Kurzmeldungen
aus dem Leben in Israel werden hier wiedergegeben

Zuletzt ergänzt am 02.04.2010

SEE

Über Wasser wird in Israel viel gesprochen. Allerdings hält sich das tatsächliche Wissen der Bürger über diese so wichtige Materie in Grenzen. So halten acht von zehn Israelis Wasser für überteuert, doch machen sich nur drei von zehn die Mühe, sich ihre Wasserrechnung anzusehen. Lediglich zwei von zehn Verbrauchern ist bewusst, dass der größte Anteil des häuslichen Wasserverbrauchs auf die Toilettenspülung entfällt. Ähnliche Unwissenheit herrscht über die Herkunft des Wassers: Während 60 Prozent der Bürger glauben, der überwiegende Teil komme aus dem Kinneret, liefert der See in Wirklichkeit nur ein Fünftel der Wassermenge: Zwei Drittel stammen aus Grundwasserreservoirs, während 15 Prozent von Entsalzungsanlagen bereitgestellt werden.

SEKTOR

Die Wirtschaft des arabischen Sektors ist wenig mit dem Rest des Landes verbunden. Auch erwirtschaften die arabischen Bewohner lediglich acht Prozent des israelischen Bruttoinlandsprodukts, obwohl sie ein Fünftel der Bevölkerung stellen. Das sind keine feindseligen Anschuldigungen aus dem Ausland, sondern amtliche Angaben des israelischen Ministerpräsidentenamtes. Jetzt hat die Regierung ein Programm zum Abbau der tiefen sozioökonomischen Kluft zwischen Arabern und Juden beschlossen. Danach werden Investitionen, Existenzgründungen und Arbeitsplatzbeschaffung im arabischen Sektor besonders gefördert - vorerst in zwölf großen arabischen Ortschaften, darunter Nazareth und Umm al-Fahem, zu einem späteren Zeitpunkt, so jedenfalls der gute Vorsatz, auch anderswo.

STREIT

Als hätte Benjamin Netanjahu nicht schon genug Sorgen, droht seiner Regierung eine halachische Koalitionskrise. Beim Bau des neuen, gegen Raketenangriffe geschützten Notaufnahmegebäudes am Barsilai-Kranken-haus in Aschkelon wurden antike Gräber entdeckt. Auf Forderung ultraorthodoxer Kreise, für die eine Verlegung der Gräber, geschweige denn deren Überbauung, nicht infrage kommt, beschloss die Regierung eine kostspielige Verlegung des Gebäudes an eine andere Stelle, für umgerechnet 30 Millionen Euro. Dagegen gab es nicht nur aus Medizinerkreisen Proteste. Auch stellt sich die Frage, ob der Beschluss, der nach Überzeugung der Kritiker Menschenleben gefährdet, überhaupt rechtens ist. jetzt soll ein interministerieller Ausschuss das Dilemma klären.

SONNE

Bis vor vier Jahren war die im Negev gelegene Ahorn-Farm der Familie Scharon der inoffizielle Regierungssitz des Staates Israel, an dem der damalige Premier Ariel Scharon die wirklich wichtigen Gesprächspartner empfing und strategische Entscheidungen traf. Auch durch ihre preisgekrönten Zuchtbullen wurde die Farm bekannt. Jetzt schreitet der berühmteste Agrarbetrieb des Landes einer lichten Zukunft entgegen: Scharon Seniors rührige Söhne Omri und Gilad wollen den von der Sonne verwöhnten Landsitz zu einem Standort fotovoltaischer Stromerzeugungsanlagen machen. Mit einer Fläche von fünf Quadratkilometern ist das Familienanwesen groß genug, um zu einem der größten Fotovoltaik-Betriebe des Landes zu werden.

STOLZ

Es gibt Länder, in denen die Nationalhymne als obsolet gilt. Nicht in Israel. Wie eine Studie an den Tag brachte, identifizieren sich neun von zehn jüdischen Israelis beim Abspielen der Hatikwa mit ihrem Nationallied, das dem jüdischen Volk Freiheit in seinem eigenen Land verheißt. Acht von zehn Befragten gaben an, die Hymne erfülle sie mit Stolz. Die positiven Emotionen sind nicht in allen Bevölkerungsgruppen  gleich stark ausgeprägt. Allerdings berichteten immerhin 70 Prozent der Neueinwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die Hatikwa löse bei ihnen nationale Identifizierung aus.

ENKEL

Israels Gründungsväter waren redlicher als ihre Enkel. Das glauben jedenfalls die Israelis. Bei einer repräsentativen Umfrage wurden die Teilnehmer gebeten, jeden bisherigen Ministerpräsidenten als korrupt einzustufen oder ihn von diesem Verdacht freizusprechen. Das Ergebnis: Nur 2,2 Prozent der Befragten glauben, dass David Ben Gurion korrupt war. Dem alten Kämpfer Jitzchak Schamir wurde dieser Makel sogar von nur 0,8 Prozent der Teilnehmer vorgeworfen, während es bei Schimon Peres 2,9 Prozent und bei Jitzchak Rabin 3,7 Prozent waren. Dagegen halten 17,8 Prozent den heutigen Regierungschef Benjamin Netanjahu für korrupt. Der »Sieger« aller Zeiten ist aber Netanjahus heute wegen Betrugs vor Gericht stehender Amtsvorgänger Ehud Olmert: Bei ihm sahen 52 Prozent der gefragten Bürger den Tatbestand der Bestechlichkeit als gegeben an.

ESSEN

Immer mehr Nahrungsmittel werden in Israel auch in der Variante »koscher für Pessach« angeboten, also ohne Zutaten, die Gesäuertes enthalten. Waren seinerzeit allenfalls Kartoffelchips als Pessach-Knabberzeug verfügbar, ist es heute auch Salzgebäck und vieles andere. Nun aber fürchten die Kaschrut-Behörden, dass der eine oder andere Verbraucher im Vorfeld des Festes aus Versehen zu einem chamezhaltigen Produkt greift und dieses über Pessach zu sich nimmt. Deshalb fordern sie von den Herstellern, chamezfreie Produkte nicht nur entsprechend zu beschriften, sondern auch, sie in Verpackungen mit unverwechselbarem Pessach-Design abzufüllen.

EHEBRUCH

Hightech-Mitarbeiter suchen immer nach dem Neuen. Und zwar nicht nur im Beruf, sondern, wie es scheint, auch im Privatleben. Wie eine Erhebung der Tel Aviver Anwaltskammer ergab, sind Seitensprünge in der Branche häufiger als in anderen Berufen. Rund 40 Prozent aller durch Ehebruch in Gang gesetzten Scheidungen entfallen auf Hightech-Familien - ein Mehrfaches ihres Anteils an der Gesamtbevölkerung. Als Hauptgrund für das häufige Scheitern der Hightech-Ehen machen Experten die langen, bis in die Nacht hineinreichenden Arbeitstage aus, die eine echte Lebensgemeinschaft oft verhindern.

GEBRÜLLT

Israel ist kein ausgesprochen leises Land. Das weiß jeder, dessen Nachbar um zehn Uhr abends Löcher in die gemeinsame Betonwand bohrt oder vor dessen Fenster sich mitten in der Nacht eine dröhnende Gesprächsrunde bildet. Jetzt hat das Umweltschutzministerium den Entwurf neuer Richtlinien zur Verhinderung der Lärmbelästigung vorgelegt. Beispielsweise dürfen Wohnungen nicht nach 20 Uhr und nicht vor 7 renoviert werden. Spätes, beziehungsweise frühes Rasenmähen und sonstige laute Gartenarbeiten werden verboten, bisher waren sie rechtens. Überlauter Betrieb des TV-Empfängers und der Stereoanlage wird zu jeder Nacht- und Tagesstunde untersagt.

