teilnehmern aufzustellen, und entsandte, wie manch ein Entwicklungsland, nur fünf Bewerber. Das katastrophale Abschneiden wird von Bildungsexperten auf die sich verschärfende Krise des israelischen Erziehungswesens zurückgeführt. (05.08.10)

MAUS

Die Familie Suissa erlebte eine unliebsame Bereicherung ihres Einkaufs: In der Milchtüte befand sich eine Maus. Das wollten die Suissas nicht hinnehmen und verlangten von der Molkerei eine Entschädigung. Daraus aber wurde vorerst nichts. Laborbefunde an der Tüte, so das Unternehmen nach einer Untersuchung des vermeintlichen corpus delicti, habe ergeben, dass der »Fremdkörper« -gemeint war die Maus - erst nach dem Öffnen der Tüte dort hingelangt sei. Daher handele es sich wohl um versuchte Erpressung. Um den Streit dennoch beizulegen, sei die Firma bereit, die Klage im Wege der Kulanz mit 250 Schekel, umgerechnet 50 Euro, abzugelten. Das wiederum lehnte die Familie empört ab. Nun wird die Angelegenheit vor Gericht ausgefochten. (05.08.10)

METHODE

In der Innenstadt von Jerusalem treibt eine Diebesbande ihr Unwesen, die Geschäfte am helllichten Tage mithilfe eines Rollenspiels ausnimmt. Während einer der Kriminellen den Verkäufer oder die Verkäuferin ablenkt, räumt der andere ab. In anderen Fällen griffen die ungebetenen Kunden zu einem besonders dreisten Trick: Einer von ihnen zog sich vor den Augen der Verkäuferinnen bis auf die Unterhose aus, während sein Komplize derweil ungeniert in die Warenregale griff. Bevor die verschreckten Frauen begriffen, was passierte, waren die Diebe schon mit der Beute durch die Tür verschwunden. (05.08.10)

MÄNNERWIRTSCHAFT

Nachwuchsprobleme bei den Siamang-Affen im Biblischen Tiergarten in Jerusalem: Das herrschende Affenpaar hat das Fruchtbarkeitsalter überschritten, aber ausschließlich männliche Nachfahren hinterlassen. Damit stand die kleine Affengruppe, die eine künstliche Insel am Eingang zum Zoo bewohnt und dank ihrer durch einen Kehlsack enorm lauten Schreie zum akustischen Wahrzeichen des Tiergartens wurde, vor großen Zukunftsproblemen. Um neuen Nachwuchs sicherzustellen, importierte die Zooleitung ein Siamang-Weibchen aus Portugal und hofft, dass dieses einem der Männchen gefällt. Das in die Jahre gekommene Elternpaar wird für den Ruhestand in den Safari-Wildpark von Ramat-Gan gebracht. (05.08.10)

VERSTROMT

Wer gedacht hat, die jüngsten Erdgasfunde - sie reichen für mindestens zwei Jahrzehnte - würden den israelischen Drang nach Kernkraftwerken bremsen, hat sich offenbar getäuscht. Wie die Tageszeitung Yediot Ahronot enthüllte, verhandelt Israel mit den USA über politische Hilfe für den Bau von Atommeilern. Mithilfe der US-Regierung strebt Jerusalem ein Kernkraftprogramm nach dem sogenannten indischen Modell an: Wie Israel ist auch Indien kein Mitglied des Atomsperrvertrags, doch darf es nach einer internationalen Übereinkunft mit ziviler Atomtechnologie beliefert werden. Im Gegenzug für diese Lösung wäre Israel bereit, seine zivilen Kernkraftanlagen internationaler Kontrolle zu unterstellen. Ob der Plan aufgeht, ist ungewiss. (12.08.10)

VERSPROCHEN

Bei der Übersetzung der Bibel ins Deutsche postulierte Martin Luther, bei der Wortwahl müssten Sprachexperten »dem Volk aufs Maul schauen«. Jetzt hat die Akademie für die Hebräische Sprache diesen Grundsatz an das elektronische Zeitalter angepasst. In ihrem neuen Internetauftritt fordert sie die Hebräischsprachigen auf, ihr ihre sprachlichen Präferenzen für verschiedene Begriffe per E-Mail mitzuteilen und verspricht, die Hinweise würden bei den linguistischen Entscheidungen der Akademie berücksichtigt. Allerdings fragt man sich, ob auch das Volk der Akademie aufs Maul schauen will. Viele der von den Sprachweisen verfügten Hebräisierungen bleiben nämlich auf dem Papier - auch wenn sie sprachlich überaus logisch sein mögen. (12.08.10)

