Mit „Augenzwinkern“
werden hier Kurzmeldungen aus Israel abgedruckt
(gesammelt von Wladimir Struminski)
Zuletzt ergänzt am 02.04.2010
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In den 8oer Jahren
feierten Kinofilme der Serie »Police Academy« weltweit Lacherfolge, zeigten
sie doch mit schrägem Humor, wie die Polizei
nicht arbeiten darf. Jetzt haben zwei junge Tel Aviver
Polizistinnen vorgeführt, dass die
Wirklichkeit noch schräger als die Filmvorlage
sein kann. Nachdem ein bewaffneter Bankraub gemeldet worden war, beschlossen die
beiden, den zu Fuß flüchtenden Täter auf eigene Faust zu
fassen. Zu diesem Zweck drangen sie in ein Zweiradgeschäft ein, konfiszierten einen Tretroller mit Hilfsmotor- Spitzengeschwindigkeit
zwölf Stundenkilometer - und machten sich auf den Weg. Auf die Frage belustigter
Passanten, wie sie den gefährlichen Räuber überwältigen wollten, zeigten sie in Ermangelung von Dienstpistolen eine
Pfefferspraydose vor. In die Verlegenheit kamen sie aber zum Glück nicht, blieb doch der tollkühnen
Suchaktion der Erfolg versagt.
SCHECKS
Elf Jahre lang
weigerte sich ein geschiedener Israeli, die seiner ehemaligen Ehefrau gerichtlich
zuerkannten Unterhaltszahlungen zu überweisen.
Dann aber erfuhr diese, dass der Ex-Gatte wieder heiraten will. Geistesgegenwärtig erwirkte sie beim Amtsgericht in Netanya die Beschlagnahme
der Schecks, die Hochzeitsgäste in Israel für gewöhnlich als Geschenk
mitzubringen pflegen. Von Protesten des Zahlungsverweigerers ließ sich das Gericht nicht beeindrucken. Um nicht bei seiner eigenen
Hochzeit auch noch verhaftet zu werden, fügte
sich der Bräutigam und übergab dem Anwalt der ersten Gattin nach Abschluss der Zeremonie
Schecks im Wert von 125.000 Schekel - rund 24.000
Euro. So hatte sich die an dem Streit nicht beteiligte neue Braut ihren
Hochzeitstag wohl nicht vorgestellt.
ENTMANNUNG
An
der Jerusalemer Klagemauer gibt es zu viele Katzen. Jedenfalls fühlen sich Besucher durch die Taschentiger gestört, etwa wenn sie bei Staatszeremonien über den feierlich ausgeleuchteten Mauervorplatz streichen. Jetzt
will die Stadtverwaltung Hunderte von Westmauer-Katzen und -Katern einfangen
und sterilisieren beziehungsweise kastrieren, um das Problem künftig einzudämmen. Anschließend sollen auch andere Heiligtümer
von der Katzenplage befreit werden, darunter die Grabeskirche und die Via
Dolorosa. Das Vorhaben findet die Zustimmung von Tierschutzorganisationen: Sie
fordern umfassende Empfängnisverhütung für Straßenkatzen und -hunde, und zwar nicht nur an heiligen Orten, weil
die - meisten Jungtiere mangels Essen und Betreuung verenden.
ERFOLG
In letzter Zeit
war Netanjahu mit Jerusalem beschäftigt.
Die Rede ist nicht von Ministerpräsident
Benjamin Netanjahu - obwohl die jüngste
Jerusalem-Krise auch ihm viel Aufmerksamkeit abverlangte -, sondern von seinem
jüngeren Sohn, dem 16-jährigen
Awner Netanjahu. Der Spross gehört nämlich zu den vier
Siegern des landesweiten Tanach-Wettbewerbs, dessen
Fragen in diesem Jahr ausschließlich diejenigen Stellen
der hebräischen Bibel betrafen,
die sich mit der Heiligen Stadt befassen. Papa Bibi war mächtig stolz, bekannte aber bescheiden, er selbst hätte nur zwei der seinem Sohn gestellten Fragen richtig zu
beantworten gewusst.
GEÄCHTET
Wer Kunden
aufgrund ihrer Hautfarbe, Volkszugehörigkeit
oder sexueller Orientierung den Zutritt verwehrt, macht sich strafbar. Dagegen
ist es in Israel - wie es scheint - legal, Soldaten zu diskriminieren. Im
konkreten Fall wurden Landesverteidiger in einem von israelischen Arabern in
Haifa betriebenen Restaurant nicht bedient. Auch andere Uniformträger, so die Besitzer, dürften
nicht rein, weil Uniformen »die Atmosphäre stören«. Damit wären beispielsweise auch
Polizisten gemeint. Nach einem Rechtsgutachten der Vereinigung für Bürgerrechte ist diese
Aussperrung nach dem Buchstaben des Gesetzes erlaubt. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass der Gesetzgeber etwas dazu sagt.
GEWORBEN
Die Liquidierung
des Hamas-Waffenschmugglers Machmud al-Mabhuch - zu
der sich Jerusalem beharrlich ausschweigt - wird in Israel langsam Teil der
Volkskultur. Wer etwa mit einem Gitarrenkasten über die Straße läuft, wird schon mal von Bekannten gefragt, ob er unterwegs nach
Dubai sei, und so weiter. Jetzt hat auch eine Agentur den Vorfall für den Werbesport einer Supermarktkette genutzt. Der mit
Sicherheitskameras aufgezeichnete Kurzfilm zeigt drei nach Manier echter
Dubai-Attentäter gekleidete Kunden-Tenniskleidung,
Anzug beziehungsweise breitkrempiger Hut und Sonnenbrille -, die durch den
Laden schlendern. Die Preise, so der Begleittext, seien »mörderisch günstig«.
GENEHMIGT
Nach jahrelangem
Zögern hat die Knesset das Ausrichten von Autorennen im Judenstaat
erlaubt. Mit seinem sonnenreichen und regenarmen Klima wäre Israel auch ein idealer Standort für Formel 1 und Genossen. Allerdings klagen
Automobilsport-Enthusiasten, Verkehrsministerium und Parlament hätten das Gesetz mit unnötigen
bürokratischen Anforderungen so sehr überfrachtet, dass internationale Stars kaum kommen würden. Unter anderem brauchen Ausländer für jedes Rennen einen
israelischen Führerschein.
GEFLÜCHTET
Gut gemeint ist
oft das Gegenteil von gut. Das gilt, wie es scheint, auch für den von der israelischen Naturschutzbehörde in den vergangenen Jahren unternommenen Versuch, den im Gamla-Naturschutzgebiet auf den Golanhöhen lebenden Geiern mithilfe einer List zu mehr Nachwuchs zu
verhelfen. Kurz nach dem Legen eines Eies wird dieses aus dem Nest entfernt und
im Inkubator ausgebrütet. Daraufhin, so die
Theorie, legt die Geier-Dame oft ein zweites Ei. Im Ergebnis steigt die Zahl
der Küken, was für die vom Aussterben
bedrohte Geierpopulation nur von Vorteil wäre.
Indessen sehen es die Vögel anders. Seit Beginn
des Eierklaus nimmt die Zahl der gelegten Eier nämlich deutlich ab. Viele Geier haben das Hochplateau auch verlassen,
um sich nach sichereren Brutplätzen umzuschauen.
GEIRRT
An israelischen
Schulen breitet sich ein neuer Rechtschreibfehler aus: Statt das Fragezeichen
ans Ende des Satzes - im Hebräischen links vom letzten
Buchstaben - zu setzen, schreiben viele Schüler
das Satzzeichen am Anfang. Die wahrscheinliche Erklärung ist ein Fehler in der hebräischen
Version des Internet-Netzwerks Facebook: Dort wird
ein am Satzende getipptes Fragezeichen auf dem Bildschirm rechts abgebildet.
