Kurzmeldungen
aus dem Leben in Israel werden hier wiedergegeben
Zuletzt ergänzt am 02.04.2010
SEE
Über Wasser wird in Israel viel gesprochen. Allerdings hält sich das tatsächliche Wissen der Bürger über diese so wichtige
Materie in Grenzen. So halten acht von zehn Israelis Wasser für überteuert, doch machen
sich nur drei von zehn die Mühe, sich ihre Wasserrechnung
anzusehen. Lediglich zwei von zehn Verbrauchern ist bewusst, dass der größte Anteil des häuslichen Wasserverbrauchs
auf die Toilettenspülung entfällt. Ähnliche Unwissenheit
herrscht über die Herkunft des
Wassers: Während 60 Prozent der Bürger glauben, der überwiegende Teil komme
aus dem Kinneret, liefert der See in Wirklichkeit nur
ein Fünftel der Wassermenge: Zwei Drittel stammen aus Grundwasserreservoirs,
während 15 Prozent von Entsalzungsanlagen bereitgestellt werden.
SEKTOR
Die Wirtschaft
des arabischen Sektors ist wenig mit dem Rest des Landes verbunden. Auch
erwirtschaften die arabischen Bewohner lediglich acht Prozent des israelischen
Bruttoinlandsprodukts, obwohl sie ein Fünftel
der Bevölkerung stellen. Das
sind keine feindseligen Anschuldigungen aus dem Ausland, sondern amtliche
Angaben des israelischen Ministerpräsidentenamtes.
Jetzt hat die Regierung ein Programm zum Abbau der tiefen sozioökonomischen Kluft zwischen Arabern und Juden beschlossen. Danach
werden Investitionen, Existenzgründungen
und Arbeitsplatzbeschaffung im arabischen Sektor besonders gefördert - vorerst in zwölf
großen arabischen Ortschaften, darunter Nazareth und Umm al-Fahem, zu einem späteren Zeitpunkt, so jedenfalls der gute Vorsatz, auch anderswo.
STREIT
Als hätte Benjamin Netanjahu nicht schon genug Sorgen, droht seiner
Regierung eine halachische Koalitionskrise. Beim Bau des neuen, gegen
Raketenangriffe geschützten Notaufnahmegebäudes am Barsilai-Kranken-haus in Aschkelon wurden antike Gräber entdeckt. Auf Forderung ultraorthodoxer Kreise, für die eine Verlegung der Gräber,
geschweige denn deren Überbauung, nicht infrage
kommt, beschloss die Regierung eine kostspielige Verlegung des Gebäudes an eine andere Stelle, für
umgerechnet 30 Millionen Euro. Dagegen gab es nicht nur aus Medizinerkreisen
Proteste. Auch stellt sich die Frage, ob der Beschluss, der nach Überzeugung der Kritiker Menschenleben gefährdet, überhaupt rechtens ist.
jetzt soll ein interministerieller Ausschuss das Dilemma klären.
SONNE
Bis vor vier
Jahren war die im Negev gelegene Ahorn-Farm der
Familie Scharon der inoffizielle Regierungssitz des Staates Israel, an dem der
damalige Premier Ariel Scharon die wirklich wichtigen Gesprächspartner empfing und strategische Entscheidungen traf. Auch durch
ihre preisgekrönten Zuchtbullen wurde die
Farm bekannt. Jetzt schreitet der berühmteste
Agrarbetrieb des Landes einer lichten Zukunft entgegen: Scharon Seniors rührige Söhne Omri
und Gilad wollen den von der Sonne verwöhnten Landsitz zu einem Standort fotovoltaischer
Stromerzeugungsanlagen machen. Mit einer Fläche
von fünf Quadratkilometern ist das Familienanwesen groß genug, um zu einem der größten
Fotovoltaik-Betriebe des Landes zu werden.
STOLZ
Es gibt Länder, in denen die Nationalhymne als obsolet gilt. Nicht in
Israel. Wie eine Studie an den Tag brachte, identifizieren sich neun von zehn jüdischen Israelis beim Abspielen der Hatikwa
mit ihrem Nationallied, das dem jüdischen
Volk Freiheit in seinem eigenen Land verheißt.
Acht von zehn Befragten gaben an, die Hymne erfülle sie mit Stolz. Die positiven Emotionen sind nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleich
stark ausgeprägt. Allerdings
berichteten immerhin 70 Prozent der Neueinwanderer aus der ehemaligen
Sowjetunion, die Hatikwa löse bei ihnen nationale Identifizierung aus.
ENKEL
Israels Gründungsväter waren redlicher als
ihre Enkel. Das glauben jedenfalls die Israelis. Bei einer repräsentativen Umfrage wurden die Teilnehmer gebeten, jeden bisherigen
Ministerpräsidenten als korrupt
einzustufen oder ihn von diesem Verdacht freizusprechen. Das Ergebnis: Nur 2,2
Prozent der Befragten glauben, dass David Ben Gurion korrupt war. Dem alten Kämpfer Jitzchak Schamir
wurde dieser Makel sogar von nur 0,8 Prozent der Teilnehmer vorgeworfen, während es bei Schimon Peres 2,9 Prozent und bei Jitzchak
Rabin 3,7 Prozent waren. Dagegen halten 17,8 Prozent den heutigen
Regierungschef Benjamin Netanjahu für
korrupt. Der »Sieger« aller Zeiten ist aber Netanjahus heute wegen Betrugs vor Gericht
stehender Amtsvorgänger Ehud Olmert: Bei
ihm sahen 52 Prozent der gefragten Bürger
den Tatbestand der Bestechlichkeit als gegeben an.
ESSEN
Immer mehr
Nahrungsmittel werden in Israel auch in der Variante »koscher für Pessach« angeboten, also ohne Zutaten, die Gesäuertes enthalten. Waren seinerzeit allenfalls Kartoffelchips als Pessach-Knabberzeug verfügbar,
ist es heute auch Salzgebäck und vieles andere.
Nun aber fürchten die Kaschrut-Behörden,
dass der eine oder andere Verbraucher im Vorfeld des Festes aus Versehen zu
einem chamezhaltigen Produkt greift und dieses über Pessach zu sich nimmt. Deshalb
fordern sie von den Herstellern, chamezfreie Produkte
nicht nur entsprechend zu beschriften, sondern auch, sie in Verpackungen mit
unverwechselbarem Pessach-Design abzufüllen.
EHEBRUCH
Hightech-Mitarbeiter
suchen immer nach dem Neuen. Und zwar nicht nur im Beruf, sondern, wie es
scheint, auch im Privatleben. Wie eine Erhebung der Tel Aviver
Anwaltskammer ergab, sind Seitensprünge
in der Branche häufiger als in anderen
Berufen. Rund 40 Prozent aller durch Ehebruch in Gang gesetzten Scheidungen
entfallen auf Hightech-Familien - ein Mehrfaches ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung. Als Hauptgrund für
das häufige Scheitern der Hightech-Ehen machen Experten die langen, bis
in die Nacht hineinreichenden Arbeitstage aus, die eine echte
Lebensgemeinschaft oft verhindern.
GEBRÜLLT
Israel ist kein
ausgesprochen leises Land. Das weiß
jeder, dessen Nachbar um zehn Uhr abends Löcher
in die gemeinsame Betonwand bohrt oder vor dessen Fenster sich mitten in der
Nacht eine dröhnende Gesprächsrunde bildet. Jetzt hat das Umweltschutzministerium den Entwurf
neuer Richtlinien zur Verhinderung der Lärmbelästigung vorgelegt. Beispielsweise dürfen Wohnungen nicht nach 20 Uhr und nicht vor 7 renoviert werden.
Spätes, beziehungsweise frühes
Rasenmähen und sonstige laute Gartenarbeiten werden verboten, bisher
waren sie rechtens. Überlauter Betrieb des
TV-Empfängers und der
Stereoanlage wird zu jeder Nacht- und Tagesstunde untersagt.