GEÖFFNET

Eine der berühmtesten Synagogen der Welt ist wieder für Beter zugänglich: Am Montag wurde die Churwa-Synagoge im jüdischen Viertel der Jerusalemer Altstadt nach mehrjährigem Wiederaufbau eingeweiht. Ursprünglich war der Bau im 18. Jahrhundert in Angriff genommen, jedoch nicht vollendet worden; das Gebäude wurde 1721 niedergebrannt und trägt seitdem den Namen Churwa (Ruine). Erst 1856 wurde »die Churwa« geweiht und diente als Jerusalems Hauptsynagoge bis 1948, als sie von Jordanien zerstört wurde. In den nun abgeschlossenen Wiederaufbau mischte sich, wie so oft in Nahost, auch hohe Politik: Die Palästinenser protestierten gegen die Zeremonie, und selbst die USA äußerten »Bedenken«. Die Gläubigen freilich wollen sich die Freude über ihr altneues Gotteshaus nicht verderben lassen und haben vor, die Synagoge wieder zu einem zentralen Punkt jüdischen Lebens zu machen.

PLANUNG

Israel treibt Pläne zur Nutzung der Atomenergie voran. Im Auftrag der Regierung soll die staatliche »Agentur für Kernkraft« im Laufe dieses Jahres prüfen, ob der Bau von Atommeilern zur Energiegewinnung durchführbar wäre. Im Realisierungsfall, so das Infrastrukturministerium, kann das erste Kraftwerk 2025 ans Netz gehen. Andere Planer sind schon weiter: Der Stromversorger Israel Electric Corporation glaubt, Israel werde bereits 2020 ein Zehntel seiner Stromversorgung dem Atom zu verdanken haben. Zwar wurden im letzten Jahr in israelischen Wirtschaftsgewässern große Erdgasvorkommen gefunden, doch wollen sich Israels Energiepolitiker darauf allein nicht verlassen.

PEGEL

»Ein Tropfen im Meer« - einmal wörtlich genommen. Wie die israelische Wasserbehörde meldet, ist der Wasserpegel des Toten Meeres in diesem Winter um acht Zentimeter gestiegen. Damit wurde der rasante Rückgang des Wasserstandes von zuletzt bis zu einem Meter pro Jahr gestoppt. Der Salzsee braucht allerdings mehr, um sich von den Umweltschäden der letzten Jahrzehnte zu erholen: Seit 1970 ist der Wasserpegel um 25 Meter gesunken, während die Wasseroberfläche um ein Viertel geschrumpft ist.

RUF

Ob der Mossad wirklich hinter dem Attentat auf Hamas-Kommandeur Mahmoud al-Mab-huch steht, wird die Öffentlichkeit wahrscheinlich nicht so schnell erfahren. Indessen scheinen die zahlreichen Veröffentlichungen, die den israelischen Geheimdienst in die Nähe der Liquidierung rücken, viele Bürger des jüdischen Staates stark beeindruckt zu haben: Wie die Tageszeitung Yedioth Ahronoth enthüllte, ist die Zahl der Kandidaten, die sich um einen Arbeitsplatz bei dem sagenumwobenen »Institut für Aufklärung und besondere Aufgaben« bewerben, seit der Mabhuch-Affäre sprunghaft gestiegen, »jetzt verstehe ich, wie das funktioniert«, erzählte begeistert einer der Kandidaten, »und ich will dabei sein«. Fragt sich nur, ob Möchtegern-Haudegen wirklich das sind, was ein professioneller Dienst gebrauchen kann.

RÜGE

Evolution oder Schöpfung? Der Streit über den Ursprung des Lebens hat nun auch das israelische Erziehungsministerium erreicht. Anlass ist die vom Chefwissenschaftler des Ressorts, Gavriel Avital geäußerte Meinung, israelische Schüler sollten nicht automatisch die Evolutionslehre erlernen, sondern auch »andere Auffassungen« kennenlernen - will heißen die kreationistische Denkschule, die der biblischen Schöpfungsgeschichte folgt. Außerdem bestritt der religiöse Jude Avital, dass die im Vergleich zu Gott nichtige Menschheit zur Erderwärmung beitragen könne. Für diesen Angriff auf die moderne Wissenschaft wurde Avital von seinem Dienstherrn, Erziehungsminister Gideon Saar, kritisiert.

REGEN

In diesem Jahr ist der Himmel den Israelis nicht gnädig. Nachdem der Winter bisher nur unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen mit sich brachte, öffneten sich die Schleusen ausgerechnet zu Purim. Wegen starker, anhaltender Regengüsse mussten die für den letzten Freitag geplanten Purim-Umzüge vielerorts - darunter in Haifa, Ramat-Gan, Akko und Modi'in - abgesagt oder ver­schoben werden. Viele, die sich dennoch im Kostüm auf die Straße wagten, mussten total durchnässt den Rückzug antreten und auf Regenbekleidung umsteigen. Dabei hatte man sich schon an trockene Feste gewöhnt: Seit 2005 gab es in Israel an Purim keinen Niederschlag.

RESERVAT

Der Tempelberg ist nicht nur ein für Juden und Muslime heiliger Ort, sondern auch ein freundliches Habitat für Eidechsen und Vögel. Das hat eine Studie der Naturschutzgesellschaft und der Behörde für die Entwicklung Jerusalems festgestellt. Die Ölbäume und die alten Bauwerke mit ihren Kuppeln, Türmen und Winkeln bieten den Tieren ideale Brutplätze. Auch andere Teile des historischen Jerusalems sind, wie die Erhebung zeigt, zoologisch interessantes Terrain. Insgesamt wurden in der Altstadt 44 Tierarten, darunter Vögel, Frösche und Fledermäuse, sowie rund 100 Pflanzenarten entdeckt.

ROSTLAUBE

Abwracken? Nein, danke. Von den knapp 40.000 israelischen Autofahrern, die einen Pkw im Alter von 20 Jahren oder mehr besitzen, haben nur 1.300 die vor einigen Monaten eingeführte Abwrackprämie in Anspruch genommen. Die anderen ziehen es dagegen vor, mit ihren Schrotthaufen die Luft zu verpesten. Offenbar sind die 3.000 Schekel, die Vater Staat für die Oldtimer auf den Tisch blättert, kein ausreichender Anreiz. Schließlich hat nicht jedermann genug Geld, um sich ein neueres Modell zu leisten. Jetzt hofft das Verkehrsministerium, wenigstens einen Teil der Verweigerer durch die Errichtung zusätzlicher Verschrottungsplätze zum Abschied von ihrem alten Gefährt zu bewegen.

REDLICHKEIT

Alex Istirachow ist ein rechtschaffener Mensch. Als er in einem Supermarkt in der Ortschaft Schoham Gurken sortierte, fiel ihm eine im Regal liegen gebliebene Geldbörse auf. Das kommt vielleicht schon mal vor. Dass das Portemonnaie aber - wie im vorliegenden Fall - eine Viertelmillion Schekel enthält, ist eher eine Seltenheit. Mit Hilfe der beiliegenden Ausweispapiere konnten Istirachow und sein Filialleiter den Gurkenkäufer ermitteln und riefen ihn unverzüglich an. Dabei stellten sie fest, dass der Mittsechziger den Verlust noch gar nicht gemerkt hatte. Umso schneller war er zur Stelle, um den verlorenen Schatz entgegenzunehmen.

KRANKHEIT

Noch vor Kurzem stellte sich Israel auf eine gefährliche Schweinegrippe-Epidemie ein. Regierung und Krankenkassen empfahlen allen Bürgern, sich gegen das Virus impfen zu lassen. Wie sich jetzt herausstellt, sah das Volk die Gefahr gelassener als die Regierenden. Bis Februar nahmen gerade mal 700.000 Menschen die Impfung in Anspruch. Zugleich blieb die Verbreitung der Infektion unter dem befürchteten Niveau: Nur 13 Prozent aller Grippeerkrankungen fallen in diesem Winter in die Kategorie »Schapa'at Chasirim«, wie die Krankheit auf Hebräisch heißt. Zudem geht die Zahl der Neuansteckungen zurück. Das ist natürlich erfreulich, doch wissen die Gesundheitsbehörden nicht, was sie nun mit den rund anderthalb Millionen ungenutzten Impfportionen anfangen sollen.