Das Erziehungsministerium erklärte, das Problem
ebenfalls erkannt zu haben. Dabei sollte man meinen, dass die Software-Großmacht Israel über genug Fachkräfte verfügt, um des Problems Herr
zu werden. ?Oder stimmt das nicht
PILLE
Wann geht ein
israelischer Staatsbediensteter zum Psychologen? Wenn er im Dienst nicht mehr
einschlafen kann. Weitaus weniger lustig als in dem alten Witz ging es jüngst an Bord einer EL-AL-Maschine auf den Heimflug von Kiew nach
Tel Aviv zu. Als der Flugkapitän seine
blutdrucksenkenden Medikamente schlucken wollte, vergriff es sich in der Pillenschatulle,
nahm ein Schlafmittel zu sich und musste wegen vorübergehender Fluguntauglichkeit aus dem Cockpit geführt werden. Glücklicherweise war der
Kopilot fit und konnte das Steuer übernehmen,
bis der Chef sich erholt hatte. Maschine und Passagiere, beruhigte die
Luftfahrtgesellschaft, nachdem der Vorfall publik wurde, seien zu keinem
Zeitpunkt in Gefahr gewesen.
PRINZIPIEN
Das Internet gilt
ultraorthodoxen Rabbinern als eine moralische Gefahr. Dennoch sind viele streng
fromme Haushalte ans weltweite Netz angeschlossen. Um das Surfen wenigstens in
möglichst sichere Bahnen zu lenken, haben führende ultraorthodoxe Koryphäen
nun einheitliche Anschluss-Regeln erlassen. Danach ist der Internetgebrauch nur
für Zwecke des Broterwerbs und auch dann ausschließlich mit rabbinischer Genehmigung und einem Sittlichkeitsfilter
erlaubt. Um die Jugend vor verderblichem Einfluss zu schützen, dürfen fromme Schulen und Jeschiwot keine Schüler
aufnehmen, deren Eltern gegen die Prinzipien gesetzestreuen Surfens verstoßen. Einer der geistigen Mentoren verlangte sogar, Internetsünder bei Gebeten nicht zum Zehnerquorum (Minjan)
zu zählen. Ob das hilft, muss sich zeigen.
PLAUDERER
Das Facebook-Netzwerk bietet jedermann die Möglichkeit, sich der Außenwelt
mitzuteilen. Diese Möglichkeit nutzte ein
israelischer Soldat auf die falsche Weise. Am Donnerstag werde er hoffentlich
nach Hause kommen, ließ er seine Freunde wissen
- und zwar, nachdem seine Einheit, deren Namen er gleich miterwähnte, eine für Mittwoch angesetzte Festnahmeaktion
gegen Terroristen in dem Westbank-Dorf Katana
abgeschlossen habe. Daraufhin alarmierten gleich mehrere Leser die Armee, die
wiederum die Operation, deren Planung strenger Geheimhaltung unterlag, abblies.
Inzwischen wurde der mitteilsame Kämpfer
von der Truppe entfernt.
PROTEST
Zwischen
Washington und Jerusalem gibt es viele strittige Themen wie Siedlungsbau, Friedensprozess
oder das iranische Atomwaffenprogramm. Jetzt kam ein weiteres hinzu, und zwar
eines, das US-Außenministerin Hillary
Clinton höchstpersönlich gegenüber Israels
Verteidigungsminister Ehud Barak ansprach: Die USA möchten, dass Israel amerikanische Karpfen von Einfuhrzöllen freistellt. Und zwar sofort, damit amerikanische
Fischanbieter ihre Ware noch im Vorfeld des Pessachfestes
- dann nämlich erreicht die
Nachfrage nach den für gefillte
Fisch benötigten Karpfen ihr
Jahreshoch - in Israel mit angemessenem Gewinn verkaufen können. Da sieht man, was die Großen
dieser Welt wirklich bewegt.
PROZESS
Das Frettchen ist
in Israel zunehmencl als Haustier beliebt. Als
Fleischfresser ist es vor allem in ländlichen
Gegenden gefragt, wo es Ratten und Mäuse
bekämpft. Indessen sind nicht alle von den domestizierten Mardern
angetan. Im Süden Israels störte sich ein Ehemann an dem von dem Tier verbreiteten Geruch und
wollte es aus dem Haus schaffen. Dem aber widersetzte sich seine Gattin aufs Heftigste
- auch dann, als der Gemahl sie vor die Wahl stellte: »Ich oder er«. In der Folge reichte
der frustrierte Mann die Scheidung ein, die die Frau jedoch verweigert. Nun müssen die mit dem Scheidungsprozess befassten Dajanim
des Rabbinatsgerichts in Beer Schewa
über den bizarren Fall entscheiden.
RATGEBER
Spieglein,
Spieglein an der Wand, mit welcher Schminke bin ich charmant? So ungefähr geht es vielleicht in unzähligen
Kosmetikläden der Welt zu, wenn
das von der israelischen Firma EZface in den USA und
in Großbritannien gestartete Pilotprojekt Erfolg hat. Ein von dem
israelischen Start-up entwickelter »virtueller Spiegel« fotografiert die Kundin
und zeigt ihr anschließend wie ihr Gesicht mit
verschiedenen, in dem betreffenden Geschäft
geführten Kosmetika aussehen würde.
Das im Selbstbedienungsverfahren zu bedienende System spart dem Handel Personal
und kann bei Kundinnen - oder auch bei Kunden - manch eine Enttäuschung vermeiden.
KOMMUNIKATION
Israels Senioren
gehen mit der Zeit. 55 Prozent der älteren
Bürger im Judenstaat verfügen
über einen PC. Drei Viertel von diesen kommunizieren mit der Außenwelt über E-Mail. Jeder siebte
hat sich sogar dem Facebook-Netz angeschlossen.
Indessen ist der beliebteste Zeitvertrieb nach wie vor das Fernsehen: 95
Prozent der bejahrten Bürger gaben bei einer
Umfrage an, TV zu schauen. Natürlich bleiben
geschlechtsspezifische Unterschiede auch im Alter erhalten: Frauen bevorzugen
Unterhaltungssendungen, Männer dagegen Sport.
KIPPA
Männer ohne eigene Kopfbedeckung, die an die Jerusalemer Klagemauer
treten wollen, mussten bisher in eine am Eingang zur Männersektion stehende Kiste greifen und sich eine Papier-Kippa auf den Kopf setzen. Jetzt kann das Westmauerrabbinat
den Service aufwerten: Mithilfe einer Spende erstand es eine Million Stoff-Kippot, die bequemer sind und nicht so oft wie das
papierene Gegenstück vom Kopf rutschen.
Freilich hatten Kippot aus Papier einen Vorteil:
Wegen ihres Notbehelf-Charakters legte sie jeder beim Verlassen der Mauer
wieder zurück. Mal sehen, ob das
bei der textilen Alternative genauso der Fall sein wird.
KUNST
Mit
diplomatischer Post kann man so manches versenden - im vorliegenden Fall war es
ein ausgestopfter Hirsch. Auf Initiative des israelischen Konsulats in San Francisco
wurden zwei israelische Choreografen zu einem schwul-lesbischen Kulturfestival
in die kalifornische Stadt eingeladen. Das Problem: Als Teil der Kulisse benötigten die Künstler eben einen
ausgestopften Hirschen und ein solcher ließ
sich vor Ort nicht auftreiben. Da hatte das Jerusalemer Außenministerium ein Einsehen und genehmigte die Verschiffung des Großobjektes als diplomatisches Versandstück.
GEBAUT
Kann das behäbige Jerusalem der Glitzermetropole Tel Aviv als Business-Standort
Konkurrenz machen? So unmöglich, wie sie sich
vielleicht anhört, ist die Idee
vielleicht doch nicht. An der Jerusalemer Stadteinfahrt wird in den kommenden
Jahren die milliardenschwere »Neue City« entstehen: ein Geschäftsbezirk,
in dem sich Unternehmenszentralen, Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfer und andere wichtige Mieter niederlassen sollen. Das kann seine
Vorteile haben: Zum Regierungsviertel, in dem viele wichtige
Wirtschaftsentscheidungen fallen, kommt man bequem zu Fuß. Noch näher aber liegt der neue
Bahnhof von Jerusalem. Und von dort ist man ab dem Jahr 2015 innerhalb von 32
Minuten in Tel Aviv. Dann können eingefleischte Tel Aviver wenigstens wieder giften, das Schönste an Jerusalem sei der Bahnsteig für Züge Richtung Mittelmeer.
GEFLOGEN
In der Knesset, so
heißt es, bleibt nichts geheim. Der Spruch hat sich wieder mal
bewahrheitet. Wie die Tageszeitung Yedioth Ahronoth enthüllte,
hat die Knessetverwaltung beschlossen, dass
Abgeordnete bei Auslandsreisen immer Business Class fliegen dürften. Nach bisheriger Regelung war dies nur auf langen Flügen, etwa in die USA, üblich.