GEÖFFNET
Eine der berühmtesten Synagogen der Welt ist wieder für Beter zugänglich: Am Montag wurde
die Churwa-Synagoge im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt nach mehrjährigem Wiederaufbau eingeweiht. Ursprünglich war der Bau im 18. Jahrhundert in Angriff genommen, jedoch
nicht vollendet worden; das Gebäude wurde 1721
niedergebrannt und trägt seitdem den Namen Churwa (Ruine). Erst 1856 wurde »die Churwa« geweiht und diente als Jerusalems Hauptsynagoge bis 1948, als sie
von Jordanien zerstört wurde. In den nun
abgeschlossenen Wiederaufbau mischte sich, wie so oft in Nahost, auch hohe
Politik: Die Palästinenser protestierten
gegen die Zeremonie, und selbst die USA äußerten »Bedenken«. Die Gläubigen freilich wollen
sich die Freude über ihr altneues Gotteshaus nicht verderben lassen und haben vor,
die Synagoge wieder zu einem zentralen Punkt jüdischen Lebens zu machen.
PLANUNG
Israel treibt Pläne zur Nutzung der Atomenergie voran. Im Auftrag der Regierung
soll die staatliche »Agentur für Kernkraft« im Laufe dieses Jahres
prüfen, ob der Bau von Atommeilern zur Energiegewinnung durchführbar wäre. Im
Realisierungsfall, so das Infrastrukturministerium, kann das erste Kraftwerk
2025 ans Netz gehen. Andere Planer sind schon weiter: Der Stromversorger Israel
Electric Corporation glaubt, Israel werde bereits
2020 ein Zehntel seiner Stromversorgung dem Atom zu verdanken haben. Zwar
wurden im letzten Jahr in israelischen Wirtschaftsgewässern große Erdgasvorkommen
gefunden, doch wollen sich Israels Energiepolitiker darauf allein nicht
verlassen.
PEGEL
»Ein Tropfen im Meer«
- einmal wörtlich genommen. Wie die
israelische Wasserbehörde meldet, ist der Wasserpegel
des Toten Meeres in diesem Winter um acht Zentimeter gestiegen. Damit wurde
der rasante Rückgang des Wasserstandes
von zuletzt bis zu einem Meter pro Jahr gestoppt. Der Salzsee braucht
allerdings mehr, um sich von den Umweltschäden
der letzten Jahrzehnte zu erholen: Seit 1970 ist der Wasserpegel um 25 Meter
gesunken, während die Wasseroberfläche um ein Viertel geschrumpft ist.
RUF
Ob der Mossad wirklich hinter dem Attentat auf Hamas-Kommandeur
Mahmoud al-Mab-huch steht, wird die Öffentlichkeit wahrscheinlich nicht so schnell erfahren. Indessen
scheinen die zahlreichen Veröffentlichungen, die den
israelischen Geheimdienst in die Nähe
der Liquidierung rücken, viele Bürger des jüdischen Staates stark
beeindruckt zu haben: Wie die Tageszeitung Yedioth Ahronoth enthüllte,
ist die Zahl der Kandidaten, die sich um einen Arbeitsplatz bei dem sagenumwobenen
»Institut für Aufklärung und besondere Aufgaben«
bewerben, seit der Mabhuch-Affäre sprunghaft gestiegen, »jetzt
verstehe ich, wie das funktioniert«,
erzählte begeistert einer der Kandidaten, »und ich will dabei sein«.
Fragt sich nur, ob Möchtegern-Haudegen
wirklich das sind, was ein professioneller Dienst gebrauchen kann.
RÜGE
Evolution oder
Schöpfung? Der Streit über den Ursprung des
Lebens hat nun auch das israelische Erziehungsministerium erreicht. Anlass ist
die vom Chefwissenschaftler des Ressorts, Gavriel Avital geäußerte Meinung, israelische Schüler
sollten nicht automatisch die Evolutionslehre erlernen, sondern auch »andere Auffassungen«
kennenlernen - will heißen die kreationistische Denkschule, die der biblischen Schöpfungsgeschichte folgt. Außerdem
bestritt der religiöse Jude Avital, dass die im Vergleich zu Gott nichtige Menschheit
zur Erderwärmung beitragen könne. Für diesen Angriff auf die
moderne Wissenschaft wurde Avital von seinem Dienstherrn,
Erziehungsminister Gideon Saar, kritisiert.
REGEN
In diesem Jahr
ist der Himmel den Israelis nicht gnädig.
Nachdem der Winter bisher nur unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen mit
sich brachte, öffneten sich die
Schleusen ausgerechnet zu Purim. Wegen starker, anhaltender Regengüsse mussten die für den letzten Freitag
geplanten Purim-Umzüge vielerorts - darunter
in Haifa, Ramat-Gan, Akko
und Modi'in - abgesagt oder verschoben werden.
Viele, die sich dennoch im Kostüm auf die Straße wagten, mussten total durchnässt
den Rückzug antreten und auf Regenbekleidung umsteigen. Dabei hatte man
sich schon an trockene Feste gewöhnt:
Seit 2005 gab es in Israel an Purim keinen Niederschlag.
RESERVAT
Der Tempelberg
ist nicht nur ein für Juden und Muslime
heiliger Ort, sondern auch ein freundliches Habitat für Eidechsen und Vögel. Das hat eine Studie
der Naturschutzgesellschaft und der Behörde
für die Entwicklung Jerusalems festgestellt. Die Ölbäume und die alten
Bauwerke mit ihren Kuppeln, Türmen und Winkeln bieten
den Tieren ideale Brutplätze. Auch andere Teile
des historischen Jerusalems sind, wie die Erhebung zeigt, zoologisch
interessantes Terrain. Insgesamt wurden in der Altstadt 44 Tierarten, darunter
Vögel, Frösche und Fledermäuse, sowie rund 100 Pflanzenarten entdeckt.
ROSTLAUBE
Abwracken? Nein,
danke. Von den knapp 40.000 israelischen Autofahrern, die einen Pkw im Alter
von 20 Jahren oder mehr besitzen, haben nur 1.300 die vor einigen Monaten
eingeführte Abwrackprämie in Anspruch genommen.
Die anderen ziehen es dagegen vor, mit ihren Schrotthaufen die Luft zu verpesten.
Offenbar sind die 3.000 Schekel, die Vater Staat für die Oldtimer auf den Tisch blättert,
kein ausreichender Anreiz. Schließlich
hat nicht jedermann genug Geld, um sich ein neueres Modell zu leisten. Jetzt
hofft das Verkehrsministerium, wenigstens einen Teil der Verweigerer durch die
Errichtung zusätzlicher
Verschrottungsplätze zum Abschied von
ihrem alten Gefährt zu bewegen.
REDLICHKEIT
Alex Istirachow ist ein rechtschaffener Mensch. Als er in einem
Supermarkt in der Ortschaft Schoham Gurken sortierte,
fiel ihm eine im Regal liegen gebliebene Geldbörse auf. Das kommt vielleicht schon mal vor. Dass das Portemonnaie
aber - wie im vorliegenden Fall - eine Viertelmillion Schekel enthält, ist eher eine Seltenheit. Mit Hilfe der beiliegenden
Ausweispapiere konnten Istirachow und sein
Filialleiter den Gurkenkäufer ermitteln und
riefen ihn unverzüglich an. Dabei stellten
sie fest, dass der Mittsechziger den Verlust noch gar nicht gemerkt hatte. Umso
schneller war er zur Stelle, um den verlorenen Schatz entgegenzunehmen.
KRANKHEIT
Noch vor Kurzem
stellte sich Israel auf eine gefährliche Schweinegrippe-Epidemie ein. Regierung und Krankenkassen
empfahlen allen Bürgern, sich gegen das
Virus impfen zu lassen. Wie sich jetzt herausstellt, sah das Volk die Gefahr
gelassener als die Regierenden. Bis Februar nahmen gerade mal 700.000 Menschen
die Impfung in Anspruch. Zugleich blieb die Verbreitung der Infektion unter dem
befürchteten Niveau: Nur 13 Prozent aller Grippeerkrankungen fallen in
diesem Winter in die Kategorie »Schapa'at Chasirim«, wie die Krankheit auf Hebräisch
heißt. Zudem geht die Zahl der Neuansteckungen zurück. Das ist natürlich erfreulich, doch
wissen die Gesundheitsbehörden nicht, was sie nun
mit den rund anderthalb Millionen ungenutzten Impfportionen anfangen sollen.
KOSMOS
Auf seiner
Internetseite veröffentlicht das israelische
Religionsministerium ein Verzeichnis aller Rabbiner, die in israelischen Städten und Kommunen amtieren. Kürzlich
erschien auf der Liste ein besonders interessanter Name: Josef Schemesch, seines Zeichens Amtsrabbiner der Stadt Maadim. Nun aber gibt es in Israel keinen Ort dieses
Namens. Vielmehr ist »Maadim« der hebräische Name des Planeten
Mars. Auch der Familienname des vermeintlichen Rabbiners hat kosmischen Bezug: »Schemesch« heißt nämlich »Sonne«. Wie es scheint, stammt
der Eintrag von Hackern, die die Website des frommen Ressorts geknackt und zur
Bühne für ihren Kalauer-Eintrag gemacht
haben.
