Mit „Augenzwinkern“
werden hier Kurzmeldungen aus Israel abgedruckt

(gesammelt von Wladimir Struminski)

Zuletzt ergänzt am 02.04.2010

SUCHE

In den 8oer Jahren feierten Kinofilme der Serie »Police Academy« weltweit Lacherfolge, zeigten sie doch mit schrägem Humor, wie die Polizei nicht arbeiten darf. Jetzt haben zwei junge Tel Aviver Polizistinnen vorgeführt, dass die Wirklichkeit noch schräger als die Filmvorlage sein kann. Nachdem ein bewaffneter Bankraub gemeldet worden war, beschlossen die beiden, den zu Fuß flüchtenden Täter auf eigene Faust zu fassen. Zu diesem Zweck drangen sie in ein Zweiradgeschäft ein, konfiszierten einen Tretroller mit Hilfsmotor- Spitzengeschwindigkeit zwölf Stundenkilometer - und machten sich auf den Weg. Auf die Frage belustigter Passanten, wie sie den gefährlichen Räuber überwältigen wollten, zeigten sie in Ermangelung von Dienstpistolen eine Pfefferspraydose vor. In die Verlegenheit kamen sie aber zum Glück nicht, blieb doch der tollkühnen Suchaktion der Erfolg versagt.

SCHECKS

Elf Jahre lang weigerte sich ein geschiedener Israeli, die seiner ehemaligen Ehefrau gerichtlich zuerkannten Unterhaltszahlungen zu überweisen. Dann aber erfuhr diese, dass der Ex-Gatte wieder heiraten will. Geistesgegenwärtig erwirkte sie beim Amtsgericht in Netanya die Beschlagnahme der Schecks, die Hochzeitsgäste in Israel für gewöhnlich als Geschenk mitzubringen pflegen. Von Protesten des Zahlungsverweigerers ließ sich das Gericht nicht beeindrucken. Um nicht bei seiner eigenen Hochzeit auch noch verhaftet zu werden, fügte sich der Bräutigam und übergab dem Anwalt der ersten Gattin nach Abschluss der Zeremonie Schecks im Wert von 125.000 Schekel - rund 24.000 Euro. So hatte sich die an dem Streit nicht beteiligte neue Braut ihren Hochzeitstag wohl nicht vorgestellt.

ENTMANNUNG

An der Jerusalemer Klagemauer gibt es zu viele Katzen. Jedenfalls fühlen sich Besucher durch die Taschentiger gestört, etwa wenn sie bei Staatszeremonien über den feierlich ausgeleuchteten Mauervorplatz streichen. Jetzt will die Stadtverwaltung Hunderte von Westmauer-Katzen und -Katern einfangen und sterilisieren beziehungsweise kastrieren, um das Problem künftig einzudämmen. Anschließend sollen auch andere Heiligtümer von der Katzenplage befreit werden, darunter die Grabeskirche und die Via Dolorosa. Das Vorhaben findet die Zustimmung von Tierschutzorganisationen: Sie fordern umfassende Empfängnisverhütung für Straßenkatzen und -hunde, und zwar nicht nur an heiligen Orten, weil die - meisten Jungtiere mangels Essen und Betreuung verenden.

ERFOLG

In letzter Zeit war Netanjahu mit Jerusalem beschäftigt. Die Rede ist nicht von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu - obwohl die jüngste Jerusalem-Krise auch ihm viel Aufmerksamkeit abverlangte -, sondern von seinem jüngeren Sohn, dem 16-jährigen Awner Netanjahu. Der Spross gehört nämlich zu den vier Siegern des landesweiten Tanach-Wettbewerbs, dessen Fragen in diesem Jahr ausschließlich diejenigen Stellen der hebräischen Bibel betrafen, die sich mit der Heiligen Stadt befassen. Papa Bibi war mächtig stolz, bekannte aber bescheiden, er selbst hätte nur zwei der seinem Sohn gestellten Fragen richtig zu beantworten gewusst.

GEÄCHTET

Wer Kunden aufgrund ihrer Hautfarbe, Volkszugehörigkeit oder sexueller Orientierung den Zutritt verwehrt, macht sich strafbar. Dagegen ist es in Israel - wie es scheint - legal, Soldaten zu diskriminieren. Im konkreten Fall wurden Landesverteidiger in einem von israelischen Arabern in Haifa betriebenen Restaurant nicht bedient. Auch andere Uniformträger, so die Besitzer, dürften nicht rein, weil Uniformen »die Atmosphäre stören«. Damit wären beispielsweise auch Polizisten gemeint. Nach einem Rechtsgutachten der Vereinigung für Bürgerrechte ist diese Aussperrung nach dem Buchstaben des Gesetzes erlaubt. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass der Gesetzgeber etwas dazu sagt.

GEWORBEN

Die Liquidierung des Hamas-Waffenschmugglers Machmud al-Mabhuch - zu der sich Jerusalem beharrlich ausschweigt - wird in Israel langsam Teil der Volkskultur. Wer etwa mit einem Gitarrenkasten über die Straße läuft, wird schon mal von Bekannten gefragt, ob er unterwegs nach Dubai sei, und so weiter. Jetzt hat auch eine Agentur den Vorfall für den Werbesport einer Supermarktkette genutzt. Der mit Sicherheitskameras aufgezeichnete Kurzfilm zeigt drei nach Manier echter Dubai-Attentäter gekleidete Kunden-Tenniskleidung, Anzug beziehungsweise breitkrempiger Hut und Sonnenbrille -, die durch den Laden schlendern. Die Preise, so der Begleittext, seien »mörderisch günstig«.

GENEHMIGT

Nach jahrelangem Zögern hat die Knesset das Ausrichten von Autorennen im Judenstaat erlaubt. Mit seinem sonnenreichen und regenarmen Klima wäre Israel auch ein idealer Standort für Formel 1 und Genossen. Allerdings klagen Automobilsport-Enthusiasten, Verkehrsministerium und Parlament hätten das Gesetz mit unnötigen bürokratischen Anforderungen so sehr überfrachtet, dass internationale Stars kaum kommen würden. Unter anderem brauchen Ausländer für jedes Rennen einen israelischen Führerschein.

GEFLÜCHTET

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Das gilt, wie es scheint, auch für den von der israelischen Naturschutzbehörde in den vergangenen Jahren unternommenen Versuch, den im Gamla-Naturschutzgebiet auf den Golanhöhen lebenden Geiern mithilfe einer List zu mehr Nachwuchs zu verhelfen. Kurz nach dem Legen eines Eies wird dieses aus dem Nest entfernt und im Inkubator ausgebrütet. Daraufhin, so die Theorie, legt die Geier-Dame oft ein zweites Ei. Im Ergebnis steigt die Zahl der Küken, was für die vom Aussterben bedrohte Geierpopulation nur von Vorteil wäre. Indessen sehen es die Vögel anders. Seit Beginn des Eierklaus nimmt die Zahl der gelegten Eier nämlich deutlich ab. Viele Geier haben das Hochplateau auch verlassen, um sich nach sichereren Brutplätzen umzuschauen.

GEIRRT

An israelischen Schulen breitet sich ein neuer Rechtschreibfehler aus: Statt das Fragezeichen ans Ende des Satzes - im Hebräischen links vom letzten Buchstaben - zu setzen, schreiben viele Schüler das Satzzeichen am Anfang. Die wahrscheinliche Erklärung ist ein Fehler in der hebräischen Version des Internet-Netzwerks Facebook: Dort wird ein am Satzende getipptes Fragezeichen auf dem Bildschirm rechts abgebildet. Das Erziehungsministerium erklärte, das Problem ebenfalls erkannt zu haben. Dabei sollte man meinen, dass die Software-Großmacht Israel über genug Fachkräfte verfügt, um des Problems Herr zu werden. ?Oder stimmt das nicht

PILLE

Wann geht ein israelischer Staatsbediensteter zum Psychologen? Wenn er im Dienst nicht mehr einschlafen kann. Weitaus weniger lustig als in dem alten Witz ging es jüngst an Bord einer EL-AL-Maschine auf den Heimflug von Kiew nach Tel Aviv zu. Als der Flugkapitän seine blutdrucksenkenden Medikamente schlucken wollte, vergriff es sich in der Pillenschatulle, nahm ein Schlafmittel zu sich und musste wegen vorübergehender Fluguntauglichkeit aus dem Cockpit geführt werden. Glücklicherweise war der Kopilot fit und konnte das Steuer übernehmen, bis der Chef sich erholt hatte. Maschine und Passagiere, beruhigte die Luftfahrtgesellschaft, nachdem der Vorfall publik wurde, seien zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen.

