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Davids Sieg
Wie Israel im
Juni 1967 seine arabischen Nachbarn in die Knie zwang
Am 5. Juni vor
40 Jahren führte der schon seit Generationen andauernde
arabisch-israelische Konflikt zu weitreichenden militärischen
Auseinandersetzungen, die als „Sechstagekrieg" in die
Geschichte eingingen. Israel befreite sich in einem die gesamte
Weltöffentlichkeit überraschenden Verteidigungsschlag
von der militärischen Bedrohung, die von seinen arabischen
Nachbarn ausging. Die zu raschen Erfolgen führenden Aktionen
der israelischen Streitkräfte zählen seither zu den
perfektesten und erfolgreichsten militärischen Operationen der
Kriegsgeschichte.
Dennoch war
dieser Krieg nur ein weiterer Höhepunkt in einem andauernden
arabisch-israelischen Krieg, denn auch in den Zeiten des
Waffenstillstandes hatten die Waffen nie wirklich geschwiegen. Die auf
den Rückzug Israels im Frühjahr 1957 aus der
Sinaihalbinsel und dem Gasastreifen folgende Stationierung einer
bewaffneten Einsatztruppe der UN, die sowohl die Grenze als auch das
Durchfahrtsrecht israelischer Schiffe durch die Straße von
Tiran sichern sollte, konnte den Frieden im Nahen Osten nicht
nachhaltig garantieren.
In den ersten
Monaten des Jahres 1967 verschärfte sich die Lage durch die
Angriffe der von Syrien aus operierenden Fatah-Kämpfer und den
Beschuss israelischer Orte in Nordgaliläa durch syrische
Artillerie. Eigentlicher Beginn der Krise war ein
größeres Gefecht zwischen syrischen und israelischen
Truppen am 7. April 1967, nach dem die Syrer das Feuer auf israelische
Bauern in den nördlichen Grenzsiedlungen eröffnet
hatte. Bei einem israelisch-syrischen Luftkampf wurden sechs
MiG-Jäger der syrischen Luftwaffe abgeschossen.
Die von der
Sowjetunion gezielt verbreitete Meldung, die Israelis würden
an der syrischen Grenze Truppen konzentrieren, lieferte
Ägypten und Syrien den Vorwand, gegen Israel aggressive
Maßnahmen einzuleiten. Ägyptische
Truppenverbände in großer Zahl
überschritten den Suezkanal und bezogen Stellungen auf der
Sinai-Halbinsel. Am 16. Mai forderte Ägypten die UNO Truppen
auf, die Sinai Halbinsel zu verlassen, und sperrte am 22. Mai die
Straße von Tiran für alle Schiffe unter israelischer
Flagge. Die Sperrung der Meerengen, die Verstärkung der
ägyptischen Kräfte im östlichen Sinai auf
100.000 Soldaten und 900 Kampfpanzer sowie eine Erweiterung des
ägyptisch-syrischen Militärbündnisses durch
Jordanien und den Irak bedeutete für Israel eine massive und
unmittelbare Bedrohung seiner staatlichen Existenz. Unter dem Eindruck
dieser Bedrohung und dem Druck der öffentlichen Meinung
bildete die Regierung von Ministerpräsident Levi Eshkol am 1.
Juni eine „Regierung der nationalen Einheit" und ernannte
Moshe Dayan zum Verteidigungsminister.
Der Krieg
begann am Morgen des 5. Juni 1967 mit
Präventivschlägen der israelischen Luftwaffe gegen
die ägyptischen, anschließend fast zeitgleich gegen
die jordanischen und syrischen Luftwaffenbasen, die eine fast
vollständige Zerstörung der Luftstreitkräfte
der verbündeten arabischen Staaten zur Folge hatten. Noch am
selben Tag stießen die israelischen Landstreitkräfte
- angeführt von großen Panzerverbänden -
gegen die sieben Divisionen starke ägyptische Armee im
Gasastreifen und im Sinai vor. In schnell vorgetragenen Angriffen
wurden die Stellungen der Ägypter durchbrochen, ihre
Truppenverbände eingeschlossen und vernichtet. Nach nur vier
Tagen war die ägyptische Sinai-Armee verschwunden, die
israelischen Truppenverbände standen am Ufer des Suezkanals,
an der Küste des Golfes von Suez und hatten Scharm El-Scheikh
besetzt.