KNAPPHEIT
Die Winterüberschwemmungen, die Israel heimgesucht haben, täuschen: Nach Berechnungen wird auch die Regenzeit des Jahres ~
5770 dem Land nur unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen bescheren.
Deshalb, so die Wasserbehörde, hat sich die
Wasserknappheit weiter verschärft. Während der Wasserpegel des Kinneret
nur langsam steigt, ist er in den großen
Grundwasserbecken gegenüber dem Vergleichszeitraum
des Vorjahres sogar um 20 bis 30 Zentimeter gesunken. Vor drastischen Maßnahmen schreckt die Regierung in Jerusalem jedoch zurück: Die im Sommer eingeführte
Strafabgabe für übermäßigen Wasserkonsum wurde
inzwischen wieder abgeschafft.
KRITIK
Vor Jahresfrist
erntete der Verteidigungsminister und Vorsitzende der Arbeitspartei, Ehud
Barak, Tadel für seine ausgefallene
Behausung: Barak wohnt in einer Tel Aviver
Luxuswohnung mit einer Nutzfläche von 540
Quadratmetern und einem Marktwert von rund 25 Millionen bis 30 Millionen
Schekel (rund viereinhalb bis fünf Millionen Euro). Das,
fanden Kritiker, gehöre sich nicht für den Chefgenossen einer zumindest nominal sozialistischen Partei.
Jetzt enthüllte die Wirtschaftszeitung
„The Marker“, dass Barak eine neue Bleibe gekauft hat. Dieses Zuhause ist viel
kleiner als das alte, mit einem geschätzten
Wert von knapp drei Millionen Euro aber auch nicht die typische Bleibe, die
sich Mosche Normalverbraucher gönnen kann.
GEWONNEN
Die Auswanderung aus der GUS wirkt sich positiv
auf die Gesundheit aus. Laut einer israelischen Studie liegt die
Lebenserwartung von Olim aus der ehemaligen UdSSR um acht Jahre über derjenigen, die die
dort Gebliebenen vorweisen können.
Die Erklärung
des vermeintlichen Rätsels
dürfte
vor allem in der weitaus besseren medizinischen Versorgung liegen, die Israel
im Vergleich zu den ex-sowjetischen Republiken seinen Bürgern bieten kann. Ein
weiterer Befund: Die Zahl der Kinder, die eine GUS-Immigrantin in Israel zur
Welt bringt, liegt bei 1,8. Das ist doppelt so viel wie bei Jüdinnen, die in der GUS
geblieben sind.
BAUPLÄNE
Israels ultraorthodoxe Juden leben am
liebsten unter sich, um ihren besonderen Lebensstil ungehindert pflegen zu können. Inzwischen gibt es
nicht nur ultraorthodoxe Wohnviertel in
Jerusalem und dem zu 90 Prozent von Ultraorthodoxen bewohnten Bnei Brak, sondern auch rein
ultraorthodoxe Städte wie Beitar Illit und Modiin Illit im Westjordanland.
Jetzt werden ultraorthodoxe Hochburgen auch im Kernland geplant. In der
vergangenen Woche genehmigte das Innenministerium im Grundsatz den Bau von Kasif, einer im ersten Baustadium für 50.000 fromme Bewohner ausgelegten Stadt im
Negev. Das im Landesnorden geplante Harisch wiederum
soll 150.000 Ultras beherbergen. Das Nebeneinander mag eine bequeme Lösung sein, ein freundschaftliches Miteinander Andersdenkender lässt sich damit aber nicht erlernen.
BEWERTUNG
Israel ist ein
interessantes Reiseland, sollte sich aber mehr anstrengen. Das legt jedenfalls
eine neue Analyse des Weltwirtschaftsforums nahe. Danach liegt Israels
Fremdenverkehrssektor in Sachen Konkurrenzfähigkeit
auf Rang 36 einer 133 Länder umfassenden Liste
touristischer Reiseziele. Damit überragt
Israel unter anderem die Nachbarländer
Ägypten und Jordanien. Allerdings, so die Studie, investiert die
israelische Regierung nicht genug in den Ausbau des Fremdenverkehrs: In dieser
Beziehung nämlich liegt der
Judenstaat nur auf Platz 98. Auch die Imagewerbung will nicht so recht klappen:
In Sachen Marketing sind laut dem Bericht 77 andere Länder Israel überlegen.
BÄUME
Bäume pflanzen ist ein beliebtes israelisches Hobby. Nach einer
Umfrage des für die Bewaldung öder Landstriche zuständigen
Jüdischen Nationalfonds (KKL) haben 71 Prozent der Israelis schon
einen Baum gepflanzt. Acht von zehn Befragten gaben an, das in Zukunft tun zu
wollen. Historisch gesehen, kann Israel in der Tat einen einmaligen
Pflanzerfolg vorweisen: Während es zu Beginn des
20. Jahrhunderts im gesamten Land Israel gerade mal 14 Quadratkilometer Wald
gab, liegt die in Israel heute von Wäldern
bedeckte Fläche bei insgesamt 2.400
Quadratkilometern. Da ist es kein Wunder, dass Israelis auch international als
führende Experten für die Bekämpfung der Wüste anerkannt sind.
GETÖTET
Die Israelis
bringen einander seltener im Straßenverkehr
um: Im vergangenen Jahr ging die Zahl der bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommenen Bürger
um 23 Prozent auf 315 zurück. Das ist nicht
zuletzt ein Erfolg der Verkehrspolizei, die dank strikterer Überwachung viele Menschenleben gerettet hat. Weniger Glück hatten die Ordnungshüter
bei der Verhinderung von Mordtaten: 2009 wurden 135 Menschen ermordet: fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings hofft die Polizei, die
Zahl der Morde durch ein breites Maßnahmenbündel, zu dem neben konsequenter Bekämpfung des organisierten Verbrechens auch der Kampf gegen Gewalt
in der Familie gehört, in den kommenden
Jahren ebenfalls zu senken.
GEFÖRDERT
Politisch und
geografisch ist Israel kein Teil Europas. In der Welt der Wissenschaft schon
eher. Das geht aus der jetzt veröffentlichten
Statistik des für die Förderung modernster Grundlagenforschung zuständigen Europäischen Forschungsrates
der EU hervor. Danach gehörten in den Jahren 2008
und 2009 gleich drei israelische Einrichtungen - die Hebräische Universität in Jerusalem, das Haifaer Technion und das
renommierte Weizmann-lnstitut in Rehovot
zur engsten europäischen Spitze der europäischen Hochschulen, deren Projekt für förderungswürdig befunden wurden. Mit elf geförderten Forschungsvorhaben lag die Jerusalemer Uni nur einen Platz
hinter dem britischen Spitzenreiter Cambridge und gleichauf mit Oxford.
GESONNT
Um Israels Sonne
zu genießen, muss man sich nicht
an den Strand legen. Man kann auch anlegen - und zwar viel Geld. Die
durchstartende Solarkraft-Branche lockt denn auch immer mehr Investoren an. Im
kommenden Jahrzehnt werden in Israel bis zu acht Milliarden Dollar in
Sonnenkraftwerke und andere erneuerbare Energien investiert. Zum Jahreswechsel
hat die Regierung lohnende Abnahmetarife festgelegt - das ist umso attraktiver,
weil Israels Süden mit die höchste Einstrahlungsintensität
der Welt bietet.
GEZAHLT
Nur noch jeder
vierte Kibbuz ist egalitär und sichert jedem
Mitglied das gleiche Einkommen zu. Dagegen sind bereits 188 Kollektivdörfer (72 Prozent) zu dem sogenannten erneuerten Modell übergegangen, bei dem jeder Genosse
»differenzial«, will heißen nach kapitalistischen Prinzipien bezahlt wird und sich damit
nicht mehr allzu sehr vom Arbeitnehmer unterscheidet. Neun weitere Kibbuzim
haben sich für ein Mischverfahren
entschieden, bei dem ein für alle gleiches
Sockeleinkommen durch individuell ausgehandeltes Gehalt aufgestockt wird. Im
Jahr 2009 haben fünf ehemals
urkommunistische Siedlungen das kapitalistische Gehaltsprinzip übernommen. 2010 könnten es bis zu 20 sein.