PRINZIPIEN

Das Internet gilt ultraorthodoxen Rabbinern als eine moralische Gefahr. Dennoch sind viele streng fromme Haushalte ans weltweite Netz angeschlossen. Um das Surfen wenigstens in möglichst sichere Bahnen zu lenken, haben führende ultraorthodoxe Koryphäen nun einheitliche Anschluss-Regeln erlassen. Danach ist der Internetgebrauch nur für Zwecke des Broterwerbs und auch dann ausschließlich mit rabbinischer Genehmigung und einem Sittlichkeitsfilter erlaubt. Um die Jugend vor verderblichem Einfluss zu schützen, dürfen fromme Schulen und Jeschiwot keine Schüler aufnehmen, deren Eltern gegen die Prinzipien gesetzestreuen Surfens verstoßen. Einer der geistigen Mentoren verlangte sogar, Internetsünder bei Gebeten nicht zum Zehnerquorum (Minjan) zu zählen. Ob das hilft, muss sich zeigen.

PLAUDERER

Das Facebook-Netzwerk bietet jedermann die Möglichkeit, sich der Außenwelt mitzuteilen. Diese Möglichkeit nutzte ein israelischer Soldat auf die falsche Weise. Am Donnerstag werde er hoffentlich nach Hause kommen, ließ er seine Freunde wissen - und zwar, nachdem seine Einheit, deren Namen er gleich miterwähnte, eine für Mittwoch angesetzte Festnahmeaktion gegen Terroristen in dem Westbank-Dorf Katana abgeschlossen habe. Daraufhin alarmierten gleich mehrere Leser die Armee, die wiederum die Operation, deren Planung strenger Geheimhaltung unterlag, abblies. Inzwischen wurde der mitteilsame Kämpfer von der Truppe entfernt.

PROTEST

Zwischen Washington und Jerusalem gibt es viele strittige Themen wie Siedlungsbau, Friedensprozess oder das iranische Atomwaffenprogramm. Jetzt kam ein weiteres hinzu, und zwar eines, das US-Außenministerin Hillary Clinton höchstpersönlich gegenüber Israels Verteidigungsminister Ehud Barak ansprach: Die USA möchten, dass Israel amerikanische Karpfen von Einfuhrzöllen freistellt. Und zwar sofort, damit amerikanische Fischanbieter ihre Ware noch im Vorfeld des Pessachfestes - dann nämlich erreicht die Nachfrage nach den für gefillte Fisch benötigten Karpfen ihr Jahreshoch - in Israel mit angemessenem Gewinn verkaufen können. Da sieht man, was die Großen dieser Welt wirklich bewegt.

PROZESS

Das Frettchen ist in Israel zunehmencl als Haustier beliebt. Als Fleischfresser ist es vor allem in ländlichen Gegenden gefragt, wo es Ratten und Mäuse bekämpft. Indessen sind nicht alle von den domestizierten Mardern angetan. Im Süden Israels störte sich ein Ehemann an dem von dem Tier verbreiteten Geruch und wollte es aus dem Haus schaffen. Dem aber widersetzte sich seine Gattin aufs Heftigste - auch dann, als der Gemahl sie vor die Wahl stellte: »Ich oder er«. In der Folge reichte der frustrierte Mann die Scheidung ein, die die Frau jedoch verweigert. Nun müssen die mit dem Scheidungsprozess befassten Dajanim des Rabbinatsgerichts in Beer Schewa über den bizarren Fall entscheiden.

RATGEBER

Spieglein, Spieglein an der Wand, mit welcher Schminke bin ich charmant? So ungefähr geht es vielleicht in unzähligen Kosmetikläden der Welt zu, wenn das von der israelischen Firma EZface in den USA und in Großbritannien gestartete Pilotprojekt Erfolg hat. Ein von dem israelischen Start-up entwickelter »virtueller Spiegel« fotografiert die Kundin und zeigt ihr anschließend wie ihr Gesicht mit verschiedenen, in dem betreffenden Geschäft geführten Kosmetika aussehen würde. Das im Selbstbedienungsverfahren zu bedienende System spart dem Handel Personal und kann bei Kundinnen - oder auch bei Kunden - manch eine Enttäuschung vermeiden.

KOMMUNIKATION

Israels Senioren gehen mit der Zeit. 55 Prozent der älteren Bürger im Judenstaat verfügen über einen PC. Drei Viertel von diesen kommunizieren mit der Außenwelt über E-Mail. Jeder siebte hat sich sogar dem Facebook-Netz angeschlossen. Indessen ist der beliebteste Zeitvertrieb nach wie vor das Fernsehen: 95 Prozent der bejahrten Bürger gaben bei einer Umfrage an, TV zu schauen. Natürlich bleiben geschlechtsspezifische Unterschiede auch im Alter erhalten: Frauen bevorzugen Unterhaltungssendungen, Männer dagegen Sport.

KIPPA

Männer ohne eigene Kopfbedeckung, die an die Jerusalemer Klagemauer treten wollen, mussten bisher in eine am Eingang zur Männersektion stehende Kiste greifen und sich eine Papier-Kippa auf den Kopf setzen. Jetzt kann das Westmauerrabbinat den Service aufwerten: Mithilfe einer Spende erstand es eine Million Stoff-Kippot, die bequemer sind und nicht so oft wie das papierene Gegenstück vom Kopf rutschen. Freilich hatten Kippot aus Papier einen Vorteil: Wegen ihres Notbehelf-Charakters legte sie jeder beim Verlassen der Mauer wieder zurück. Mal sehen, ob das bei der textilen Alternative genauso der Fall sein wird.

KUNST

Mit diplomatischer Post kann man so manches versenden - im vorliegenden Fall war es ein ausgestopfter Hirsch. Auf Initiative des israelischen Konsulats in San Francisco wurden zwei israelische Choreografen zu einem schwul-lesbischen Kulturfestival in die kalifornische Stadt eingeladen. Das Problem: Als Teil der Kulisse benötigten die Künstler eben einen ausgestopften Hirschen und ein solcher ließ sich vor Ort nicht auftreiben. Da hatte das Jerusalemer Außenministerium ein Einsehen und genehmigte die Verschiffung des Großobjektes als diplomatisches Versandstück.

GEBAUT

Kann das behäbige Jerusalem der Glitzermetropole Tel Aviv als Business-Standort Konkurrenz machen? So unmöglich, wie sie sich vielleicht anhört, ist die Idee vielleicht doch nicht. An der Jerusalemer Stadteinfahrt wird in den kommenden Jahren die milliardenschwere »Neue City« entstehen: ein Geschäftsbezirk, in dem sich Unternehmenszentralen, Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfer und andere wichtige Mieter niederlassen sollen. Das kann seine Vorteile haben: Zum Regierungsviertel, in dem viele wichtige Wirtschaftsentscheidungen fallen, kommt man bequem zu Fuß. Noch näher aber liegt der neue Bahnhof von Jerusalem. Und von dort ist man ab dem Jahr 2015 innerhalb von 32 Minuten in Tel Aviv. Dann können eingefleischte Tel Aviver wenigstens wieder giften, das Schönste an Jerusalem sei der Bahnsteig für Züge Richtung Mittelmeer.

GEFLOGEN

In der Knesset, so heißt es, bleibt nichts geheim. Der Spruch hat sich wieder mal bewahrheitet. Wie die Tageszeitung Yedioth Ahronoth enthüllte, hat die Knessetverwaltung beschlossen, dass Abgeordnete bei Auslandsreisen immer Business Class fliegen dürften. Nach bisheriger Regelung war dies nur auf langen Flügen, etwa in die USA, üblich. Die großzügige Neuregelung wurde ohne öffentliche Aussprache getroffen und wie ein Staatsgeheimnis behandelt - bis sie jetzt doch aufflog. Unter dem Eindruck der Empörung berief Knessetvorsitzender Reuwen Rivlin nun doch noch einen Sonderausschuss ein, der die Angelegenheiten »überprüfen« soll. Mal sehen, wie die Affäre endet.