VERGRABEN

Grenzsicherung ist ein mühsames Geschäft. Das machen sich Schmuggler, Diebe, illegale Eindringlinge oder auch Terroristen weltweit zunutze, um über ungenügend bewachte Grenzen in Nachbarländer zu gelangen. Jetzt will ihnen die israelische Rüstungsfirma Elbit das Handwerk wenigstens erschweren. Das Unternehmen hat ein schnurloses, unterirdisch anzubringendes Warngerät vorgestellt, das mithilfe seismischer und akustischer Sensoren menschliche Bewegung entdeckt und an die Einsatzzentrale meldet. Das Besondere an den Geräten, die aneinandergereiht einen unsichtbaren Grenzzaun bilden können, ist ihre Fähigkeit, Bewegungen von Mensch und Tier auseinanderzuhalten und nicht bei jedem Wildwechsel anzuschlagen. Wie es heißt, interessieren sich neben der israelischen Armee auch mehrere europäische Staaten für das Wunderwerk der Technik. (12.08.10)

VERHÜLLT

Auch mit der Frömmigkeit kann man's übertreiben. Rabbiner der in Jerusalem beheimateten ultraorthodoxen Gruppierung Eda Charedit (Gemeinde der Gottesfürchtigen) sind über ein bisher begrenztes, sich aber langsam verbreitendes Phänomen in den ultraorthodoxen Stadtvierteln besorgt: Die Ganzkörperverhüllung von Frauen - Gesichtsschleier inklusive. Mit der burkaähnlichen Kleidung wollen die Frauen das Gebot züchtiger Kleidung auf besonders strenge Weise erfüllen. Allerdings geht die »Taliban-Mode«, wie die Gewänder spöttisch genannt werden, den Rabbinern und den meisten ultraorthodoxen Bewohnern zu weit. Jetzt überlegen die Schriftgelehrten, mit welchen Maßnahmen die unerwünschte Sitte beendet werden kann. (12.08.10)

VERURTEILT

Im Zweifel für den Angeklagten? Im vorliegenden Fall wurde der mutmaßliche Täter dennoch für schuldig befunden. Der Besitzer eines Pkws wurde vor einem Verkehrsgericht angeklagt, eine Ampel bei Rot überfahren, eine Fußgängerin verletzt und sich, ohne ihr Hilfe zu leisten, aus dem Staub gemacht zu haben. Der Angeklagte behauptete während des gesamten Verfahrens, nicht er habe am Steuer gesessen, wisse aber nicht, wer der Unfallfahrer gewesen sei. Trotz dieser Verteidigungsstrategie wurde schuldig gesprochen - nicht wegen des Verkehrsdelikts, sondern wegen Strafvereitelung. Dass dem Fahrzeugeigner die Identität des Fahrers unbekannt sei, nahm ihm das Gericht nicht ab. (12.08.10)

VERBLÜFFT

Ein ungeborenes Baby rettet sein eigenes Leben und das seiner Mutter. Klingt utopisch, ist aber wahr. Als sich Hindi Gross, werdende Mutter aus Petach Tikwa, einen Tag vor dem geplanten Kaiserschnitt einer Ultraschalluntersuchung unterzog, erkannte der Arzt, dass das Baby einen mysteriösen Gegenstand in der Hand hielt. Wie sich bei der daraufhin angeordneten Notoperation herausstellte, war es ein Blutgerinnsel, das sich infolge einer vorzeitigen Loslösung der Plazenta gebildet hatte, ein Zustand, der das Leben des Ungeborenen wie der Mutter gefährdet. »Es war«, berichtete anschließend einer der verblüfften Mediziner, »als wollte uns das Baby das Gerinnsel zeigen«. Den Eingriff haben Mutter und Töchterchen gut überstanden. (12.08.10)