BESCHAFFT
Israels
Verkehrspolizei rückt Rasern auf den Leib.
Nach langem Flehen hat die Regierung den Ordnungshütern die Beschaffung von 100 neuen Streifenwagen genehmigt. Damit,
so eine Schätzung, können die Beamten die Zahl der wegen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung
ausgestellten Bußgeldbescheide
verdoppeln. Parallel dazu werden digitale Geschwindigkeitsmessgeräte eingeführt, die sich mit
Radarwarngeräten nicht entdecken
lassen. Auch das wird die Zahl der überführten Asphalthooligans steigern und hoffentlich manchem
unschuldigen Verkehrsteilnehmer das Leben retten. Im letzten Jahr kamen in
Israel 31.500 Menschen bei Verkehrsunfällen
zu Schaden - in 411 Fällen mit Todesfolge.
BESIEDELT
Charisch ist eine kleine
Siedlung im nordisraelischen Iron-Tal (Wadi Ära),
einer vorwiegend von arabischen Israelis bewohnten Gegend. Nach Plänen des Bauministeriums soll der kleine Ort, in dem heute 6.000
Menschen leben, kräftig ausgebaut werden
und künftig bis zu 150.000 neuen Bewohnern - vor allem Ultraorthodoxen -
ein Zuhause bieten. Das stößt nicht nur unter den
arabischen Anrainern auf Widerstand, die eine Einengung ihrer Wohnorte durch die
Ansiedlung von Juden befürchten. Auch manche jüdische Nachbarn haben Angst vor einer ultraorthodoxen Hochburg vor
ihrer Haustür. Koexistenz ist halt
schwer.
BESCHENKT
Es ist
israelische Tradition, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten zu Rosch Haschana einen Bonus
zahlen oder geldwerte Geschenke machen. Und weil man auf Traditionen nicht gern
verzichtet - und erst recht keine Eintrübung
des Betriebsklimas riskieren will -, werden die Mitarbeiter auch am Ende des
Krisenjahres 5769 mit Aufmerksamkeiten bedacht. Allerdings liegt einer Erhebung
zufolge der durchschnittliche Bonus nur noch bei umgerechnet 110 Euro. Das ist
ein Sechstel weniger als im Jahr zuvor.
BESORGT
Die meisten
israelischen Juden - aber nicht alle- machen sich Sorgen um ihre Glaubensbrüder in der Diaspora. Einer Umfrage zufolge sehen 59 Prozent in der
Assimilation von Juden in der Zerstreuung ein schwerwiegendes Problem. Weitere
17 Prozent der Befragten gaben sich nur mäßig
besorgt. Sieben von zehn glauben, dass ihr Staat der Assimilation im Ausland
entgegentreten muss; mehr als acht von zehn wollen, dass die Regierung Geld in
die Stärkung der Bindung zur Diaspora investiert. Dagegen bekannten
immerhin 22 Prozent, dass ihnen das Phänomen
»Assimilation« gleichgültig ist.
BAUTEN
Im kommenden Jahrzehnt
wird Tel Aviv wohl immer mehr Manhattan gleichen. Um ihren Status als Israels
Wirtschaftsmetropole zu wahren, will die Stadt eine lange Reihe von
Wolkenkratzern bauen lassen. An Kunden mangelt es laut Stadtverwaltung nicht.
Allein im Sommer genehmigten die Baubehörden
die Errichtung von 23 Hochhäusern. Das höchste von ihnen soll 65 Stockwerke haben und den »nur« 50-stöckigen Turm des Azrieli-Zentrums als das höchstes
Gebäude der
Stadt ablösen. Willkommen in Telhattan.
BÜRGER
Die Zahl der israelischen
Staatsbürger arabischer Herkunft,
die sich zum Zivildienst melden, nimmt zu und überschritt in diesem Jahr erstmals die Eintausendmarke:
viermal so viel wie im Jahr 2004. Damit hat sich immerhin jeder zwanzigste 18-jährige Araber bereit erklärt,
seinem Staat durch humanitäre Arbeit zu dienen. Der
Dienst setzt die jungen Menschen allerdings der Ächtung durch Extremisten aus den Reihen der arabischen Bevölkerung aus. Diese bezeichnen jegliche Hilfeleistung für den jüdischen Staat als Nationalverrat.
BEWEGUNG
Seit dem Zweiten Libanonkrieg im Jahr
2006, als Kampftruppen Konditionsschwäche
zeigten, macht die israelische Armee ihre Soldaten konsequent fit. Um die
Mannschaften zu motivieren, gehen ranghohe Offiziere mit gutem Beispiel voran.
Selbst solche, die ihren Dienst nicht in unwegsamem Gelände, sondern am Schreibtisch des Generalstabs leisten, werden neuderdings angehalten, sich Jogging-Gruppen anzuschließen. Als Fitness-Offizier dient Oberst Avi Moyal,
seinerzeit Sportausbilder der legendären
Kommandoeinheit Sajeret Matkal.
Sogar Generalstabschef Gabi Aschkenasi arbeitet
zweimal in der Woche unter Moyals Anleitung an seiner
Kondition.
BESCHLOSSEN
Der Rat des israelischen Oberrabbinats hat
beschlossen, dass der Hirntod auch in halachischer Hinsicht das Ende des Lebens
bedeutet. Damit begaben sich die Rabbiner auf Konfrontationskurs mit vielen,
zumal ultraorthodoxen Schriftgelehrten, die nach wie vor nur den endgültigen Herzstillstand
als Bedingung für
die Feststellung des Todeseintritts verlangen. Indessen könnte der Rabbinatsbeschluss, so hoffen wenigstens
Transplantationsmediziner, viele religiöse Juden dazu bewegen, der Organentnahme von
hirntoten Familienangehörigen
zuzustimmen. Zudem sollen potenzielle Spender einem Vorschlag zufolge auf ihrer
Spenderkarte selbst bestimmen, ob ihr Ableben nach dem Hirn- oder
Herztodkriterium bestimmt werden darf.
BENACHTEILIGT
Männer walten, Frauen helfen. In Israel ist die
alte Rollenverteilung in vielen Bereichen noch Realität. Laut dem Zentralamt für Statistik stellt das
schöne
Geschlecht lediglich ein Sechstel aller Ingenieure und Architekten und jeweils
nur ein Drittel der im Lande tätigen
leitenden Angestellten, Richter und Anwälte. Dagegen sind die Sekretariate zu 95 Prozent
mit Frauen besetzt. Selbst innerhalb ein- und desselben Berufs steigt mit dem
Prestige auch der Männeranteil.
So sind drei von zehn Gymnasiallehrern Männer, während unter Grundschulpädagogen nur einer zu
finden ist. Übrigens
sind in einem einzigen Beruf, in dem eine Mehrheit der Mitarbeiter mit dem
Gehalt zufrieden ist - nämlich
bei Medizinern - die meisten Berufstätigen Frauen. In allen anderen finanziell
befriedigenden Jobs stellen die Herren der Schöpfung die Majorität.
BERATEN
Wie isst man Hummus?
Ist doch ganz einfach: Man wischt ihn mit der Pita vom Teller auf. Kenner
machen das mit einer geübten
Rotationsbewegung des Handgelenks - und stecken sich den auf diese Weise mit Kichererbsenpaste bestrichenen Rand des Fladenbrots in den
Mund. Jetzt aber schlägt
eine israelische Beraterfirma für
Marketinginnovation drei alternative Wege vor. Dem ersten Vorschlag zufolge
wird Hummus wie Eintassen-Portionen
von Kaffee für
die Espressomaschine in kleine Kapseln verpackt. Die zweite Idee sieht vor, die
Delikatesse aus einer konusförmigen Verpackung direkt in die Pita zu drücken - das erspart das
Kleckern. Drittens soll das Nahrungsmittel in eine Andruck-Plastikflasche
kommen und wie Ketchup auf den Teller platschen. Ein Bruch mit der Tradition,
gewiss, doch nimmt ein führender
Hummushersteller des Landes die Vorschläge ernst und will ihre
kommerzielle Realisierbarkeit prüfen.
VERSETZUNG
Israels
Erziehungsministerium wollte der Wirtschaftskrise etwas Positives abgewinnen.