KOSMOS

Auf seiner Internetseite veröffentlicht das israelische Religionsministerium ein Verzeichnis aller Rabbiner, die in israelischen Städten und Kommunen amtieren. Kürzlich erschien auf der Liste ein besonders interessanter Name: Josef Schemesch, seines Zeichens Amtsrabbiner der Stadt Maadim. Nun aber gibt es in Israel keinen Ort dieses Namens. Vielmehr ist »Maadim« der hebräische Name des Planeten Mars. Auch der Familienname des vermeintlichen Rabbiners hat kosmischen Bezug: »Schemesch« heißt nämlich »Sonne«. Wie es scheint, stammt der Eintrag von Hackern, die die Website des frommen Ressorts geknackt und zur Bühne für ihren Kalauer-Eintrag gemacht haben.

KNAPPHEIT

Die Winterüberschwemmungen, die Israel heimgesucht haben, täuschen: Nach Berechnungen wird auch die Regenzeit des Jahres ~ 5770 dem Land nur unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen bescheren. Deshalb, so die Wasserbehörde, hat sich die Wasserknappheit weiter verschärft. Während der Wasserpegel des Kinneret nur langsam steigt, ist er in den großen Grundwasserbecken gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres sogar um 20 bis 30 Zentimeter gesunken. Vor drastischen Maßnahmen schreckt die Regierung in Jerusalem jedoch zurück: Die im Sommer eingeführte Strafabgabe für übermäßigen Wasserkonsum wurde inzwischen wieder abgeschafft.

KRITIK

Vor Jahresfrist erntete der Verteidigungsminister und Vorsitzende der Arbeitspartei, Ehud Barak, Tadel für seine ausgefallene Behausung: Barak wohnt in einer Tel Aviver Luxuswohnung mit einer Nutzfläche von 540 Quadratmetern und einem Marktwert von rund 25 Millionen bis 30 Millionen Schekel (rund viereinhalb bis fünf Millionen Euro). Das, fanden Kritiker, gehöre sich nicht für den Chefgenossen einer zumindest nominal sozialistischen Partei. Jetzt enthüllte die Wirtschaftszeitung „The Marker“, dass Barak eine neue Bleibe gekauft hat. Dieses Zuhause ist viel kleiner als das alte, mit einem geschätzten Wert von knapp drei Millionen Euro aber auch nicht die typische Bleibe, die sich Mosche Normalverbraucher gönnen kann.

GEWONNEN

Die Auswanderung aus der GUS wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Laut einer israelischen Studie liegt die Lebenserwartung von Olim aus der ehemaligen UdSSR um acht Jahre über derjenigen, die die dort Gebliebenen vorweisen können. Die Erklärung des vermeintlichen Rätsels dürfte vor allem in der weitaus besseren medizinischen Versorgung liegen, die Israel im Vergleich zu den ex-sowjetischen Republiken seinen Bürgern bieten kann. Ein weiterer Befund: Die Zahl der Kinder, die eine GUS-Immigrantin in Israel zur Welt bringt, liegt bei 1,8. Das ist doppelt so viel wie bei Jüdinnen, die in der GUS geblieben sind.

BAUPLÄNE

Israels ultraorthodoxe Juden leben am liebsten unter sich, um ihren besonderen Lebensstil ungehindert pflegen zu können. Inzwischen gibt es nicht nur ultraorthodoxe Wohnviertel in Jerusalem und dem zu 90 Prozent von Ultraorthodoxen bewohnten Bnei Brak, sondern auch rein ultraorthodoxe Städte wie Beitar Illit und Modiin Illit im Westjordanland. Jetzt werden ultraorthodoxe Hochburgen auch im Kernland geplant. In der vergangenen Woche genehmigte das Innenministerium im Grundsatz den Bau von Kasif, einer im ersten Baustadium für 50.000 fromme Bewohner ausgelegten Stadt im Negev. Das im Landesnorden geplante Harisch wiederum soll 150.000 Ultras beherbergen. Das Nebeneinander mag eine bequeme Lösung sein, ein freundschaftliches Miteinander Andersdenkender lässt sich damit aber nicht erlernen.

BEWERTUNG

Israel ist ein interessantes Reiseland, sollte sich aber mehr anstrengen. Das legt jedenfalls eine neue Analyse des Weltwirtschaftsforums nahe. Danach liegt Israels Fremdenverkehrssektor in Sachen Konkurrenzfähigkeit auf Rang 36 einer 133 Länder umfassenden Liste touristischer Reiseziele. Damit überragt Israel unter anderem die Nachbarländer Ägypten und Jordanien. Allerdings, so die Studie, investiert die israelische Regierung nicht genug in den Ausbau des Fremdenverkehrs: In dieser Beziehung nämlich liegt der Judenstaat nur auf Platz 98. Auch die Imagewerbung will nicht so recht klappen: In Sachen Marketing sind laut dem Bericht 77 andere Länder Israel überlegen.

BÄUME

Bäume pflanzen ist ein beliebtes israelisches Hobby. Nach einer Umfrage des für die Bewaldung öder Landstriche zuständigen Jüdischen Nationalfonds (KKL) haben 71 Prozent der Israelis schon einen Baum gepflanzt. Acht von zehn Befragten gaben an, das in Zukunft tun zu wollen. Historisch gesehen, kann Israel in der Tat einen einmaligen Pflanzerfolg vorweisen: Während es zu Beginn des 20. Jahrhunderts im gesamten Land Israel gerade mal 14 Quadratkilometer Wald gab, liegt die in Israel heute von Wäldern bedeckte Fläche bei insgesamt 2.400 Quadratkilometern. Da ist es kein Wunder, dass Israelis auch international als führende Experten für die Bekämpfung der Wüste anerkannt sind.

GETÖTET

Die Israelis bringen einander seltener im Straßenverkehr um: Im vergangenen Jahr ging die Zahl der bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommenen Bürger um 23 Prozent auf 315 zurück. Das ist nicht zuletzt ein Erfolg der Verkehrspolizei, die dank strikterer Überwachung viele Menschenleben gerettet hat. Weniger Glück hatten die Ordnungshüter bei der Verhinderung von Mordtaten: 2009 wurden 135 Menschen ermordet: fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings hofft die Polizei, die Zahl der Morde durch ein breites Maßnahmenbündel, zu dem neben konsequenter Bekämpfung des organisierten Verbrechens auch der Kampf gegen Gewalt in der Familie gehört, in den kommenden Jahren ebenfalls zu senken.

GEFÖRDERT

Politisch und geografisch ist Israel kein Teil Europas. In der Welt der Wissenschaft schon eher. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Statistik des für die Förderung modernster Grundlagenforschung zuständigen Europäischen Forschungsrates der EU hervor. Danach gehörten in den Jahren 2008 und 2009 gleich drei israelische Einrichtungen - die Hebräische Universität in Jerusalem, das Haifaer Technion und das renommierte Weizmann-lnstitut in Rehovot zur engsten europäischen Spitze der europäischen Hochschulen, deren Projekt für förderungswürdig befunden wurden. Mit elf geförderten Forschungsvorhaben lag die Jerusalemer Uni nur einen Platz hinter dem britischen Spitzenreiter Cambridge und gleichauf mit Oxford.

GESONNT

Um Israels Sonne zu genießen, muss man sich nicht an den Strand legen. Man kann auch anlegen - und zwar viel Geld. Die durchstartende Solarkraft-Branche lockt denn auch immer mehr Investoren an. Im kommenden Jahrzehnt werden in Israel bis zu acht Milliarden Dollar in Sonnenkraftwerke und andere erneuerbare Energien investiert. Zum Jahreswechsel hat die Regierung lohnende Abnahmetarife festgelegt - das ist umso attraktiver, weil Israels Süden mit die höchste Einstrahlungsintensität der Welt bietet.

GEZAHLT

Nur noch jeder vierte Kibbuz ist egalitär und sichert jedem Mitglied das gleiche Einkommen zu. Dagegen sind bereits 188 Kollektivdörfer (72 Prozent) zu dem sogenannten erneuerten Modell übergegangen, bei dem jeder Genosse »differenzial«, will heißen nach kapitalistischen Prinzipien bezahlt wird und sich damit nicht mehr allzu sehr vom Arbeitnehmer unterscheidet. Neun weitere Kibbuzim haben sich für ein Mischverfahren entschieden, bei dem ein für alle gleiches Sockeleinkommen durch individuell ausgehandeltes Gehalt aufgestockt wird. Im Jahr 2009 haben fünf ehemals urkommunistische Siedlungen das kapitalistische Gehaltsprinzip übernommen. 2010 könnten es bis zu 20 sein.