GESCHIEDEN

Lange Zeit verweigerte ein ultraorthodoxer Rabbiner aus dem Landesnorden seiner Frau, mit der ihn nur noch Streitigkeiten verbanden, den Get (Scheidungsbrief}. Auf der anderen Seite wollte er nicht auf trautes Eheglückverzichten und bat das Oberrabbinat, ihm die Heirat mit einer Zweitfrau zu erlauben. Das aber verweigerten die Jerusalemer Berufskollegen unter Hinweis auf das halachische Einehegebot. Einen Versuch des Beharrlichen, das Verbot durch eine Eheschließung im Ausland zu umgehen, konnten die wachsamen Rabbinatsrichter mithilfe eines gerichtlichen Ausreiseverbots verhindern. Da gab sich der Schriftgelehrte geschlagen, willigte in die Scheidung ein und erklärte sich sogar bereit, seiner Noch-Ehefrau Schmerzensgeld in Höhe von 130.000 Schekel - rund 25.000 Euro - zu zahlen.

GERECHNET

Israels nationale Airline EL AL darf nach langem Hin und Her Inlandsflüge nach Eilat aufnehmen. Das entschied das Verkehrsministerium. Jetzt denkt das Luftfahrtunternehmen laut einem Medienbericht über eine Finesse nach, dank der sich die Strecke zwischen Tel Aviv und der Rotmeerstadt besser rechnen lässt. Obwohl es sich um eine innerisraelische Verbindung handelt, sollen die Maschinen, so der raffinierte Plan, nicht nur über israelischem Staatsgebiet fliegen, sondern einen Teil der Reise im Luftraum des Haschemitischen Königreichs absolvieren. Dann nämlich wäre der zollfreie Bordverkauf an die Fluggäste erlaubt. Damit der Wunsch Realität wird, ist allerdings eine Genehmigung der jordanischen Regierung erforderlich.

geklaut

Dreist genug muss man sein, dann wird vieles möglich. Auf dem Parkplatz des Polizeireviers von Akko stieg ein polizeilich bekannter Krimineller in einen dort abgestellten Streifenwagen und fragte die junge Beamtin auf dem Rücksitz - sie wartete auf ihren Schichtkollegen -, ob sie mit ihm ausgehen wolle. Die Ordnungshüterin, die gerade seit fünf Wochen die Uniform trägt und nicht einmal eine Dienstwaffe hat, erschrak und flüchtete aus dem Fahrzeug. Davon ließ sich der Verehrer nicht die Stimmung verderben: Statt mit der Polizistin zu plauschen, ließ er den Wagen an und machte sich aus dem Staub. Schon kurze Zeit darauf wurde er zwar von einem Polizeihubschrauber gestellt, doch war die Blamage der Ordnungshüter perfekt.

GESPRUNGEN

Eine filmreife Szene trug sich in einem Tel Aviver Wohnhaus zu. Nachdem eine 27-jährige Frau ihrer um ein Jahr jüngeren Lebensgefährtin ihren Trennungswunsch aussprach, sprang die Verlassene kurzerhand aus dem Fenster, um ihrem Leben ein Ende zu setzen. Glück im Unglück: Sie landete nicht auf dem Bürgersteig, sondern auf der Motorhaube eines gerade vorbeifahrenden Taxis und wurde nur mittelschwer verletzt. Dem unter Schock stehenden Taxilenker blühte bald eine weitere Erschütterung. Die Versicherungsgesellschaft weigerte sich, für den beträchtlichen Schaden, den der Aufprall verursacht hat, aufzukommen. Der Fenstersprung, so die Versicherer - ob die Ironie beabsichtigt war, ist nicht überliefert - sei »höhere.Gewalt«.

BEFRUCHTUNG

Hat ein Ehepaar bereits vier Kinder desselben Geschlechts, so darf es nach israelischem Recht das Geschlecht des fünften Kindes mithilfe künstlicher Befruchtung selbst bestimmen. Im vergangenen Jahr haben 70 Elternpaare von diesem Recht Gebrauch gemacht. Dabei schreckt die Aussicht auf ein fünftes Mädchen die Betroffenen offenbar weitaus mehr als die Möglichkeit, einen fünften Sohn zu bekommen: In 54 der 70 Fälle wünschten sich die Antragsteller, einen männlichen Nachfahren in die Welt setzen zu dürfen - will heißen sie hatten bereits vier Töchter. Demgegenüber hegten nur 16 Paare den Wunsch, endlich ein Töchterchen zu haben. Angesichts dieses Ergebnisses darf man annehmen, dass die Angst der Männer, für immer ohne einen »Thronfolger« zu bleiben, eine dominante Rolle spielt.

SOLIDEN

Wer noch Zweifel daran hegte, dass Israels Wirtschaft wieder in die Aufschwungsphase tritt, darf beruhigt aufatmen. .Wie bekannt wurde, will ein Konsortium israelischer Geschäftsleute eine Importfirma für die italienischen Sportautos Maserati und Ferrari gründen. Allem Anschein nach glauben die Investoren, dass sich ausreichend Käufer finden, um den Aufwand zu rechtfertigen - und zwar trotz der mit über 90 Prozent hohen Kaufsteuer, die für Spritfresser dieser Klasse gilt. Die Wirtschaftszeitung „The Marker“ hat ihren Lesern schon mal vorgerechnet, wie viel sie für einen Ferrari auf den Tisch blättern müssen: Anderthalb Millionen Schekel (knapp 300.000 Euro) für das Einsteigermodell.

BREDOUILLE

Vor sechs Jahren war Elchanan Tennenbaum ein Objekt erbitterter Debatten: Viele Israelis ärgerten sich darüber, dass ihre Regierung für die Freilassung des von der Hisbollah bei einem versuchten Drogendeal entführten Ex-Obersts 435 Terroristen freilassen musste. Jetzt stellt sich heraus, dass Tennenbaum bis heute nicht zu einem geordneten Leben zurückgefunden hat: In der vergangenen Woche wurde er wegen unbezahlter Schulden von der israelischen Justiz festgenommen. Der Ex-Häftling der Hisbollah hat ausstehende Verbindlichkeiten in Höhe von zwei Millionen Schekel (rund 370.000 Euro), darunter ungedeckte Schecks und überfällige Unterhaltszahlungen. Dennoch hofft er, sein Leben bald in geordnete Bahnen lenken zu können, und erklärte, er habe soeben ein Jurastudium absolviert. Mal sehen, ob er das nächste Mal als Anwalt vor Gericht erscheint.

BELGISCH

Bildungslücken sind keine Schande - jeder hat sie. Eine andere Frage lautet, wie offen man seinen Mangel an Wissen zur Schau trägt. Im konkreten Fall haben die Sportredakteure der israelischen Zeitung »Israel Hajom«, immerhin die zweitgrößte des Landes, eine Nachricht über die belgische Tennisspielerin Justine Henin und deren Chancen auf eine erfolgreiche Revanche gegen die Amerikanerin Serena Williams ins Blatt gesetzt. Die Überschrift des groß aufgemachten Beitrags lautete: »Wie sagt man >Rache< auf Belgisch?«. Nun, da sollte man vielleicht nicht staunen, wenn ein Europäer fragt, wie man das eine oder andere Wort auf israelisch sagt.

GERADELT

Gute Nachrichten für Radfahrer: Die Stadt Tel Aviv hat beschlossen, ein Radverleihsystem einzuführen. Für ein Jahresabo von 240 bis 280 Schekel dürfen die Drahtesel-Fans ein - erst aufzubauendes - Netz von 150 Verleihstationen in Anspruch nehmen. Das Leihrad-Netz wird von einem Konsortium unter Führung der Deutschen Bahn errichtet. Auch wer auf seinem Rad außerhalb der Ballungsräume über Asphalt rollen will, kommt auf seine Kosten: Binnen kurzer Zeit sollen mehrere autoverkehrsfreie Radstraßen verlegt werden. Dort können sich Rennradfans nach Herzenslust austoben. Interessanterweise steht hinter dem Projekt das Fremdenverkehrsministerium, das damit ausländische Touristen anlocken will. Offenbar waren die wiederholten Forderungen einheimischer Radfahrer nach asphaltierten Radwegen nicht überzeugend genug.