Um entlassenen Hightech-Mitarbeitern eine neue Perspektive zu bieten und
gleichzeitig dem siechen Schulwesen unter die Arme zu greifen, schrieb das
Ressort ein Umschulungsprogramm aus. Dabei sollen Wissenschaftler und Forscher
zu Lehrern für das Fach Technologie
ausgebildet und an Gymnasien versetzt werden. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Gleich in den ersten drei Tagen gingen
bei der Programmleitung 1.500 Bewerbungen ein. Und zwar keineswegs nur von Arbeitslosen,
sondern auch von Idealisten, die unangefochten in Brot und Lohn stehen. Einer
der Kandidaten war sogar bereit, einen Arbeitsplatz in New York und ein
Jahresgehalt von 150.000 Dollar gegen ein lärmendes
Klassenzimmer einzutauschen.
VERLEIHUNG
Der beste
Deutsche Schäferhund der Welt kommt
aus dem Judenstaat. Das jedenfalls war das Resultat der viertägigen Schäferhunde-Weltmeisterschaft
in Krefeld. Bei der Preisverleihung saß
der Rüde Sam in der Grotenburg-Kampfbahn und
blickte zu seinem Frauchen Scharon Ronen auf. Der Vierbeiner hatte einen
Siegerkranz mit schwarz-rot-goldener Schleife um den Hals, eine Begleiterin
hielt die israelische Fahne hoch. Bei den Wettkämpfen hatte sich Sam gegen 170 Konkurrenten aus 140 Ländern durchgesetzt.
FEINDE
Endlich Sanktionen
gegen den Iran: Der Finanzausschuss der Knesset hat die Einfuhrabgaben auf geröstete Erdnüsse erhöht. Der Grund: Der Großteil
der einschlägigen Importe kommt - über die Türkei - aus dem Iran.
Damit, so die Abgeordneten, unterstütze
Israel einen Feindesstaat. Das sei den meisten Bürgern zwar nicht bekannt, deshalb aber noch lange nicht zu
billigen. Nun habe man, witzelte Ausschussvorsitzender Mosche Gafni vom Vereinten Tora-Judentum, das iranische »Kernproblem« angepackt.
FLUTEN
Israelis müssen mit vielen Gefahren leben, vom Terrorismus über Krieg bis hin zu Erdbeben, die dem Judenstaat nach
Wissenschaftlermeinung unablässig drohen. Jetzt kommt
auch noch das Tsunami-Risiko hinzu. Nach einer archäologischen Studie der Universität
Haifa wurde die Gegend der Stadt Caesarea in den
letzten dreieinhalbtausend Jahren viermal von einem
Tsunami heimgesucht. Das bedeutet, dass die dicht besiedelte Küstenebene auch heute Opfer der Fluten werden kann. Wie es schient,
rollten die Wassermassen bei den historischen Tsunamis bis zu zwei Kilometer
tief ins Land.
FLÄCHEN
Im Landeszentrum
geht es immer beengter zu. Dieser Tage haben die Baubehörden die Errichtung eines neuen Stadtviertels in Tel Aviv im
Grundsatz genehmigt. Laut Reißbrettplänen entstehen in den kommenden Jahren nördlich der heutigen Bebaungsgrenze
11.000 neue Wohneinheiten. Damit wird die noch verbliebene offene Fläche zwischen der Mittelmeermetropole und Herzlija
praktisch nivelliert. Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte Tel Aviv schon bald in der Mitte eines durchgehenden
Stadtgebietes mit einem Durchmesser von 50 Kilometern liegen.
FUND
Als die Elftklässlerin
Jarden Suissa aus Gan Jawne die Recherchen für eine Arbeit über ihre
Familiengeschichte mütterlicherseits zu
schreiben begann, ahnte sie nicht, welchen Fund sie machen würde. Im Jahre 1937 war ihre Großmutter
Rachel als kleines Mädchen mit ihren Eltern
aus Litauen nach Uruguay ausgewandert und lebt seit 1978 in Israel. Ihre um
zehn Jahre ältere Schwester Luba,
die die Reise nach Südamerika nicht
angetreten hatte, wurde von der Familie nach dem Holocaust für tot gehalten. Indessen hatte Luba den Krieg in der Sowjetunion überlebt und wanderte im Jahre 2000 ebenfalls in Israel ein. Durch
ihre Forschungsarbeit konnte Jarden nun die Großtante ausfindig machen und die beiden Schwestern, heute 78
beziehungsweise 88 Jahre alt, mehr als sieben Jahrzehnte nach ihrer Trennung
zusammenbringen.
GESTAFFELT
Wer in Israel
einen sozioökonomisch starken
Wohnort sucht, ist in Vororten einer Großstadt am besten aufgehoben, so er über
das nötige Kleingeld verfügt. Wie eine Erhebung des Zentralamtes für Statistik
ergab, lebt es sich in Sawion und Kfar
Schmarjahu, östlich beziehungsweise nördlich von Tel
Aviv am besten. Rang drei der 197 Ortschaften umfassenden Liste belegt
Omer, eine gut situierte Kleinstadt bei Beer Schewa.
Die Beispiele ließen sich mehren. Unter
den Großstädten schneidet Tel Aviv mit Rang 25 am besten ab, während die
Nordmetropole Haifa sich mit dem 46. Platz zufrieden geben muss. Das
mehrheitlich von ultraorthodoxen und arabischen Familien bewohnte Jerusalem
liegt weit abgeschlagen auf Rang 114.
GEPLANT
Ende des 19.
Jahrhunderts fuhr die erste Bahn von Jaffa nach
Jerusalem. 106 Jahre lang liefen die Züge
im alten Bahnhof der Heiligen Stadt ein, doch liegt dieser seit 1998 brach.
Jetzt aber kommt in die alten Mauern neues Leben. Nach einem Plan der
Stadtverwaltung soll an der historischen Stätte ein Freizeitzentrum mit einer
Fläche von 40.000 Quadratmetern entstehen. Die Vergnügungsmöglichkeiten sollen
von einem Theater, über Kneipen und Restaurants bis hin zu einem Lunapark
reichen. Das historische Bahnhofsgebäude soll erhalten und gründlich
restauriert werden.
GEADELT
Israel gehört zu den Ländern mit der höchsten Zahl von Patentanmeldungen je
Einwohner. Jetzt rückt auch das israelische Patentamt in die internationale
Superliga auf. Nach einem Beschluss der Weltorganisation für geistiges Eigentum
wurde der Judenstaat als ein sogenanntes internationales Patentzentrum
anerkannt. Somit dürfen israelische Experten künftig auch Anträge ausländischer
Erfinder prüfen und mit weltweiter Geltung bescheiden. Damit schließt sich das
Land am Ostrand des Mittelmeeres einem exklusiven Klub von bisher 14 Nationen
und dem als supranationale Einrichtung anerkannten Europäischen Patentamt an.
In der internationalen Technologieszene gilt das als ein Ritterschlag.
GESTRAFT
Dass Teenager mit
den Eltern im Clinch liegen, ist keine Seltenheit. Im vorliegenden Fall aber
haben es zwei Teenager zu weit getrieben. Nach der Scheidung ihrer Eltern
blieben die beiden, eine 17-jährige Tochter und
ein 13-jähriger Sohn, bei ihrer Mutter und machten mit dieser Front gegen den Papa.
Sie weigerten sich, ihn zu treffen und mit ihm zu sprechen. Taten sie es doch, bekam
der Erzeuger zu hören, er sei ein »Irrer« und ein »Rindvieh«. Daraufhin stellte
dieser die monatlichen Unterhaltszahlungen ein - und bekam vor Gericht
weitgehend recht. Die von der Mutter angestifteten Kinder, so die Richter,
seien als »Kontaktverweigerer« einzustufen. Daher dürfe der Vater die
monatliche Zuwendung für die fast volljährige Tochter einstellen und diejenige
für seinen Sohn auf umgerechnet 140 Euro pro Monat senken.
BREMSE
Der Israelische
Verkehrsminister Israel Katz hat vorgeschlagen, die Altersbegrenzung für Führerscheine von heute 17 auf 19 oder 20 zu erhöhen. Diese
Änderung würde die Anzahl der Autounfälle von Fahranfängern reduzieren. »Ein
Führerschein ist ein Privileg. Wenn nichts anderes gegen unvorsichtiges Fahren
hilft, dann werden wir die Altersbegrenzung erhöhen.«
Mitglieder des »National Student Council« halten dagegen, dass man die jungen
Leute zu Unrecht beschuldigt, denn ein Fahranfänger werde immer unerfahren
sein, egal, wie alt er sei.