VERSCHÖNERT

Fast wie die Heinzelmännchen: In der Kleinstadt Ewen Jehuda, unweit von Netania, drangen mehrere Männer in das leer stehende Haus eines südafrikanischen Juden und renovierten es - aus eigenem Antrieb und ohne Bezahlung. Allerdings handelte es sich um keine auf Anonymität bedachten edlen Wohltäter, sondern um Kriminelle, die das Haus nach der Instandsetzung unter Vortäuschung falscher Eigentumsverhältnisse verkaufen wollten. Ihr Pech: Ein mit der Immobilie vertrauter Wohnungsmakler, der in derselben Straße wohnt, bemerkte das ungewöhnliche Treiben und alarmierte die Polizei, die den »Bauherren« das Handwerk legte. Nun haben sie das Haus - fast wie die Heinzelmännchen - umsonst verschönert. (12.08.10)

AUSFUHR

Besser später als nie. Nach diesem Motto nimmt die israelische Regierung ein Programm zur ökonomischen Förderung der arabischen Minderheit in Angriff. Als Erstes sollen arabische Unternehmen bei ihren Weltmarktgeschäften unterstützt werden. Das ist auch dringend erforderlich: Bisher gibt es bei den arabischen Israelis so gut wie keine Exporteure, während der Rest der israelischen Wirtschaft dank boomender Ausfuhren gedeiht. Nicht minder wichtig ist die geplante Aufwertung des im arabischen Sektor unterentwickelten bis nichtexistenten öffentlichen Verkehrs. So etwa soll in Umm al-Fahem, einer Stadt mit immerhin 44.000 Einwohnern, erstmals seit der Staatsgründung ein Linienbusverkehr eingerichtet werden. Wie gesagt, besser später als nie. (19.08.10)

AUSBILDUNG

Angehörige der israelischen Marinekommandoeinheit sind ungenügend auf den Nahkampf vorbereitet. Diese für eine Elitetruppe höchst peinliche Erkenntnis ist eine der Schlussfolgerungen aus der Affäre um die türkische »Hilfsflotte« für Gaza. Wären die Israelis kampferprobter in das Handgemenge gegangen, hätten sie sich der islamistischen Angreifer an Bord der Mavi Marmara mit weniger Schusswaffen erwehren und die Zahl der Toten und Verletzten senken können. Jetzt wird der Ausbildungsfehler, wie die Tageszeitung Maariv berichtete, behoben. Fragen nach der Qualität der militärischen Planung der Einheit sind damit aber nicht ausgeräumt. (19.08.10)

ANSPORN

Unter den Tausenden von Examenskandidaten bei der jüngsten Rabbinerprüfung des israelischen Oberrabbinats fiel einer durch sein junges Alter auf: Das Wunderkind, dessen Wissen dem vieler erwachsener Schriftgelehrter in nichts nachsteht, ist ganze 14 Jahre alt. Zwar wurden die Ergebnisse in Mosches Fall - der Familienname bleibt auf rabbinische Anweisung geheim - nicht ausgewertet, weil er altersbedingt kein Rabbineramt ausüben darf, doch wollten ihn die Oberrabbiner durch die Prüfungsteilnahme zu weiteren Erfolgen anspornen. Dabei ist Mosche nicht das erste Junggenie in seiner Familie, die in der Scharon-Region nördlich von Tel Aviv wohnt. Sein um ein Jahr jüngerer Bruder hat bereits ein Mathematikstudium an der Hebräischen Universität in Jerusalem absolviert. (19.08.10)

AUFPASSER

Moralhüter in Jerusalems ultraothodoxem Stadtteil Mea Schearim haben Bekleidungsgeschäften, die unzüchtige Frauenkleider anbieten - gemeint sind vor allem zu kurze Kleider und Röcke sowie eng anliegende Kleidungsstücke - den Kampf angesagt. Per Anzeige wurden die Ladeninhaber angewiesen, die Anstoß erregende Mode aus ihren Verkaufslokalen zu entfernen. Mithilfe von »Inspektoren« wollen die frommen Aufpasser sicherstellen, dass der Anweisung Folge geleistet wird. Wohlgemerkt würden ultraorthodoxe Kundinnen die beanstandeten Textilien ohnehin nicht erwerben, doch frequentieren auch andere Käuferinnen - vor allem aus ärmeren Schichten - die für ihre niedrigen Preise bekannten Geschäfte in ultraorthodoxen Vierteln. Damit wächst sich das jüngste Scharmützel im israelischen Kulturkampf auch zu einer sozialen Frage aus. (19.08.10)