GEFANGEN

Wer zum zweiten Mal heiratet, hofft, dass wenigstens diese Lebensgemeinschaft halten wird. Diese Hoffnung hegten vor 19 Jahren auch eine damals 53-jährige Jerusalemerin und ihr um elf Jahre älterer Freund, als sie - jeweils in zweiter Ehe - unter den Traubaldachin traten. Es kam anders, und vor drei Jahren reichte der Ehemann die Scheidung ein. Indessen weigerte sich die Frau, die Scheidung anzunehmen, und das zuständige Rabbinatsgericht gab ihr recht. Da wandte sich der verzweifelte Gatte ans zivile Familiengericht. Zwar kann dieses nach geltender Rechtslage keine Scheidung aussprechen - das dürfen nur Geistliche der jeweiligen Religion -, doch sprach es dem alten Mann, der längst aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist, Schadensersatz von umgerechnet 10.000 Euro zu. Die Scheidungsweigerung der Frau, so der Richter, verletze das Selbstverwirklichungsrecht des heute 83 Jahre alten Gemahls, der die letzten Jahre seines Lebens in Frieden verbringen möchte.

GEERBT

Vor zehn Jahren war eine ältere Israelin aus dem Landeszentrum mit der Heirat eines ihrer beiden Enkel nicht einverstanden. Die Braut, monierte sie, passe nicht zur Familie. Als der junge Mann dennoch dem Ratschluss seines Herzens folgte, brach sie den Kontakt zu ihm ab. Vor Kurzem ging die rigorose Oma in die Ewigkeit ein, doch der Familienstreit geht weiter. Der rebellische Enkel, schrieb die alte Dame, die ein millionenschweres Vermögen besaß, in ihrem Testament, soll die Hälfte der Erbschaft bekommen - allerdings nur, wenn er sich scheiden lässt. Jetzt will der von der verstorbenen Großmutter erpresste Mann eine gerichtliche Annullierung des Junktims erwirken.

BEISAMMENSEIN

Auf der Strecke Tel Aviv - Eilat erleben Passagiere der Arkia-Airline einmal in der Woche eine Überraschung: Aus dem Cockpit begrüßen sie Flugkapitän Jaakow Tidhar und Kopilot Noam Tidhar. Die Namensgleichheit ist kein Zufall: Jaakow, israelischer Luftwaffenveteran, und Noam, ausgebildeter Zivilpilot, sind Vater und Sohn. Das berufliche Beisammensein, sagte Jaakow der Tageszeitung Yediot Ahronot, nutze er, um mit seinem Sohn zu sprechen und Neuigkeiten über seine Enkelinnen zu erfahren. Dagegen verriet Noam, sein Vater habe aufgehört, ihm Süßigkeiten für den Flug mitzubringen.

BAUTEN

Im kommenden Jahrzehnt wird Tel Aviv wohl immer mehr Manhattan gleichen. Um ihren Status als Israels Wirtschaftsmetropole zu wahren, will die Stadt eine lange Reihe von Wolkenkratzern bauen lassen. An Kunden mangelt es laut Stadtverwaltung nicht. Allein im Sommer genehmigten die Baubehörden die Errichtung von 23 Hochhäusern. Das höchste von ihnen soll 65 Stockwerke haben und den »nur« 50-stöckigen Turm des Azrieli-Zentrums als das höchstes Gebäude der Stadt ablösen. Willkommen in Telhattan.

BÜRGER

Die Zahl der israelischen Staatsbürger arabischer Herkunft, die sich zum Zivildienst melden, nimmt zu und überschritt in diesem Jahr erstmals die Eintausendmarke: viermal so viel wie im Jahr 2004. Damit hat sich immerhin jeder zwanzigste 18-jährige Araber bereit erklärt, seinem Staat durch humanitäre Arbeit zu dienen. Der Dienst setzt die jungen Menschen allerdings der Ächtung durch Extremisten aus den Reihen der arabischen Bevölkerung aus. Diese bezeichnen jegliche Hilfeleistung für den jüdischen Staat als Nationalverrat.

BEWEGUNG

Seit dem Zweiten Libanonkrieg im Jahr 2006, als Kampftruppen Konditionsschwäche zeigten, macht die israelische Armee ihre Soldaten konsequent fit. Um die Mannschaften zu motivieren, gehen ranghohe Offiziere mit gutem Beispiel voran. Selbst solche, die ihren Dienst nicht in unwegsamem Gelände, sondern am Schreibtisch des Generalstabs leisten, werden neuderdings angehalten, sich Jogging-Gruppen anzuschließen. Als Fitness-Offizier dient Oberst Avi Moyal, seinerzeit Sportausbilder der legendären Kommandoeinheit Sajeret Matkal. Sogar Generalstabschef Gabi Aschkenasi arbeitet zweimal in der Woche unter Moyals Anleitung an seiner Kondition.

BESÄUFNIS

Als er zu einer Hochzeit eingeladen war, trank ein Mittzwanziger aus Afula so sehr einen über den Durst, dass er auf der Herrentoilette mit heruntergelassenen Hosen einschlief, von der Kloschüssel fiel und die Nacht auf dem Fußboden des stillen Örtchens verbrachte. Dort wurde er am nächsten Morgen von einer erschrockenen Putzfrau gefunden, die ihn für tot hielt. Erst dem Inhaber des Festsaals gelang es, ihn zu wecken. Er kam allerdings nicht in eine Ausnüchterungszelle, sondern wurde wie ein Kindergartenjunge von seiner Mutter abgeholt. Demütigender kann ein Abstecher in das Leben »harter Männer« eigentlich kaum noch enden.

BEUTE

Um vier Uhr morgens klopfte es an einer Wohnungstür in Netania. Die Polizei vermutete bei dem 17-jährigen Sohn der Familie, die erst einige Stunden zuvor aus Eilat zurückgekehrt war, Drogen. Doch stattdessen entdeckte die Polizei ganz andere Sachen. In zahlreichen unausgepackten Tüten stießen sie auf Beute, die die Familie im Hotel gestohlen hatten: 63 Handtücher, 370 Einwegportionen löslichen Kaffees und fünf Plastiksäcke mit Flüssigseife. Die Anschuldigung, sie habe einen Diebstahl begangen, wies die Familienmutter entschieden zurück: »Ich habe das nur mitge­nommen«.

BEANTRAGT

Namensänderungen sind in Israel keine Seltenheit, vor allem, wenn Immigranten oder ihre Kinder Namen aus der Diaspora hebräisieren wollen. Über den Änderungswunsch eines Bürgers mussten Beamte des Einwohnermeldeamtes in Kfar Saba dennoch staunen, verlangte doch der Mittvierziger, als neuen Nachnamen »Rosaroter Panter« zu führen. Zur Begründung gab er an, er verehre die gleichnamige Zeichentrickfilm-Figur. Als neuen Vornamen hatte sich der Antragsteller »Weißer Engel« ausgesucht. Weniger überraschend als das Gesuch war der Amtsbescheid: Weder der gewünschte Vor- noch der Nachname, so die Dienststelle, seien mit den gesetzlichen Kriterien für die Namensvergabe vereinbar.

BESCHIMPFT

Auf der Bühne sollen sich Schauspieler an den Text des gerade aufgeführten Werkes hal­ten. Wie richtig diese scheinbar banale Empfehlung im Einzelfall sein kann, bewies jüngst die israelische Schauspielerin Orna Banai. Bei einer Aufführung in Jaffa fühlte sich die Künstlerin durch einen Zuschauer belästigt, der sein ständiges Lachen nicht zu unterdrücken vermochte. Banai verlangte von dem Störenfried, den Saal zu verlassen, und sagte ihm offenherzig, was sie von ihm hielt: »Du bist ein Idiot«, rief sie - wie Zuschauer der Tageszeitung Yedioth Ahronoth berichteten -dem Künstliebhaber zu, und ergänzte: »So was von einer Null!«. Nach der Pause kehrte der Beschimpfte nicht zu seinem Sitz zurück. So etwas nennt man echte Publikumsbeschimpfung.