BESCHAFFT

Israels Verkehrspolizei rückt Rasern auf den Leib. Nach langem Flehen hat die Regierung den Ordnungshütern die Beschaffung von 100 neuen Streifenwagen genehmigt. Damit, so eine Schätzung, können die Beamten die Zahl der wegen Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung ausgestellten Bußgeldbescheide verdoppeln. Parallel dazu werden digitale Geschwindigkeitsmessgeräte eingeführt, die sich mit Radarwarngeräten nicht entdecken lassen. Auch das wird die Zahl der überführten Asphalthooligans steigern und hoffentlich manchem unschuldigen Verkehrsteilnehmer das Leben retten. Im letzten Jahr kamen in Israel 31.500 Menschen bei Verkehrsunfällen zu Schaden - in 411 Fällen mit Todesfolge.

BESIEDELT

Charisch ist eine kleine Siedlung im nordisraelischen Iron-Tal (Wadi Ära), einer vorwiegend von arabischen Israelis bewohnten Gegend. Nach Plänen des Bauministeriums soll der kleine Ort, in dem heute 6.000 Menschen leben, kräftig ausgebaut werden und künftig bis zu 150.000 neuen Bewohnern - vor allem Ultraorthodoxen - ein Zuhause bieten. Das stößt nicht nur unter den arabischen Anrainern auf Widerstand, die eine Einengung ihrer Wohnorte durch die Ansiedlung von Juden befürchten. Auch manche jüdische Nachbarn haben Angst vor einer ultraorthodoxen Hochburg vor ihrer Haustür. Koexistenz ist halt schwer.

BESCHENKT

Es ist israelische Tradition, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten zu Rosch Haschana einen Bonus zahlen oder geldwerte Geschenke machen. Und weil man auf Traditionen nicht gern verzichtet - und erst recht keine Eintrübung des Betriebsklimas riskieren will -, werden die Mitarbeiter auch am Ende des Krisenjahres 5769 mit Aufmerksamkeiten bedacht. Allerdings liegt einer Erhebung zufolge der durchschnittliche Bonus nur noch bei umgerechnet 110 Euro. Das ist ein Sechstel weniger als im Jahr zuvor.

BESORGT

Die meisten israelischen Juden - aber nicht alle- machen sich Sorgen um ihre Glaubensbrüder in der Diaspora. Einer Umfrage zufolge sehen 59 Prozent in der Assimilation von Juden in der Zerstreuung ein schwerwiegendes Problem. Weitere 17 Prozent der Befragten gaben sich nur mäßig besorgt. Sieben von zehn glauben, dass ihr Staat der Assimilation im Ausland entgegentreten muss; mehr als acht von zehn wollen, dass die Regierung Geld in die Stärkung der Bindung zur Diaspora investiert. Dagegen bekannten immerhin 22 Prozent, dass ihnen das Phänomen »Assimilation« gleichgültig ist.

BAUTEN

Im kommenden Jahrzehnt wird Tel Aviv wohl immer mehr Manhattan gleichen. Um ihren Status als Israels Wirtschaftsmetropole zu wahren, will die Stadt eine lange Reihe von Wolkenkratzern bauen lassen. An Kunden mangelt es laut Stadtverwaltung nicht. Allein im Sommer genehmigten die Baubehörden die Errichtung von 23 Hochhäusern. Das höchste von ihnen soll 65 Stockwerke haben und den »nur« 50-stöckigen Turm des Azrieli-Zentrums als das höchstes Gebäude der Stadt ablösen. Willkommen in Telhattan.

BÜRGER

Die Zahl der israelischen Staatsbürger arabischer Herkunft, die sich zum Zivildienst melden, nimmt zu und überschritt in diesem Jahr erstmals die Eintausendmarke: viermal so viel wie im Jahr 2004. Damit hat sich immerhin jeder zwanzigste 18-jährige Araber bereit erklärt, seinem Staat durch humanitäre Arbeit zu dienen. Der Dienst setzt die jungen Menschen allerdings der Ächtung durch Extremisten aus den Reihen der arabischen Bevölkerung aus. Diese bezeichnen jegliche Hilfeleistung für den jüdischen Staat als Nationalverrat.

BEWEGUNG

Seit dem Zweiten Libanonkrieg im Jahr 2006, als Kampftruppen Konditionsschwäche zeigten, macht die israelische Armee ihre Soldaten konsequent fit. Um die Mannschaften zu motivieren, gehen ranghohe Offiziere mit gutem Beispiel voran. Selbst solche, die ihren Dienst nicht in unwegsamem Gelände, sondern am Schreibtisch des Generalstabs leisten, werden neuderdings angehalten, sich Jogging-Gruppen anzuschließen. Als Fitness-Offizier dient Oberst Avi Moyal, seinerzeit Sportausbilder der legendären Kommandoeinheit Sajeret Matkal. Sogar Generalstabschef Gabi Aschkenasi arbeitet zweimal in der Woche unter Moyals Anleitung an seiner Kondition.

BESCHLOSSEN

Der Rat des israelischen Oberrabbinats hat beschlossen, dass der Hirntod auch in halachischer Hinsicht das Ende des Lebens bedeutet. Damit begaben sich die Rabbiner auf Konfrontationskurs mit vielen, zumal ultraorthodoxen Schriftgelehrten, die nach wie vor nur den endgültigen Herzstillstand als Bedingung für die Feststellung des Todeseintritts verlangen. Indessen könnte der Rabbinatsbeschluss, so hoffen wenigstens Transplantationsmediziner, viele religiöse Juden dazu bewegen, der Organentnahme von hirntoten Familienangehörigen zuzustimmen. Zudem sollen potenzielle Spender einem Vorschlag zufolge auf ihrer Spenderkarte selbst bestimmen, ob ihr Ableben nach dem Hirn- oder Herztodkriterium bestimmt werden darf.

BENACHTEILIGT

Männer walten, Frauen helfen. In Israel ist die alte Rollenverteilung in vielen Bereichen noch Realität. Laut dem Zentralamt für Statistik stellt das schöne Geschlecht lediglich ein Sechstel aller Ingenieure und Architekten und jeweils nur ein Drittel der im Lande tätigen leitenden Angestellten, Richter und Anwälte. Dagegen sind die Sekretariate zu 95 Prozent mit Frauen besetzt. Selbst innerhalb ein- und desselben Berufs steigt mit dem Prestige auch der Männeranteil. So sind drei von zehn Gymnasiallehrern Männer, während unter Grundschulpädagogen nur einer zu finden ist. Übrigens sind in einem einzigen Beruf, in dem eine Mehrheit der Mitarbeiter mit dem Gehalt zufrieden ist - nämlich bei Medizinern - die meisten Berufstätigen Frauen. In allen anderen finanziell befriedigenden Jobs stellen die Herren der Schöpfung die Majorität.

BERATEN

Wie isst man Hummus? Ist doch ganz einfach: Man wischt ihn mit der Pita vom Teller auf. Kenner machen das mit einer geübten Rotationsbewegung des Handgelenks - und stecken sich den auf diese Weise mit Kichererbsenpaste bestrichenen Rand des Fladenbrots in den Mund. Jetzt aber schlägt eine israelische Beraterfirma für Marketinginnovation drei alternative Wege vor. Dem ersten Vorschlag zufolge wird Hummus wie Eintassen-Portionen von Kaffee für die Espressomaschine in kleine Kapseln verpackt. Die zweite Idee sieht vor, die Delikatesse aus einer konusförmigen Verpackung direkt in die Pita zu drücken - das erspart das Kleckern. Drittens soll das Nahrungsmittel in eine Andruck-Plastikflasche kommen und wie Ketchup auf den Teller platschen. Ein Bruch mit der Tradition, gewiss, doch nimmt ein führender Hummushersteller des Landes die Vorschläge ernst und will ihre kommerzielle Realisierbarkeit prüfen.

