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Presseschau

 

Die Heuchler

Der Anlass war eher nichtig, die Hintergründe sind es nicht. Weil ein Minenräumgerät Israels rund 18 Meter über die Blaue Linie, die Demarkationslinie, zwischen Israel und dem Libanon fuhr, kam es erstmals seit dem Ende des Krieges vor sechs Monaten zu einem Gefecht. Die israelische und die libanesische Armee nahmen sich unter Feuer. Der Schusswechsel gilt als ernsthafter Zwischenfall. Das ist die in solchen Fällen übliche Formulierung, mit der die jeweiligen Kontrahenten reagieren. Allerdings steckt hinter diesem Vorfall eine enorme Sprengkraft, die auch durch die UN-Blauhelmsoldaten keineswegs entschärft werden konnte:

Israel hat die De-facto-Niederlage gegen die Hisbollah-Kämpfer im Südlibanon nicht vergessen. Der erzwungene Rückzug aus dem Grenzgebiet ist ein Stachel im Fleisch.

Libanon wiederum wittert die Chance, in der Auseinandersetzung mit dem Nachbarn Stärke zu zeigen. Die darf die libanesische Armee gegen die Hisbollah nicht beweisen, denn dann macht Syrien mobil.

Beide Seiten heucheln Einsicht, beide Seiten belauern sich und warten auf die Chance, den Gegner zu brüskieren. Die UN-Truppen sind derzeit das Feigenblatt, das die Bereitschaft zur Gewalt notdürftig verdeckt.

Reinhard Brennecke, BZ vom 09.02.07

 

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zuletzt geändert 13.10.2007