BEFREIT

Wenn Superman gerufen wird, kommt er und hilft. So kennt man das von der Kinoleinwand. Und so hat es sich auch in der Tel Aviver Baselstraße zugetragen. Dort verfing sich ein junger Wespenbussard im neunten Stock eines Wohnhauses. Kurz entschlossen nahmen die herbeigerufenen Mitarbeiter der Naturschutzbehörde Kontakt zur legendären Bergungseinheit der israelischen Luftwaffe auf, deren Soldaten nur wenige Stunden vorher ein Naturschutzgebiet besucht hatten. Die Elitekämpfer, normalerweise für den Einsatz im Feindesgebiet ausgebildet, ließen sich nicht zweimal bitten: Sie waren binnen kurzer Zeit zur Stelle, seilten sich vom Dach ab und befreiten das entkräftete Tier.

BEFRUCHTET

Vor einigen Jahren haben Daschik und Jehuda in Israel Schlagzeilen gemacht. Die beiden im Jerusalemer Tiergarten lebenden Geiermännchen benahmen sich wie ein Paar und wurden von den Medien zur »ersten schwulen Geierehe« ernannt. Jetzt teilte der Zoo mit, die beiden Vögel hätten inzwischen ihre heterosexuelle Seite entdeckt und sich jeweils mit einer weiblichen Partnerin zusammengetan. Dennoch bleiben sie auf frappierende Weise miteinander verbunden: Ihre Küken sind am selben Tag aus dem Ei geschlüpft und wiesen bei der Geburt genau das gleiche Gewicht auf.

VERBOT

Klagemauer-Rabbiner Shmuel Rabinowitz hat die Durchführung einer von der Jewish Agency geplanten Begrüßungsfeier für Neueinwanderer an der heiligen Stätte untersagt. Zur Begründung gab Rabinowitz an, an der Mauer seien nur Gebete oder zumindest Veranstaltungen mit Gebetskomponenten sowie militärische Zeremonien erlaubt. Mit etwaiger mangelnder Religiosität der Teilnehmer habe das Verbot nichts zu tun. Er würde, so der Schriftgelehrte, auch einem ultraorthodoxen Empfang auf dem Mauervorplatz die Erlaubnis verweigern. »Die Westmauer«, erklärte der von der Regierung mit der Verwaltung des Heiligtums beauftragte Rabbiner, »ist doch kein Festsaal«.

VERANSTALTUNG

Wenn ein Betrieb seine Mitarbeiter mit dem Gastauftritt von Unterhaltungskünstlern erfreuen will, geht die Sache in der Regel problemlos über die Bühne. Es sei denn, dass es sich bei der Einrichtung, wie im vorliegenden Fall, um den streng abgeschirmten Kernreaktor in Dimona handelt. Dort traten vor Kurzem die Sängerin Schiri Maimon und ihr Kollege Pablo Rosenberg auf. Bis sie die Geheimanlage betreten durften, mussten sich die Sänger ebenso wie alle Mitglieder der technischen Crew einer eingehenden Sicherheitsüberprüfung unterziehen. Auf dem Reaktorgelände selbst achtete Sicherheitspersonal darauf, dass sie keine unerlaubten Bereiche betreten, sondern sich schnurstracks in einen als Veranstaltungsort gewählten Innenhof begeben. Als Maimon und Rosenberg einige der Mitarbeiter nach dem Konzert nach ihrer Beschäftigung fragten, bekamen sie die Antwort: »Wir arbeiten in einer Textilfabrik«. Als solche war die Anlage in den ersten Jahren ihrer Existenz getarnt.

VERSTÜMMELUNG

Eine Katze braucht ihre Krallen. Das soll in Israel jetzt per Gesetz verbrieft werden. Ein von zwei Abgeordneten vorgelegter Gesetzentwurfwill das Krallenentfernen bei Hauskatzen verbieten. Der Eingriff, so die Initiatoren der Vorlage, Joel Hasson (Kadima) und Eitan Cabel (Arbeitspartei) sei unmoralisch, grausam und beraube die Tiere der Möglichkeit, auf Bäume zu klettern oder sich gegen aggressive Artgenossen zur Wehr zu setzen - alles Dinge, die zu einem erfüllten Katzenleben gehören. Zudem, so die Deputierten, sei die Verstümmelung völlig unnötig, weil es auch einfachere Methoden gebe, etwa besondere Krallenabdeckungen, um Kratzschäden in der guten Wohnstube zu verhindern.

VERSICHERUNG

Gegen Übergriffe einer allmächtigen Bürokratie kann sich der Einzelne nicht wehren. Oder doch? Vor einigen Jahren verlangte die israelische Nationalversicherung von einer ehemaligen Krankenpflegerin die Nachzahlung von Versicherungsbeträgen. Von dem sachlich richtigen Hinweis der Betroffenen, für die betreffenden Zahlungen sei ihr Arbeitgeber zuständig, ließen sich die Beamten nicht beirren und sperrten kurzerhand ihr Bankkonto. Nach zweimonatigem Kampf gelang es der unschuldig Bestraften, die Sperrung aufzuheben. Allerdings wollte die inzwischen zur Rechtsanwältin Aufgestiegene die Unbill nicht lautlos hinnehmen und verklagte die Nationalversicherung auf Schmerzensgeld. Jetzt sprach ihr das Gericht 50.000 Schekel, umgerechnet 9.000 Euro, zu.

FROMME

In der ultraorthodoxen Stadt Elad gibt es bisher kein Büro der staatlichen Sozialversicherungsanstalt Bituach Leumi. Daher müssen die Bewohner im Bedarfsfall ins benachbarte Kfar Saba fahren. Das ist nicht nur beschwerlich, sondern aus strengreligiöser Sicht auch moralisch nicht zu vertreten, müssen sich doch die frommen Besucher unters säkulare Volk mit dessen verpönten Verhaltensweisen mischen, jetzt hatte die Direktion der Sozialversicherung ein Einsehen und versprach, in Elad eine separate Filiale zu errichten.

FRAGE

Spätabends fand sich ein 8o-jähriger Bewohner von Kirjat Ata auf dem Polizeirevier mit einem blauen Plastiksack ein und fragte die Beamten, ob noch eine Bank offen habe. Dort wolle er seine bisher zu Hause aufbewahrten Ersparnisse deponieren, und zwar, nachdem verdächtige Personen in sein Haus eindringen wollten. In der Wundertüte fanden die Ordnungshüter sage und schreibe 200.000 Schekel - rund 36.000 Euro. Die Beamten willigten ein, das Geld über Nacht im polizeilichen Tresor aufzubewahren und begleiteten den Sparer am nächsten Morgen zur Bank, wo er ordnungsgemäß ein Konto eröffnete. Besser spät als nie.

GEHEIRATET

In chassidischen Kreisen sind große Hochzeiten üblich. Die Hochzeit, die jüngst von den Zanser Chassidim in Netanja gefeiert wurde, hat jedoch selbst nach chassidischen Maßstäben den Rahmen des Üblichen gesprengt. Als der Zanser Rebbe Zwi Elimelech Halberstam seinen jüngsten Sohn verheiratete, waren 15.000 Gäste dabei - von Anführern befreundeter chassidischer Höfe bis zu jungen Jeschiwa-Studenten. Damit kein Durcheinander entstand, wurden die Gäste nach Altersstufen klassifiziert und jede Gruppe in eine ihr besonders zugewiesene Halle eingeladen. Und selbstverständlich kamen der Rebbe und der Bräutigam nicht profan mit einer Luxuslimousine zur Trauung, sondern - einem alten Brauch des Zanser Chassidim gehorchend - in einer von Pferden gezogenen Karosse. Adel verpflichtet.