Die großzügige Neuregelung wurde ohne öffentliche
Aussprache getroffen und wie ein Staatsgeheimnis behandelt - bis sie jetzt doch
aufflog. Unter dem Eindruck der Empörung
berief Knessetvorsitzender Reuwen
Rivlin nun doch noch einen Sonderausschuss ein, der die Angelegenheiten »überprüfen« soll. Mal sehen, wie die Affäre
endet.
GESCHIEDEN
Lange Zeit
verweigerte ein ultraorthodoxer Rabbiner aus dem Landesnorden seiner Frau, mit
der ihn nur noch Streitigkeiten verbanden, den Get
(Scheidungsbrief}. Auf der anderen Seite wollte er nicht auf trautes Eheglückverzichten und bat das Oberrabbinat, ihm die Heirat mit einer
Zweitfrau zu erlauben. Das aber verweigerten die Jerusalemer Berufskollegen
unter Hinweis auf das halachische Einehegebot. Einen
Versuch des Beharrlichen, das Verbot durch eine Eheschließung im Ausland zu umgehen, konnten die wachsamen Rabbinatsrichter mithilfe eines gerichtlichen
Ausreiseverbots verhindern. Da gab sich der Schriftgelehrte geschlagen,
willigte in die Scheidung ein und erklärte
sich sogar bereit, seiner Noch-Ehefrau Schmerzensgeld in Höhe von 130.000 Schekel - rund 25.000 Euro - zu zahlen.
GERECHNET
Israels nationale
Airline EL AL darf nach langem Hin und Her Inlandsflüge nach Eilat aufnehmen. Das entschied das Verkehrsministerium.
Jetzt denkt das Luftfahrtunternehmen laut einem Medienbericht über eine Finesse nach, dank der sich die Strecke zwischen Tel Aviv
und der Rotmeerstadt besser rechnen lässt.
Obwohl es sich um eine innerisraelische Verbindung handelt, sollen die Maschinen,
so der raffinierte Plan, nicht nur über
israelischem Staatsgebiet fliegen, sondern einen Teil der Reise im Luftraum des
Haschemitischen Königreichs
absolvieren. Dann nämlich wäre der zollfreie Bordverkauf an die Fluggäste erlaubt. Damit der Wunsch Realität wird, ist allerdings eine Genehmigung der jordanischen Regierung
erforderlich.
geklaut
Dreist genug muss
man sein, dann wird vieles möglich. Auf dem Parkplatz
des Polizeireviers von Akko stieg ein polizeilich
bekannter Krimineller in einen dort abgestellten Streifenwagen und fragte die
junge Beamtin auf dem Rücksitz - sie wartete auf
ihren Schichtkollegen -, ob sie mit ihm ausgehen wolle. Die Ordnungshüterin, die gerade seit fünf
Wochen die Uniform trägt und nicht einmal eine
Dienstwaffe hat, erschrak und flüchtete
aus dem Fahrzeug. Davon ließ sich der Verehrer nicht
die Stimmung verderben: Statt mit der Polizistin zu plauschen, ließ er den Wagen an und machte sich aus dem Staub. Schon kurze Zeit
darauf wurde er zwar von einem Polizeihubschrauber gestellt, doch war die
Blamage der Ordnungshüter perfekt.
GESPRUNGEN
Eine filmreife
Szene trug sich in einem Tel Aviver Wohnhaus zu.
Nachdem eine 27-jährige Frau ihrer um ein
Jahr jüngeren Lebensgefährtin ihren
Trennungswunsch aussprach, sprang die Verlassene kurzerhand aus dem Fenster, um
ihrem Leben ein Ende zu setzen. Glück
im Unglück: Sie landete nicht
auf dem Bürgersteig, sondern auf
der Motorhaube eines gerade vorbeifahrenden
Taxis und wurde nur mittelschwer verletzt. Dem unter Schock stehenden
Taxilenker blühte bald eine weitere
Erschütterung. Die Versicherungsgesellschaft weigerte sich, für den beträchtlichen Schaden, den
der Aufprall verursacht hat, aufzukommen.
Der Fenstersprung, so die Versicherer - ob die Ironie beabsichtigt war,
ist nicht überliefert - sei »höhere.Gewalt«.
BEFRUCHTUNG
Hat ein Ehepaar
bereits vier Kinder desselben Geschlechts, so darf es nach israelischem Recht
das Geschlecht des fünften Kindes mithilfe künstlicher Befruchtung selbst bestimmen. Im vergangenen Jahr haben
70 Elternpaare von diesem Recht Gebrauch gemacht. Dabei schreckt die Aussicht
auf ein fünftes Mädchen die Betroffenen offenbar weitaus mehr als die Möglichkeit, einen fünften Sohn zu bekommen:
In 54 der 70 Fälle wünschten sich die Antragsteller, einen männlichen Nachfahren in die Welt setzen zu dürfen - will heißen sie hatten bereits
vier Töchter. Demgegenüber hegten nur 16 Paare
den Wunsch, endlich ein Töchterchen zu haben.
Angesichts dieses Ergebnisses darf man annehmen, dass die Angst der Männer, für immer ohne einen »Thronfolger« zu bleiben, eine
dominante Rolle spielt.
SOLIDEN
Wer noch Zweifel
daran hegte, dass Israels Wirtschaft wieder in die Aufschwungsphase
tritt, darf beruhigt aufatmen. .Wie bekannt wurde, will ein Konsortium
israelischer Geschäftsleute eine
Importfirma für die italienischen
Sportautos Maserati und Ferrari gründen. Allem Anschein nach glauben die Investoren, dass sich
ausreichend Käufer finden, um den
Aufwand zu rechtfertigen - und zwar trotz der mit über 90 Prozent hohen Kaufsteuer, die für Spritfresser dieser Klasse gilt. Die Wirtschaftszeitung „The
Marker“ hat ihren Lesern schon mal vorgerechnet, wie viel sie für einen Ferrari auf den Tisch blättern müssen: Anderthalb
Millionen Schekel (knapp 300.000 Euro) für
das Einsteigermodell.
BREDOUILLE
Vor sechs Jahren
war Elchanan Tennenbaum ein Objekt erbitterter
Debatten: Viele Israelis ärgerten sich darüber, dass ihre Regierung für
die Freilassung des von der Hisbollah bei einem versuchten Drogendeal entführten Ex-Obersts 435 Terroristen freilassen musste. Jetzt stellt
sich heraus, dass Tennenbaum bis heute nicht zu einem
geordneten Leben zurückgefunden hat: In der
vergangenen Woche wurde er wegen unbezahlter Schulden von der israelischen
Justiz festgenommen. Der Ex-Häftling der Hisbollah hat
ausstehende Verbindlichkeiten in Höhe
von zwei Millionen Schekel (rund 370.000 Euro), darunter ungedeckte Schecks und
überfällige Unterhaltszahlungen.
Dennoch hofft er, sein Leben bald in geordnete Bahnen lenken zu können, und erklärte, er habe soeben ein
Jurastudium absolviert. Mal sehen, ob er das nächste Mal als Anwalt vor Gericht erscheint.
BELGISCH
Bildungslücken sind keine Schande - jeder hat sie. Eine andere Frage lautet,
wie offen man seinen Mangel an Wissen zur Schau trägt. Im konkreten Fall haben die Sportredakteure der israelischen
Zeitung »Israel Hajom«, immerhin die zweitgrößte des Landes, eine Nachricht über
die belgische Tennisspielerin Justine Henin und deren
Chancen auf eine erfolgreiche Revanche gegen die Amerikanerin Serena Williams
ins Blatt gesetzt. Die Überschrift des groß aufgemachten Beitrags lautete: »Wie sagt man >Rache< auf Belgisch?«. Nun, da sollte
man vielleicht nicht staunen, wenn ein Europäer
fragt, wie man das eine oder andere Wort auf israelisch sagt.
GERADELT
Gute Nachrichten
für Radfahrer: Die Stadt Tel Aviv hat beschlossen, ein Radverleihsystem einzuführen.
