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Feiertage

 

Mit Sonne und Mond

Im Bezug auf seinen Kalender geht das Judentum seinen eigenen Weg

Von Rabbiner David Bollag

Auch in seinem Kalender unterscheidet sich das Judentum vom Christentum und dem Islam. Der heute im Christentum übliche Kalender, der so genannte gregorianische Kalender, ist ein reiner Sonnenkalender. Das bedeutet, dass der Kalender von der Sonne bestimmt wird, besser gesagt, vom Lauf der Erde um die Sonne. Ein Jahr ist definiert als die Zeit, die die Erde braucht, um die Sonne einmal zu umkreisen. So ein Jahr dauert etwas mehr als 365 Tage und wird in zwölf Monate eingeteilt. Da dieser Kalender ein reiner Sonnenkalender ist, und da die Jahreszeiten von der Sonne bestimmt werden, fällt im gregorianischen Kalender jeder Monat immer in dieselbe Jahreszeit.

Der mohammedanische Kalender hingegen ist ein reiner Mondkalender. Dieser richtet sich nach dem Mondmonat, nach der Zeit also, in der der Mond die Erde einmal umkreist. So ein Monat dauert etwa 29,5 Tage. Auch hier hat ein Jahr zwölf Monate. Da zwölf Monate mit 29,5 Tagen jedoch nur 354 Tage dauern, ergibt sich, daß ein mohammedanisches Jahr rund elf Tage kürzer ist als ein Sonnenjahr. Das wiederum hat zur Folge, daß ein bestimmter mohammedanischer Monat von Jahr zu Jahr im Vergleich zum gregorianischen Kalender elf Tage früher beginnt. So beginnt zum Beispiel der Rammadan, die 40-tägige Fastenzeit der Mohammedaner, jedes Jahr etwas früher und fällt im Laufe der Jahre in alle Jahreszeiten.

Der jüdische Kalender nun ist ein Mond- und Sonnenkalender. Er richtet sich sowohl nach dem Mond, als auch nach der Sonne. Die Monate richten sich nach dem Mond, während sich die Jahre nach der Sonne richten.

Der jüdische Monat beginnt mit dem Tag, an dem der Neumond sichtbar wird. Da ein Mondmonat, wie schon erwähnt, etwa 29,5 Tage dauert, bewirkt dies, dass alle jüdischen Monate entweder 29 oder 30 Tage haben.

Auch das jüdische Jahr hat zwölf Monate, und somit normalerweise 354 Tage. Doch der jüdische Kalender wird, wie gesagt, auch von der Sonne, das heißt von den von der Sonne abhängigen Jahreszeiten bestimmt.

Die Tora schreibt vor, dass das Pessachfest immer im Frühling zu feiern ist. Um diese Vorschrift einzuhalten, ist ein regulierender Faktor notwendig, der verhindert, dass das im Vergleich zum Sonnenjahr um elf Tage kürzere Mondjahr bewirkt, dass Pessach jedes Jahr etwas früher, also nach wenigen Jahren schon im Winter gefeiert wird. Dieser regulierende Faktor ist das Schaltjahr.

Im Gegensatz zum gregorianischen Kalender jedoch, wo im Schaltjahr nur ein Tag eingefügt wird, wird im jüdischen Kalender ein ganzer Monat eingeschaltet. Wenn gegen Ende des Winters klar wird, dass Pessach ohne Regulation vor Frühlingsbeginn gefeiert würde, wird ein ganzer Monat eingeschaltet. Dieser Schaltmonat bewirkt also, dass Pessach immer erst nach Frühlingsbeginn gefeiert wird. Da dieser Schaltmonat von der Jahreszeit und somit von der Sonne abhängig ist, ist er der Sonnenfaktor des jüdischen Kalenders.

Zu Zeiten des Tempels und bis ins vierte Jahrhundert wurde der Beginn des Monats jeweils von Monat zu Monat, nach Erblicken des Neumonds, bestimmt, und die Frage, ob ein Schaltmonat einzufügen sei, wurde von Jahr zu Jahr entschieden. Seit dem vierten Jahrhundert jedoch haben wir einen ewigen Kalender, der von festgesetzten Regeln bestimmt wird. Wir wissen schon im voraus genau, welche Monate immer 29 Tage haben, welche immer 30 und welche manchmal 29 und manchmal 30. Wir wissen ebenfalls schon im voraus, welche Jahre Schaltjahre sind. Im Zyklus von 19 Jahren sind es jeweils sieben Schaltjahre, und zwar die Jahre 3, 6, 8, 11, 14, 17 und 19.

Dies sind die Grundprinzipien des jüdischen Mond- und Sonnenkalenders. Sie haben uns klargemacht, was ein jüdisches Schaltjahr ist, haben uns aber auch gezeigt, daß auch im Bezug auf den Kalender das Judentum wie immer seinen eigenen, komplexen, aber dennoch logischen und verständlichen Weg geht.

Quelle: Jüdische Allgemeine

 

Das jüdische Jahr beginnt im Monat Tischri (etwa Ende September) und richtet sich nach dem Mondumlauf.
Man zählt dem gregorianischen Jahr 4000 hinzu und zieht 240 ab.

 

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zuletzt geändert am 27.05.2008