GESCHÄDIGT

Um sich ihren Traum vom Dienst in einer Eliteeinheit zu erfüllen, trainieren sich viele junge Israelis in den Monaten vor der Einberufung bessere Kondition an. Dabei steht vor allem stundenlanges Jogging auf dem Programm - manchmal bis zum Umfallen und bis zum Muskelriss. Oder noch schlimmer: Jahr für Jahr behandeln Krankenhäuser Hochmotivierte, die sich durch Überanstrengung schwere Muskelschädigungen zugezogen haben. Indem die Muskeln, so die ärztliche Warnung, dauerhaft mehr Energie verbrauchen als der körpereigene Stoffwechsel ihnen zu geben vermag, werden die Muskelfasern angegriffen und setzen zum Teil toxische Stoffe frei. Im Extremfall werden auch die Nieren irreversibel geschädigt. Dann droht den jungen Männern das aus ihrer Sicht Allerschlimmste: Freistellung wegen Untauglichkeit.

GEMAHNT

Ein Kfz-Mechaniker sollte nicht nur Automobile reparieren, sondern auch Menschen pfleglich behandeln können. Das hat sich jedenfalls die israelische Vereinigung der Kfz-Werkstätten gesagt. In einem Rundschreiben an die 4.000 Mitglieder hat die um den Ruf der Branche besorgte Dachorganisation einige Tipps für den richtigen Umgang mit der Kundschaft zusammengestellt. Zu den Empfehlungen gehört unter anderem: den Reparaturbedarf ausführlich erklären, aber nicht unverständlich fachsimpeln, genaue Kostenvoranschläge abgeben und sie und auch den vereinbarten Zeitplan einzuhalten.

GESPRÄCHSPARTNER

»Ihr Anruf ist uns wichtig. Bitte gedulden Sie sich noch einen Augenblick.« - Wer hat sich nicht schon über das endlose Warten auf einen Gesprächspartner bei Dienstleistungsbetrieben grün und blau geärgert? Jetzt will der Knessetabgeordnete Eitan Cabel mit der Kundenquälerei Schluss machen. Nach einer Gesetzesvorlage, die der Parlamentarier der Arbeitspartei einbrachte, sollen alle Unternehmen, die mehr als 10.000 Kunden haben, sowie alle Telefon- und Internetanbieter verpflichtet werden, Anrufe nach spätestens drei Minuten anzunehmen oder aber hinterlassene Nachrichten innerhalb von drei Stunden zu beantworten. Jetzt müssen Regierung und Parlament beschließen, ob sie dem Antrag zustimmen. Mal sehen, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt.

GELD

Ein Abteilungsleiter der staatlichen Eisenbahngesellschaft Israel Railways und sein Bruder, der als Bahnhofsmanager tätig ist, waren mit ihrem Gehalt wohl nicht zufrieden. So beschlossen sie, sich durch einen Raub zu bereichern - und zwar an einem bahneigenen Geldkurier. Als dieser eines Tages ab Tel Aviver Hauptbahnhof zum Abholen der Tageseinnahmen kam, zwang ihn einer der Täter mit gezücktem Messer zur Herausgabe eines Geldsacks und stieg in ein von dem anderen Bruder gelenktes Fluchtfahrzeug ein. Pech für die Langfinger: Ein Passant konnte die Zulassungsnummer ihres Wagens aufschreiben und benachrichtigte die Polizei. Jetzt warten die entgleisten Eisenbahner auf ihren Prozess.

GATTEN

Als sich das Jerusalemer Ehepaar scheiden ließ und die drei gemeinsamen Kinder der Mutter zugesprochen wurden, blieb der Vater in ihrer Erziehung überaus aktiv. Dann aber nahm die Ex-Gattin, von Beruf Sozialarbeiterin, ein finanziell attraktives Arbeitsangebot aus dem Landesnorden an - sehr zum Verdruss ihres ehemaligen Mannes, der prompt vors Familiengericht zog. Dort bekam er recht. Weil der Vater eine positive und entscheidende Rolle im Leben der Kinder spiele, beschloss der mit dem Fall betraute Richter, müsse die Mutter in Jerusalem bleiben. Allerdings nicht umsonst: Im Gegenzug wurde der Kläger verpflichtet, die Frau für das entgangene Einkommen zu entschädigen. Schließlich werde sie durch das Urteil in ihrem Grundrecht auf Selbstverwirklichung beschränkt.

FAHRZEUGE

Das israelische Verkehrsministerium prüft einen originellen Vorschlag. Wie eine Wirtschaftszeitung enthüllte, arbeitet das Ressort an einem Plan, Gebrauchtwagen aus dem Judenstaat in den Irak zu exportieren. Um dieses Ziel zu erreichen, wären die Initiatoren des Projekts sogar bereit, dem Exporteur die hohe Luxussteuer zurückzuerstatten, die in Israel auf importierte Neuwagen erhoben, wird. Ohne die Rückerstattung ist das Geschäft nicht lukrativ. Fragt sich nur, ob die Iraker, auch in der Nach-Saddam-Ära keine ausgesprochenen Freunde Israels, bereit sind, sich in Fahrzeuge von israelischen Vorbesitzern zu setzen.

FAMILIE

Roni Batasch aus Beit-Schean ist etwas Ungewöhnliches passiert. Beim 45-jährigen Restaurantbesitzer meldete sich eine 19-jährige Touristin aus England und erklärte ihm, sie sei sein leibliches Kind, gezeugt während einer nur dreiwöchigen Affäre, die ihre Mutter, als Freiwillige in einem Kibbutz vor 20 Jahren mit Roni hatte. Daran konnte sich der überzeugte Junggeselle zwar nicht mehr erinnern, doch nahm er die unerwartete Nachricht mit Freude auf, zumal die junge Frau ihm verblüffend ähnlich sieht. Jetzt hofft die Familie, dass Neta, so der Name der Besucherin, vielleicht länger in Israel bleibt. Ronis Bruder, ein Rechtsanwalt, klärt schon mal, wie schnell Neta eingebürgert werden kann.

FRÜHSTART

Ein Zwilling kommt, wie man weiß, selten allein. Das heißt aber nicht, dass Zwillinge denselben Geburtsort haben müssen. Nur wenige Minuten, nachdem Karmit Tal aus Kirjat Malachi die ersten Geburtswehen verspürte, hatte es einer der beiden Sprosse eilig. Als der herbeigerufene Krankenwagen eintraf, hatte sich der Kleine bereits in den heimischen vier Wänden den Weg in die große, weite Welt gebahnt. Dagegen wartete sein Brüderchen brav, bis Frau Mama in das 23 Kilometer entfernte Kaplan-Krankenhaus kam. Dieses befindet sich aber in der Stadt Rechowot, die im Bevölkerungsregister als Geburtsort des zweiten Zwillings erscheinen wird.

SCHLICHTUNG

Nur ein Jahr nach der Chuppa war das Leben eines israelischen Ehepaares in die Krise geraten. Die Gattin, klagte der enttäuschte Gemahl, esse zu viel und sei fett geworden. Die Beschuldigte konterte mit dem Vorwurf, ihr Mann trinke zu Hause jeden Tag Alkohol. Die Scheidung konnte nur durch einen Schlichtungsvertrag verhindert werden. Darin verpflichtete sich die Dame des Hauses, eine Diät zu machen, während der Mann, ein ausgezeichneter Koch, ihr kalorienarme Mahlzeiten zubereiten soll. Zudem darf der Trinkfreudige seinen täglichen Schluck aus der Pulle nur noch in einer Kneipe oder aber im Badezimmer einnehmen.

SCHOCKTHERAPIE

Ärzte des Rambam-Krankenhauses in Haifa haben einen Durchbruch erzielt, der ihnen vielleicht keinen Nobelpreis für Medizin, dafür aber die Dankbarkeit vieler Männer einbringen wird: Sie wiesen nach, dass die Verabreichung niedrig dosierter Energieschocks am männlichen Geschlechtsorgan Potenzprobleme lösen kann. Die Schocks - dreihundert im Lauf von drei Minuten - regen nicht nur die Blutzufuhr, sondern auch die Bildung von Blutgefäßen an und erzielen damit die erwünschte Hilfe. Immerhin hat ein Pilotprojekt 15 der 20 Probanden geholfen.

