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Deutsche
Soldaten im Nahen Osten:
„Bei
uns steigt die Terrorgefahr“
Nahost-Experte
Gil Yaron: Eine militärische Konfrontation der UN-Truppen mit
der Hisbollah ist unvermeidbar
Von Cornelia
Steiner
Vor der
Küste des Libanons kreuzen seit Oktober Kriegsschiffe der
deutschen Marine mit 1000 Soldaten an Bord. Sie gehören zur
UN-Friedentruppe Unifil. Ihr Auftrag: Sie sollen die libanesische
Regierung stärken und verhindern, dass die schiitische
Hisbollah-Miliz über den Seeweg Waffen erhält.
Auslöser für den Einsatz war der Krieg
zwischen Israel und der Hisbollah im Sommer vergangenen Jahres.
„Hisbollah
ist Kampftruppe und Staat im Staat"
Steigt durch
diesen Einsatz die Terrorgefahr in Deutschland? Zu diesem Thema hielt
unser Nahost-Korrespondent Gil Yaron gestern Abend einen Vortrag im
Pressehaus in Braunschweig. Sein Fazit: Wenn der U N-Auftrag ernsthaft
durchgeführt wird, kommt es auf lange Sicht zur Konfrontation
mit der Hisbollah. „Als Teil des Westens macht sich
Deutschland automatisch zum Gegner islamischer Extremisten. Das
erhöht die Gefahr von Terroranschlägen."
Yaron
schilderte die Lage im Libanon und die Verflechtungen im Nahen Osten
ausführlich. Das waren die Schwerpunkte:
> Die Hisbollah
ist die einzige bewaffnete Miliz im Libanon. „Sie ist aber
nicht nur eine Kampfgruppe, sondern eine politische Macht, ein
Medienimperium, ein soziales Netz - sie ist ein Staat im Staat", so
Yaron. Die Hisbollah sei straff organisiert und habe starken
Rückhalt in der Bevölkerung. Viele Zivilisten seien
bereit zu kämpfen.
>
„Die Hisbollah ist der verlängerte Arm des Iran. Sie
wurde 1982 wahrscheinlich mit Hilfe iranischer
Revolutionswächter gegründet, und sie verfolgt das
gleiche Ziel wie der iranische Präsident Mahmud
Ahmadinedschad: Die Vernichtung Israels", sagte Yaron. Teheran
finanziere die Hisbollah genauso wie auch die
Palästinenser-Organisation Hamas und die Schiiten im Irak.
„Geld
aus dem Westen nährt die Nahost-Konflikte"
Ein
Zuhörer wollte wissen: „Ist nicht die
Gründung des Staates Israel die Ursache aller Konflikte im
Nahen Osten?" Gil Yarons Antwort war eindeutig: „Nein."
Seiner Meinung nutzen die arabischen Staaten den Konflikt zwischen
Israelis und Palästinensern lediglich als ständigen
Vorwand für ihr eigenes Versagen und undemokratisches
Verhalten.
„Wann
kommt der Nahe Osten zur Ruhe?", fragte ein Gast. Yaron fasste sich
kurz: „Wenn der Westen aufhört, Erdöl
fördernde Staaten wie den Iran finanziell zu
unterstützen."
Zur Person
Gil Yaron (33) lebt seit 15
Jahren in Israel, seit 4 Jahren ist er Nahost-Korrespondent unserer
Zeitung. Yaron berichtet für zahlreiche europäische
Rundfunkstationen und Zeitungen.. Aufgewachsen
ist er in Düsseldorf. Nach dem
Abitur studierte er in den USA Medizin, anschließend
Geschichte und Arabisch in Israel. Sein
Buch „Jerusalem. Ein historisch-politischer
Stadtführer" erscheint im März im Beck-Verlag (12,90
Euro).
Braunschweiger
Zeitung, am 08. März 2007
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zuletzt
geändert am 13.10.2007
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