AMOR

Vier Jahre lang hat Irene Bronfman ihrem Land, Chile, als Botschafterin in Israel gedient. Als ihre Amtszeit vor Kurzem ablief, beschloss sie, im jüdischen Staat zu bleiben - als Immigrantin. Der Grund war weniger ideologischer als persönlicher Natur: Während ihres diplomatischen Aufenthaltes lernte Bronfman ihren gegenwärtigen Lebensgefährten, einen Israeli, kennen. Es sei, so die Ex-Botschafterin, für das. Paar leichter, in Israel zu bleiben, als nach Chile überzusiedeln. Die prominente Ola wurde von Immigrationsministerin Sofa Landwer zu ihrem Beschluss beglückwünscht. Eine Liebesbeziehung, die zur Einwanderung führe, so die Ressortinhaberin, sei wunderbar. (19.08.10)

AUFWERTUNG

Im letzten Jahr sind die Preise für den Rohstoff Kupfer steil angezogen. Diese Aufwertung merken viele Bewohner der Negev-Wüste am eigenen Leibe, wenn ihnen eines schönen Morgens Warmwasser fehlt. Der Zusammenhang: In der Südregion des Landes montieren pfiffige Diebe immer öfter die auf Häuserdächern aufgestellten Solarkessel ab, reißen sich die Kupferrohre unter den Nagel und verscherbeln das begehrte Material auf dem Schwarzmarkt. Versuche der Polizei, die Klau-Epidemie einzudämmen, sind bisher gescheitert. (19.08.10)

ABBAU

Wenn Jerusalem tagsüber im Himmelslicht zu schwimmen scheint und beim Sonnenuntergang in atemberaubender Schönheit erstrahlt, so liegt das nicht zuletzt an dem Jerusalem-Stein, in dem die Gebäude der Stadt verklinkert sind. In den letzten Jahren wird die Steinverkleidung aber auch in der Diaspora beliebt und von vielen Synagogen und anderen jüdischen Einrichtungen gewählt. Zum Teil sind die schönen Steine aus dem Heiligen Land auch bei nichtjüdischen Kunden beliebt, beispielsweise Kirchen. In der Folge hat sich der Export von Jerusalem-Stein zu einem boomenden Geschäft entwickelt - und zwar sowohl für israelische Steinbruchbetreiber als auch für ihre palästinensischen Kollegen in der Westbank. Der Boom hat aber auch eine Schattenseite: Angesichts der mit dem Abbau einhergehenden Landschaftsschäden fordern einige Umweltexperten inzwischen, den Export zu unterbinden. (19.08.10)

GEWÄHLT

Jerusalem ist die attraktivste Stadt in Afrika und Nahost. So lautet jedenfalls das Ergebnis der jährlichen Leserumfrage des prestigereichen amerikanischen Magazins Travel and Leisure. Mit dieser Benotung konnte Israels Hauptstadt ihren Platz gegenüber dem Vorjahr um zwei Ränge verbessern. Auch Tel Aviv kann sich - im Wortsinne - sehen lassen: Es belegte in der diesjährigen Umfrage Rang drei. Auf Platz zwei liegt Kapstadt. Auf den nachfolgenden Rängen vier bis zehn sind Marrakesch, Kairo, Petra in Jordanien, Dubai. Alexandrien, Nairobi und Amman zu finden. (05.08.10)

GEWARNT

Hotels - auch israelische - können die strenge religiöse Moral ultraorthodoxer Juden unterwandern, etwa durch Fernsehen, Internet, die Vermischung der Geschlechter oder den Anblick unzüchtig gekleideter Zeitgnossinnen. Deshalb hat eine Gruppe strenggläubiger Rabbiner die ultraorthodoxe Presse aufgerufen, keine Anzeigen für Hotels mehr zu veröffentlichen. Wer für solche Etablissements werbe, warnten die Koryphäen, verführe die Leser zur Sünde. Das gelte auch für viele Herbergen, die von anderen, weniger rigiden Rabbinern für erlaubt erklärt wurden. Lediglich drei Hotels in ganz Israel, so die Schrift-gelehrten, erfüllen die strengen Anforderungen ultraorthodoxer Kunden und dürfen beworben werden. (05.08.10)