GLAUBE
Tanach-Unterricht ist
eine ernste Sache. Erst recht in ultraorthodoxen Kreisen. Dennoch entwickeln
sich gerade unter der ultraorthodoxen Bevölkerung
Tanach-Comics zu einem Hit. Immer mehr Eltern
erkennen den didaktischen Wert der Bildgeschichten, die die Kleinsten durch
erbauliche Geschichten im Glauben der Vorväter
stärken. Auch wird von den zumeist konservativen Käufern zunehmend akzeptiert, dass viele der Hefte von Frauen
verfasst werden. Daher rücken viele Autorinnen
von ihren bisher verwendeten männlichen Pseudonymen ab.
Comics mit weltlichen, geschweige denn anstößigen
Inhalten bleiben selbstverständlich tabu.
GESTE
Kleine Geschenke
erhalten die Freundschaft. Als eine Goodwill-Geste kauft die israelische
Botschaft in Senegal gemeinsam mit jüdischen
Spendern im Vorfeld des moslemischen Opferfestes Id
al-Adha 99 Schafe. Diese werden als Geschenk des jüdischen Staates an bedürftige
Familien, die sich den zum Fest traditionellen Kaufeines zum Verspeisen
bestimmten Schafes nicht leisten können.
Über 90 Prozent der Landesbewohner sind Moslems. Im Durchschnitt
kostet ein Schaf rund 80 Euro. In einem Land, in dem die Wirtschaftsleistung je
Einwohner bei gerade mal 600 Euro pro Jahr liegt, ist das viel Geld.
GLEICHBEHANDLUNG
Unter
Marktsegmentierung versteht man in der Betriebswirtschaftslehre eine Situation,
in der unterschiedliche Kundengruppen für
die gleiche Leistung unterschiedliche Preise zu entrichten haben. Nach diesem
Prinzip haben israelische Krankenkassen Besuchern ihrer Notfallkliniken in
vorwiegend säkularen Städten den vollen Tarif aufgebrummt, Kranken in ultraorthodoxen Städten aber kostenfrei behandelt. Damit wollten die Leistungsträger die für ihre Bilanzen wichtige
strenggläubige Kundschaft bei der
Stange halten. Jetzt aber deckte eine Zeitung die Diskriminierung auf. Infolge
der Empörung, die ihnen nun entgegenschlägt, haben die Kassen zugesagt, in allen Kliniken
den gleichen Preis zu verlangen.
FLIEGER
Bei Dienstflügen ins Ausland gibt sich Israels Staatsspitze
bescheiden. Statt sich von einer Staatsmaschine ans Ziel bringen zu lassen,
setzten sich selbst der Staatspräsident und der Premierminister in
Linienflugzeuge. In dringenden Fällen charterten sie schon mal Privatflieger. Das
aber, errechnete das Finanzministerium, ist eine teure Lösung zulasten des Steuerzahlers.
Deshalb plant das Sparsamkeits-Ressort die Anschaffung eines Sonderflugzeugs,
das das Staatsoberhaupt, den Ministerpräsidenten und bei Bedarf auch andere ranghohe
Regierungsvertreter durch die Lüfte
tragen soll. Und damit es auch wirklich billiger wird, soll der Promi-Jet
zwischen den Auslandseinssätzen nicht im Hangar stehen, sondern von der
Luftwaffe genutzt werden.
FABRIK
Der Weltkonzern Intel zieht sich den Unmut
ultraorthodoxer Kreise zu. Das Unternehmen lässt nämlich seine Fabrikationsstätte in Jerusalem unter
Hinweis auf kontinuierliche Produktionsprozesse auch am Schabbat arbeiten.
Forderungen nach sofortiger Einstellung der Samstagsarbeit lehnte die
israelische Niederlassung des High-Tech-Riesen ab. Nun .wird über einen Kompromiss verhandelt, dem zufolge
Intel die Produktionsprozesse noch stärker als bisher automatisiert und am Schabbat
ausschließlich
Nichtjuden beschäftigt.
Das aber stellt nur einen Teil der ultraorthodoxen Politiker zufrieden. Andere
drohen, die Schabbatruhe notfalls mit Massendemonstrationen
zu erzwingen. Für
diesen Fall wiederum droht Intel, die Fabrik ganz zu schließen.
FUSSBALL
Ob Israel sich für die Fußball-WM 2014 in
Brasilien qualifizieren kann, steht noch in den Sternen. Besonders erfolgreich
waren Israels Kicker auf der Weltbühne bisher nicht. Dagegen hat die israelische
Wehrtechnik jetzt schon einen Sieg errungen: Brasilien will bei der Sicherung
der Spiele israelische Drohnen einsetzen. Insgesamt möchte das Land bis zu 14
unbemannte Flugzeuge samt Bodenstationen und Kommunikationsausrüstungen erwerben.
Hersteller der Fugmaschinen ist der Luft- und Raumfahrtkonzern Israel Airspace Industries. Der Wert des Vertrages liegt bei 350
Millionen US-Dollar.
FRIEDHOF
In Jerusalem wurde jetzt eine fünfstöckige Bestattungsanlage
in Betrieb genommen. Damit soll dem sich verschärfenden Platzmangel auf dem hauptstädtischen Har-Hamenuchot-Friedhof abgeholfen werden. Der in halachischer
Hinsicht umstrittene Bau wurde erst nach einer Genehmigung des ehemaligen
israelischen Oberrabbiners und geistigen Mentors der sefardisch-ultraorthodoxen
Schas-Partei, Rabbiner Owadja
Josef, möglich.
Der Zugang zu den Grabplätzen
wird per Aufzug bewältigt.
Und damit keine Prestigekämpfe
ausbrechen, sind die Grabstätten
auf allen Etagen gleich teuer.
SCHWÄCHE
Äthiopische Olim legen Wert auf Nachwuchs, doch schaffen sie es
nicht immer, ihre Kinder in einer traditionellen Familienstruktur großzuziehen. Auf der einen Seite, so eine Erhebung, sind nur zehn
Prozent äthiopischstämmiger Familien
kinderlos, während der israelische
Gesamtdurchschnitt bei 23 Prozent liegt. Auf der anderen Seite aber handelt es
sich bei 27 Prozent aller Haushalte mit Kindern um Familien mit einem allein
erziehenden Elternteil. Das ist doppelt so viel wie im Landesdurchschnitt. Der
Grund: Unter der Belastung des Lebens in ungewohnter israelischer Umgebung sind
äthiopische Ehen in besonderem Maße vom Scheitern bedroht.
SCHINDER
Tel Aviv hat die
Nutzung von Pferdewagen auf den Straßen
der Stadt untersagt. Das ist aber kein mangelndes Gefühl für die Romantik
vergangener Zeiten, sondern eine seit Langem angemahnte Maßnahme zum Tierschutz. Die Pferde werden nämlich als Zugtiere eingesetzt und in einem Großteil der Fälle grob misshandelt:
durch übermäßige Lasten, ungenügende Fütterung, Arbeit unter
sengender Sonne ohne Wasser bis hin zu Schlägen
und Vernachlässigung im
Krankheitsfall. Nun muss die Stadt auch sicherstellen, dass Tierquäler das Verbot auch ernst nehmen.
STÖRENFRIED
Die Knesset
duldet keine unerbetenen Besucher. Das gilt nicht nur für Zweibeiner. Vor einigen Tagen fiel der Knessetwache
am frühen Morgen eine streunende Katze auf, die sich Zutritt zum
Parlamentsgebäude verschafft hatte.
Die anschließende Suchaktion ergab,
dass sich das hungrige Tier in der Küche
der Abgeordnetenkantine vergeblich nach liegen gelassenem Essen umgesehen hatte
und dann in einem abgeschalteten, offenen Kühlschrank
eingeschlafen war. Nachdem Versuche von Knessetmitarbeitern, den flinken
Gast zu ergreifen, gescheitert waren, wurde die Katze von einem Veterinärteam der Jerusalemer Stadtverwaltung ergriffen und weit vom
Regierungsviertel ausgesetzt.