Für ein Jahresabo von 240 bis 280 Schekel
dürfen die Drahtesel-Fans ein - erst aufzubauendes - Netz von 150 Verleihstationen in Anspruch nehmen. Das Leihrad-Netz wird von einem Konsortium unter Führung der Deutschen Bahn errichtet. Auch wer auf seinem Rad außerhalb der Ballungsräume
über Asphalt rollen will, kommt auf seine Kosten: Binnen kurzer
Zeit sollen mehrere autoverkehrsfreie Radstraßen verlegt werden. Dort können
sich Rennradfans nach Herzenslust austoben. Interessanterweise steht hinter dem
Projekt das Fremdenverkehrsministerium, das damit ausländische Touristen anlocken will. Offenbar waren die wiederholten
Forderungen einheimischer Radfahrer nach asphaltierten Radwegen nicht überzeugend genug.
GEFANGEN
Wer zum zweiten
Mal heiratet, hofft, dass wenigstens diese Lebensgemeinschaft halten wird.
Diese Hoffnung hegten vor 19 Jahren auch eine damals 53-jährige Jerusalemerin und ihr um elf Jahre älterer Freund, als sie - jeweils in zweiter Ehe - unter den
Traubaldachin traten. Es kam anders, und vor drei Jahren reichte der Ehemann
die Scheidung ein. Indessen weigerte sich die Frau, die Scheidung anzunehmen,
und das zuständige Rabbinatsgericht gab ihr recht. Da wandte sich der
verzweifelte Gatte ans zivile Familiengericht. Zwar kann dieses nach geltender
Rechtslage keine Scheidung aussprechen - das dürfen nur Geistliche der jeweiligen Religion -, doch sprach es dem
alten Mann, der längst aus der gemeinsamen
Wohnung ausgezogen ist, Schadensersatz von umgerechnet 10.000 Euro zu. Die
Scheidungsweigerung der Frau, so der Richter, verletze das Selbstverwirklichungsrecht
des heute 83 Jahre alten Gemahls, der die letzten Jahre seines Lebens in
Frieden verbringen möchte.
GEERBT
Vor zehn Jahren
war eine ältere Israelin aus dem
Landeszentrum mit der Heirat eines ihrer beiden Enkel nicht einverstanden. Die
Braut, monierte sie, passe nicht zur Familie. Als der junge Mann dennoch dem
Ratschluss seines Herzens folgte, brach sie den Kontakt zu ihm ab. Vor Kurzem
ging die rigorose Oma in die Ewigkeit ein, doch der Familienstreit geht weiter.
Der rebellische Enkel, schrieb die alte Dame, die ein millionenschweres Vermögen besaß, in ihrem Testament,
soll die Hälfte der Erbschaft
bekommen - allerdings nur, wenn er sich scheiden lässt. Jetzt will der von der verstorbenen Großmutter erpresste Mann eine gerichtliche Annullierung des Junktims erwirken.
BEISAMMENSEIN
Auf der Strecke
Tel Aviv - Eilat erleben Passagiere der Arkia-Airline
einmal in der Woche eine Überraschung: Aus dem
Cockpit begrüßen sie Flugkapitän Jaakow Tidhar
und Kopilot Noam Tidhar. Die Namensgleichheit ist
kein Zufall: Jaakow, israelischer Luftwaffenveteran,
und Noam, ausgebildeter Zivilpilot, sind Vater und Sohn. Das berufliche
Beisammensein, sagte Jaakow der Tageszeitung Yediot Ahronot, nutze er, um mit
seinem Sohn zu sprechen und Neuigkeiten über
seine Enkelinnen zu erfahren. Dagegen verriet Noam, sein Vater habe aufgehört, ihm Süßigkeiten für den Flug mitzubringen.
BAUTEN
Im kommenden
Jahrzehnt wird Tel Aviv wohl immer mehr Manhattan gleichen. Um ihren Status als
Israels Wirtschaftsmetropole zu wahren, will die Stadt eine lange Reihe von
Wolkenkratzern bauen lassen. An Kunden mangelt es laut Stadtverwaltung nicht.
Allein im Sommer genehmigten die Baubehörden
die Errichtung von 23 Hochhäusern. Das höchste von ihnen soll 65 Stockwerke haben und den »nur« 50-stöckigen Turm des Azrieli-Zentrums als das höchstes
Gebäude der
Stadt ablösen. Willkommen in Telhattan.
BÜRGER
Die Zahl der
israelischen Staatsbürger arabischer Herkunft,
die sich zum Zivildienst melden, nimmt zu und überschritt in diesem Jahr erstmals die Eintausendmarke:
viermal so viel wie im Jahr 2004. Damit hat sich immerhin jeder zwanzigste 18-jährige Araber bereit erklärt,
seinem Staat durch humanitäre Arbeit zu dienen. Der
Dienst setzt die jungen Menschen allerdings der Ächtung durch Extremisten aus den Reihen der arabischen Bevölkerung aus. Diese bezeichnen jegliche Hilfeleistung für den jüdischen Staat als
Nationalverrat.
BEWEGUNG
Seit dem Zweiten Libanonkrieg im Jahr
2006, als Kampftruppen Konditionsschwäche
zeigten, macht die israelische Armee ihre Soldaten konsequent fit. Um die
Mannschaften zu motivieren, gehen ranghohe Offiziere mit gutem Beispiel voran.
Selbst solche, die ihren Dienst nicht in unwegsamem Gelände, sondern am Schreibtisch des Generalstabs leisten, werden neuderdings angehalten, sich Jogging-Gruppen anzuschließen. Als Fitness-Offizier dient Oberst Avi Moyal,
seinerzeit Sportausbilder der legendären
Kommandoeinheit Sajeret Matkal.
Sogar Generalstabschef Gabi Aschkenasi arbeitet
zweimal in der Woche unter Moyals Anleitung an seiner
Kondition.
BESÄUFNIS
Als er zu einer
Hochzeit eingeladen war, trank ein Mittzwanziger aus Afula
so sehr einen über den Durst, dass er
auf der Herrentoilette mit heruntergelassenen Hosen einschlief, von der Kloschüssel fiel und die Nacht auf dem Fußboden des stillen Örtchens verbrachte. Dort
wurde er am nächsten Morgen von einer erschrockenen
Putzfrau gefunden, die ihn für tot hielt. Erst dem
Inhaber des Festsaals gelang es, ihn zu wecken. Er kam allerdings nicht in eine
Ausnüchterungszelle, sondern wurde wie ein Kindergartenjunge von seiner
Mutter abgeholt. Demütigender kann ein
Abstecher in das Leben »harter Männer« eigentlich kaum noch
enden.
BEUTE
Um vier Uhr
morgens klopfte es an einer Wohnungstür
in Netania. Die Polizei vermutete bei dem 17-jährigen Sohn der Familie, die erst einige Stunden zuvor aus Eilat
zurückgekehrt war, Drogen. Doch stattdessen entdeckte die Polizei ganz
andere Sachen. In zahlreichen unausgepackten Tüten stießen sie auf Beute, die
die Familie im Hotel gestohlen hatten: 63 Handtücher, 370 Einwegportionen löslichen
Kaffees und fünf Plastiksäcke mit Flüssigseife. Die
Anschuldigung, sie habe einen Diebstahl begangen, wies die Familienmutter
entschieden zurück: »Ich habe das nur mitgenommen«.
BEANTRAGT
Namensänderungen sind in Israel keine Seltenheit, vor
allem, wenn Immigranten oder ihre Kinder Namen aus der Diaspora hebräisieren wollen. Über den Änderungswunsch eines Bürgers mussten Beamte des
Einwohnermeldeamtes in Kfar Saba dennoch staunen,
verlangte doch der Mittvierziger, als neuen Nachnamen »Rosaroter Panter« zu führen. Zur Begründung gab er an, er
verehre die gleichnamige Zeichentrickfilm-Figur. Als neuen Vornamen hatte sich
der Antragsteller »Weißer Engel« ausgesucht. Weniger überraschend als das
Gesuch war der Amtsbescheid: Weder der gewünschte Vor- noch der Nachname, so die
Dienststelle, seien mit den gesetzlichen Kriterien für die Namensvergabe
vereinbar.
BESCHIMPFT
Auf der Bühne sollen sich Schauspieler an den Text des
gerade aufgeführten
Werkes halten. Wie richtig diese scheinbar banale Empfehlung im Einzelfall
sein kann, bewies jüngst
die israelische Schauspielerin Orna Banai. Bei einer Aufführung in Jaffa fühlte sich die Künstlerin durch einen
Zuschauer belästigt,
der sein ständiges
Lachen nicht zu unterdrücken
vermochte. Banai verlangte von dem Störenfried, den Saal zu
verlassen, und sagte ihm offenherzig, was sie von ihm hielt: »Du bist ein Idiot«, rief sie - wie
Zuschauer der Tageszeitung Yedioth Ahronoth berichteten -dem Künstliebhaber zu,
und ergänzte:
»So
was von einer Null!«.