VERSETZUNG

Israels Erziehungsministerium wollte der Wirtschaftskrise etwas Positives abgewinnen. Um entlassenen Hightech-Mitarbeitern eine neue Perspektive zu bieten und gleichzeitig dem siechen Schulwesen unter die Arme zu greifen, schrieb das Ressort ein Umschulungsprogramm aus. Dabei sollen Wissenschaftler und Forscher zu Lehrern für das Fach Technologie ausgebildet und an Gymnasien versetzt werden. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Gleich in den ersten drei Tagen gingen bei der Programmleitung 1.500 Bewerbungen ein. Und zwar keineswegs nur von Arbeitslosen, sondern auch von Idealisten, die unangefochten in Brot und Lohn stehen. Einer der Kandidaten war sogar bereit, einen Arbeitsplatz in New York und ein Jahresgehalt von 150.000 Dollar gegen ein lärmendes Klassenzimmer einzutauschen.

VERLEIHUNG

Der beste Deutsche Schäferhund der Welt kommt aus dem Judenstaat. Das jedenfalls war das Resultat der viertägigen Schäferhunde-Weltmeisterschaft in Krefeld. Bei der Preisverleihung saß der Rüde Sam in der Grotenburg-Kampfbahn und blickte zu seinem Frauchen Scharon Ronen auf. Der Vierbeiner hatte einen Siegerkranz mit schwarz-rot-goldener Schleife um den Hals, eine Begleiterin hielt die israelische Fahne hoch. Bei den Wettkämpfen hatte sich Sam gegen 170 Konkurrenten aus 140 Ländern durchgesetzt.

FEINDE

Endlich Sanktionen gegen den Iran: Der Finanzausschuss der Knesset hat die Einfuhrabgaben auf geröstete Erdnüsse erhöht. Der Grund: Der Großteil der einschlägigen Importe kommt - über die Türkei - aus dem Iran. Damit, so die Abgeordneten, unterstütze Israel einen Feindesstaat. Das sei den meisten Bürgern zwar nicht bekannt, deshalb aber noch lange nicht zu billigen. Nun habe man, witzelte Ausschussvorsitzender Mosche Gafni vom Vereinten Tora-Judentum, das iranische »Kernproblem« angepackt.

FLUTEN

Israelis müssen mit vielen Gefahren leben, vom Terrorismus über Krieg bis hin zu Erdbeben, die dem Judenstaat nach Wissenschaftlermeinung unablässig drohen. Jetzt kommt auch noch das Tsunami-Risiko hinzu. Nach einer archäologischen Studie der Universität Haifa wurde die Gegend der Stadt Caesarea in den letzten dreieinhalbtausend Jahren viermal von einem Tsunami heimgesucht. Das bedeutet, dass die dicht besiedelte Küstenebene auch heute Opfer der Fluten werden kann. Wie es schient, rollten die Wassermassen bei den historischen Tsunamis bis zu zwei Kilometer tief ins Land.

FLÄCHEN

Im Landeszentrum geht es immer beengter zu. Dieser Tage haben die Baubehörden die Errichtung eines neuen Stadtviertels in Tel Aviv im Grundsatz genehmigt. Laut Reißbrettplänen entstehen in den kommenden Jahren nördlich der heutigen Bebaungsgrenze 11.000 neue Wohneinheiten. Damit wird die noch verbliebene offene Fläche zwischen der Mittelmeermetropole und Herzlija praktisch nivelliert. Wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte Tel Aviv schon bald in der Mitte eines durchgehenden Stadtgebietes mit einem Durchmesser von 50 Kilometern liegen.

FUND

Als die Elftklässlerin Jarden Suissa aus Gan Jawne die Recherchen für eine Arbeit über ihre Familiengeschichte mütterlicherseits zu schreiben begann, ahnte sie nicht, welchen Fund sie machen würde. Im Jahre 1937 war ihre Großmutter Rachel als kleines Mädchen mit ihren Eltern aus Litauen nach Uruguay ausgewandert und lebt seit 1978 in Israel. Ihre um zehn Jahre ältere Schwester Luba, die die Reise nach Südamerika nicht angetreten hatte, wurde von der Familie nach dem Holocaust für tot gehalten. Indessen hatte Luba den Krieg in der Sowjetunion überlebt und wanderte im Jahre 2000 ebenfalls in Israel ein. Durch ihre Forschungsarbeit konnte Jarden nun die Großtante ausfindig machen und die beiden Schwestern, heute 78 beziehungsweise 88 Jahre alt, mehr als sieben Jahrzehnte nach ihrer Trennung zusammenbringen.

GESTAFFELT

Wer in Israel einen sozioökonomisch starken Wohnort sucht, ist in Vororten einer Großstadt am besten aufgehoben, so er über das nötige Kleingeld verfügt. Wie eine Erhebung des Zentralamtes für Statistik ergab, lebt es sich in Sawion und Kfar Schmarjahu, östlich beziehungsweise nördlich von Tel Aviv am besten. Rang drei der 197 Ortschaften umfassenden Liste belegt Omer, eine gut situierte Kleinstadt bei Beer Schewa. Die Beispiele ließen sich mehren. Unter den Großstädten schneidet Tel Aviv mit Rang 25 am besten ab, während die Nordmetropole Haifa sich mit dem 46. Platz zufrieden geben muss. Das mehrheitlich von ultraorthodoxen und arabischen Familien bewohnte Jerusalem liegt weit abgeschlagen auf Rang 114.

GEPLANT

Ende des 19. Jahrhunderts fuhr die erste Bahn von Jaffa nach Jerusalem. 106 Jahre lang liefen die Züge im alten Bahnhof der Heiligen Stadt ein, doch liegt dieser seit 1998 brach. Jetzt aber kommt in die alten Mauern neues Leben. Nach einem Plan der Stadtverwaltung soll an der historischen Stätte ein Freizeitzentrum mit einer Fläche von 40.000 Quadratmetern entstehen. Die Vergnügungsmöglichkeiten sollen von einem Theater, über Kneipen und Restaurants bis hin zu einem Lunapark reichen. Das historische Bahnhofsgebäude soll erhalten und gründlich restauriert werden.

GEADELT

Israel gehört zu den Ländern mit der höchsten Zahl von Patentanmeldungen je Einwohner. Jetzt rückt auch das israelische Patentamt in die internationale Superliga auf. Nach einem Beschluss der Weltorganisation für geistiges Eigentum wurde der Judenstaat als ein sogenanntes internationales Patentzentrum anerkannt. Somit dürfen israelische Experten künftig auch Anträge ausländischer Erfinder prüfen und mit weltweiter Geltung bescheiden. Damit schließt sich das Land am Ostrand des Mittelmeeres einem exklusiven Klub von bisher 14 Nationen und dem als supranationale Einrichtung anerkannten Europäischen Patentamt an. In der internationalen Technologieszene gilt das als ein Ritterschlag.

GESTRAFT

Dass Teenager mit den Eltern im Clinch liegen, ist keine Seltenheit. Im vorliegenden Fall aber haben es zwei Teenager zu weit getrieben. Nach der Scheidung ihrer Eltern blieben die beiden, eine 17-jährige Tochter und ein 13-jähriger Sohn, bei ihrer Mutter und machten mit dieser Front gegen den Papa. Sie weigerten sich, ihn zu treffen und mit ihm zu sprechen. Taten sie es doch, bekam der Erzeuger zu hören, er sei ein »Irrer« und ein »Rindvieh«. Daraufhin stellte dieser die monatlichen Unterhaltszahlungen ein - und bekam vor Gericht weitgehend recht. Die von der Mutter angestifteten Kinder, so die Richter, seien als »Kontaktverweigerer« einzustufen. Daher dürfe der Vater die monatliche Zuwendung für die fast volljährige Tochter einstellen und diejenige für seinen Sohn auf umgerechnet 140 Euro pro Monat senken.

BREMSE

Der Israelische Verkehrsminister Israel Katz hat vorgeschlagen, die Altersbegrenzung für Führerscheine von heute 17 auf 19 oder 20 zu erhöhen. Diese Änderung würde die Anzahl der Autounfälle von Fahranfängern reduzieren. »Ein Führerschein ist ein Privileg. Wenn nichts anderes gegen unvorsichtiges Fahren hilft, dann werden wir die Altersbegrenzung erhöhen Mitglieder des »National Student Council« halten dagegen, dass man die jungen Leute zu Unrecht beschuldigt, denn ein Fahranfänger werde immer unerfahren sein, egal, wie alt er sei.