SIPPE
Über ihren Vater, den sie nie kennengelernt hatte, wusste Zoia Schmilow aus Karmiel, außer dessen Namen, Geburtsdatum und Beruf so gut wie nichts. Weitere
Einzelheiten wollte ihre kürzlich verstorbene
Mutter nie preisgeben. Jüngst aber hörte Zoia beim Arztbesuch, wie sich ein anderer Patient am Schalter
mit dem Familiennamen ihres Vaters - Ladzinski -
vorstellte. Wie vom Blitz gerührt, begann die 58-jährige Immigrantin aus der Ukraine, den Fremden auszufragen, bis sie
begriff, dass es sich um ihren Halbbruder handelte, von dessen Existenz sie
nichts wusste. Während Oleg und sein
heute ebenfalls in Karmiel lebender Bruder Isak Söhne von Boris Ladzinski und dessen
Ehefrau Klara sind, entstammt Zoia einer Beziehung, die der junge Boris außerhalb der Ehe mit Zoias Mutter
unterhalten hatte. Jetzt endlich haben sich die Geschwister gefunden.
STUDIUM
Hochschulbildung
stellt viele ultraorthodoxe Juden in Israel vor ein Dilemma. Zum einen ermöglicht sie höhere Einkommen - für kinderreiche Familien wichtig. Zum anderen ist das Treiben an
herkömmlichen Universitäten mit dem Sittenkodex
der Ultraorthodoxie unvereinbar. Als Lösung
dienen zunehmend ultraorthodoxe Fachakademien, die sowohl rabbinische Aufsicht
wie strikte Geschlechtertrennug bieten. Inzwischen
gibt es drei Einrichtungen dieser Art. Allein in diesem Studienjahr nahmen die
koscheren Lehranstalten 2000 neue Erstsemestler auf.
Zu den begehrtesten Studienfächern gehören Sozialarbeit und Sprachtherapie. Auch das Interesse am
Studiengang Psychologie nimmt zu.
STATUS
Israel hat seinen
ersten offen homosexuellen Botschafter ernannt. Der Diplomat, Jitzchak Januka, tritt sein neues
Amt in Angola an. Befürchtungen, die Ernennung
könnte in dem afrikanischen Land schlecht ankommen, ließ das Ministerium nicht gelten. Sein Lebensgefährte, den er vor einigen Jahren im Ausland amtlich geheiratet hat
- in Israel selbst sind gleichgeschlechtliche Ehen nicht möglich -, begleitet ihn und erhält den üblichen offiziellen
Status als Ehepartner des Botschafters. Zwar ist Januka
nicht der erste von Israel ins Ausland entsandte homosexuelle Diplomat, wohl
aber der erste, der Botschafter wird.
AUSKOMMEN
Israel hat ein Sozialproblem von
besonderer moralischer Brisanz: die ehemaligen Refuseniks,
sowjetische Juden, die in der kommunistischen Ära für die Auswanderung nach Israel kämpften und dieses Recht
für
Hunderttausende ihrer jüdischen
Landsleute auch erkämpften.
Ihnen selbst wurde die Ausreise jahrelang verweigert. Als sie endlich in Israel
ankamen, waren viele für
einen beruflichen Neuanfang zu alt. Heute, in fortgeschrittenem Alter, haben
viele kein gesichertes Auskommen. Jetzt wird, nicht zuletzt mithilfe von
Politikern, die ebenfalls aus der Ex-UdSSR eingewandert sind, nach Lösungen gesucht.
ABBAU
Vor dreieinhalb Jahrtausenden bauten die Ägypter
in Timna, rund 25 Kilometer nördlich der Rotmeerküste gelegen, Kupfer ab.
Die Spuren des antiken Bergbaus sind bis heute vor Ort zu sehen und stellen
eine interessante Touristenattraktion dar. Jetzt wird in Timna
wieder gegraben: Der mexikanische Bergbaukonzern AHMSA will an Israels Südspitze Kupfererz
abbauen und vor Ort verarbeiten. Die israelische Regierung erklärte sich in der vergangenen
Woche bereit, das Großprojekt
zu fördern.
Die Ministerrunde hofft, das Vorhaben werde Einwohnern der fast ausschließlich vom Tourismus abhängigen Stadt Eilat neue
Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.
ANTRIEB
Endlich, so mag es scheinen, ein ideales
Verkehrsmittel für
die Israelis: Regierung und Knesset haben die Nutzung von Fahrrädern mit elektrischem
Hilfsantrieb ab dem Alter von 14 Jahren und in jedem Fall ohne Führerschein erlaubt
Allerdings sind nicht alle Verkehrsexperten von der Entscheidung begeistert. In
Ermangelung von Radspuren werden sich die Nutzer - großenteils Teenager - die
Fahrbahn mit Kraftfahrzeugen zu teilen haben, auch im Stoßverkehr. Gerade für junge Radler ohne
Erfahrung birgt das ein erhebliches Risiko. Nun sind Konflikte zwischen
Kindern, die das neue Spielzeug verlangen und Eltern, die um ihren Nachwuchs
bangen, vorprogrammiert.
AUSFLUG
Auch ein Vogel muss mal aus dem Haus. Nach
diesem Motto nahm ein israelisches Ehepaar seinen Papagei Lulu überall mit. Bis diesem
die Freiheit in einem Restaurant in Herzlija zum Verhängnis wurde. Während Lulu im
Wartebereich auf der Schulter seines Herrchens saß, schlich sich von hinten eine hungrige Katze
heran, ergriff den armen Vogel und
rannte mit ihm auf Nimmerwiedersehen davon. Traurig, aber noch nicht das
Ende der Geschichte. Als die Eheleute der räuberischen Katze erfolglos hinterherjagten, stießen sie nämlich laute
Verzweiflungsrufe aus - und zwar auf Arabisch. Das wiederum löste unter anderen Gästen Angst vor einem
Terroranschlag aus Glücklicherweise
wurde der Sachverhalt geklärt,
bevor außer
dem Vogel auch Menschen zu Schaden kamen.
BEVÖLKERUNG
Die alte
Vorstellung von Israel als einem kleinen Land, in dem jeder jeden kennt, hat
immer weniger mit der Wirklichkeit zu tun. Nach Mitteilung des Zentralamtes für Statistik betrat der Judenstaat das Jahr 2010 mit einer Bevölkerung von siebeneinhalb Millionen. Der Anteil der Juden blieb
2009 nahezu unverändert und ging um nur
noch ein Promille auf 75,4 Prozent zurück.
20,3 Prozent der Landesbewohner sind Araber, und 4,3 Prozent gehören einer anderen oder keiner bestimmten Volksgruppe an. Im
vergangenen Jahr nahm die Bevölkerung um 135.000 zu.
Zu neun Zehnteln war dieses Wachstum dem Geburtenüberschuss zu verdanken, während
nur ein Zehntel auf das Konto der Einwanderung ging.
BABYSITTER
Alle rabbinischen
Ermahnungen haben auch diesmal nicht gefruchtet: Erneut haben hunderttausende
Israelis das neue bürgerliche Jahr 2010
gefeiert. Davon haben nicht nur die Gaststätten
profitiert, in denen die Partygäste en masse Speis und Trank zugesprochen haben. Auch
Babysitterinnen durften sich freuen: Um am letzten Tag des gregorianischen
Jahres ausgehen zu können, waren viele Eltern
bereit, nahezu jeden Preis fürs Kinderhüten zu entrichten. Einer Erhebung zufolge lagen die
Silvestertarife beim Doppelten des Normalniveaus. An gewöhnlichen Abenden verlangen Teenager zumeist 20 Schekel
(dreieinhalb Euro) pro Stunde. Junge Erwachsene bekommen einen Stundenlohn von
bis zu 30 Schekel.
BANKNOTEN
Die Bank von
Israel will die bestehenden Banknoten im Wert von 20, 50, 100 und 200 Schekel durch neue, fälschungssicherere
Scheine ersetzen - und sie auch mit neuen Konterfeis schmücken. Wessen Gesichter aber sollen auf dem Geld prangen? Der von
einem Fachbeirat der Zentralbank unterbreitete Vorschlag, die Abbildungen von
Theodor Herzl, David Ben-Gurion, Menachem Begin und Jitzchak
Rabin auf die Zahlungsmittel zu drucken, wurde als zu politik-
und männerlastig
kritisiert. Nun legte Finanzminister Juwal Steinitz
eine eigene Kandidatenliste vor, auf der nur Dichter und Rabbiner auftauchen.
Ein anderer Vorschlag will Anne Frank verewigen. Mal sehen, wer das Rennen
macht.