GELAUERT

Wüstensoldaten sind harte Burschen. Oder auch nicht. Dieser Tage hat die israelische Armee die Existenz einer rein weiblichen Wüsteneinheit mit dem Namen Nachschol - zu Deutsch: reißende Woge - enthüllt. Die jungen Frauen, allesamt Kampfsoldatinnen, sind auf Feldaufklärung spezialisiert, vor allem auf die Beobachtung der israelisch-ägytischen Grenze und sollen unter anderem den Menschenhandel und Drogenschmugel unterbinden. Dank ihres Einsatzes konte die Armee schon manche Schmugglerbande stellen. Die Soldatinnen verbringen bis zu drei Tage ohne Pause im Hinterhalt und sind Meisterinnen der Tarnung. Selbst wer wenige Meter vor ihrem Versteck steht, bemerkt sie kaum. Wo es dennoch Unterschiede zu einem männlichen Aufklärungstrupp gibt: Die Soldatinnen dürfen Sturmgepäck nur bis zu einem Gewicht von 33 Prozent ihres eigenen Körpergewichts aufladen - bei Männern sind es 50 Prozent - und sie tragen Nagellack. (05.08.10)

GESUCHT

Asmi Bischara wusste bisher aus allem das Beste für sich zu machen und zu genießen. Er war arabischer Nationalist, der aus seinem Hass auf Israel keinen Hehl machte. Zugleich war er aber auch Mitglied der Knesset. Während des Libanonkrieges hat er, wenn der Verdacht zutrifft, für die Hisbollah spioniert - gegen den Staat, dessen Bürger er war. Danach flüchtete er ins Ausland um der drohenden Verhaftung zu entgehen. Seitdem lebt er unter Israels Feinden. Aber auf die ihm zustehende Knesset-Pension will er bis zum heutigen Tag nicht verzichten. Wenigstens der Geldfluss soll jetzt versiegen. Die Regierung bereitet ein Gesetz vor, das flüchtigen Knessetmitgliedern, auf deren mutmaßliche Straftaten eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren steht, die Pensionsrechte aberkennt. (05.08.10)

GESTRICHEN

Wegen der Spannungen im israelisch-türkischen Verhältnis müssen streng fromme Haushalte in Israel viele türkische Nahrungsmittel vom Speisezettel streichen. Der Grund: Strenggläubige Haushalte kaufen nur solche Produkte ein, die nicht bloß koscher, sondern streng koscher sind (nicht mit dem nur für Fleisch geltenden Prädikat »glatt koscher« zu verwechseln). Ein Streng-Koscher-Zertifikat wird aber nur ausgestellt, wenn sich der Kaschrutaufseher ständig im Betrieb befindet und die Herstellung überwacht. Die für die Zertifizierung zuständigen israelischen Orga­nisationen haben aber Angst um ihre Experten und lassen sie nicht mehr für längere Zeit in die Türkei reisen. Dagegen ist die Einfuhr von Produkten mit normaler Kaschrut, für die nur Besuche der Aufseher, aber keine ständige Präsenz bei der Herstellung erforderlich ist, von der Krise nicht betroffen. (05.08.10)

GEURTEILT

Vielleicht hatte die Geschäftsführung der Buchhandelskette Tzomet Sfarim zu viele Thriller gelesen. Auf jeden Fall beschloss das Unternehmen vor einigen Monaten, für seine Mitarbeiter eine biometrische Stechuhr einzuführen, bei der sich die Lohnempfänger mithilfe des Fingerabdrucks identifizieren sollten. Als eine Gruppe von 14 Mitarbeitern dies unter dem Hinweis auf den Schutz ihrer Privatsphäre verweigerte, drohte die Firma einer der Betroffenen mit Kündigung, jetzt gab ein Arbeitsgericht den Verweigerern Recht und lehnte das Argument der Firma ab, die biometrische Identifizierung der Mitarbeiter sei erforderlich. Die Buchläden hüteten schließlich keine Staatsgeheimnisse, urteilte der Richter, und befänden sich auch nicht an der Grenze zum Iran. (05.08.10)