GLAUBE

Tanach-Unterricht ist eine ernste Sache. Erst recht in ultraorthodoxen Kreisen. Dennoch entwickeln sich gerade unter der ultraorthodoxen Bevölkerung Tanach-Comics zu einem Hit. Immer mehr Eltern erkennen den didaktischen Wert der Bildgeschichten, die die Kleinsten durch erbauliche Geschichten im Glauben der Vorväter stärken. Auch wird von den zumeist konservativen Käufern zunehmend akzeptiert, dass viele der Hefte von Frauen verfasst werden. Daher rücken viele Autorinnen von ihren bisher verwendeten männlichen Pseudonymen ab. Comics mit weltlichen, geschweige denn anstößigen Inhalten bleiben selbstverständlich tabu.

GESTE

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Als eine Goodwill-Geste kauft die israelische Botschaft in Senegal gemeinsam mit jüdischen Spendern im Vorfeld des moslemischen Opferfestes Id al-Adha 99 Schafe. Diese werden als Geschenk des jüdischen Staates an bedürftige Familien, die sich den zum Fest traditionellen Kaufeines zum Verspeisen bestimmten Schafes nicht leisten können. Über 90 Prozent der Landesbewohner sind Moslems. Im Durchschnitt kostet ein Schaf rund 80 Euro. In einem Land, in dem die Wirtschaftsleistung je Einwohner bei gerade mal 600 Euro pro Jahr liegt, ist das viel Geld.

GLEICHBEHANDLUNG

Unter Marktsegmentierung versteht man in der Betriebswirtschaftslehre eine Situation, in der unterschiedliche Kundengruppen für die gleiche Leistung unterschiedliche Preise zu entrichten haben. Nach diesem Prinzip haben israelische Krankenkassen Besuchern ihrer Notfallkliniken in vorwiegend säkularen Städten den vollen Tarif aufgebrummt, Kranken in ultraorthodoxen Städten aber kostenfrei behandelt. Damit wollten die Leistungsträger die für ihre Bilanzen wichtige strenggläubige Kundschaft bei der Stange halten. Jetzt aber deckte eine Zeitung die Diskriminierung auf. Infolge der Empörung, die ihnen nun entgegenschlägt, haben die Kassen zugesagt, in allen Kliniken den gleichen Preis zu verlangen.

FLIEGER

Bei Dienstflügen ins Ausland gibt sich Israels Staatsspitze bescheiden. Statt sich von einer Staatsmaschine ans Ziel bringen zu lassen, setzten sich selbst der Staatspräsident und der Premierminister in Linienflugzeuge. In dringenden Fällen charterten sie schon mal Privatflieger. Das aber, errechnete das Finanzministerium, ist eine teure Lösung zulasten des Steuerzahlers. Deshalb plant das Sparsamkeits-Ressort die Anschaffung eines Sonderflugzeugs, das das Staatsoberhaupt, den Ministerpräsidenten und bei Bedarf auch andere ranghohe Regierungsvertreter durch die Lüfte tragen soll. Und damit es auch wirklich billiger wird, soll der Promi-Jet zwischen den Auslandseinssätzen nicht im Hangar stehen, sondern von der Luftwaffe genutzt werden.

FABRIK

Der Weltkonzern Intel zieht sich den Unmut ultraorthodoxer Kreise zu. Das Unternehmen lässt nämlich seine Fabrikationsstätte in Jerusalem unter Hinweis auf kontinuierliche Produktionsprozesse auch am Schabbat arbeiten. Forderungen nach sofortiger Einstellung der Samstagsarbeit lehnte die israelische Niederlassung des High-Tech-Riesen ab. Nun .wird über einen Kompromiss verhandelt, dem zufolge Intel die Produktionsprozesse noch stärker als bisher automatisiert und am Schabbat ausschließlich Nichtjuden beschäftigt. Das aber stellt nur einen Teil der ultraorthodoxen Politiker zufrieden. Andere drohen, die Schabbatruhe notfalls mit Massendemonstrationen zu erzwingen. Für diesen Fall wiederum droht Intel, die Fabrik ganz zu schließen.

FUSSBALL

Ob Israel sich für die Fußball-WM 2014 in Brasilien qualifizieren kann, steht noch in den Sternen. Besonders erfolgreich waren Israels Kicker auf der Weltbühne bisher nicht. Dagegen hat die israelische Wehrtechnik jetzt schon einen Sieg errungen: Brasilien will bei der Sicherung der Spiele israelische Drohnen einsetzen. Insgesamt möchte das Land bis zu 14 unbemannte Flugzeuge samt Bodenstationen und Kommunikationsausrüstungen erwerben. Hersteller der Fugmaschinen ist der Luft- und Raumfahrtkonzern Israel Airspace Industries. Der Wert des Vertrages liegt bei 350 Millionen US-Dollar.

FRIEDHOF

In Jerusalem wurde jetzt eine fünfstöckige Bestattungsanlage in Betrieb genommen. Damit soll dem sich verschärfenden Platzmangel auf dem hauptstädtischen Har-Hamenuchot-Friedhof abgeholfen werden. Der in halachischer Hinsicht umstrittene Bau wurde erst nach einer Genehmigung des ehemaligen israelischen Oberrabbiners und geistigen Mentors der sefardisch-ultraorthodoxen Schas-Partei, Rabbiner Owadja Josef, möglich. Der Zugang zu den Grabplätzen wird per Aufzug bewältigt. Und damit keine Prestigekämpfe ausbrechen, sind die Grabstätten auf allen Etagen gleich teuer.

SCHWÄCHE

Äthiopische Olim legen Wert auf Nachwuchs, doch schaffen sie es nicht immer, ihre Kinder in einer traditionellen Familienstruktur großzuziehen. Auf der einen Seite, so eine Erhebung, sind nur zehn Prozent äthiopischstämmiger Familien kinderlos, während der israelische Gesamtdurchschnitt bei 23 Prozent liegt. Auf der anderen Seite aber handelt es sich bei 27 Prozent aller Haushalte mit Kindern um Familien mit einem allein erziehenden Elternteil. Das ist doppelt so viel wie im Landesdurchschnitt. Der Grund: Unter der Belastung des Lebens in ungewohnter israelischer Umgebung sind äthiopische Ehen in besonderem Maße vom Scheitern bedroht.

SCHINDER

Tel Aviv hat die Nutzung von Pferdewagen auf den Straßen der Stadt untersagt. Das ist aber kein mangelndes Gefühl für die Romantik vergangener Zeiten, sondern eine seit Langem angemahnte Maßnahme zum Tierschutz. Die Pferde werden nämlich als Zugtiere eingesetzt und in einem Großteil der Fälle grob misshandelt: durch übermäßige Lasten, ungenügende Fütterung, Arbeit unter sengender Sonne ohne Wasser bis hin zu Schlägen und Vernachlässigung im Krankheitsfall. Nun muss die Stadt auch sicherstellen, dass Tierquäler das Verbot auch ernst nehmen.

STÖRENFRIED

Die Knesset duldet keine unerbetenen Besucher. Das gilt nicht nur für Zweibeiner. Vor einigen Tagen fiel der Knessetwache am frühen Morgen eine streunende Katze auf, die sich Zutritt zum Parlamentsgebäude verschafft hatte. Die anschließende Suchaktion ergab, dass sich das hungrige Tier in der Küche der Abgeordnetenkantine vergeblich nach liegen gelassenem Essen umgesehen hatte und dann in einem abgeschalteten, offenen Kühlschrank eingeschlafen war. Nachdem Versuche von Knessetmitarbeitern, den flinken Gast zu ergreifen, gescheitert waren, wurde die Katze von einem Veterinärteam der Jerusalemer Stadtverwaltung ergriffen und weit vom Regierungsviertel ausgesetzt.