Nach der Pause kehrte der Beschimpfte nicht zu seinem Sitz zurück. So etwas nennt man
echte Publikumsbeschimpfung.
BEFREIT
Wenn Superman
gerufen wird, kommt er und hilft. So kennt man das von der Kinoleinwand. Und so
hat es sich auch in der Tel Aviver Baselstraße zugetragen. Dort
verfing sich ein junger Wespenbussard im neunten Stock eines Wohnhauses. Kurz
entschlossen nahmen die herbeigerufenen Mitarbeiter der Naturschutzbehörde Kontakt zur legendären Bergungseinheit der
israelischen Luftwaffe auf, deren Soldaten nur wenige Stunden vorher ein
Naturschutzgebiet besucht hatten. Die Elitekämpfer, normalerweise für den Einsatz im
Feindesgebiet ausgebildet, ließen
sich nicht zweimal bitten: Sie waren binnen kurzer Zeit zur Stelle, seilten
sich vom Dach ab und befreiten das entkräftete Tier.
BEFRUCHTET
Vor einigen Jahren haben Daschik und Jehuda in Israel Schlagzeilen gemacht. Die
beiden im Jerusalemer Tiergarten lebenden Geiermännchen benahmen sich wie ein Paar und wurden von
den Medien zur »ersten
schwulen Geierehe« ernannt. Jetzt teilte der Zoo mit, die beiden Vögel hätten inzwischen ihre
heterosexuelle Seite entdeckt und sich jeweils mit einer weiblichen Partnerin
zusammengetan. Dennoch bleiben sie auf frappierende Weise miteinander
verbunden: Ihre Küken
sind am selben Tag aus dem Ei geschlüpft und wiesen bei der Geburt genau das gleiche
Gewicht auf.
VERBOT
Klagemauer-Rabbiner Shmuel
Rabinowitz hat die Durchführung einer von der Jewish Agency geplanten Begrüßungsfeier für Neueinwanderer an der heiligen Stätte untersagt. Zur Begründung gab Rabinowitz an, an der Mauer seien nur Gebete oder zumindest
Veranstaltungen mit Gebetskomponenten sowie militärische Zeremonien erlaubt. Mit etwaiger
mangelnder Religiosität
der Teilnehmer habe das Verbot nichts zu tun. Er würde, so der Schriftgelehrte,
auch einem ultraorthodoxen Empfang auf dem Mauervorplatz die Erlaubnis
verweigern. »Die
Westmauer«,
erklärte
der von der Regierung mit der Verwaltung des Heiligtums beauftragte Rabbiner, »ist doch kein Festsaal«.
VERANSTALTUNG
Wenn ein Betrieb seine Mitarbeiter mit dem
Gastauftritt von Unterhaltungskünstlern
erfreuen will, geht die Sache in der Regel problemlos über die Bühne. Es sei denn, dass
es sich bei der Einrichtung, wie im vorliegenden Fall, um den streng
abgeschirmten Kernreaktor in Dimona handelt. Dort
traten vor Kurzem die Sängerin
Schiri Maimon und ihr Kollege Pablo Rosenberg auf.
Bis sie die Geheimanlage betreten durften, mussten sich die Sänger ebenso wie alle
Mitglieder der technischen Crew einer eingehenden Sicherheitsüberprüfung unterziehen. Auf
dem Reaktorgelände
selbst achtete Sicherheitspersonal darauf, dass sie keine unerlaubten Bereiche betreten, sondern sich schnurstracks in
einen als Veranstaltungsort gewählten
Innenhof begeben. Als Maimon und Rosenberg einige der
Mitarbeiter nach dem Konzert nach ihrer Beschäftigung fragten, bekamen sie die Antwort: »Wir arbeiten in einer
Textilfabrik«.
Als solche war die Anlage in den ersten Jahren ihrer Existenz getarnt.
VERSTÜMMELUNG
Eine Katze braucht ihre Krallen. Das soll
in Israel jetzt per Gesetz verbrieft werden. Ein von zwei Abgeordneten
vorgelegter Gesetzentwurfwill das Krallenentfernen
bei Hauskatzen verbieten. Der Eingriff, so die
Initiatoren der Vorlage, Joel Hasson (Kadima) und Eitan Cabel
(Arbeitspartei) sei unmoralisch, grausam und beraube die Tiere der Möglichkeit, auf Bäume zu klettern oder
sich gegen aggressive Artgenossen zur Wehr zu setzen - alles Dinge, die zu
einem erfüllten
Katzenleben gehören.
Zudem, so die Deputierten, sei die Verstümmelung völlig unnötig, weil es auch einfachere Methoden gebe, etwa
besondere Krallenabdeckungen, um Kratzschäden in der guten Wohnstube zu verhindern.
VERSICHERUNG
Gegen Übergriffe einer allmächtigen Bürokratie kann sich der
Einzelne nicht wehren. Oder doch? Vor einigen Jahren verlangte die israelische
Nationalversicherung von einer ehemaligen Krankenpflegerin die Nachzahlung von
Versicherungsbeträgen.
Von dem sachlich richtigen Hinweis der Betroffenen, für die betreffenden
Zahlungen sei ihr Arbeitgeber zuständig,
ließen
sich die Beamten nicht beirren und sperrten kurzerhand ihr Bankkonto. Nach
zweimonatigem Kampf gelang es der unschuldig Bestraften, die Sperrung aufzuheben.
Allerdings wollte die inzwischen zur Rechtsanwältin Aufgestiegene die Unbill
nicht lautlos hinnehmen und verklagte die Nationalversicherung auf
Schmerzensgeld. Jetzt sprach ihr das Gericht 50.000 Schekel, umgerechnet 9.000
Euro, zu.
FROMME
In der ultraorthodoxen
Stadt Elad gibt es bisher kein Büro der staatlichen Sozialversicherungsanstalt Bituach
Leumi. Daher müssen
die Bewohner im Bedarfsfall ins benachbarte Kfar Saba
fahren. Das ist nicht nur beschwerlich, sondern aus strengreligiöser Sicht auch moralisch nicht zu vertreten, müssen sich doch die frommen Besucher unters säkulare Volk mit dessen verpönten
Verhaltensweisen mischen, jetzt hatte die Direktion der Sozialversicherung ein
Einsehen und versprach, in Elad eine separate Filiale
zu errichten.
FRAGE
Spätabends
fand sich ein 8o-jähriger Bewohner von Kirjat Ata auf dem Polizeirevier mit einem blauen
Plastiksack ein und fragte die Beamten, ob noch eine Bank offen habe. Dort
wolle er seine bisher zu Hause aufbewahrten Ersparnisse deponieren, und zwar,
nachdem verdächtige Personen in sein
Haus eindringen wollten. In der Wundertüte
fanden die Ordnungshüter sage und schreibe
200.000 Schekel - rund 36.000 Euro. Die Beamten willigten ein, das Geld über Nacht im polizeilichen Tresor aufzubewahren und begleiteten
den Sparer am nächsten Morgen zur Bank,
wo er ordnungsgemäß ein Konto eröffnete. Besser spät als nie.
GEHEIRATET
In chassidischen
Kreisen sind große Hochzeiten üblich.
Die Hochzeit, die jüngst von den Zanser Chassidim in Netanja gefeiert wurde, hat jedoch selbst nach
chassidischen Maßstäben den Rahmen des Üblichen gesprengt. Als der Zanser Rebbe Zwi Elimelech Halberstam seinen
jüngsten Sohn verheiratete, waren 15.000 Gäste dabei - von Anführern
befreundeter chassidischer Höfe bis zu jungen Jeschiwa-Studenten. Damit kein
Durcheinander entstand, wurden die Gäste nach Altersstufen klassifiziert und
jede Gruppe in eine ihr besonders zugewiesene Halle
eingeladen. Und selbstverständlich kamen der Rebbe
und der Bräutigam nicht profan mit einer Luxuslimousine zur Trauung, sondern -
einem alten Brauch des Zanser Chassidim gehorchend - in
einer von Pferden gezogenen Karosse. Adel verpflichtet.