GESCHAFFT

Beharrlichkeit zahlt sich aus. Das kann Zemach Chamus aus Tiberias bezeugen. Der 59-Jährige hat soeben die Fahrprüfung bestanden und einen Führerschein ausgehändigt bekommen. Dass dies erst in diesem Alter geschah, liegt schlicht daran, dass Chamus bisher bei der Fahrprüfung 28 Mal durchgefallen ist - aus Angst vor den Prüfern, wie er sagt, auch wenn er die meisten von früheren Versuchen her kannte. Allerdings gab. er die Hoffnung auf Erfolg nie auf und trat immer wieder zur Prüfung an. Nach dem erfolgreichen 29. Versuch konnte der ewige Kandidat sein Glück kaum fassen. (05.08.10)

BEREICHERT

Der jährliche Tanach-Wettbewerb für Jugendliche ist ein festes Ereignis im israelischen Kalender. Jetzt wird auch das Bibel-Quiz für Erwachsene erstmals seit 1981 wieder aufgelegt. Das Interesse ist groß, wie die rund 1.700 Anmeldungen beweisen. Unter den Mitbewerbern sind vor allem religiöse Juden, aber auch circa 200 Laizisten. Und selbst ein Araber ist dabei: Der beduinische Hebräischlehrer Schadi Abu Ärar aus der Stadt Ar'ara. Für den gläubigen Moslem ergänzt das Tanach-Studium, das er seit seiner Kindheit betreibt, in keiner Weise den Koran, stellt aber, wie er im Vorfeld des Wettbewerbs erklärte, eine Bereicherung dar. (29.07.10)

BEGRÜSST

Der Streit zwischen Israel und der Türkei wird von lachenden Dritten nicht ohne Genugtuung gesehen. So etwa hoffen Länder wie Zypern, Bulgarien und Rumänien, israelische Touristen, die die Türkei in diesem Sommer aus Angst oder aus Empörung meiden, bei sich begrüßen zu dürfen. Auch die auf ausländische Investitionen angewiesene kurdische Autonomieregion im Irak sucht aus der neuen Situation ihren Vorteil zu schlagen. Einem Bericht zufolge hat die kurdische Regionalregierung mit dem israelischen Konzern Israel Corporation Verhandlungen über den Bau einer Ölraffinerie im kurdischen Norden des Iraks aufgenommen. Aus türkischer Sicht wäre eine wie auch immer geartete Allianz zwischen Israelis und Kurden negativ. (29.07.10)

BEBAUT

Raanana, nördlich von Tel Aviv gelegen, ist ein dynamischer Hightech-Standort, die Wahlheimat vieler angelsächsischer Immigranten und für seine hohe Lebensqualität bekannt. So ist es vielleicht kein Zufall, dass Raanana als erste israelische Stadt die vom Umweltministerium bereits vor einigen Jahren formulierte, bisher aber nicht verbindliche Norm für umweltgerechtes Bauen freiwillig übernommen hat. Das bedeutet, dass alle neuen Gebäude in Raanana einer Reihe von Anforderungen an Energieeffizienz, Reinhaltung von Grundwasser und andere Parameter genügen müssen. Zwar verteuern sich die Häuser dadurch um schätzungsweise zwei Prozent, doch hoffen die Stadtväter auf das Verständnis der Bewohner und solcher, die es in der ökogerechten Stadt werden möchten. (29.07.10)

BELEHRT

Israelische Richter fällen ihre Entscheidungen, wie man weiß, nach Gesetzen der Knesset und nicht nach der Halacha. Allerdings, befand die Präsidentin des Bezirksgerichts Tel Aviv, Dwora Berliner, kann ein wenig jüdisches Wissen auch säkularen Juristen nicht schaden. Deshalb findet künftig jede Woche eine Talmudstunde für die Rechtsgelehrten statt - und zwar nicht auf Kosten der Arbeitszeit, sondern vorderen Beginn. Zur Teilnahme gezwungen wird indessen niemand. Da muss sich erst mal zeigen, auf wie viel Interesse die Fortbildungsinitiative bei den Gerichtsherren stößt. (29.07.10)