SIPPE

Über ihren Vater, den sie nie kennengelernt hatte, wusste Zoia Schmilow aus Karmiel, außer dessen Namen, Geburtsdatum und Beruf so gut wie nichts. Weitere Einzelheiten wollte ihre kürzlich verstorbene Mutter nie preisgeben. Jüngst aber hörte Zoia beim Arztbesuch, wie sich ein anderer Patient am Schalter mit dem Familiennamen ihres Vaters - Ladzinski - vorstellte. Wie vom Blitz gerührt, begann die 58-jährige Immigrantin aus der Ukraine, den Fremden auszufragen, bis sie begriff, dass es sich um ihren Halbbruder handelte, von dessen Existenz sie nichts wusste. Während Oleg und sein heute ebenfalls in Karmiel lebender Bruder Isak Söhne von Boris Ladzinski und dessen Ehefrau Klara sind, entstammt Zoia einer Beziehung, die der junge Boris außerhalb der Ehe mit Zoias Mutter unterhalten hatte. Jetzt endlich haben sich die Geschwister gefunden.

STUDIUM

Hochschulbildung stellt viele ultraorthodoxe Juden in Israel vor ein Dilemma. Zum einen ermöglicht sie höhere Einkommen - für kinderreiche Familien wichtig. Zum anderen ist das Treiben an herkömmlichen Universitäten mit dem Sittenkodex der Ultraorthodoxie unvereinbar. Als Lösung dienen zunehmend ultraorthodoxe Fachakademien, die sowohl rabbinische Aufsicht wie strikte Geschlechtertrennug bieten. Inzwischen gibt es drei Einrichtungen dieser Art. Allein in diesem Studienjahr nahmen die koscheren Lehranstalten 2000 neue Erstsemestler auf. Zu den begehrtesten Studienfächern gehören Sozialarbeit und Sprachtherapie. Auch das Interesse am Studiengang Psychologie nimmt zu.

STATUS

Israel hat seinen ersten offen homosexuellen Botschafter ernannt. Der Diplomat, Jitzchak Januka, tritt sein neues Amt in Angola an. Befürchtungen, die Ernennung könnte in dem afrikanischen Land schlecht ankommen, ließ das Ministerium nicht gelten. Sein Lebensgefährte, den er vor einigen Jahren im Ausland amtlich geheiratet hat - in Israel selbst sind gleichgeschlechtliche Ehen nicht möglich -, begleitet ihn und erhält den üblichen offiziellen Status als Ehepartner des Botschafters. Zwar ist Januka nicht der erste von Israel ins Ausland entsandte homosexuelle Diplomat, wohl aber der erste, der Botschafter wird.

AUSKOMMEN

Israel hat ein Sozialproblem von besonderer moralischer Brisanz: die ehemaligen Refuseniks, sowjetische Juden, die in der kommunistischen Ära für die Auswanderung nach Israel kämpften und dieses Recht für Hunderttausende ihrer jüdischen Landsleute auch erkämpften. Ihnen selbst wurde die Ausreise jahrelang verweigert. Als sie endlich in Israel ankamen, waren viele für einen beruflichen Neuanfang zu alt. Heute, in fortgeschrittenem Alter, haben viele kein gesichertes Auskommen. Jetzt wird, nicht zuletzt mithilfe von Politikern, die ebenfalls aus der Ex-UdSSR eingewandert sind, nach Lösungen gesucht.

ABBAU

Vor dreieinhalb Jahrtausenden bauten die Ägypter in Timna, rund 25 Kilometer nördlich der Rotmeerküste gelegen, Kupfer ab. Die Spuren des antiken Bergbaus sind bis heute vor Ort zu sehen und stellen eine interessante Touristenattraktion dar. Jetzt wird in Timna wieder gegraben: Der mexikanische Bergbaukonzern AHMSA will an Israels Südspitze Kupfererz abbauen und vor Ort verarbeiten. Die israelische Regierung erklärte sich in der vergangenen Woche bereit, das Großprojekt zu fördern. Die Ministerrunde hofft, das Vorhaben werde Einwohnern der fast ausschließlich vom Tourismus abhängigen Stadt Eilat neue Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

ANTRIEB

Endlich, so mag es scheinen, ein ideales Verkehrsmittel für die Israelis: Regierung und Knesset haben die Nutzung von Fahrrädern mit elektrischem Hilfsantrieb ab dem Alter von 14 Jahren und in jedem Fall ohne Führerschein erlaubt Allerdings sind nicht alle Verkehrsexperten von der Entscheidung begeistert. In Ermangelung von Radspuren werden sich die Nutzer - großenteils Teenager - die Fahrbahn mit Kraftfahrzeugen zu teilen haben, auch im Stoßverkehr. Gerade für junge Radler ohne Erfahrung birgt das ein erhebliches Risiko. Nun sind Konflikte zwischen Kindern, die das neue Spielzeug verlangen und Eltern, die um ihren Nachwuchs bangen, vorprogrammiert.

AUSFLUG

Auch ein Vogel muss mal aus dem Haus. Nach diesem Motto nahm ein israelisches Ehepaar seinen Papagei Lulu überall mit. Bis diesem die Freiheit in einem Restaurant in Herzlija zum Verhängnis wurde. Während Lulu im Wartebereich auf der Schulter seines Herrchens saß, schlich sich von hinten eine hungrige Katze heran, ergriff den armen Vogel und  rannte mit ihm auf Nimmerwiedersehen davon. Traurig, aber noch nicht das Ende der Geschichte. Als die Eheleute der räuberischen Katze erfolglos hinterherjagten, stießen sie nämlich laute Verzweiflungsrufe aus - und zwar auf Arabisch. Das wiederum löste unter anderen Gästen Angst vor einem Terroranschlag aus Glücklicherweise wurde der Sachverhalt geklärt, bevor außer dem Vogel auch Menschen zu Schaden kamen.

BEVÖLKERUNG

Die alte Vorstellung von Israel als einem kleinen Land, in dem jeder jeden kennt, hat immer weniger mit der Wirklichkeit zu tun. Nach Mitteilung des Zentralamtes für Statistik betrat der Judenstaat das Jahr 2010 mit einer Bevölkerung von siebeneinhalb Millionen. Der Anteil der Juden blieb 2009 nahezu unverändert und ging um nur noch ein Promille auf 75,4 Prozent zurück. 20,3 Prozent der Landesbewohner sind Araber, und 4,3 Prozent gehören einer anderen oder keiner bestimmten Volksgruppe an. Im vergangenen Jahr nahm die Bevölkerung um 135.000 zu. Zu neun Zehnteln war dieses Wachstum dem Geburtenüberschuss zu verdanken, während nur ein Zehntel auf das Konto der Einwanderung ging.

BABYSITTER

Alle rabbinischen Ermahnungen haben auch diesmal nicht gefruchtet: Erneut haben hunderttausende Israelis das neue bürgerliche Jahr 2010 gefeiert. Davon haben nicht nur die Gaststätten profitiert, in denen die Partygäste en masse Speis und Trank zugesprochen haben. Auch Babysitterinnen durften sich freuen: Um am letzten Tag des gregorianischen Jahres ausgehen zu können, waren viele Eltern bereit, nahezu jeden Preis fürs Kinderhüten zu entrichten. Einer Erhebung zufolge lagen die Silvestertarife beim Doppelten des Normalniveaus. An gewöhnlichen Abenden verlangen Teenager zumeist 20 Schekel (dreieinhalb Euro) pro Stunde. Junge Erwachsene bekommen einen Stundenlohn von bis zu 30 Schekel.

BANKNOTEN

Die Bank von Israel will die bestehenden Banknoten im Wert von 20, 50, 100 und 200 Schekel durch neue, fälschungssicherere Scheine ersetzen - und sie auch mit neuen Konterfeis schmücken. Wessen Gesichter aber sollen auf dem Geld prangen? Der von einem Fachbeirat der Zentralbank unterbreitete Vorschlag, die Abbildungen von Theodor Herzl, David Ben-Gurion, Menachem Begin und Jitzchak Rabin auf die Zahlungsmittel zu drucken, wurde als zu politik- und männerlastig kritisiert. Nun legte Finanzminister Juwal Steinitz eine eigene Kandidatenliste vor, auf der nur Dichter und Rabbiner auftauchen. Ein anderer Vorschlag will Anne Frank verewigen. Mal sehen, wer das Rennen macht.