EINSICHT

100 Gramm Kokain hatte die Polizei in der Wohnung von Rabbiner Baruch Chalomish im englischen Manchester gefunden. Den Vorwurf des Rauschgifthandels bestritt der fromme Mann vor Gericht jedoch: Das weiße Pulver sei ausschließlich zum eigenen Gebrauch bestimmt gewesen, für regelmäßige Orgien mit Prostituierten: »Meine Zigaretten kaufe ich auch stangenweise.« Ein überzeugendes Argument offensichtlich. Der Rabbi wurde freigesprochen.

SCHROTT

Seit dem Sommer hat auch Israel eine Abwrackprämienregelung für alte Wagen, doch bleibt diese vorerst undurchführbar. Es fehlt nämlich an Verschrottungskapazitäten. Zwar haben bei einer Ausschreibung des Umwelt­ministeriums zwölf Verschrottungsbetriebe ihre Kandidatur eingereicht, doch erfüllte nur einer die vom Öko-Ressort festgesetzten - Mindestanforderungen, zu denen unter anderem die nachgewiesene Fähigkeit gehört, die Altfahrzeuge nicht nur zu verschrotten, sondern auch zu recyclen. Jetzt sucht die Regierung händeringend nach weiteren Schrottplätzen.

SHAOLIN

Vorurteile sind gefährlich. Manchmal auch für denjenigen, der sie hegt. Das mussten zwei Diebe in Beit Schemesch erfahren, als sie ein vermeintlich wehrloses Opfer überfielen: eine zierliche, orthodoxe Frau, die sich ihren Säugling in einem Tragetuch an den Bauch gebunden hatte. Was sie nicht wussten: Miriam Segal, 35, vor einem halben Jahr aus den USA eingewandert, ist Schwarzgurtträgerin in der Kampfsportart Shaolin Kempo Karate. Obwohl die Meisterin durch ihr Baby etwas eingeschränkt war und es nicht gefährden wollte, ging die Begegnung zu ihren Gunsten aus. Einer der beiden Angreifer wurde zu Boden geschlagen. Der andere bedrohte die kämpferische Mutter zwar mit dem Messer, ergriff dann aber die Flucht.

ANTRAG

Religiöse Frauen werden in Israel auf Antrag vom Wehrdienst freigestellt. Künftig will die Armee aber prüfen, ob die Antragsstellerinnen auch wirklich einen religiösen Lebenswandel führen oder sich nur vor der Wehrpflicht drücken wollen. Mit diesem Ansinnen stößt der Generalstab jedoch auf erbitterten Widerstand von Rabbinern. Zwar fürchten die Schriftgelehrten nicht, dass orthodoxe Mädchen in Uniform gesteckt würden. Davon ist nicht die Rede. Vielmehr widersetzen sich ultraorthodoxe, zum Teil aber auch nationalreligiöse Kreise jeglichem Militärdienst von Frauen, seien diese nun fromm oder säkular. Vorsichtshalber drohen ultraorthodoxe Parteien jetzt schon mit einer Koalitionskrise.


 

AUFSTAND

Pünktlich zu Chanukka hat ein israelischer Historiker die traditionelle jüdische Überlieferung zum Lichterfest hinterfragt. In der vergangenen Woche erklärte Doron Mendels, Professor der Hebräischen Universität in Jerusalem, entgegen der Chanukka-Erzählung habe Seleukidenkönig Antiochos IV. vor 2.173 Jahren nicht versucht, die Juden zur Anbetung griechischer Götter zu zwingen. Das ergebe sich aus einer genauen Auswertung historischer Quellen. Allerdings bestreitet auch Mendels nicht, dass Antiochos den Juden die Ausübung ihrer eigenen Religion untersagt hatte. Mit anderen Worten: Auch ohne Zwangshellenisierung war der Makkabäeraufstand ein gerechter Krieg.

AUFWAND

Liebe scheut keinen Aufwand. Joni Anaki, ein in Ausbildung stehender Feuerwehrmann, hat sich mithilfe seiner Kollegen und Vorgesetzten eine Überraschung für seine Freundin Sarit ausgedacht. Bei einer Brandübung, zu der Sarit eingeladen wurde, wollte der Verliebte einen Feuerschriftzug mit den Worten »Sarit, willst Du mich heiraten?« anzünden und seine Angebetete per Lautsprecheranlage um ihre Hand bitten. Die Überraschung klappte nicht ganz: Wegen Regen zündeten die Buchstaben zu spät. Zudem waren sie so schlecht getarnt, dass die Verlobte sie schon vorher entdeckt hatte. Ihre Antwort jedoch blieb trotz der Pannen dieselbe: »Ja.«

BODEN

Wie heißt das Land, dessen Fläche zu einem Drittel von der israelischen Armee kontrolliert wird? Richtig: Israel. Wie die israelische Naturschutzgesellschaft errechnet hat, haben die Streitkräfte die Nutzungsrechte an insgesamt 7.500 Quadratkilometern des israelischen Staatsgebiets. Hierbei handelt es sich vor allem um Truppenübungsplätze und Militärstützpunkte. Daran lässt sich wohl nichts ändern, doch warnen die Naturschützer, dass viele Armeeaktivitäten die Umwelt schädigen. Deshalb fordern sie von der Regierung, die Landesverteidiger zur Einhaltung strikter ökologischer Auflagen zu zwingen. Die Armeepräsenz hat auch ihre Vorteile für die Umwelt: Wo geschossen wird, können keine Bauprojekte die Landschaft verschandeln.

BEHARRLICHKEIT

Die eigene Hochzeit zu verpassen, ist schon peinlich. Und just dieses Malheur hätte um ein Haar einen jungen Gerer Chassid aus Belgien getroffen, der sich in Jerusalem mit seiner israelischen Braut zu vermählen gedachte. Wegen Schnee fiel sein Flug aus Brüssel nach Tel Aviv aus. Der Versuch, über Mailand zu fliegen, scheiterte an einem Unwetter. Anschließend reisten der junge Mann und seine ihn begleitenden Eltern mit der Bahn nach Zürich, kamen aber zu spät an, um in den Flieger zu steigen. Dann aber zahlte sich die Beharrlichkeit aus: Das Trio konnte gerade noch rechtzeitig aus Zürich über Bukarest nach Israel fliegen und traf punktgenau zur Eheschließung in der Heiligen Stadt ein

BUND

Der Bund fürs Leben? Von wegen. Ein Bewohner Jerusalems hat sich kürzlich zum elften Mal scheiden lassen und stellte damit einen neuen israelischen Rekord auf. Im Durchschnitt hat jede seiner elf Ehen nur zwei Jahre lang gehalten. Allerdings lässt er sich davon nicht entmutigen und hat vor, nach der zwölften Gemahlin Ausschau zu halten. Den verdutzten Rabbinatsrichtern erklärte der Unverbesserliche, er strebe jedes Mal nach einer neuen Erfahrung. Das klappe auch wie am Schnürchen: »Ich werfe die Angel in allen Richtungen aus«, führte er ebenso bildhaft wie selbstgefällig aus, »und sie kommen.«


 

AUSGEZAHLT

Jüdische Ehen zerfallen häufiger als die anderer Religionen. Nach einer Erhebung des Zentralamtes für Statistik entfallen 76 Prozent aller in Israel geschlossenen, aber 84 Prozent aller geschiedenen Ehen auf den jüdischen Sektor. Dagegen stellen Moslems 20 Prozent aller neu verheirateten, aber nur neun Prozent aller geschiedenen Paare. Auf Drusen entfallen 2,1 Prozent der Hochzeiten, aber nur 0,7 Prozent der Scheidungen, während es bei Christen jeweils 1,5 beziehungsweise 0,6 Prozent sind. Ob die unterschiedlichen Scheidungsraten etwas über das tatsächliche Eheglück aussagen, ist eine andere Frage.

