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Presseschau

Israelische Archäologen wollen südlich von Jerusalem das Grab von König Herodes entdeckt haben. Die Stätte liege im nordöstlichen Teil des Festungspalastes Herodion.

Das Grab des Herodes

Von Gil Yaron

In einem Land, in dem man mit fast jedem Spatenstich Geschichte ausgräbt, ist es schwer, einen archäologischen Knüller ans Tageslicht zu bringen. Doch Professor Ehud Netzer von der Hebräischen Universität in Jerusalem ist sich sicher, dass ihm der Fund des Jahrzehnts gelungen ist.

In einer Pressekonferenz verkündete er gestern, das Grab Herodes des Großen entdeckt zu haben. Herodes (73 - 4 v. Chr.) war einer der einflussreichsten Herrscher des Königreiches Judäa. Seine Regentschaft fällt mit der Geburtszeit Jesu zusammen. Herodes regierte Judäa als von Rom eingesetzter „König der Juden" von etwa 40 v. Christus bis zu seinem Tod.

Nach biblischer Überlieferung ließ Herodes nach der Geburt Jesu aus Angst vor einem Konkurrenten, den der Prophet Micha im Alten Testament als Messias angekündigt hatte, alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren in Bethlehem töten. Historiker zweifeln jedoch an der Richtigkeit dieser Version.

Der Fundort, nach dem toten König Herodion genannt, ist eine der beeindruckendsten Grabungsstätten im heiligen Land. Der König der Baukünste war bisher hauptsächlich für andere Bauwerke bekannt. Er renovierte den Tempel in Jerusalem, in dem er einen Vorhof für 300 000 Gläubige aufschütten und die größte Kolonnade des römischen Reiches errichten ließ.

Weltbekannt sind auch das Wüstenschloss Massada oder die Küstenstadt Cäsarea mit einem der größten Mittelmeerhäfen der Antike.

Doch zwölf Kilometer südlich von Jerusalem errichtete Herodes eines seiner gewagtesten Bauwerke. An dem Ort einer siegreichen Schlacht ließ er einen kleinen Hügel sieben Stockwerke hoch zu einem künstlichen Berg von 63 Metern Durchmesser aufschütten. Bis zum heutigen Tag ist der vulkanförmige Berg von Jerusalem aus sichtbar.

An der Spitze stand eine Festung, in die Herodes sich in Kriegszeiten zurückziehen konnte. Am Fuß des Berges baute er sich an der Grenze zur Wüste einen Vergnügungspalast. Um die fruchtbare Erde zu bewässern, die er eigens für die üppigen Gärten heranschaffen ließ, errichtete Herodes kilometerlange Aquädukte.

Herodes gelang es, sein Königreich in erfolgreichen Feldzügen und dank kluger Politik gegenüber Rom auszudehnen und schuf durch den Handel mit Asphalt, Bronze und Kupfer großen Wohlstand. Trotzdem galt der Herrscher, der im Verfolgungswahn drei seiner Söhne und eine seiner Frauen exekutierte, in christlichen Schriften als Inkarnation des Bösen.

So wird er beschuldigt, den Kindermord von Bethlehem angeordnet zu haben, um den neugeborenen Messias der Juden im Kindbett zu töten. Der zum Judentum übergetretene Idumäer war zudem den Juden als Kollaborateur der Römer verhasst.

Mehr als 30 Jahre suchten Forscher erfolglos am Fuß des Berges nach dem Grab des biblischen Herrschers. Dabei beriefen sie sich auf den Geschichtsschreiber Josephus Flavius, der das Begräbnis des Herodes detailliert geschildert hat.

Demnach wurde Herodes auf einer Bahre aus purem Gold und Edelsteinen aus Jerusalem zum Herodion getragen, begleitet von seinen griechischen, gallischen und germanischen Leibwächtern.

Doch die Forscher fanden nichts. Erst als Professor Ehud Netzer sich auf den Berg konzentrierte anstatt auf die byzantinischen Ruinen am Fuße, hatte er Erfolg.

Am Ende einer monumentalen Treppe aus 200 Stufen, die 80 Zentimeter hoch und fast 7 Meter breit sind, fand er ein Steinpodest, das er für das Fundament des Mausoleums Herodes hält. Hier fand er mehr als hundert Scherben eines Sarkophags besonderer Machart. „Ich bin mir über jeden Zweifel sicher, dass es sich hierbei um Herodes' Sarg handelt. Alles an diesem Berg wurde von Herodes geschaffen", sagt er. Der Sarkophag aus rosa Kalkstein war mit Bronze beschlagen und fast zweieinhalb Meter lang. „Solche Sarkophage konnten sich nur Könige leisten, sie sind im Land äußerst selten", erklärt Netzer.

Der monumentale Sarg wurde laut Netzer absichtlich zerstört. Dies könnten jüdische Rebellen gewesen sein, die Herodion während ihres Aufstands gegen die Römer (66 -72 n. Chr.) besetzten.

Mit dem Fund will Netzer, der sich der Erforschung des Berges ganz verschrieben hat, Aufmerksamkeit auf diese einmalige Stätte lenken. „Ich hoffe, jetzt den ganzen Berg ausgraben zu können, um ihn der Nachwelt zu erschließen."

 

Braunschweiger Zeitung vom 09.05.2007

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zuletzt geändert 13.10.2007