 

BARBAREN

Der Jerusalemer Rechtsanwalt Jaakow Lange, seit seiner Kindheit an den Rollstuhl gefesselt, hat Barbaren, die unberechtigterweise Versehrtenparkplätze belegen, den Krieg angesagt. Vor anderthalb Jahren verklagte Lange einen Autofahrer, der den für ihn vor seiner Kanzlei reservierten Parkplatz besetzt hatte, auf Schadensersatz. Jetzt bekam er Recht: Das Jerusalemer Amtsgericht sprach ihm ein Schmerzensgeld von 5.000 Schekel zu - umgerechnet 900 Euro beziehungsweise zehnmal mehr als das für das menschenfeindliche Verkehrsvergehen fällige Bußgeld. Jetzt hofft Lange, dass das Urteil Präzedenzwirkung entfaltet und ruft Leidensgenossen auf, Parkplatz-Rowdys vor Gericht zu bringen.

ANGEKOMMEN

Die besten Olim, so ein geflügelter israelischer Spruch, sind die Jordim - Israelis, die ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt haben. Bei einer Rückkehr nach Israel brauchen sie keine Sprachkurse und kennen das Land aus früheren Zeiten. Deshalb bemüht sich Israel, die »Herabsteiger« - das bedeutet das Wort Jordim auf Hebräisch - zur Rückwanderung zu bewegen. 2009 wurden die Mühen mit einem neuen Rekord belohnt: 10.200 Bürger des Judenstaates kamen aus dem Exil heim. Im abgelaufenen Jahrzehnt waren es insgesamt 50.000. Das sind sieben Prozent aller in der Diaspora verweilenden Israelis - nicht überwältigend viel, aber doch eine willkommene Kraftspritze.

ANGEBOTEN

Die E-Medien kommen nach Israel. Der Verlagskonzern »Yedioth Ahronoth« will die gleichnamige Tageszeitung - es ist die größte des Landes - sowie andere Publikationen des Verlags über elektronische Lesegeräte anbieten. Auch die traditionsreiche Buchhandlungsfirma Steinmatzky sowie israelische Handynetzbetreiber planen den Einstieg ins Geschäft. Traditionalisten, also Israelis, die sich am Freitagvormittag mit Wochenendzeitungen im Gesamtgewicht von mehreren Kilogramm versorgen und sie wie Jagdbeute nach Hause schleppen - und die ihren Schmöker auch gern in den Händen halten -, graut es vor der neuen Ära. Von dieser Nische abgesehen, gelten die Marktaussichten des neuen Mediums im technikbegeisterten Israel jedoch als gut.

AUSGESTIEGEN

Im staugeplagten Ballungsraum Tel Aviv ist die Förderung des öffentlichen Verkehrs von jeher ein hehres Ziel. Hehr, aber unerreicht. Wie eine neue Berechnung zeigt, ist die Nutzung der in Tel Aviv verkehrenden Linienbusse in den letzten anderthalb Jahrzehnten nämlich um ein Viertel zurückgegangen. Jetzt will die Stadt den Trend durch eine umfassende Modernisierung des Verkehrsnetzes umkehren. Unter anderem sollen die Strecken bedarfsgerechter als heute verlaufen. Ein Teil der Verbindungen wird künftig von Minibussen abgewickelt. Gleichzeitig ist eine viel höhere Verkehrshäufigkeit geplant.

BEDINGUNG

Eli Jischai, Israels Innenminister und Vorsitzender der sefardisch-ultraorthodoxen Schas-Partei, will die Gewährung einer Betriebslizenz an jüdische Geschäfte von der Einhaltung der Schabbatruhe abhängig machen. Gegen dieses Ansinnen laufen weltliche Politiker ebenso wie Vertreter der Wirtschaft Sturm. Sie verweisen auf die ökonomischen Schäden, die eine Zwangsschließung aller Ge­schäfte am Heiligen Tag hätte. Dabei vergessen sie allerdings, dass der Schabbat-Handel auch nach heutiger Rechtslage ohne eine -nur selten ausgestellte - Sondergenehmigung verboten ist. Dass er dennoch blüht, liegt an lascher Ahndung der Verstöße.

BESUCHER

Im Jahre 2009 ging die Zahl der ausländischen Touristen um elf Prozent auf 2,7 Millionen zurück. Allerdings war das noch immer das zweitbeste Ergebnis in Israels Geschichte. Nach Herkunftsländern betrachtet führten Touristen aus den USA das Feld der Besucher an, gefolgt von Gästen aus der Russischen Föderation, Frankreich, Großbritannien und Deutschland, wobei die Zahl deutscher Touristen um zwei Prozent zunahm. Bei rund einer Million der ausländischen Gäste handelte es sich um Juden. Das würde bedeuten, dass rund jeder achte Diasporajude im letzten Jahr das Land seiner Vorväter besuchte - ein überaus respektables Ergebnis.

BUSSGELD

Bezahlt der kleine Mann auf der Straße sein Knöllchen nicht, drohen ihm Sanktionen. Was aber, wenn staatliche Stellen für die von ihren Mitarbeitern begangenen Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung nicht aufkommen? Wie jetzt publik wurde, nehmen Dienstherren die Bußgeldbescheide auf die leichte Schulter. So etwa schuldet die Armee dem Staat für die von Militärs begangenen Verstöße insgesamt anderthalb Millionen Schekel (rund 270.000 Euro) und hält damit den Säumigkeitsrekord. An zweiter Stelle liegt das Verteidigungsministerium mit 351.000 Schekel und an dritter niemand anders als die Polizei, die eine Viertelmillion Schekel zu berappen hat.

VERKAUFT

Würden Sie von diesem Mann einen Gebrauchtwagen kaufen? Die alte Frage darf man im Zeitalter der Hochtechnologie aktualisieren: Der israelische Luft- und Raumfahrtkonzern IAI hat jetzt einen gebrauchten Erdtrabanten veräußert. Der 14 Jahre alte Telekommunikationssatellit ging in den Besitz der in Bermuda ansässigen Fernmeldefirma Intelsat über und wurde im Orbit an einem neuen Standort geparkt. Derweil baut IAI an Amos 4, einem 365 Millionen Dollar teuren, 3,4 Tonnen schweren Satelliten, der ab 2012 Fernmeldedienste für Südost- und Zentralasien sowie für Afrika leisten wird.

VERRÜCKT

Ein »Dschuk ba-Rosch« (zu Deutsch: eine Schabe im Kopf) bedeutet im hebräischen Slang so viel wie fixe Idee oder leichte Verrücktheit. Bei einer Mittzwanzigerin aus Jerusalem war der Spruch aber nicht weit von der Wirklichkeit entfernt. Die junge Frau suchte eine notärztliche Klinik auf und klagte über Schmerzen und Rauschen im Ohr. Bald stellten die Mediziner fest, dass die Patientin ein fremdes Objekt im Hörorgan hatte, als sie dieses aber herausholten, waren sie baff: Im Gehörgang der Leidenden hatte sich nämlich eine Küchenschabe eingenistet. Wie das Insekt dorthin gelangte, blieb unklar. Der Eingriff verlief ohne nennenswerte Probleme.

VERHAFTET

Ist Pinchas Amar aus Aschdod nur fromm oder auch ein Fixer? Mit dieser seltsam anmutenden Frage muss sich das Amtsgericht der Hafenstadt befassen. Der Fall: Eines Morgens fuhr Amar bei Rot über die Ampel. Dem Polizisten, der ihn daraufhin anhielt, fielen Druckstellen auf Amars Unterarm auf, wie sie vom Abschnüren der Venen durch Drogenabhängige herrühren, die sich einen Schuss setzen wollen. Kurz entschlossen nahm der Ordnungshüter Amar fest und unterzog ihn einer demütigenden Leibesvisitation. Der Erklärung des Verdächtigen, die Zeichen stammten von den Gebetsriemen, die er soeben in der Synagoge angelegt habe, schenkte der Ordnungshüter keinen Glauben. Anschließend verklagte der Bürger den Beamten auf Schmerzensgeld. Nun muss der Richter entscheiden, wer recht hat.

 

Wladimir Struminski

Quelle: Jüdische Allgemeine Zeitung