GESCHÄDIGT
Um sich ihren
Traum vom Dienst in einer Eliteeinheit zu erfüllen, trainieren sich viele junge Israelis in den Monaten vor der
Einberufung bessere Kondition an. Dabei steht vor allem stundenlanges Jogging
auf dem Programm - manchmal bis zum Umfallen und bis zum Muskelriss. Oder noch
schlimmer: Jahr für Jahr behandeln Krankenhäuser Hochmotivierte, die sich durch
Überanstrengung schwere Muskelschädigungen zugezogen haben. Indem die Muskeln,
so die ärztliche Warnung, dauerhaft mehr Energie verbrauchen als der
körpereigene Stoffwechsel ihnen zu geben vermag, werden die Muskelfasern
angegriffen und setzen zum Teil toxische Stoffe frei. Im Extremfall werden auch
die Nieren irreversibel geschädigt. Dann droht den jungen Männern das aus ihrer
Sicht Allerschlimmste: Freistellung wegen Untauglichkeit.
GEMAHNT
Ein
Kfz-Mechaniker sollte nicht nur Automobile reparieren, sondern auch Menschen
pfleglich behandeln können. Das hat
sich jedenfalls die israelische Vereinigung der Kfz-Werkstätten gesagt. In
einem Rundschreiben an die 4.000 Mitglieder hat die um den Ruf der Branche besorgte
Dachorganisation einige Tipps für den richtigen
Umgang mit der Kundschaft zusammengestellt. Zu den Empfehlungen gehört unter
anderem: den Reparaturbedarf ausführlich erklären, aber nicht unverständlich
fachsimpeln, genaue Kostenvoranschläge abgeben und sie und auch den vereinbarten
Zeitplan einzuhalten.
GESPRÄCHSPARTNER
»Ihr
Anruf ist uns wichtig. Bitte gedulden Sie sich noch einen Augenblick.«
- Wer hat sich nicht schon über
das endlose Warten auf einen Gesprächspartner bei Dienstleistungsbetrieben grün und blau geärgert? Jetzt will der Knessetabgeordnete Eitan Cabel
mit der Kundenquälerei
Schluss machen. Nach einer Gesetzesvorlage,
die der Parlamentarier der Arbeitspartei einbrachte, sollen alle Unternehmen,
die mehr als 10.000 Kunden haben, sowie alle Telefon- und Internetanbieter
verpflichtet werden, Anrufe nach spätestens drei Minuten anzunehmen oder aber
hinterlassene Nachrichten innerhalb von drei Stunden zu beantworten. Jetzt müssen Regierung und
Parlament beschließen,
ob sie dem Antrag zustimmen. Mal sehen, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt.
GELD
Ein Abteilungsleiter der staatlichen
Eisenbahngesellschaft Israel Railways und sein
Bruder, der als Bahnhofsmanager tätig ist, waren mit ihrem Gehalt wohl nicht
zufrieden. So beschlossen sie, sich durch einen Raub zu bereichern - und zwar
an einem bahneigenen Geldkurier. Als dieser eines Tages ab Tel Aviver Hauptbahnhof zum Abholen der Tageseinnahmen kam,
zwang ihn einer der Täter
mit gezücktem
Messer zur Herausgabe eines Geldsacks und stieg in ein von dem anderen Bruder
gelenktes Fluchtfahrzeug ein. Pech für die Langfinger: Ein Passant konnte die
Zulassungsnummer ihres Wagens aufschreiben und benachrichtigte die Polizei.
Jetzt warten die entgleisten Eisenbahner auf ihren Prozess.
GATTEN
Als
sich das Jerusalemer Ehepaar scheiden ließ und die drei gemeinsamen Kinder der Mutter
zugesprochen wurden, blieb der Vater in ihrer Erziehung überaus aktiv. Dann aber
nahm die Ex-Gattin, von Beruf Sozialarbeiterin, ein finanziell attraktives
Arbeitsangebot aus dem Landesnorden an - sehr zum Verdruss ihres ehemaligen
Mannes, der prompt vors Familiengericht zog. Dort bekam er recht. Weil der
Vater eine positive und entscheidende Rolle im Leben der Kinder spiele,
beschloss der mit dem Fall betraute Richter, müsse die Mutter in Jerusalem bleiben. Allerdings
nicht umsonst: Im Gegenzug wurde der Kläger verpflichtet, die Frau für das entgangene
Einkommen zu entschädigen.
Schließlich
werde sie durch das Urteil in ihrem Grundrecht auf Selbstverwirklichung beschränkt.
FAHRZEUGE
Das israelische Verkehrsministerium prüft einen originellen
Vorschlag. Wie eine Wirtschaftszeitung enthüllte, arbeitet das Ressort an einem Plan,
Gebrauchtwagen aus dem Judenstaat in den Irak zu exportieren. Um dieses Ziel zu
erreichen, wären
die Initiatoren des Projekts sogar bereit, dem Exporteur die hohe Luxussteuer
zurückzuerstatten,
die in Israel auf importierte Neuwagen erhoben, wird. Ohne die Rückerstattung ist das
Geschäft
nicht lukrativ. Fragt sich nur, ob die Iraker, auch in der Nach-Saddam-Ära keine ausgesprochenen
Freunde Israels, bereit sind, sich in Fahrzeuge von israelischen Vorbesitzern
zu setzen.
FAMILIE
Roni Batasch aus Beit-Schean ist etwas Ungewöhnliches passiert. Beim 45-jährigen Restaurantbesitzer
meldete sich eine 19-jährige
Touristin aus England und erklärte
ihm, sie sei sein leibliches Kind, gezeugt während einer nur dreiwöchigen Affäre, die ihre Mutter, als
Freiwillige in einem Kibbutz vor 20 Jahren mit Roni hatte. Daran konnte sich der überzeugte Junggeselle
zwar nicht mehr erinnern, doch nahm er die unerwartete Nachricht mit Freude
auf, zumal die junge Frau ihm verblüffend ähnlich sieht. Jetzt hofft die Familie, dass Neta, so der Name der Besucherin, vielleicht länger in Israel bleibt. Ronis Bruder, ein Rechtsanwalt, klärt schon mal, wie
schnell Neta eingebürgert werden kann.
FRÜHSTART
Ein Zwilling kommt, wie man weiß, selten allein. Das heißt aber nicht, dass
Zwillinge denselben Geburtsort haben müssen. Nur wenige Minuten, nachdem Karmit Tal aus Kirjat Malachi die
ersten Geburtswehen verspürte,
hatte es einer der beiden Sprosse eilig. Als der herbeigerufene Krankenwagen
eintraf, hatte sich der Kleine bereits in den heimischen vier Wänden den Weg in die große, weite Welt gebahnt.
Dagegen wartete sein Brüderchen
brav, bis Frau Mama in das 23 Kilometer entfernte Kaplan-Krankenhaus kam.
Dieses befindet sich aber in der Stadt Rechowot, die
im Bevölkerungsregister
als Geburtsort des zweiten Zwillings erscheinen wird.
SCHLICHTUNG
Nur ein Jahr nach
der Chuppa war das Leben eines israelischen Ehepaares
in die Krise geraten. Die Gattin, klagte der enttäuschte Gemahl, esse zu
viel und sei fett geworden. Die Beschuldigte konterte mit dem Vorwurf, ihr Mann
trinke zu Hause jeden Tag Alkohol. Die Scheidung konnte nur durch einen
Schlichtungsvertrag verhindert werden. Darin verpflichtete sich die Dame des
Hauses, eine Diät zu machen, während der Mann, ein ausgezeichneter Koch, ihr kalorienarme
Mahlzeiten zubereiten soll. Zudem darf der Trinkfreudige seinen täglichen Schluck aus der Pulle nur noch in einer Kneipe oder aber
im Badezimmer einnehmen.
SCHOCKTHERAPIE
Ärzte des Rambam-Krankenhauses in Haifa
haben einen Durchbruch erzielt, der ihnen vielleicht keinen Nobelpreis für Medizin, dafür aber die Dankbarkeit
vieler Männer einbringen wird:
Sie wiesen nach, dass die Verabreichung niedrig dosierter Energieschocks am männlichen Geschlechtsorgan Potenzprobleme lösen kann. Die Schocks - dreihundert im Lauf von drei Minuten -
regen nicht nur die Blutzufuhr, sondern auch die Bildung von Blutgefäßen an und erzielen damit die erwünschte Hilfe. Immerhin hat ein Pilotprojekt 15 der 20 Probanden
geholfen.
