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Presseschau
Siegreiche
Niederlage - Ein Jahr danach
Der
Libanonkrieg hat Israels innen- und außenpolitisches
Gefüge brüchig gemacht.
Doch womöglich kann das Land geostrategisch davon profitieren.
Ehud Olmert
strahlt Mut und Entschlossenheit aus. Die Entscheidung zum Eingreifen
im Libanon sei richtig gewesen - schließlich sei an der
Nordgrenze Israels Souveränität verletzt worden. Und
wenn die Feinde glaubten, Israel sei schwach, so irrten sie. Zum
Abschluss seiner Knessetrede hebt der Regierungschef die Stimme:
„Wir werden siegen!" Da klatschen selbst politische Gegner
Beifall, und die Bürger gehen beruhigt zu Bett.
Seit diesem
Applaus ist ein Jahr vergangen. Olmert markige Worte stammen aus einer
Rede vom 17. Juli 2006, ganze fünf Tage nach Kriegsbeginn.
Heute wirkt die Erinnerung an die damalige Euphorie so peinlich wie die
in Champagnerlaune gemachte Liebeserklärung am Morgen danach.
Nach einem Jahr
müssen die Israelis feststellen, dass kein einziges der
Kriegsziele erreicht oder gehalten werden konnte. Die Waffenlager der
Hisbollah sind längst wieder aufgefüllt - und zwar
trotz der von Israel als Erfolg bejubelten Resolution 1701 des
UN-Weltsicherheitsrats, gemäß der die schiitische
Miliz eigentlich entwaffnet werden sollte. Die Grenze zwischen Syrien
und dem Libanon, räumte vor Kurzem sogar die UNO ein, stehe
offen - also auch für Waffenschmuggel. Hisbollahposten an der
Grenze zu Israel sind zwar nicht wieder aufgebaut worden, doch sind
Hassan Nasrallahs Kämpfer in der Grenzregion präsent,
etwas diskreter als zuvor, aber allzeit bereit. Daran ändert
weder die libanesische Armee etwas, noch die nach dem Krieg
verstärkte UNO-Truppe UNIFIL. Auch im Rückblick,
konstatiert Efraim Inbar, Direktor des BESA-lnstituts für
Strategische Studien an der Bar-llan-Universität, bleibe der
Krieg „ein Versagen".
Von den beiden
in Hisbollah-Gefangenschaft geratenen Soldaten Ehud Goldwasser und
Eldad Regew fehlt noch immer jede Spur. So muss Olmert, der sie
eigentlich mit Militärgewalt befreien wollte, heute mit der
Hisbollah über einen Gefangenenaustausch verhandeln. In den
palästinensischen Gebieten wiederum, erklärt der
israelische Politologe Hillel Frisch, hat der Erfolg der Hisbollah der
Hamas den Rücken gestärkt. „In den Augen
vieler Palästinenser „hat der Libanonkrieg die von
der Hamas vertretene Position bestätigt, dass Israel sich
militärisch zermürben lasse". Das stärkt die
Terrorfront.
Auch Olmerts
innenpolitische Bilanz sieht ein Jahr nach dem Krieg düster
aus. Zwar sitzt er noch immer im Ministerpräsidentenamt, doch
wackelt sein Stuhl zunehmend. Der für den Herbst erwartete
Schlussbericht der Kriegsuntersuchungskommission könnte ihn
aus dem Amt fegen. Jetzt schon muss der Premier mit einer
Außenministern Zipi Liwni und einem Verteidigungsminister
Ehud Barak vorliebnehmen, die seinen Rücktritt fordern. Sein
Hauptwahlversprechen von 2006 - ein einseitiger Rückzug aus
dem Westjordanland - ist den Katjuscha-Raketen der Hisbollah zum Opfer
gefallen. Als Regierungspartei ist die von Olmert geführte
Kadima wohl unwiderruflich passé. Durch den Krieg verlor sie
massiv Wähler an den Likud. Nach der Wahl des Ex-Premiers Ehud
Barak zum Chef der Arbeitspartei wenden sich viele
Kadima-Wähler von 2006 erneut der Awoda zu. Fänden
heute Wahlen statt, käme der Likud auf über 30
Mandate, die Arbeitspartei auf rund 25 und Kadima auf zehn bis
zwölf.
Wenn es dennoch
Positives zu vermelden gibt, dann nach dem Motto
„Glück im Unglück". „Es ist
besser, gegen die Hisbollah und nicht gegen einen stärkeren
Gegner zu versagen", urteilt Inbar. Zudem, stellt er fest, wurde die
Armee durch die Schlappe wachgerüttelt und ist seit dem
letzten Jahr energisch um eine Aufwertung ihrer Kampfkraft
bemüht. Der Fundamentalismusexperte Emmanuel Sivan wiederum
glaubt, der Kriegsauftritt der Hisbollah habe der arabischen Welt die
destruktive Rolle des Irans im Nahen Osten
überdeutlich gemacht - und zwar früher, als
Teheran lieb war. Dies habe Israels strategische Position trotz der
unbefriedigenden Kriegsführung gestärkt. Ob Ehud
Olmert von diesem, so Sivan, unbeabsichtigten Ergebnis noch profitieren
kann, ist zweifelhaft.
Wladimir
Struminski, Jüdische Allgemeine vom 12. Juli 2007
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