BEGÜTERT

Wie zerronnen, so gewonnen. Nachdem die Zahl der israelischen Millionäre 2008, dem Jahr der weltweiten Finanzkrise kräftig gesunken war, konnte sie 2009 noch kräftiger wachsen. Nach einer Studie der Investitionsbank Merrill Lynch gab es in Israel Ende vergangenen Jahres 8.419 Millionäre, 42 Prozent über dem Vorjahresstand und mehr als je zuvor in Israels Geschichte. Damit erholte sich der Bestand reicher Bürger in Israel schneller als im Weltdurchschnitt. Nur noch in Hongkong und Indien schnellte die Millionärszahl noch sprunghafter in die Höhe. Indessen hat der Reichtum auch eine Schattenseite: Israel gehört noch immer zu den Ländern mit dem höchsten Wohlstandsgefälle. (29.07.10)

BESCHENKT

Im Winter hatten viele Israelis geglaubt, die zuweilen recht heftigen Regenfälle könnten die Wasserkrise des Landes wenigstens lindern. Das aber war nur der fromme Wunsch. Im Juli, kaum dass der »richtige« Sommer begonnen hat, fiel der Wasserpegel des Kinnereth-Sees wieder auf die kritische »rote Linie« von 213 Metern unter dem Meeresspiegel. Bis zum Beginn des Winterregens wird der See mindestens auf minus 214 Meter sinken und weiter Schaden nehmen. Um den Wasserverbrauch zu senken, will die Regierung nun druckmindernde Wasserhahnvorsätze im Wert von umgerechnet sechs Millionen Euro als Geschenk an Hunderttausende Haushalte verteilen. Vielleicht keine schlechte Idee: Zubehör Made in China kann man immer kaufen, einen neuen Kinnereth nicht. (29.07.10)

BETROGEN

Sieben an Krebs erkrankte Israelis begehrten, ihre für den Todesfall oder das Auftreten eines unheilbaren Leidens gedachte Zusatzversicherungspolice zu aktivieren und den vertraglich vorgesehenen Versicherungsbetrag von umgerechnet rund 30.000 Euro pro Person abzurufen. Als Voraussetzung für die Leistungserbringung verlangte die Versicherungsgesellschaft jedoch eine - von der Sozialversicherungsanstalt in solchen Fällen nicht ausgestellte - amtliche Feststellung einer dauerhaften 100-Prozent-Invalidität oder aber eine ärztliche Bescheinigung, der Kranke habe nicht länger als 18 Monate zu leben. Da sich kein Mediziner bereit fand, den Patienten die gewünschte Sterbegarantie auszustellen, blieb die Zahlung aus. Jetzt haben die ebenso wütenden wie verzweifelten Patienten die Versicherung verklagt. (29.07.10)

BEWÄHRT

Ob Schoschi Israeli, ehemals aus Petach-Tikwa, seit zehn Jahren in Madrid wohnhaft, Eskimos Eis verkaufen könnte, weiß man nicht. Auf jeden Fall hat es die Israelin geschafft, in Spanien zur Flamenco-Lehrerin aufzusteigen. Als wäre das nicht Herausforderung genug, startete sie auch noch Flamenco-Kurse für Gefängnisinsassen und kam vor allem bei Roma-Häftlingen schlecht an. Sie trauten der Lehrerin vom anderen Rand des Mittelmeers nicht besonders viel zu. Zum Schluss hat sich Israeli auch in der Justizvollzugsanstalt bewährt und eine Flamencotruppe aus Tänzerinnen und singenden Männern aufgestellt. Jetzt sind auch Auftritte jenseits der Gefängnismauern geplant. (29.07.10)

BEFREIT

Im Kinderzoo des Kibbuz Nir Elijahu hatte sich ein Kätzchen in einen Paviankäfig verlaufen. Was für ein Fehltritt, denn das Affenweibchen ließ es aus lauter Mutterliebe nicht mehr gehen. Da Paviane recht aggressiv werden können, war die Befreiung des Kleinen kein leichtes Unterfangen. Erst als sich Äffin und K