EINSICHT
100 Gramm Kokain
hatte die Polizei in der Wohnung von Rabbiner Baruch Chalomish
im englischen Manchester gefunden. Den Vorwurf des Rauschgifthandels bestritt
der fromme Mann vor Gericht jedoch: Das weiße
Pulver sei ausschließlich zum eigenen Gebrauch
bestimmt gewesen, für regelmäßige Orgien mit Prostituierten: »Meine
Zigaretten kaufe ich auch stangenweise.« Ein überzeugendes Argument offensichtlich. Der Rabbi wurde
freigesprochen.
SCHROTT
Seit dem Sommer
hat auch Israel eine Abwrackprämienregelung für alte Wagen, doch bleibt diese vorerst undurchführbar. Es fehlt nämlich an
Verschrottungskapazitäten. Zwar haben bei
einer Ausschreibung des Umweltministeriums zwölf Verschrottungsbetriebe ihre Kandidatur eingereicht, doch erfüllte nur einer die vom Öko-Ressort
festgesetzten - Mindestanforderungen, zu denen unter anderem die nachgewiesene
Fähigkeit gehört, die Altfahrzeuge
nicht nur zu verschrotten, sondern auch zu recyclen.
Jetzt sucht die Regierung händeringend nach weiteren
Schrottplätzen.
SHAOLIN
Vorurteile sind
gefährlich. Manchmal auch für
denjenigen, der sie hegt. Das mussten zwei Diebe in Beit
Schemesch erfahren, als sie ein vermeintlich
wehrloses Opfer überfielen: eine
zierliche, orthodoxe Frau, die sich ihren Säugling
in einem Tragetuch an den Bauch gebunden hatte. Was sie nicht wussten: Miriam
Segal, 35, vor einem halben Jahr aus den USA eingewandert, ist Schwarzgurtträgerin in der Kampfsportart Shaolin Kempo Karate. Obwohl die Meisterin durch ihr Baby etwas
eingeschränkt war und
es nicht gefährden
wollte, ging die Begegnung zu ihren Gunsten aus. Einer der beiden Angreifer
wurde zu Boden geschlagen. Der andere bedrohte die kämpferische Mutter zwar
mit dem Messer, ergriff dann aber die Flucht.
ANTRAG
Religiöse Frauen werden in Israel auf Antrag vom
Wehrdienst freigestellt. Künftig
will die Armee aber prüfen,
ob die Antragsstellerinnen auch wirklich einen religiösen Lebenswandel führen oder sich nur vor
der Wehrpflicht drücken
wollen. Mit diesem Ansinnen stößt
der Generalstab jedoch auf erbitterten Widerstand von Rabbinern. Zwar fürchten die
Schriftgelehrten nicht, dass orthodoxe Mädchen in Uniform gesteckt würden. Davon ist nicht die Rede. Vielmehr widersetzen sich
ultraorthodoxe, zum Teil aber auch nationalreligiöse Kreise jeglichem Militärdienst von Frauen,
seien diese nun fromm oder säkular.
Vorsichtshalber drohen ultraorthodoxe Parteien jetzt schon mit einer Koalitionskrise.
AUFSTAND
Pünktlich zu Chanukka
hat ein israelischer Historiker die traditionelle jüdische Überlieferung zum Lichterfest
hinterfragt. In der vergangenen Woche erklärte Doron Mendels, Professor der Hebräischen Universität in Jerusalem, entgegen der Chanukka-Erzählung habe Seleukidenkönig
Antiochos IV. vor 2.173 Jahren nicht versucht, die
Juden zur Anbetung griechischer Götter zu zwingen. Das ergebe sich aus einer
genauen Auswertung historischer Quellen. Allerdings bestreitet auch Mendels nicht, dass Antiochos den
Juden die Ausübung
ihrer eigenen Religion untersagt hatte. Mit anderen Worten: Auch ohne Zwangshellenisierung war der Makkabäeraufstand ein
gerechter Krieg.
AUFWAND
Liebe scheut keinen Aufwand. Joni Anaki, ein in Ausbildung stehender Feuerwehrmann, hat sich
mithilfe seiner Kollegen und Vorgesetzten eine Überraschung für seine Freundin Sarit
ausgedacht. Bei einer Brandübung,
zu der Sarit eingeladen wurde, wollte der Verliebte
einen Feuerschriftzug mit den Worten »Sarit,
willst Du mich heiraten?« anzünden und seine Angebetete per Lautsprecheranlage
um ihre Hand bitten. Die Überraschung
klappte nicht ganz: Wegen Regen zündeten die Buchstaben zu spät. Zudem waren sie so
schlecht getarnt, dass die Verlobte sie schon vorher entdeckt hatte. Ihre
Antwort jedoch blieb trotz der Pannen dieselbe: »Ja.«
BODEN
Wie heißt das Land, dessen Fläche
zu einem Drittel von der israelischen Armee kontrolliert wird? Richtig: Israel.
Wie die israelische Naturschutzgesellschaft errechnet hat, haben die Streitkräfte die Nutzungsrechte an insgesamt 7.500 Quadratkilometern des
israelischen Staatsgebiets. Hierbei handelt es sich vor allem um Truppenübungsplätze und Militärstützpunkte. Daran lässt sich wohl nichts ändern,
doch warnen die Naturschützer, dass viele
Armeeaktivitäten die Umwelt schädigen. Deshalb fordern sie von der Regierung, die
Landesverteidiger zur Einhaltung strikter ökologischer
Auflagen zu zwingen. Die Armeepräsenz
hat auch ihre Vorteile für die Umwelt: Wo
geschossen wird, können keine Bauprojekte
die Landschaft verschandeln.
BEHARRLICHKEIT
Die eigene
Hochzeit zu verpassen, ist schon peinlich. Und just dieses Malheur hätte um ein Haar einen jungen Gerer Chassid aus Belgien getroffen, der sich in Jerusalem mit
seiner israelischen Braut zu vermählen
gedachte. Wegen Schnee fiel sein Flug aus Brüssel
nach Tel Aviv aus. Der Versuch, über
Mailand zu fliegen, scheiterte an einem Unwetter. Anschließend reisten der junge Mann und seine ihn
begleitenden Eltern mit der Bahn nach Zürich,
kamen aber zu spät an, um in den Flieger
zu steigen. Dann aber zahlte sich die Beharrlichkeit aus: Das Trio konnte
gerade noch rechtzeitig aus Zürich über Bukarest nach Israel fliegen und traf punktgenau zur Eheschließung in der Heiligen Stadt ein
BUND
Der Bund fürs Leben? Von wegen. Ein Bewohner Jerusalems hat sich kürzlich zum elften Mal scheiden lassen und stellte damit einen
neuen israelischen Rekord auf. Im Durchschnitt hat jede seiner elf Ehen nur
zwei Jahre lang gehalten. Allerdings lässt
er sich davon nicht entmutigen und hat vor, nach der zwölften Gemahlin Ausschau zu halten. Den verdutzten Rabbinatsrichtern erklärte
der Unverbesserliche, er strebe jedes Mal nach einer neuen Erfahrung. Das
klappe auch wie am Schnürchen: »Ich werfe die Angel in allen Richtungen aus«, führte er ebenso bildhaft
wie selbstgefällig aus, »und sie kommen.«
AUSGEZAHLT
Jüdische Ehen zerfallen häufiger
als die anderer Religionen. Nach einer Erhebung des Zentralamtes für Statistik entfallen 76 Prozent aller in Israel geschlossenen,
aber 84 Prozent aller geschiedenen Ehen auf den jüdischen Sektor. Dagegen stellen Moslems 20 Prozent aller neu
verheirateten, aber nur neun Prozent aller geschiedenen Paare. Auf Drusen
entfallen 2,1 Prozent der Hochzeiten, aber nur 0,7 Prozent der Scheidungen, während es bei Christen jeweils 1,5 beziehungsweise 0,6 Prozent
sind. Ob die unterschiedlichen Scheidungsraten etwas über das tatsächliche Eheglück aussagen, ist eine andere Frage.