Zur gleichen
Zeit fanden schwere Kampfe gegen die jordanischen Truppen statt. Durch
den konzertierten Einsatz von israelischer Luftwaffe und schnellen
Panzereinheiten wurden die jordanischen Verteidiger bei Ramallah,
Bethlehem und Hebron geschlagen. Nachdem das Gebiet um Jerusalem
freigekämpft war, mussten die Jordanier auch aus ihren
Stellungen in der Stadt weichen. Israelische Fallschirmjäger
eroberten die Altstadt, erstürmten den Tempelberg und
erreichten am 7. Juni kurz nach 10 Uhr den heiligsten Platz des
Judentums, die Klagemauer, auf den Lippen das Lied
„Yerushalayim Shel Zahav". Nach dem Fall von Nablus und der
Besetzung Jerichos er reichten die Truppen den Jordan. In der Nacht vom
7. auf den 8. Juni bot Jordanien seine Bereitschaft zum
Waffenstillstand an.
Die Sowjetunion
griff nun auf diplomatischem Wege ein, mit dem Ziel, eine
vollständige und demütigende Niederlage der
arabischen Verbündeten zu verhindern. Am Abend des 7. Juni
legte der sowjetische Botschafter den UN-Delegierten in New York einen
Resolutionsentwurf vor, in dem ein sofortiger und umfassender
Waffenstill stand zwischen den Kriegsparteien gefordert wurde. Nach dem
jordanischen König Hussein I. gab auch der ägyptische
Präsident Gamal Abdel Nasser in der Nacht auf Freitag, den 9.
Juni, den Friedensappellen des UN-Sicherheitsrats nach.
Die syrischen
Truppen setzten jedoch trotz der offiziellen Bekanntgabe ihrer
Regierung, den Waffenstillstand zu akzeptieren, den Beschuss fort. Am
9. Juni durchbrachen israelische Panzer- und
Infanterieverbände sowie Fallschirmjägereinheiten,
unterstützt durch Angriffe der Luftwaffe, in verlustreichen
Kämpfen die syrischen Stellungen und drangen auf die
Golanhöhen vor. Als beide Seiten am Samstag, den 10. Juni, um
18:30 Uhr den Waffenstillstand beschlossen, war der Golan bereits unter
der Kontrolle der israelischen Armee.
Israel hatte in
den sechs Tagen des Krieges nicht nur sein Territorium nahezu
vervierfacht, sondern auch einen Sicherheitspuffer gegen die
benachbarten arabischen Staaten geschaffen. Der rasche Sieg der
isaelischen Streitkräfte aus einer scheinbar aussichtslosen
Situation heraus bedeutete für Israel einen erheblichen
Prestigegewinn und brachte ihm die Sympathien der Weltgemeinschaft ein.
Vor dem Hintergrund der negativen Erfahrungen von 1956 lehnte Israel
diesmal einen Rückzug ohne Garantien ab. Die Anerkennung
Israels durch die arabischen Staaten und die Respektierung seiner
Sicherheit frei von Bedrohung und Gewalt als Gegenleistung für
den Rückzug „aus besetzten Gebieten" wurde durch die
UN-Resolution 242 vom 22. November 1967 eindeutig festgelegt.
Doch auch diese
Idee einer friedlichen Lösung fand auf arabischer Seite keine
Akzeptanz. Die demütigende Niederlage, der Verlust der Gebiete
sowie ein erneuter Flüchtlingsstrom ließ die
Feindschaft der Araber größer werden als je zuvor.
So blieb auch dieser Krieg nur eine Episode des Kampfes Davids gegen
die Feinde Israels, ohne Hoffnung auf ein Ende der Auseinandersetzungen
und eine Zukunft in Frieden.
Der Autor ist
Berufsoffizier und arbeitet im Militärgeschichtlichen
Forschung samt der Bundeswehr.
Jüdische
Allgemeine vom 7. Juni 2007
Zuletzt
geändert am 13.10.2007
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