ANVISIERT

In seinem Roman »Altneuland« stellte sich Theodor Herzl Haifa des Jahres 1923 ein wenig wie Wien vor - jedenfalls, als er die Vorbereitungen auf einen Opernbesuch schilderte, für den sich einer der Gäste noch schnell vornehme Handschuhe kaufen wollte. Jetzt plant die Stadt Haifa in der Tat etwas, was den zionistischen Visionär an Wien erinnern würde: Nach dem Willen der Haifaer Stadtväter soll in der Nordmetropole ein Riesenrad gebaut werden. Mit dem Bau der auf einer neuen Strandpromenade geplanten Attraktion soll 2012 begonnen werden. Das bisher nur auf dem Reißbrett bestehende Rad ist für 300 Personen ausgelegt. Eine vollständige Umdrehung soll 37 Minuten dauern.

AUSGETRIEBEN

»Der Dybbuk« ist nicht nur das berühmte jiddische Theaterstück von Salomon Anski. In der vergangenen Woche kamen in der Jerusalemer Schalom-Jeschiwa führende Kabbalisten zusammen, um einen brasilianischen Juden von einem Dybbuk - nach jüdischem Volksglauben der in einen anderen Menschen verschlagenen Seele eines Toten -zu befreien. Während draußen auf der Straße mehrere hundert Schaulustige das Ereignis verfolgten, versuchten drinnen die Mystiker drei Stunden lang, den Geist auszutreiben, erklärten aber letztendlich, dass ihnen der erhoffte Erfolg versagt blieb. Wie das Drama weitergeht ist offen.

BUCH

Bis zu seiner Verrentung war Dr. Eli Landau ein Kardiologe. Jetzt versucht er sich als Kochbuchautor- und zwar ein provokativer. Der Mediziner hat nämlich eine Sammlung von Kochrezepten für Schweinefleisch erstellt. Nun ist es zwar nicht so, dass Israels Juden überhaupt kein »weißes Fleisch«, wie es euphemistisch heißt, äßen. Eine Schar streng laizistischer Bürger lässt sich das Grunztier schon mal schmecken. Ein besonderes Schweine-Kochbuch für die Kinder Israels gilt aber als so skandalös, dass der Hobby-Koch bisher keinen Verleger für sein Werk gefunden hat und sich nun anschickt, Druckkosten und Vertrieb aus eigener Tasche zu zahlen.

BEFUND

Vor einigen Tagen erklärte der brasilianisch-amerikanisch-israelische Milliardär und Philanthrop Guma Aguiar im Interview einer Jerusalemer Lokalzeitung, er sei nach Gasa gereist und habe dort den von der Hamas gefangen gehaltenen israelischen Soldaten Gilad Schalit befreit. Während die Öffentlichkeit sich noch über die Geschichte wunderte, alarmierte Aguiars besorgte Ehefrau einen Nervenarzt. Dessen Befund: schwerwiegende seelische Störung. Binnen kürzester Zeit wurde der Energiemagnat, der den Großteil des Jahres in Jerusalem verbringt, in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Das sind übrigens schlechte Nachrichten für den von der Pleite bedrohten Jerusalemer Fußballverein Beitar. Nachdem das Team vom bisherigen Besitzer, dem russisch-israelischen Oligarchen Arkadi Gajdamak sitzen gelassen wurde, hatte sich Aguiar als Retter in der Not angeboten.

BAD

Beim Besuch der Mikwe muss der ganze Körper ins Wasser eintauchen. Ein »trennendes Objekt« - auf Hebräisch »Chatzitza« - macht die rituelle Reinigung ungültig. Nach strenger Auslegung kann sogar Schmutz unter den Fingernägeln ein trennendes Objekt sein. Jetzt hat der führende ultraorthodox-litauische Rabbiner, Josef Schalom Eljaschiw, Zahnspangen zu »Chatzitzot« erklärt. Das bedeutet unter anderem, dass eine Spangenträgerin im Anschluss an das nach ihrer Periode erforderliche Eintauchen in der Mikwe für ihren Ehemann verboten bleibt. Allerdings wissen Zahntechniker Rat: Dentallabors in ultraorthodoxen Wohnvierteln bieten herausnehmbare Zahnspangen an.

BARSCHAFT

Supermodel Bar Refaeli fiel ihren Landsleuten in der vergangenen Woche gleich zweimal auf. Auf der einen Seite ließen sich Tausende Israelis ein im Internet verbreitetes Video nicht entgehen, auf dem Refaeli laszive Werbung für französische Unterwäsche machte. Auf der anderen Seite enthüllte Refaeli nicht nur viel nackte Haut, sondern auch ihr Gesicht als knallharte Geschäftsfrau. Wie die Tageszeitung Ha'aretz meldete, hat die Schöne dem israelischen Finanzamt ein Ultimatum gestellt. Wenn ihr die Finanzbeamten bei der Festsetzung ihrer Steuern keine Sondervergünstigung gewährten, so angeblich das Mannequin, werde sie ihren Steuerwohnsitz per Firmengründung ins Ausland verlegen, wo sie sich ohnehin die meiste Zeit aufhalte. Wie es heißt, soll das Finanzamt einen Kompromiss dem Totalausfall von Refaelis Steuerzahlungen vorziehen.

VERRENTET

Rente mit 65? Nein danke! Das sagen sich immer mehr israelische Senioren. Schätzungen zufolge sind heute bereits 30 Prozent der über 65-Jährigen berufstätig. Wer trotz seines bekundeten Arbeitswillens nach Hause geschickt wird, arbeitet als Selbstständiger weiter oder gründet sogar eine eigene Firma. Das dabei verdiente Geld erlaubt es den Unruheständlern, sich nach Feierabend den schöneren Seiten des Lebens zuzuwenden: Immer mehr Dienstleistungsunternehmen und Konsumgüterhersteller entdecken die Senioren als kaufkräftige Kundengruppe, die sich gern etwas gönnt, für ihr Geld aber auch Top-Produkte und zuvorkommenden Service verlangt.

VERÄRGERT

Wo man beschimpft wird, macht man nur ungern Urlaub. Wegen der antiisraelischen Ausfälle des türkischen Ministerpräsidenten RecepTayyip Erdogan und der türkischen Medien ist die Zahl israelischer Türkei-Reisenden 2009 um 44 Prozent eingebrochen. Zwar sind Gäste aus dem kleinen Israel für die türkische Fremdenverkehrsbranche nicht überlebenswichtig, doch versuchen türkische Tourismusbehörden jetzt, neue israelische Besucher anzuwerben - und zwar ultraorthodoxe Juden. In Zusammenarbeit mit einem israelischen Reiseveranstalter startet das türkische Tourismusministerium eine Werbekampagne für die Strengstgläubigen. Ob diese weniger politische Bedenken als ihre säkularen Landsleute haben, muss sich zeigen.

VERFETTET

Eine Dienstbesprechung ohne Burekas? In der israelischen Armee undenkbar. Allerdings sind die kalorienreichen, mit Käse oder Kartoffelbrei gefüllten Teigtaschen der Abteilung für Kampftüchtigkeit ein Dorn im Auge, tragen sie doch zu dem Übergewicht bei, an dem viele Offiziere, auch bei der kämpfenden Truppe, leiden. Deshalb sollen alle Fettmacher künftig durch Obst und Gemüse ersetzt werden. Die Diät soll die bereits vor einiger Zeit eingeführten Fitnesskurse für Uniformträger ergänzen und so für gesteigerte Kampfkraft der Feldeinheiten sorgen. Wie man hört, sind nicht alle von der neuen Speisekarte begeistert.

VERHEIRATET

Manchmal ist der Reservedienst des Ehemannes, das behaupten jedenfalls selbst ernannte Kenner der Materie, eine willkommene Pause im Ehestress. Linoi und Omer Olejnik sehen das anders. Die heute 26-jährige Juristin und ihr um fünf Jahre älterer Gatte haben sich vor acht Jahren beim Militär kennengelernt, vor einem Jahr geheiratet und versehen ihren Reservedienst - Linoi freiwillig - in demselben Bataillon. Wie das Ehepaar publik machte, wurde Linoi während ihrer letzten gemeinsamen Einberufung auch schwanger. Nun haben Kameraden dem Ehepaar vorgeschlagen, das Baby - es wird ein Mädchen - nach dem Stützpunkt ihrer Einheit zu benennen: Adi.

 

Wladimir Struminski

Quelle: Jüdische Allgemeine Zeitung