ANVISIERT
In seinem Roman »Altneuland« stellte sich Theodor
Herzl Haifa des Jahres 1923 ein wenig wie Wien vor - jedenfalls, als er die
Vorbereitungen auf einen Opernbesuch schilderte, für den sich einer der Gäste
noch schnell vornehme Handschuhe kaufen wollte. Jetzt plant die Stadt Haifa in
der Tat etwas, was den zionistischen Visionär
an Wien erinnern würde: Nach dem Willen der
Haifaer Stadtväter
soll in der Nordmetropole ein Riesenrad gebaut werden. Mit dem Bau der auf
einer neuen Strandpromenade geplanten Attraktion soll 2012 begonnen werden. Das
bisher nur auf dem Reißbrett bestehende Rad ist
für 300 Personen ausgelegt. Eine vollständige Umdrehung soll 37 Minuten dauern.
AUSGETRIEBEN
»Der Dybbuk« ist nicht nur das berühmte
jiddische Theaterstück von Salomon Anski. In der vergangenen Woche kamen in der Jerusalemer
Schalom-Jeschiwa führende Kabbalisten
zusammen, um einen brasilianischen Juden von einem Dybbuk
- nach jüdischem Volksglauben der
in einen anderen Menschen verschlagenen Seele eines Toten -zu befreien. Während draußen auf der Straße mehrere hundert Schaulustige das Ereignis verfolgten, versuchten
drinnen die Mystiker drei Stunden lang, den Geist auszutreiben, erklärten aber letztendlich, dass ihnen der erhoffte Erfolg versagt
blieb. Wie das Drama weitergeht ist offen.
BUCH
Bis zu seiner
Verrentung war Dr. Eli Landau ein Kardiologe. Jetzt versucht er sich als
Kochbuchautor- und zwar ein provokativer. Der Mediziner hat nämlich eine Sammlung von Kochrezepten für Schweinefleisch erstellt. Nun ist es zwar nicht so, dass Israels
Juden überhaupt kein »weißes Fleisch«, wie es euphemistisch
heißt, äßen. Eine Schar streng
laizistischer Bürger lässt sich das Grunztier schon mal
schmecken. Ein besonderes Schweine-Kochbuch für die Kinder Israels gilt aber als so skandalös, dass der Hobby-Koch bisher keinen Verleger für sein Werk gefunden hat und sich nun anschickt, Druckkosten und
Vertrieb aus eigener Tasche zu zahlen.
BEFUND
Vor einigen Tagen
erklärte der brasilianisch-amerikanisch-israelische Milliardär und Philanthrop Guma Aguiar im Interview einer Jerusalemer Lokalzeitung, er sei
nach Gasa gereist und habe dort den von der Hamas gefangen gehaltenen
israelischen Soldaten Gilad Schalit befreit. Während
die Öffentlichkeit sich noch über
die Geschichte wunderte, alarmierte Aguiars besorgte
Ehefrau einen Nervenarzt. Dessen Befund: schwerwiegende seelische Störung. Binnen kürzester Zeit wurde der
Energiemagnat, der den Großteil des Jahres in Jerusalem
verbringt, in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Das sind übrigens schlechte Nachrichten für
den von der Pleite bedrohten Jerusalemer Fußballverein Beitar. Nachdem das Team vom
bisherigen Besitzer, dem russisch-israelischen Oligarchen Arkadi Gajdamak sitzen gelassen wurde, hatte sich Aguiar als Retter in der Not angeboten.
BAD
Beim Besuch der Mikwe muss der ganze Körper
ins Wasser eintauchen. Ein »trennendes Objekt« - auf Hebräisch »Chatzitza« - macht die rituelle
Reinigung ungültig. Nach strenger Auslegung
kann sogar Schmutz unter den Fingernägeln
ein trennendes Objekt sein. Jetzt hat der führende
ultraorthodox-litauische Rabbiner, Josef Schalom Eljaschiw,
Zahnspangen zu »Chatzitzot« erklärt. Das bedeutet unter
anderem, dass eine Spangenträgerin im Anschluss an
das nach ihrer Periode erforderliche Eintauchen in der Mikwe
für ihren Ehemann verboten bleibt. Allerdings wissen Zahntechniker
Rat: Dentallabors in ultraorthodoxen Wohnvierteln bieten herausnehmbare
Zahnspangen an.
BARSCHAFT
Supermodel Bar Refaeli fiel ihren Landsleuten in der vergangenen Woche
gleich zweimal auf. Auf der einen Seite ließen
sich Tausende Israelis ein im Internet verbreitetes Video nicht entgehen, auf
dem Refaeli laszive Werbung für französische Unterwäsche machte. Auf der anderen Seite enthüllte Refaeli nicht nur viel nackte Haut,
sondern auch ihr Gesicht als knallharte Geschäftsfrau. Wie die Tageszeitung Ha'aretz
meldete, hat die Schöne dem israelischen
Finanzamt ein Ultimatum gestellt. Wenn ihr die Finanzbeamten bei der Festsetzung
ihrer Steuern keine Sondervergünstigung gewährten, so angeblich das Mannequin, werde sie ihren Steuerwohnsitz
per Firmengründung ins Ausland
verlegen, wo sie sich ohnehin die meiste Zeit aufhalte. Wie es heißt, soll das Finanzamt einen Kompromiss dem Totalausfall von Refaelis Steuerzahlungen vorziehen.
VERRENTET
Rente mit 65?
Nein danke! Das sagen sich immer mehr israelische Senioren. Schätzungen zufolge sind heute bereits 30 Prozent der über 65-Jährigen berufstätig. Wer trotz seines bekundeten Arbeitswillens nach Hause
geschickt wird, arbeitet als Selbstständiger
weiter oder gründet sogar eine eigene
Firma. Das dabei verdiente Geld erlaubt es den Unruheständlern, sich nach
Feierabend den schöneren Seiten des Lebens
zuzuwenden: Immer mehr Dienstleistungsunternehmen und Konsumgüterhersteller entdecken die Senioren als kaufkräftige Kundengruppe, die sich gern etwas gönnt, für ihr Geld aber auch
Top-Produkte und zuvorkommenden Service verlangt.
VERÄRGERT
Wo man beschimpft
wird, macht man nur ungern Urlaub. Wegen der antiisraelischen Ausfälle des türkischen Ministerpräsidenten RecepTayyip Erdogan und der türkischen Medien ist die Zahl israelischer Türkei-Reisenden 2009 um 44 Prozent eingebrochen. Zwar sind Gäste aus dem kleinen Israel für
die türkische Fremdenverkehrsbranche nicht überlebenswichtig, doch versuchen türkische Tourismusbehörden
jetzt, neue israelische Besucher anzuwerben - und zwar ultraorthodoxe Juden. In
Zusammenarbeit mit einem israelischen Reiseveranstalter startet das türkische Tourismusministerium eine Werbekampagne für die Strengstgläubigen. Ob diese weniger politische Bedenken
als ihre säkularen Landsleute
haben, muss sich zeigen.
VERFETTET
Eine
Dienstbesprechung ohne Burekas? In der israelischen
Armee undenkbar. Allerdings sind die kalorienreichen, mit Käse oder Kartoffelbrei gefüllten
Teigtaschen der Abteilung für Kampftüchtigkeit ein Dorn im Auge, tragen sie doch zu dem Übergewicht bei, an dem viele Offiziere, auch bei der kämpfenden Truppe, leiden. Deshalb sollen alle Fettmacher künftig durch Obst und Gemüse
ersetzt werden. Die Diät soll die bereits vor
einiger Zeit eingeführten Fitnesskurse für Uniformträger ergänzen und so für gesteigerte Kampfkraft
der Feldeinheiten sorgen. Wie man hört,
sind nicht alle von der neuen Speisekarte begeistert.
VERHEIRATET
Manchmal ist der
Reservedienst des Ehemannes, das behaupten jedenfalls selbst ernannte Kenner
der Materie, eine willkommene Pause im Ehestress. Linoi
und Omer Olejnik sehen das anders. Die heute 26-jährige Juristin und ihr um fünf
Jahre älterer Gatte haben sich vor acht Jahren beim Militär kennengelernt, vor einem Jahr geheiratet und versehen ihren
Reservedienst - Linoi freiwillig - in demselben
Bataillon. Wie das Ehepaar publik machte, wurde Linoi
während ihrer letzten gemeinsamen Einberufung auch schwanger. Nun
haben Kameraden dem Ehepaar vorgeschlagen, das Baby - es wird ein Mädchen - nach dem Stützpunkt
ihrer Einheit zu benennen: Adi.
Wladimir Struminski
Quelle: Jüdische Allgemeine Zeitung