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Würfe und
Vorwürfe
Islamisten
kündigen weitere Proteste gegen die Bauarbeiten am Tempelberg
an
Nach tagelangen
Auseinandersetzungen hat Jerusalems Bürgermeister Uri
Lupolianski am Sonntag ein Machtwort gesprochen. Weitere Arbeiten an
der Mughrabi-Brücke würden eingestellt, „um
den Bürgern Jerusalems die Möglichkeit zu geben, ihre
Einwände zum Ausdruck zu bringen." Das Bauministerium
kündigte hingegen die Fortsetzung der Arbeiten an,
während die für die Konstruktion zuständige
Firma erklärte, die Pläne noch einmal
überarbeiten zu wollen.
Von diesen
widersprüchlichen Entscheidungen sind gewiss nicht nur die
„Bürger Jerusalems" betroffen, sondern neben der
israelischen Regierung und der „Israel Antiquities Authority"
auch der für die Verwaltung des Moschee-Areals auf dem Haram
al-Scharif zuständige „Waqf", das jordanische
Königshaus, dem im israelisch-jordanischen Friedensvertrag von
1994 gesonderte Rechte über den Haram zugesichert wurden, und
nicht zuletzt die berüchtigte „arabische
Straße".
Seit Beginn der
lang angekündigten Bauarbeiten in der vergangenen Woche hagelt
es Proteste von arabischer Seite. Dass Ausbesserungsarbeiten notwendig
geworden waren, nachdem eine provisorische Holzkonstruktion 20x34 nach
heftigen Regenfällen und einem Erdbeben zusammengebrochen war,
hält man für eine Schutzbehauptung. Vielmehr wolle
Israel, so der arabische Knesset-Abgeordnete Taleb al-Sana, den Haram
al-Sharif unterhöhlen, auf diese Weise Felsendom und Al-Aksa
Moschee - drittwichtigstes Heiligtum nach Mekka und Medina - zum
Einsturz bringen und an deren Stelle den Dritten Tempel errichten.
Derlei Behauptungen von einem israelischen Parlamentsabgeordneten zu
hören, ist umso unverständlicher, als er Einsicht in
den gesamten Entscheidungsprozess und die Bauplanungen nehmen kann: Der
Waqf war im Vorfeld informiert worden, und die notwendigen Grabungen
finden nicht unter dem, sondern westlich des Haram statt.
Gerade in der
„Heiligen Stadt" Jerusalem aber erschwert eine gierige Lust,
sich in seinen jeweiligen nationalen und religiösen
Gefühlen verletzt zu fühlen, die Suche nach
vernünftigen Kompromissen. Mit dem Slogan „Rettet
die Al-Aksa-Moschee" riefen islamistische Organisationen in Israel zu
Protesten auf. Am Freitag kam es zu schweren
Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften
und Steine werfenden Demonstranten.
Seit Israel
1967 den Tempelberg eroberte, sind derlei Vorwürfe zu
hören. Regelmäßig berichten arabische
Medien über Randgruppen wie die „Getreuen des
Tempelbergs", die tatsächlich fordern, die
„islamischen Scheußlichkeiten" zu sprengen und an
deren Statt den Dritten Tempel zu errichten. Dass diese Gruppierung
bislang nicht verboten wurde, gilt als Beweis für die
„finsteren Absichten" Israels. Selten findet jedoch
Erwähnung, dass noch jede israelische Regierung versicherte,
an der Verwaltung der Heiligtümer durch eine islamische
Behörde nichts ändern zu wollen, dass sich der von
der jordanischen Regierung vor 1967 vernachlässigte Haram noch
nie in besserem baulichen Zustand befand und dass der Waqf jede Spur
eines jüdischen Tempels unter den Moscheen zu tilgen versucht.
Islamistische
Organisationen und arabische Medien kündigen weitere Proteste
gegen die Baumaßnahmen an. Israels Premier Ehud Olmert hielt
prompt dagegen. Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen. Israels
Souveränität im Umfeld des Tempelberges sei nicht
verhandelbar. Unterdessen gehen zumindest die archäologischen
Arbeiten unverändert weiter.
Sylke Tempel,
Jüdische Allgemeine vom 15. Februar 2007
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Zuletzt
geändert am 13.10.2007
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