BARBAREN
Der Jerusalemer
Rechtsanwalt Jaakow Lange, seit seiner Kindheit an
den Rollstuhl gefesselt, hat Barbaren, die unberechtigterweise Versehrtenparkplätze belegen, den Krieg angesagt. Vor anderthalb Jahren verklagte Lange
einen Autofahrer, der den für ihn vor seiner Kanzlei
reservierten Parkplatz besetzt hatte, auf Schadensersatz. Jetzt bekam er Recht:
Das Jerusalemer Amtsgericht sprach ihm ein Schmerzensgeld von 5.000 Schekel zu
- umgerechnet 900 Euro beziehungsweise zehnmal mehr als das für das menschenfeindliche Verkehrsvergehen fällige Bußgeld. Jetzt hofft Lange,
dass das Urteil Präzedenzwirkung entfaltet
und ruft Leidensgenossen auf, Parkplatz-Rowdys vor Gericht zu bringen.
ANGEKOMMEN
Die besten Olim,
so ein geflügelter israelischer
Spruch, sind die Jordim - Israelis, die ihren
Wohnsitz ins Ausland verlegt haben. Bei einer Rückkehr nach Israel brauchen sie keine Sprachkurse und kennen das
Land aus früheren Zeiten. Deshalb
bemüht sich Israel, die »Herabsteiger«
- das bedeutet das Wort Jordim auf Hebräisch - zur Rückwanderung zu bewegen.
2009 wurden die Mühen mit einem neuen
Rekord belohnt: 10.200 Bürger des Judenstaates
kamen aus dem Exil heim. Im abgelaufenen Jahrzehnt waren es insgesamt 50.000.
Das sind sieben Prozent aller in der Diaspora verweilenden Israelis - nicht überwältigend viel, aber doch
eine willkommene Kraftspritze.
ANGEBOTEN
Die E-Medien
kommen nach Israel. Der Verlagskonzern »Yedioth Ahronoth« will die gleichnamige
Tageszeitung - es ist die größte des Landes - sowie
andere Publikationen des Verlags über elektronische
Lesegeräte anbieten. Auch die
traditionsreiche Buchhandlungsfirma Steinmatzky sowie
israelische Handynetzbetreiber planen den Einstieg ins Geschäft. Traditionalisten, also Israelis, die sich am Freitagvormittag
mit Wochenendzeitungen im Gesamtgewicht von mehreren Kilogramm versorgen und
sie wie Jagdbeute nach Hause schleppen - und die ihren Schmöker auch gern in den Händen
halten -, graut es vor der neuen Ära.
Von dieser Nische abgesehen, gelten die Marktaussichten des neuen Mediums im
technikbegeisterten Israel jedoch als gut.
AUSGESTIEGEN
Im staugeplagten
Ballungsraum Tel Aviv ist die Förderung des öffentlichen Verkehrs von jeher ein hehres
Ziel. Hehr, aber unerreicht. Wie eine neue Berechnung zeigt, ist die Nutzung
der in Tel Aviv verkehrenden Linienbusse in den letzten anderthalb Jahrzehnten
nämlich um ein Viertel zurückgegangen.
Jetzt will die Stadt den Trend durch eine umfassende Modernisierung
des Verkehrsnetzes umkehren. Unter anderem sollen die Strecken bedarfsgerechter
als heute verlaufen. Ein Teil der Verbindungen wird künftig von Minibussen abgewickelt. Gleichzeitig ist eine viel höhere Verkehrshäufigkeit geplant.
BEDINGUNG
Eli Jischai, Israels Innenminister und Vorsitzender der sefardisch-ultraorthodoxen Schas-Partei,
will die Gewährung einer
Betriebslizenz an jüdische Geschäfte von der Einhaltung der Schabbatruhe
abhängig machen. Gegen dieses Ansinnen laufen weltliche Politiker
ebenso wie Vertreter der Wirtschaft Sturm. Sie verweisen auf die ökonomischen Schäden, die eine
Zwangsschließung aller Geschäfte am Heiligen Tag hätte.
Dabei vergessen sie allerdings, dass der Schabbat-Handel auch nach heutiger
Rechtslage ohne eine -nur selten ausgestellte - Sondergenehmigung verboten ist.
Dass er dennoch blüht, liegt an lascher
Ahndung der Verstöße.
BESUCHER
Im Jahre 2009
ging die Zahl der ausländischen Touristen um
elf Prozent auf 2,7 Millionen zurück.
Allerdings war das noch immer das zweitbeste Ergebnis in Israels Geschichte.
Nach Herkunftsländern betrachtet führten Touristen aus den USA das Feld der Besucher an, gefolgt von
Gästen aus der Russischen Föderation,
Frankreich, Großbritannien und
Deutschland, wobei die Zahl deutscher Touristen um zwei Prozent zunahm. Bei
rund einer Million der ausländischen Gäste handelte es sich um Juden. Das würde bedeuten, dass rund jeder achte Diasporajude im letzten Jahr
das Land seiner Vorväter besuchte - ein überaus respektables Ergebnis.
BUSSGELD
Bezahlt der
kleine Mann auf der Straße sein Knöllchen nicht, drohen ihm Sanktionen. Was aber, wenn staatliche
Stellen für die von ihren
Mitarbeitern begangenen Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung nicht aufkommen? Wie jetzt publik wurde, nehmen
Dienstherren die Bußgeldbescheide auf die
leichte Schulter. So etwa schuldet die Armee dem Staat für die von Militärs begangenen Verstöße insgesamt anderthalb Millionen Schekel (rund 270.000 Euro) und hält damit den Säumigkeitsrekord. An
zweiter Stelle liegt das Verteidigungsministerium mit 351.000 Schekel und an dritter niemand anders als die Polizei, die
eine Viertelmillion Schekel zu berappen hat.
VERKAUFT
Würden Sie von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen? Die alte
Frage darf man im Zeitalter der Hochtechnologie aktualisieren: Der
israelische Luft- und Raumfahrtkonzern IAI hat jetzt einen gebrauchten Erdtrabanten
veräußert. Der 14 Jahre alte
Telekommunikationssatellit ging in den Besitz der in Bermuda ansässigen Fernmeldefirma Intelsat über und wurde im Orbit an einem neuen Standort geparkt. Derweil
baut IAI an Amos 4, einem 365 Millionen Dollar teuren, 3,4 Tonnen schweren
Satelliten, der ab 2012 Fernmeldedienste für
Südost- und Zentralasien sowie für
Afrika leisten wird.
VERRÜCKT
Ein »Dschuk ba-Rosch« (zu Deutsch: eine
Schabe im Kopf) bedeutet im hebräischen
Slang so viel wie fixe Idee oder leichte Verrücktheit. Bei einer Mittzwanzigerin aus Jerusalem war der Spruch
aber nicht weit von der Wirklichkeit entfernt. Die junge Frau suchte eine notärztliche Klinik auf und klagte über
Schmerzen und Rauschen im Ohr. Bald stellten die Mediziner fest, dass die
Patientin ein fremdes Objekt im Hörorgan
hatte, als sie dieses aber herausholten, waren sie baff: Im Gehörgang der Leidenden hatte sich nämlich eine Küchenschabe eingenistet.
Wie das Insekt dorthin gelangte, blieb unklar. Der Eingriff verlief ohne
nennenswerte Probleme.
VERHAFTET
Ist Pinchas Amar
aus Aschdod nur fromm oder auch ein Fixer? Mit dieser
seltsam anmutenden Frage muss sich das Amtsgericht der Hafenstadt befassen. Der
Fall: Eines Morgens fuhr Amar bei Rot über
die Ampel. Dem Polizisten, der ihn daraufhin anhielt, fielen Druckstellen auf Amars Unterarm auf, wie sie vom Abschnüren der Venen durch Drogenabhängige
herrühren, die sich einen Schuss setzen wollen. Kurz entschlossen nahm
der Ordnungshüter Amar fest und
unterzog ihn einer demütigenden
Leibesvisitation. Der Erklärung des Verdächtigen, die Zeichen stammten von den Gebetsriemen, die er soeben
in der Synagoge angelegt habe, schenkte der Ordnungshüter keinen Glauben. Anschließend
verklagte der Bürger den Beamten auf
Schmerzensgeld. Nun muss der Richter entscheiden, wer recht hat.
Wladimir Struminski
Quelle: Jüdische
Allgemeine Zeitung